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Volkslied

Der Nachtjäger

Es blies ein Jäger wohl in sein Horn,
            Alleweil bei der Nacht,
Und alles, was er blies, das war verlorn.

Er zog sein Netz wohl über den Strauch,
Da sprang ein schwarzbraunes Maidel heraus.

»Deine großen Hunde, die tun mir nichts,
Sie wissen meine hohen weiten Sprünge noch nicht.«

»Deine hohen weiten Sprünge, die wissen sie wohl,
Sie wissen, daß du heute noch sterben sollst.«

»Und sterb ich nu, so bin ich tot,
Begräbt man mich unter die Rosen rot.

Wohl unter die Rosen, wohl unter den Klee,
Darunter vergeh ich nimmermeh.« –

Es wuchsen drei Lilien auf ihrem Grab,
Es kam ein Reuter, wollts brechen ab.

»Ach Reuter, laß die Lilien stan,
Alleweil bei der Nacht,
Es soll sie ein junger frischer Jäger han.«


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