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Der Junge muß sein Mittag haben und Frieda sich ein Beispiel nehmen. Wenn ich sie nun nie wiedersehe?

Pinneberg kommt von Mandel nach Haus, es ist Sonnabend Mittag, er hat sich von Herrn Kröpelin freigeben lassen, er ist unruhig.

»Gehen Sie los«, hat der nette Herr Kröpelin gesagt. »Und viel Glück für Ihre Frau.«

»Danke, Danke«, hat Pinneberg geantwortet. »Ich weiß ja noch nicht bestimmt, daß es heute so weit ist. Ich bin nur so unruhig.«

»Also gehn Sie nur los, Pinneberg«, hat Kröpelin gesagt.

Dies Jahr ist zeitig Frühling; trotzdem sie erst Mitte März halten, werden die Sträucher schon grün, die Luft ist ganz weich. ›Hoffentlich‹, denkt Pinneberg, ›hat es Lämmchen nun bald überstanden, daß wir ein bißchen raus können. Das Warten ist gräßlich. Er soll sich beeilen, er soll kommen, dieser Herr – Murkel!‹

Er geht langsam die Calvinstraße aufwärts, den Mantel hat er offen, es weht ein bißchen. »Alles ist leichter, wenn das Wetter gut ist. Wenn es nur erst so weit wäre!‹

Er überquert Alt-Moabit, geht noch ein paar Schritte, ein Mann bietet ihm einen Strauß Maiglöckchen an, aber es geht nicht, so gerne er möchte, es ist über den Etat. Nun kommt der Hof, die Garagentür, sie steht offen, Meister Puttbreese hantiert an seinen Möbeln.

»Na, junger Mann«, sagt er und blinzelt rotgerändert aus dem Dunkeln in den Sonnenschein. »Schon Vater?«

»Noch nicht«, sagt Pinneberg. »Aber bald.«

»Die lassen sich Zeit, die Weiber«, sagt Puttbreese und riecht heftig nach Schnaps. »Wenn man das so bedenkt, es ist alles großer Mist. Richtig verrückt. Denken Sie nach, junger Mann, was ist es, gar nichts ist es, ein Moment ist es, ach, das ist ja nicht mal ein Moment, Ruck-Zuck machen Sie –. Und dann? Dann haben Sie den Klotz am Bein das ganze Leben.«

»Stimmt!« sagt Pinneberg. »Mahlzeit, Meister, ich will essen gehen.«

»Schön war's aber doch, was, junger Mann?« bemerkt Herr Puttbreese. »Und ich will ja nicht gesagt haben, daß bei Ihnen mit einem Mal Feierabend gewesen ist. Ruck-Zuck einmal? Habe ich nicht gesagt, so wie wir gebaut sind.«

Und er schlägt sich auf die Brust. Pinneberg entschwindet die Leiter aufwärts ins Dunkel.

Lämmchen kommt ihm lächelnd entgegen. Immer wenn er jetzt nach Haus kommt, hat er das Gefühl, als müßte etwas geschehen sein, und immer ist nichts. Dabei geht es eigentlich gar nicht mehr weiter, toll sieht ihr Leib aus, straff wie eine Trommel und die ehemals weiße Haut durchzogen von einem häßlichen Geflecht unzähliger blauer und roter Adern.

»Tag, Frau«, sagt Pinneberg und gibt ihr einen Kuß. »Kröpelin hat mir wirklich freigegeben.«

»Tag, Mann«, sagt sie. »Fein. Aber rauch nicht erst. Wir können gleich essen.«

»O Gott«, sagt er. »Ich habe solchen Hunger auf Zigarette. Hat's nicht noch einen Augenblick Zeit?«

»Natürlich«, sagt sie und setzt sich in ihren Stuhl. »Wie war's?« »Ach, wie immer. Und hier?«

»Auch alles wie immer.«

Pinneberg seufzt: »Der läßt sich Zeit.«

»Wird auch noch, Jungchen. Am längsten hat es ja nun gedauert.«

»Zu dumm ist es«, sagt er nach einer Pause, »daß wir niemanden kennen. Man müßte einen fragen können. Woher willst du wissen, wann du Wehen hast? Vielleicht sind es Leibschmerzen, denkst du.«

»Ach, ich glaub schon, man merkt es.«

Die Zigarette ist zu Ende und sie fangen mit dem Essen an.

»Nanu!« sagt Pinneberg. »Koteletts – das ist ja Sonntagsessen.«

»Schweinefleisch ist jetzt billig«, sagt sie entschuldigend. »Und dann habe ich gleich für morgen mitgebraten, dann hast du ... dann haben wir mehr Zeit für uns.«

»Ich hab gedacht«, sagt er, »wir tippeln mal ganz langsam nach dem Schloßpark runter. Es ist da jetzt so schön.«

»Morgen früh, Junge, morgen früh.«

Dann sind sie beim Abwaschen. Lämmchen hat gerade einen Teller in der Hand, da stöhnt sie auf, mit weit offenem Munde. Ihr Gesicht wird ganz blaß, grau, und dann sehr rot.

»Was ist denn, Lämmchen?« fragt er erschrocken und bringt sie in ihren Stuhl.

»Die Wehen«, flüstert sie nur und hat keine Zeit mehr für ihn, sitzt da, ganz vornüber gebeugt, den Teller hat sie noch in der Hand.

Er steht da, vollkommen ratlos, er sieht nach dem Fenster, nach der Tür, er möchte weglaufen, er streichelt sie – soll man einen Arzt holen? Sachte nimmt er ihr den Teller weg.

Lämmchen richtet sich wieder auf, die Farbe kommt wieder, sie trocknet sich das Gesicht ab.

»Lämmchen«, flüstert er. »Mein Lämmchen ...«

»Ja«, sagt sie und lächelt. »Jetzt wird es Zeit, daß wir losgehen. Voriges Mal war eine Stunde Pause zwischen den Wehen, und diesmal nur vierzig Minuten. Ich dachte, wir würden noch mit Abwaschen fertig.«

»Und du hast mir nichts gesagt und mich noch eine Zigarette rauchen lassen!«

»Es ist ja noch Zeit. Wenn es erst richtig so weit ist, kommen sie alle Minuten.«

»Du hättest es mir sagen müssen«, beharrt er.

»Dann hättest du überhaupt nichts gegessen. Du bist doch immer so flau, wenn du aus dem Geschäft kommst.«

»Also los.«

»Ja«, sagt sie und sieht sich noch einmal in dem Zimmer um. Sie hat ein seltsam neues, zerfließendes Lächeln auf dem Gesicht. »Ja, abwaschen mußt du nun allein. Und, nicht wahr, du hältst unser kleines Nest schön sauber? Es macht ein bißchen Arbeit, aber ich denke so gern hierher.«

»Lämmchen«, sagt er nur. »Lämmchen!«

»Also los«, sagt sie dann. »Du steigst am besten zuerst runter. Hoffentlich kommen sie nicht gerade, wenn ich auf der Leiter bin.«

»Aber«, beginnt er vorwurfsvoll, »du sagst doch, höchstens alle vierzig Minuten.«

»Kann man's denn wissen?« fragt sie. »Vielleicht hat er es eilig. Er sollte man noch ein wenig warten, dann wird er ein Sonntagsjunge.«

Und sie klimmen abwärts.

Es geht alles gut ab, sogar mit Herrn Puttbreese, der nicht da ist.

»Gottlob«, sagt der Junge, »dem sein besoffenes Gequatsche hätte mir gerade noch gefehlt!«

Und nun sind sie in Alt-Moabit, die Elektrischen klingeln, die Autobusse fahren. Sie gehen ganz langsam und pomade durch den schönen Märzsonnenschein. Manche Männer glotzen Lämmchen riesig gemein an, und manche, als kriegten sie einen Schreck, und andere wieder, als grinsten sie. Die Frauen schauen alle anders, ziemlich ernst, wie mitbetroffen, als gehörten sie dazu.

Pinneberg überlegt etwas sehr genau, kämpft mit sich und faßt dann einen Entschluß. »Bestimmt«, sagt er.

»Was ist denn, Jungchen?«

»Nee, ich sage es dir nachher. Ganz zum Schluß. Ich habe mir was vorgenommen.«

»Schön«, sagt sie. »Aber du brauchst dir nichts vorzunehmen. Du bist gut so, wie du bist.«

Der Kleine Tiergarten, sie müssen nur noch quer durch, drüben sieht man schon das Tor zum Krankenhaus ... aber es erweist sich, daß sie es nicht mehr schaffen, sie kommen noch gerade zu einer Bank. Fünf, sechs Frauen sitzen da, sie rücken beiseite, sie sind sofort im Bilde.

Lämmchen sitzt da, sie hat die Augen geschlossen und krümmt sich ganz vornüber. Pinneberg steht etwas verlegen, hilflos dabei, ihr Stadtköfferchen in der Hand.

Eine dicke, zerfließende Frau sagt mit tiefer Stimme: »Na, man Mut, junge Frau, wenn's gar nicht will, holen die Sie mit der Bahre.«

Eine Junge meint: »Wie die gebaut ist, da wird's schon werden. Die hat noch Speck zuzusetzen.«

Aber sie wird mißbilligend von den andern betrachtet.

»Soll man jede froh sein, die ein bißchen was auf den Rippen hat, bei den Zeiten. Da braucht man nicht gleich neidisch sein.«

»So meine ich es doch nicht«, verteidigt sich die Junge. Aber keine beachtet sie mehr.

Tiefsinnig läßt sich eine dunkle Spitznasige hören: »Da sieht man es nun wieder. Bloß damit die Männer ihr Vergnügen haben. Wir müssen hinhalten.«

Und eine gelbe Ältere ruft ein Mädel ran, ein dickes Kind von dreizehn: »Sieh es dir an, so geht's dir, wenn du dich mit Männern einläßt. Kannste dir ruhig ansehen. Das schad't dir nichts, Frieda. Dann weißte doch, warum Vater dich rausschmeißt.«

Lämmchen ist wieder bei sich. Sie sieht wie erwachend um sich, in den Kreis all der Frauengesichter und versucht ein Lächeln.

»Gleich geht's wieder«, sagt sie. »Gleich gehen wir weiter, Junge. Ist es schlimm?«

»O Gott«, sagt er nur.

Und Pinnebergs gehen weiter, Schritt für Schritt.

»Du, Lämmchen«, sagt der Junge zaghaft.

»Was denn, frag schon!«

»Du wirst doch nie denken, wie die Olle da gesagt hat, daß es nur ist, damit ich mein Vergnügen habe?«

»Quatsch«, sagt Lämmchen nur, aber dies mit soviel Inbrunst, daß er vollkommen zufriedengestellt ist. Da ist der Torbogen schon, der dicke Portier.

»Entbindung. Was? Links in die Anmeldung.«

»Können wir nicht gleich –?« sagt der Junge besorgt und ängstlich. »Die Wehen sind schon im Gang. Können wir nicht gleich ein Bett, meine ich –?«

»Gott«, sagt der Portier. »Das ist wohl nicht so eilig.«

Langsam klettern sie die paar Stufen zur Anmeldung hoch. »Neulich haben wir eine gehabt, die denkt, sie kriegt's noch hier bei mir im Vorraum, und dann hat sie hinten vierzehn Tage gelegen und dann ist sie wieder nach Haus gegangen, und dann hat es noch vierzehn Tage gedauert – manche müssen doch überhaupt nicht rechnen können.«

Die Tür zur Anmeldung öffnet sich, eine Schwester sitzt da, ach, kein Mensch regt sich darüber auf, daß da Pinnebergs hereinkommen, im Begriff, eine richtige Familie zu etablieren, was doch immerhin heute nicht mehr ganz so häufig wie früher ist.

Hier scheint es ganz das Übliche zu sein. »Entbindung?« fragt auch die Schwester. »Weiß nicht, ich glaube, wir haben kein Bett mehr frei. Dann müssen wir Sie wo anders hinschicken. Wie oft kommen denn die Wehen? Können Sie noch laufen?« »Hören Sie mal!« fängt Pinneberg an sich gewaltig zu ärgern.

Aber die Schwester telephoniert schon. Dann hängt sie ab. »Bett wird erst morgen frei. Aber bis dahin wird's ja so gehen.«

»Erlauben Sie mal!« empört sich Pinneberg. »Meine Frau hat schon alle Viertelstunde Wehen. Sie kann doch nicht bis morgen früh ohne Bett sein.«

Die Schwester lacht, ach, sie lacht ihn direkt aus. »Das erste, was?« fragt sie Lämmchen, und Lämmchen nickt. »Na, Sie kommen natürlich erst mal in den Kreißsaal und dann«, wendet sie sich mitleidig erklärend an Pinneberg, »dann, wenn das Baby da ist, wird wohl auch ein Bett frei sein.« Im anderen Ton: »Und nun machen Sie man schnell, junger Mann, daß Sie mit Ihren Papieren zurecht kommen. Sie holen dann Ihre Frau hier wieder ab.«

Gottlob geht es mit den Papieren ganz schnell: »Nein, Sie brauchen nichts zu bezahlen. Unterschreiben Sie hier nur, daß Sie Ihren Anspruch an die Krankenkasse abtreten. Wir kriegen dann unser Geld von denen. Also schön, alles erledigt.«

Lämmchen hat wohl gerade wieder einen Anfall überstanden.

»Nun fängt es ja langsam an«, sagt die Schwester. »Aber vor heute nacht, zehn, elf, eher glaube ich nicht.«

»So lange?« sagt Lämmchen und sieht die Schwester nachdenklich an. Sie hat einen ganz anderen Blick jetzt, findet Pinneberg, so als wäre sie ganz fern von allen anderen Menschen, auch von ihm, und ganz allein auf sich angewiesen. »So lange?« fragt sie.

»Ja«, sagt die Schwester. »Es kann natürlich auch schneller gehen. Sie sind ja kräftig. Bei manchen geht's in ein paar Stunden. Und manche sind in vierundzwanzig Stunden noch nicht durch.«

»Vierundzwanzig Stunden«, sagt Lämmchen und ist sehr allein. »Dann komm man, Junge.«

Sie stehen auf und püttjern los. Es erweist sich, daß das Entbindungsheim das hinterste von allen Häusern ist, sie müssen einen endlosen Weg entlangzuckeln. Der Junge möchte Lämmchen gern unterhalten, ablenken, sie geht so still vor sich hin, ihr Gesicht ist ganz verschlossen, sie hat ihre Grübelfalte auf der Stirn, sicher denkt sie über diese vierundzwanzig Stunden nach.

»Du, Lämmchen«, sagt er und will ihr erklären, daß er findet, solche Quälerei ist eine viehische Gemeinheit. Aber er sagt es nicht. Statt dessen meint er: »Ach, ich wollte dich ein bißchen unterhalten. Aber mir fällt gar nichts ein, Lämmchen. Ich muß immerzu daran denken.«

»Du brauchst gar nichts zu sagen, Junge«, sagt sie. »Und Sorgen sollst du dir auch nicht machen. Diesmal kann ich wirklich sagen, was andere können, kann ich auch.«

»Na ja«, sagt er. »Das schon – aber ...«

Und dann sind sie im Entbindungsheim.

Eine blonde große Schwester ist gerade auf dem Gange und dreht sich um, als sie den Anmarsch sieht, und vielleicht gefällt ihr Lämmchen auch (allen netten Menschen gefällt Lämmchen), denn sie faßt sie um die Schulter und sagt fröhlich: »Na, junge Frau, besuchen Sie uns auch mal? Das ist recht.« Und wieder die Frage, die hier die Hauptfrage zu sein scheint: »Das erste, was?«

Und dann sagt sie zu Pinneberg: »Jetzt entführe ich Ihnen Ihre Frau. Nein, sehen Sie nicht so entsetzt aus, Sie können ihr noch Adieu sagen. Und Sie müssen auch all ihre Sachen mitnehmen, hier bleibt nichts davon. Die bringen Sie dann wieder, in acht Tagen, wenn Ihre Frau nach Haus geht.«

Und damit entschwindet sie, Lämmchen im Arm, und Lämmchen nickt ihm noch einmal zu, über die Schulter weg, und ist nun ganz in dieser Maschinerie, in der man Kinder kriegt, immerzu, und das Kinderkriegen kann, von Berufs wegen. Und Pinneberg bleibt draußen.

Dann muß er wieder Personalien angeben, einer älteren Oberschwester mit grauen Haaren, die sehr streng aussieht, und er denkt, wenn Lämmchen nur nicht grade die kriegt! Die schnauzt sie sicher an, wenn sie nicht alles richtig macht. Und er versucht, durch demütiges Benehmen Sympathien zu gewinnen, und schämt sich schrecklich, daß er den Geburtstag von Lämmchen nicht weiß. Und die Oberschwester sagt: »Also wie üblich. Das weiß kein Mann.«

Und es wäre doch so schön gewesen, wenn es bei ihm nicht wie üblich gewesen wäre.

»So, und nun können Sie Ihrer Frau noch ›Auf Wiedersehen‹ sagen.«

Und dann kommt er in einen schmalen langen Raum, der ganz vollgestellt ist mit allen möglichen Maschinen, von deren keiner er den Zweck auch nur ahnt. Und da sitzt Lämmchen in einem langen weißen Hemd und lächelt ihm entgegen. Sie sieht ganz aus wie ein kleines Mädchen, rosig, mit offenen blonden Haaren, und ein wenig, als wenn sie sich schämt.

»Nun sagen Sie Ihrer Frau auf Wiedersehen«, sagt die Oberschwester und puschelt bei der Tür herum.

Er steht vor Lämmchen und als erstes fällt ihm auf, daß so nette blaue Kränze auf das Hemd gedruckt sind, es sieht so fröhlich aus. Aber als sie ihm die Arme um den Hals legt und seinen Kopf zu sich herunterzieht, da sieht er, daß es gar keine Kränze sind, sondern daß in Kreisschrift überall auf dem Hemd steht »Städt. Krankenhäuser Berlin«.

Und als zweites fällt ihm auf, daß es gar nicht gut hier riecht, eigentlich ...

Da sagt Lämmchen: »Also, mein Junge, vielleicht heute abend schon, und bestimmt morgen früh. Ich freue mich ja so auf den Murkel.«

Und er flüstert: »Lämmchen, ich will's dir sagen, ich habe mir geschworen, ich will von jetzt an in meinem ganzen Leben keinen Sonnabend mehr rauchen, wenn es gut geht.«

Und sie sagt: »O Junge, Junge ...«

Da ruft die Schwester: »So, Herr Pinneberg!« Und zu Lämmchen sagt sie: »Na, hat der Einlauf gewirkt?«

Lämmchen wird puterrot und nickt, und nun begreift er erst, daß Lämmchen auf einem Klo gesessen hat, während er von ihr Abschied nahm, und er wird auch rot, trotzdem er das dumm findet.

»Also Sie können immer anrufen, Herr Pinneberg, die ganze Nacht«, sagt die Oberschwester. »Und hier sind die Sachen von Ihrer Frau.«

Da geht Pinneberg langsam fort und fühlt sich unglücklich und denkt, es ist darum, weil er sie zum ersten Mal in ihrer Ehe anderen Menschen ganz und gar ausgeliefert hat, und weil sie nun etwas erlebt, was er nicht miterlebt. ›Vielleicht hätten wir doch besser eine Hebamme genommen. Da hätte ich mit dabei sein können.‹

Der Kleine Tiergarten. Nein, auf der Bank sitzen die Frauen von vorhin nicht mehr, es wäre ihm recht gewesen, er hätte gern mit einer von ihnen gesprochen. Und auch Puttbreese ist nicht da, auch mit ihm kann man nicht reden, er muß allein in seine stille Kajütenwohnung.

Und da steht er nun, in Hemdsärmeln und Lämmchens Schürze um und wäscht weiter auf, und plötzlich sagt er ganz laut und ganz langsam: »Ja, wenn ich sie nun nie wiedersehe? Manchmal passiert doch etwas. Oft.« –


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