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Was Keßler für ein Mann ist, wie Pinneberg keine Pleiten schiebt und Heilbutt einen Tippel rettet

Es ist der einunddreißigste Oktober, morgens neuneinhalb Uhr. Pinneberg ist in der Herrenkonfektions-Abteilung von Mandel dabei graue, gestreifte Hosen zu ordnen.

»Sechzehn fünfzig ... Sechzehn fünfzig ... Sechzehn fünfzig ... Achtzehn neunzig ... zum Donnerwetter, wo sind die Hosen zu Siebzehn fünfundsiebzig? Wir hatten doch noch Hosen zu Siebzehn fünfundsiebzig! Die hat doch wieder dieser Schussel von Keßler versaubeutelt. Wo sind die Hosen –?«

Etwas weiter in den Verkaufsraum hinein bürsten die Lehrlinge Beerbaum und Maiwald Mäntel ab. Maiwald ist Sportsmann, auch die Lehrzeit als Konfektionär kann Sport sein. Maiwalds letzter Rekord waren: einhundertneun Mäntel in der Stunde tadellos gebürstet, allerdings mit zuviel Schwung. Ein Galalithknopf zerbrach und Jänecke, der Substitut, gab dem Maiwald was aufs Dach.

Der Abteilungsleiter Kröpelin hätte sicher nichts gesagt. Kröpelin hatte alles Verständnis dafür, daß immer mal was vorkam. Aber Jänecke, der Substitut, konnte erst Abteilungsvorsteher werden, wenn Kröpelin kein Abteilungsvorsteher mehr war, also mußte er scharf, eifrig und stets auf das Wohl der Firma bedacht sein.

Die Lehrlinge zählen ziemlich laut: »Siebenundachtzig, achtundachtzig, neunundachtzig, neunzig ...«

Also ist Jänecke noch nicht in Sicht. Kröpelin hat sich auch noch nicht blicken lassen. Sie werden mit dem Einkäufer wegen der Wintermäntel beraten, sie brauchen unbedingt neue Ware, blaue Trenchcoats sind überhaupt nicht mehr am Lager.

Pinneberg sucht die Hosen zu Siebzehn fünfundsiebzig. Er könnte ja Keßler fragen, Keßler tut zehn Meter von ihm irgend was, aber er mag Keßler nicht. Denn Keßler hat bei Pinnebergs Eintritt vernehmlich geäußert: »Breslau? – Die Schiebung kennen wir, der ist doch sicher wieder ein Ableger vom Lehmannstamm!«

Pinneberg sortiert weiter. Sehr still heute für einen Freitag. Erst ein Käufer ist dagewesen, hat einen Monteuranzug gekauft. Natürlich hat Keßler das gemacht, hat sich vorgedrängt, trotzdem Heilbutt, der erste Verkäufer, dran gewesen wäre. Heilbutt aber ist Gentleman, Heilbutt sieht über so etwas hinweg, Heilbutt verkauft auch so genug, und vor allem Heilbutt weiß, wenn ein schwieriger Fall kommt, läuft Keßler doch zu ihm um Hilfe. Das genügt Heilbutt. Pinneberg würde das nicht genügen, aber Pinneberg ist nicht Heilbutt. Pinneberg kann die Zähne zeigen, Heilbutt ist viel zu vornehm dazu.

Heilbutt steht jetzt hinten am Pult und rechnet etwas. Pinneberg betrachtet ihn, er überlegt, ob er Heilbutt nicht fragen soll, wo die fehlenden Hosen liegen könnten. Es wäre ein guter Grund, mit Heilbutt ein Gespräch anzuknüpfen, aber Pinneberg überlegt es sich besser: nein, lieber nicht. Er hat ein paarmal versucht, sich mit Heilbutt zu unterhalten, Heilbutt war immer tadellos höflich, aber irgendwie fror die Unterhaltung ein,

Pinneberg will sich nicht aufdrängen, gerade weil er Heilbutt bewundert, will er sich nicht aufdrängen. Es muß zwanglos kommen, es wird schon kommen. Und dabei hat er die phantastische Idee, Heilbutt möglichst heute noch in die Wohnung in der Spenerstraße einzuladen. Er muß seinem Lämmchen Heilbutt zeigen, aber vor allem muß er Heilbutt das Lämmchen zeigen. Er muß beweisen, daß er kein gewöhnlicher flacher Verkäufer ist, er hat Lämmchen. Wer von den anderen hat so was?

Langsam kommt Leben in das Geschäft. Eben noch standen sie alle herum, schrecklich gelangweilt, nur ganz offiziell beschäftigt, und nun verkaufen sie plötzlich. Wendt ist in Arbeit, Lasch verkauft, Heilbutt verkauft. Nun Keßler, der hat es auch nicht abwarten können, eigentlich wäre Pinneberg dran gewesen. Aber schon hat auch Pinneberg seinen Käufer, jüngeren Herrn, einen Studenten. Doch Pinneberg hat kein Glück: der Student mit den Schmissen verlangt kurz und knapp einen blauen Trenchcoat.

Es schießt durch Pinnebergs Hirn ›Keiner am Lager. Der läßt sich nichts aufschwatzen. Keßler wird grinsen, wenn ich 'ne Pleite schiebe. Ich muß die Sache machen ...‹

Und schon hat er den Studenten vor einem Spiegel: »Blauer Trenchcoat, jawohl. Einen Moment bitte. Wenn wir erst einmal diesen Ulster überprobieren dürften?«

»Ich will doch keinen Ulster«, erklärt der Student.

»Nein, selbstverständlich nicht. Nur der Größe wegen. Wenn der Herr sich bemühen wollen. Sehen Sie – ausgezeichnet, was?«

»Na ja«, sagt der Student. »Sieht gar nicht so schlecht aus. Und nun zeigen Sie mir mal einen blauen Trenchcoat.«

»Neunundsechzig fünfzig«, sagt Pinneberg beiläufig und fühlt vor, »eines unserer Reklameangebote. Im vorigen Winter kostete der Ulster noch neunzig. Angewebtes Futter. Reine Wolle ...«

»Schön«, sagt der Student. »Den Preis wollte ich ungefähr anlegen, aber ich möchte einen Trenchcoat. Zeigen Sie mir mal ...«

Pinneberg zieht langsam und zögernd den schönen Marengo-Ulster aus.

»Ich glaube nicht, daß Ihnen irgend etwas anderes so gut stehen würde. Blauer Trenchcoat ist eigentlich ganz abgekommen. Die Leute haben ihn sich übergesehen.«

»Also, nun zeigen Sie mir endlich –!« sagt der Student sehr energisch. Und sachter: »Oder wollen Sie mir keinen verkaufen?«

»Doch, doch. Alles, was Sie wollen.« Und er lächelt auch, wie der Student bei seiner Frage eben gelächelt hat. »Nur –«, er überlegt fieberhaft. Nein, nicht schwindeln, man kann es ja versuchen: »Nur, ich kann Ihnen kernen blauen Trenchcoat verkaufen.« Pause. »Wir führen keinen Trenchcoat mehr.«

»Warum haben Sie mir das nicht gleich gesagt?!« sagt der Student, halb verblüfft, halb ärgerlich.

»Weil ich Sie nur davon überzeugen wollte, wie ausgezeichnet Ihnen dieser Ulster steht. Bei Ihnen kommt er wirklich zur Geltung. Sehen Sie«, sagt Pinneberg halblaut und lächelt, wie um Entschuldigung bittend, »ich wollte Ihnen nur zeigen, wieviel besser der ist als so ein blauer Trenchcoat. Das war so eine Mode – na ja! Aber dieser Ulster ...«

Pinneberg sieht ihn liebevoll an, streicht einmal über den Ärmel, hängt ihn wieder über den Bügel und will ihn in den Ständer zurückhängen.

»Halt!« sagt der Student. »Ich kann ja immer noch mal ..., schlecht sieht er ja nicht gerade aus ...«

»Nein, schlecht sieht er nicht aus«, sagt Pinneberg und hilft dem Herrn wieder in den Mantel. »Der Ulster sieht direkt vornehm aus. Aber vielleicht darf ich dem Herrn noch andere Ulster zeigen? Oder einen hellen Trenchcoat?«

Er hat gesehen, die Maus ist beinahe in der Falle, sie riecht den Speck schon, jetzt darf er es riskieren.

»Helle Trenchcoats haben Sie also doch!« sagt der Student grollend.

»Ja, wir haben da was ...«, sagt Pinneberg und geht an einen anderen Ständer.

In diesem Ständer hängt ein gelbgrüner Trenchcoat, zweimal ist er schon im Preise zurückgesetzt worden, seine Brüder vom selben Konfektionär, von derselben Farbe, vom gleichen Schnitt haben längst ihre Käufer gefunden. Dieser Mantel, das scheint ein Schicksal, will nicht von Mandel fort ...

Jedermann sieht in diesem Mantel irgendwie komisch verbogen, falsch oder halb angezogen aus ...

»Wir haben da was ...«, sagt Pinneberg. Er wirft den Mantel über seinen Arm. »Ich bitte sehr, ein heller Trenchcoat. Fünfunddreißig Mark.«

Der Student fährt in die Ärmel. »Fünfunddreißig?« fragt er erstaunt.

»Ja«, antwortet Pinneberg verächtlich. »Solche Trenchcoats kosten nicht viel.«

Der Student prüft sich im Spiegel. Und wieder bewährt sich die Wunderwirkung dieses Stücks. Der eben noch nette junge Mann sieht aus, wie eine Vogelscheuche. »Ziehen Sie mir das Ding nur schnell wieder aus«, ruft der Student, »das ist ja grauenhaft.«

»Das ist ein Trenchcoat«, sagt Pinneberg ernst.

Und dann schreibt Pinneberg den Kassenzettel über neunundsechzig fünfzig aus, er gibt ihn dem Herrn, er macht seine Verbeugung: »Ich danke auch verbindlichst.«

»Nee, ich danke«, lacht der Student und denkt jetzt sicher an den gelben Trenchcoat.

›Na also, geschafft‹, denkt Pinneberg. Er überblickt schnell die Abteilung. Die anderen verkaufen noch oder verkaufen schon wieder. Nur Keßler und er sind frei. Also ist Keßler der nächste dran. Pinneberg wird sich schon nicht vordrängen. Aber, während er gerade Keßler ansieht, geschieht das Seltsame, daß Keßler Schritt um Schritt gegen den Hintergrund des Lagers zurückweicht. Ja, es ist gerade so, als wollte Keßler sich verstecken. Und wie Pinneberg gegen den Eingang schaut, sieht er auch die Ursache solch feiger Flucht: Da kommen erstens eine Dame, zweitens noch eine Dame, beide in den Dreißigern, drittens noch eine Dame, älter, Mutter oder Schwiegermutter, und viertens ein Herr. Schnurrbart, blaßblaue Augen. Eierkopf. ›Du feiges Aas‹, denkt Pinneberg empört. ›Vor sowas reißt der natürlich aus. Na warte!‹

Und er sagt mit einer sehr tiefen Verbeugung: »Was steht bitte zu Diensten, meine Herrschaften?« und dabei läßt er seinen Blick ganz gleichmäßig einen Augenblick auf jedem der vier Gesichter ruhen, damit keines zu kurz kommt.

Eine Dame sagt ärgerlich: »Mein Mann möchte einen Abendanzug. Bitte, Franz, sag doch dem Verkäufer selbst, was du willst!«

»Ich möchte ...«, fängt der Herr an.

»Aber Sie scheinen ja nichts wirklich Vornehmes zu haben«, sagt die zweite Dame in den Dreißigern.

»Ich habe euch gleich gesagt, geht nicht zu Mandel«, sagt die Ältliche. »Mit so was muß man zu Obermeyer.«

»... einen Abendanzug haben«, vollendet der Herr mit den blaßblauen Kugelaugen.

»Einen Smoking?« fragt Pinneberg vorsichtig. Er versucht, die Frage gleichmäßig zwischen den drei Damen aufzuteilen und doch auch den Herrn nicht zu kurz kommen zu lassen, denn selbst ein solcher Wurm kann einen Verkauf umschmeißen.

»Smoking!« sagen die Damen empört.

Und die Strohblonde: »Einen Smoking hat mein Mann natürlich. Wir möchten einen Abendanzug.«

»Ein dunkles Jackett«, sagt der Herr.

»Mit gestreiftem Beinkleid«, sagt die Dunkle, die die Schwägerin zu sein scheint, aber die Schwägerin der Frau, so daß sie als die Schwester des Mannes wohl noch ältere Rechte über ihn hat.

»Bitte schön«, sagt Pinneberg.

»Bei Obermeyer hätten wir jetzt schon das Passende«, sagt die ältere Dame.

»Nein, doch nicht so was«, sagt die Frau, als Pinneberg ein Jackett in die Hand nimmt.

»Was könnt ihr denn hier anders erwarten?«

»Ansehen kann man sich jedenfalls. Das kostet nichts. Zeigen Sie nur immer, junger Mann.«

»Probier das mal an, Franz!«

»Aber, Else, ich bitte dich! Dies Jackett ...«

»Nun, was meinst du, Mutter –?«

»Ich sage gar nichts, fragt mich nicht, ich sage nichts. Nachher habe ich den Anzug ausgesucht.«

»Wenn der Herr die Schulter etwas anheben wollte?«

»Daß du die Schultern nicht anhebst! Mein Mann läßt immer die Schultern hängen. Dafür muß es eben unbedingt passend sein.«

»Dreh dich mal um, Franz.«

»Nein, ich finde, das ist ganz unmöglich.«

»Bitte, Franz, rühr dich etwas, du stehst da wie ein Stock.«

»Das ginge vielleicht eher.«

»Warum ihr euch hier bei Mandel quält ...?«

»Sagen Sie, soll mein Mann ewig in diesem einen Jackett rumstehen? Wenn wir hier nicht bedient werden ...«

»Wenn wir vielleicht dies Jackett anprobieren dürften ...«

»Bitte, Franz.«

»Nein, das Jackett will ich nicht, das gefällt mir nicht.«

»Wieso gefällt dir denn das nicht? Das finde ich sehr nett!«

»Fünfundfünfzig Mark.«

»Ich mag es nicht, die Schultern sind viel zu wattiert.«

»Wattiert mußt du haben, bei deinen hängenden Schultern.«

»Saligers haben einen entzückenden Abendanzug für vierzig Mark. Mit Hosen. Und hier soll ein Jackett ...«

»Verstehen Sie, junger Mann, der Anzug soll was hermachen. Wenn wir hundert Mark ausgeben sollen, können wir auch zum Maßschneider gehen.«

»Nein, nun möchte ich doch endlich einmal ein passendes Jackett sehen.«

»Wie gefällt Ihnen dies, gnädige Frau?«

»Der Stoff scheint sehr leicht zu sein.«

»Gnädige Frau sehen alles. Der Stoff fällt wirklich etwas leicht aus. Und dies?«

»Das geht schon eher. Ist das reine Wolle?«

»Reine Wolle, gnädige Frau. Und Steppfutter, wie Sie sehen.«

»Das gefällt mir ...«

»Ich weiß nicht, Else, wie dir das gefallen kann. Sag du mal, Franz ...«

»Ihr seht doch, daß die Leute hier nichts haben. Kein Mensch kauft bei Mandel.«

»Probier dies mal über, Franz.«

»Nein, ich probier nichts mehr über, ihr macht mich doch bloß schlecht.«

»Was soll denn das wieder heißen, Franz? Willst du einen Abendanzug haben oder ich?«

»Du!«

»Nein, du willst ihn.«

»Du hast gesagt, der Saliger hat einen, und ich mache mich einfach lächerlich mit meinem ewigen Smoking.«

»Dürfte ich gnädiger Frau noch dies zeigen? Ganz diskret, etwas sehr Vornehmes.« Pinneberg hat sich entschlossen, auf Else, die Strohblonde, zu tippen.

»Das finde ich wirklich ganz nett. Was kostet er?«

»Allerdings sechzig. Aber es ist auch etwas ganz Exklusives. Gar nichts für die Masse.«

»Sehr teuer.«

»Else, du fällst doch auf alles rein! Das hat er uns ja schon mal gezeigt.«

»Mein liebes Kind, so schlau wie du bin ich auch. Also, Franz, ich bitte dich, probiere es noch einmal an.«

»Nein«, sagt der Eierschädel böse. »Ich will überhaupt keinen Anzug. Wo du sagst, ich will ihn.«

»Aber ich bitte dich, Franz ...«

»In der Zeit hätten wir bei Obermeyer zehn Anzüge gekauft.«

»Also Franz, jetzt ziehst du das Jackett an.«

»Er hat es doch schon angehabt!«

»Nicht dies!«

»Doch.«

»Also, jetzt gehe ich, wenn ihr euch hier streiten wollt.«

»Ich gehe auch. Else will wieder um jeden Preis ihren Willen durchsetzen.«

Allgemeine Aufbruchsstimmung. Die Jacketts werden, während die spitzen Reden hin und her fliegen, hierhin geschoben, dorthin gezerrt ...

»Bei Obermeyer ...«

»Nun bitte ich dich, Mutter!«

»Also wir gehen zu Obermeyer.«

»Aber sagt bitte nicht, daß ich euch dahin gelotst habe!«

»Natürlich hast du!«

»Nein, ich ...«

Vergebens hat Pinneberg versucht, ein Wort anzubringen. Nun, in der höchsten Not, wirft er einen Blick um sich, er sieht Heilbutt, sein Blick begegnet dem des anderen ... Es ist ein Hilfeschrei.

Und zugleich tut Pinneberg etwas Verzweifeltes. Er sagt zu dem Eierkopf: »Bitte, Ihr Jackett, mein Herr!«

Und er zieht dem Mann das strittige Sechzigmark-Jackett an, und kaum sitzt es, ruft er auch schon: »Ich bitte um Verzeihung, ich habe mich versehen.« Und ganz ergriffen: »Wie Sie das kleidet.«

»Ja, Else, wenn du das Jackett ...«

»Ich habe immer gesagt, dies Jackett ...«

»Nun, sage du mal, Franz ...«

»Was kostet dies Jackett?«

»Sechzig, gnädige Frau.«

»Aber für Sechzig, Kinder, ich finde das ja Wahnsinn. Bei den heutigen Zeiten sechzig. Wenn man schon durchaus bei Mandel kauft ...«

Eine sanfte, aber bestimmte Stimme neben Pinneberg sagt: »Die Herrschaften haben gewählt? Unser elegantestes Abendjackett.«

Stille.

Die Damen sehen auf Herrn Heilbutt. Herr Heilbutt steht da, groß, dunkel, bräunlich, elegant.

»Es ist ein wertvolles Stück«, sagt Herr Heilbutt nach einer Pause. Und dann verneigt er sich und geht weiter, entschwindet, irgendwohin, hinter einen Garderobenständer, vielleicht war es Herr Mandel selber, der hier durchging?

»Für sechzig Mark kann man aber auch was verlangen«, sagt die unzufriedene Stimme der Alten. Doch sie ist nicht mehr ganz unzufrieden.

»Gefällt es dir denn auch, Franz?« fragt die blonde Else. »Auf dich kommt es doch schließlich an.«

»Na ja ...«, sagt Franz.

»Wenn wir nun auch passende Beinkleider ...«, beginnt die Schwägerin.

Aber das wird nicht mehr tragisch mit den Beinkleidern. Man ist sich sehr rasch einig, es wird sogar ein teures Beinkleid. Der Kassenzettel lautet insgesamt über fünfundneunzig Mark, die alte Dame sagt noch einmal: »Bei Obermeyer, sage ich euch ...« Aber niemand hört auf sie.

Pinneberg hat an der Kasse noch eine Verbeugung gemacht, eine Extraverbeugung. Nun kehrt er zurück an seinen Stand, er ist stolz wie ein Feldherr nach gewonnener Schlacht und zerschlagen wie ein Soldat. Bei den Beinkleidern steht Heilbutt und sieht Pinneberg entgegen.

»Danke«, sagt Pinneberg. »Sie haben den Tippel gerettet, Heilbutt.«

»Ich doch nicht, Pinneberg«, sagt Heilbutt. »Sie hätten schon so keine Pleite geschoben. Sie nicht. Sie sind doch der geborene Verkäufer, Pinneberg.«


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