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Kapitel 7.
Abgeblitzt.

Niemals war der Comte de Brensault in schlechterer Stimmung gewesen. Daß Jeanne ihn abgewiesen hatte, war nicht das Schlimmste. Er nahm sich vor, sich früher oder später für dieses Betragen an ihr zu rächen. Aber daß sie ihn in Gegenwart vieler Menschen hatte stehen lassen, um einem anderen Herrn zu folgen, war doch unglaublich. Zuerst wollte er die Gesellschaft überhaupt verlassen und sich nicht mehr um die Prinzessin und Jeanne kümmern. Es gab ja genug schöne junge Damen, die sich ihm nur zu bereitwillig in die Arme werfen würden, und deren Mütter keinen sehnlicheren Wunsch hatten, als ihm ihre Töchter zu verheiraten. Warum sollte er sich durch Jeanne dauernd in unangenehme Situationen bringen lassen?

Aber nachdem er einige Gläser Sekt getrunken hatte, kam ihm doch zum Bewußtsein, daß seine Zuneigung zu ihr tiefer war, als er selbst ahnte. Wenn sie die Absicht gehabt hätte, ihn an sich zu fesseln, hätte sie kaum klüger handeln können. Er saß allein in dem Rauchsalon und dachte an ihre schlanke, mädchenhafte Gestalt, ihre zarte Haut, ihre schönen Augen und ihre roten Lippen. Seine Wangen glühten, und der Wunsch, sie zu besitzen, brannte stärker als je in ihm. Seine Augen leuchteten, als er daran dachte, wie er sie in seinen Armen halten und Rache für all die Demütigungen nehmen würde, die sie ihm angetan hatte. Nein, er wollte sie unter keinen Umständen aufgeben! Mit allen Mitteln mußte er versuchen, sein Ziel zu erreichen. Vor allem war es notwendig, sich mit der Prinzessin zu verständigen. Es mußte zu einer Einigung kommen. Keinesfalls wollte er sich wieder der Gefahr aussetzen, vor allen Freunden eine lächerliche Figur zu machen. Als Forrest zu ihm trat, fand er ihn gerade in der richtigen Stimmung.

»Kommen Sie bitte mit zu der Prinzessin – sie möchte mit Ihnen sprechen.«

De Brensault erhob sich langsam.

»Auch ich habe ihr Verschiedenes zu sagen, aber vorher wollen wir noch ein Glas Sekt zusammen trinken, mein lieber Forrest.«

Der Major nickte.

»Das würde mir wirklich gut tun.«

»Sie sehen in der Tat sehr blaß aus. Geht es Ihnen nicht gut?«

»Ich habe viel Ärger gehabt. Es ist ein Herr hier, den ich nicht ausstehen kann, und ich bin empört, daß ich ihn mit Miß Jeanne gesehen habe. Ich glaube, es ist höchste Zeit, daß Sie entscheidende Schritte tun.«

»Ich bin vollkommen Ihrer Meinung«, sagte de Brensault feierlich. »Wir wollen dieses Glas darauf trinken.« –

Die Prinzessin lud den Comte mit einer Handbewegung ein, an ihrer Seite Platz zu nehmen. Forrest ließ die beiden allein.

»Heute abend ist mir besonders klar geworden«, begann sie, »daß Jeanne jemand braucht, der nach ihr sieht. Haben Sie nach wie vor die Absicht, sie zu heiraten?«

»Natürlich!« rief de Brensault eifrig. »Auch ich wünsche, daß die Sache endlich in Ordnung kommt. Ich halte in aller Form um ihre Hand bei Ihnen an.«

Die Prinzessin neigte nachdenklich den Kopf.

»Ich spreche als Dame von Welt zu Ihnen. Sie wissen, daß mein Mann sein ganzes Vermögen seiner Tochter Jeanne hinterließ und mich dadurch sehr schlecht stellte.«

De Brensault machte ein teilnahmsvolles Gesicht. Er ahnte, was kommen würde.

»Wenn ich Ihnen nun behilflich bin, Jeannes Hand zu erlangen, wodurch Sie die Verwaltung eines großen Vermögens erhalten, so ist es nur gerecht, daß Sie mich in irgendeiner Weise für die Rente entschädigen, die ich als Jeannes Vormund erhalte, und die bei ihrer Verheiratung natürlich hinfällig wird. Ich verlange nichts Unmögliches, aber ich bitte Sie, mir am Tag Ihrer Hochzeit zwanzigtausend Pfund auszuhändigen. Das sind ungefähr die Zinsen eines Jahres – eine Summe, die für Sie ja nur eine Kleinigkeit bedeutet.«

»Zwanzigtausend Pfund«, wiederholte de Brensault nachdenklich.

Die Prinzessin nickte. Es tat ihr jetzt leid, daß sie nicht dreißigtausend gefordert hatte.

»Ich bin keine Frau, die Geschäfte macht, und wenn ich nicht ohne jedes Vermögen wäre, würde ich überhaupt nichts nehmen. Aber wie die Verhältnisse nun einmal liegen, werden Sie meinen Vorschlag sicher gerecht finden und verstehen.«

»Wir haben aber noch nie über die genaue Höhe der Mitgift gesprochen.«

»Die exakten Zahlen kann ich Ihnen auch nicht angeben. Ich habe mich niemals darum gekümmert. Da Sie beide reich sind, brauchen doch diese Dinge kaum vorher geregelt zu werden. Auf Ihrer Hochzeitsreise können Sie ja die Treuhänder aufsuchen und dann selbst die Verwaltung des Vermögens in die Hand nehmen.«

»Vielleicht wäre es doch besser, wenn ich vor der Hochzeit einmal eine Konferenz mit ihren Rechtsanwälten abhielte.«

»Das können Sie ganz halten, wie Sie wollen«, sagte die Prinzessin leichthin. »Mr. Laplanche ist allerdings augenblicklich in Kairo, aber er wird in einigen Wochen wohl wieder nach Paris zurückkehren. Sie können ja die Ausführung Ihrer Absicht bis dahin verschieben.«

»Nein, das dauert mir doch zu lange. Ich möchte Miß Jeanne sofort heiraten, wenn das arrangiert werden kann.«

»Um Ihnen die Wahrheit zu gestehen, wäre das wohl der beste Ausweg. Es wird immer schwieriger für mich, Jeanne zu leiten, und ich bin davon überzeugt, daß es auch für sie besser ist, wenn sie sobald als möglich heiratet. Wenn Sie damit einverstanden sind, will ich meine Autorität ihr gegenüber aufs schärfste durchsetzen. Sollte sie sich weigern, Ihren Antrag anzunehmen, so schlage ich vor, daß wir alle nach Paris übersiedeln. Dort kann ich alles arrangieren.«

De Brensault lächelte. Die Aussicht, Jeanne unter allen Umständen zu gewinnen, war unsagbar verlockend für ihn. Die Prinzessin beobachtete ihn durch halbgeschlossene Augenlider und schien befriedigt zu sein.

»Und nun habe ich noch eine große Bitte an Sie. Ich erweise Ihnen einen großen Dienst, für den Sie mir Ihr ganzes Leben lang dankbar sein müssen. Sie können also auch eine Kleinigkeit für mich tun, die in gar keinem Verhältnis zu dem steht, was ich aufgebe. Ich bringe eine der begehrtesten Partien Europas für Sie zustande, und Sie müssen mir daher auch ein wenig helfen.«

»Was könnte ich denn für Sie tun?«

»Zahlen Sie mir morgen fünftausend Pfund Vorschuß auf meinen Anteil«, sagte sie liebenswürdig.

De Brensault zögerte. Er war ja bereit, für die Erfüllung seiner Wünsche zu zahlen, aber fünftausend Pfund Vorschuß waren doch wirklich eine große Summe.

»Ich würde Sie nicht darum fragen, wenn ich nicht in großen Schwierigkeiten wäre. Ich habe leider einige Spielschulden gemacht, das war ja töricht genug. Aber ich möchte meine Papiere nicht verkaufen, da ich weiß, daß sie bald steigen werden. Wollen Sie mir diesen Gefallen tun? Jeanne soll bestimmt die Ihre werden.«

»Ich möchte lieber dreitausend sagen«, erwiderte der Comte langsam. »Morgen gebe ich Ihnen einen Scheck über diese Summe.«

»Wie Sie wünschen. Aber an Ihrer Stelle würde ich fünftausend geben. Ich überlasse es natürlich Ihrer Diskretion. Führen Sie mich jetzt bitte in den Ballsaal, ich will mich einmal nach Jeanne umsehen.«

Jeanne soupierte gerade mit dem Herzog, Andrew und einer bekannten Dame der Gesellschaft. Die Prinzessin ärgerte sich, denn diese Frau gehörte zu denen, die sie nicht eingeladen hatten. Sie ging auf Jeanne zu und legte ihr die Hand auf die Schulter.

»Ich möchte dich nicht drängen, Liebling, aber wenn du fertig bist, wollen wir gehen. Wir müssen noch nach Dorchester House, wie du weißt.«

Jeanne seufzte. Es war ein schöner Abend gewesen. Gleich darauf erhob sie sich.

»Müssen wir wirklich noch nach Dorchester House? Am liebsten ginge ich gleich nach Hause. Ich habe mich noch nie auf einer Gesellschaft so wohl gefühlt als heute.«

Der Herzog reichte ihr den Arm und nahm nicht die geringste Notiz von de Brensault, der an ihrer Seite stand.

»Gestatten Sie mir bitte, Sie zu Ihrem Wagen zu bringen.«

Die Prinzessin lächelte liebenswürdig. Es war wirklich sehr peinlich, ignoriert zu werden, aber auf der anderen Seite mußte de Brensault erkennen, wie sehr man Jeanne überall schätzte. Sie nahm den Arm des Comte und folgte den beiden.


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