Heinrich Lersch
Hammerschläge
Heinrich Lersch

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Liebe in der Tuchfabrik

Ein Jahr später an einem goldenen Sommertage mußte ich, ob ich wollte oder nicht, mit dem Gesellen Georg Kriegesmann in die große Fabrik zur Reparatur eines Dämpfkessels in der Bleicherei. Unsagbar schön war die Sonne über den Wiesen aufgegangen, im Tau dampfte und blitzte der Junimorgen mit allen Gräsern und blühendem Gesträuch. Es juckte mich in allen Knochen, der Arbeit davonzulaufen. Ich tastete meinen siebzehnjährigen Körper ab, ob ich nicht doch noch eine Stelle fände, die ich mit einem Krankenschein zum Arzt bringen könnte, um bei der Gelegenheit in den Volksgarten zu entwischen. Weder Zahn noch Zehe schmerzte, weder Kopf noch Knie; nur der ganze Leib bebte in Sehnsucht nach der Berührung mit dem taunassen Gras der Blumenwiese, nach Sichrekeln im Sonnenlicht, übersungen von den Lerchen, umsummt von den Bienen und Hummeln der weiten Nierswiesen.

Als das erste Aufbäumen der Natur gegen den kommenden Fabriktag in Farbdunst und Dampfnebel vorüber war, sog denn auch die junge Brust so viel von den Freuden des freien Hinschreitens in sich hinein, daß ich mich wieder einmal in die Ordnung fügte. Stolz schritt ich neben dem Gesellen in den Fabrikhof, gegrüßt von den Arbeitern, fühlte mich bewillkommt von den Blicken der Mädchen, die uns heimlich musterten. Wir begannen die Arbeit. Um zehn Uhr benutzte ich die Pause, um mich auf dem Teil des Fabrikhofs, der noch mit Gesträuch und Gestrüpp bestanden war, zu sonnen.

Als ich meine Viertelstunde verdöst hatte, kamen die jungen Fabrikmädchen, um ihre halbe Stunde Spielzeit in diesem Stück Natur mit Ballwerfen zu vertun. Ich schreckte sie mit Geschrei, – sie flohen; aber ein großes, schönes Mädchen ging mit mir an den Bach spazieren und versprach, mit mir in der Mittagsstunde von zwölf bis halb zwei in den nahen Wald zu gehen.

Da zerbrach uns kurz vor der Mittagspause eine Reibahle. Ich wurde nach Haus geschickt, um eine neue aus unserer Werkstatt zu holen. Als ich schon vor dem Tore war, dachte ich an das Mädchen und sein Versprechen. Ich wurde schwach und verspielte meine Lehrlingsehre für das harmlose Geplauder einer Schönen! Ich ging nicht in die Werkstatt, sondern in den Wald, der hinter der Fabrik lag. Kaum hatte die Dampftute geblasen, da erschien mit langsamen Schritten die Blonde. Sie trug den Geruch der Walken und Appreturen in Haaren und Kleidern. Sie erzählte von ihren Brüdern, die sie mit auf die Bauernkirmes genommen hatten. Sie machte mich verrückt vor Eifersucht: von solchen Bauernburschen ließ sie sich imponieren.

Dann sprachen wir von Fastnacht und Frühkirmes, ich müsse nach Dohr kommen, wo sie wohne. Zwei Tage sei es wunderschön, aber am dritten Tag, wenn die Jungens nach Bauernart auf den Holzschuhen tanzen kämen, dann gab es Krach und Keilerei. Sie wäre keine von denen, die die Jungens eifersüchtig aufeinander machten, bis sie mit Stühlen nach den Kronleuchtern schlügen und im Dunkel alles kurz und klein hauten. Viel schöner sei es, wenn man an so einem Abend aus den heißen Sälen hinter den Gärten spazieren ging, dann höre man die Musik von weit her, wie ein richtiges Konzert sei das.

Was sie auch plauderte, alles war so schön und beglückte mich so, daß ich es nicht merkte, wie die Zeit verging. Die Dampftute blies mich wie aus einem Traum.

Als die Arbeit wieder begann, trug ich zwar nicht das Werkzeug in den Händen, aber die Sehnsucht im Herzen und den Willen im Kopf, das schöne Mädchen am Abend nach Hause zu begleiten. Dies gab mir solch einen Überschuß an Kraft und Frechheit, daß ich beschloß, meine zu Bruch gegangene Kesselschmiedsehre fix zu reparieren. So schlich ich mich keck und kühn in die Schlosserei der Fabrik, dies Stück Werkzeug mit fünf Fingern und einem guten Griff aus dem Kasten des überstrengen Schlossermeisters zu leihen.

Es glückte.

Das Herz voll Diebs- und Liebesglück pfiff ich über den Hof hin, Kopf hoch, breit in die Brust geschmissen, und ward von meinem Gesellen unkontrolliert empfangen. Wir arbeiteten mit Lust, gegen vier Uhr mußte ich in den hohen Kessel steigen um die Löcher in den schweren Scharnieren, die neu angebracht wurden, anzuzeichnen. Als der drei Meter breite Deckel mit dem Kettenzug über mich niedergelassen wurde, verfinsterte sich der Raum. Der alte Kettenzug krachte und knackte, – wenn der Deckel niederplatzt, schlägt er mich platt wie einen Pfannkuchen. Aber er senkte sich sachte herunter. Nun wurden alle Klammerschrauben aufgesetzt und angezogen, wie man das im regulären Betrieb tut, damit die Löcher auch haargenau stimmten.

Zu meinem Schrecken mußte ich sehen, daß die Scharniere noch gar nicht paßten. Der Geselle wütete und fluchte über den unvorhergesehenen Aufenthalt. Ich hörte den Gesellen mit dem Bleichermeister reden. Sie überlegten, ob ich für die Zeit hinauskommen oder drinbleiben sollte. Die schweren Eisenscharniere mußten glühend gemacht, verkröpft, geschmiedet und wieder kalt werden. Das dauerte sicher eine Stunde, und die sollte ich in diesem Kessel sitzen bleiben. »Das könnt ihr mit mir nicht machen!« schrie ich, »laßt mich nur heraus!« Ich hörte sie überlegen, nein, das Auf- und Zuschrauben war auch eine gehörige Arbeit, und da der Bleichermeister einen Mann zur Hilfe und als Ersatz für mich stellte, so ließ man mich im Kessel, und bald hörte ich nichts mehr als das dumpfe Brausen des Betriebes.

Ich saß auf der Leiter in dem eisernen Kessel, von dem ich wußte, daß er fünf Meter hoch war und drei Meter Durchmesser hatte. Durch ein paar Schraubenlöcher schimmerte Licht. Nachdem ich mich auf der Leiter müde gesessen, wollte ich hinunter, mich lang auf den Boden legen. Unten angekommen, zog ich schnell den Fuß zurück; der Boden war mit heißem Wasser bedeckt; leise zischend gluckte der Dampf aus dem nicht ganz dicht verschlossenen Rohr. Mißmutig stieg ich die Sprossen wieder hinan.

Nun fing ich an, mit Singen mir die Zeit zu vertreiben; das Lied, das grade modern war, den Sang vom »schönen Sorrent«, schmetterte ich aus voller Brust in die tönende Höhlung des Kessels, daß es nur so schallte: »Wie die Tage so golden verfliegen, wie die Nacht sich so selig verträumt, wo am Felsen mit Wonnen und Wiegen die gelandete Welle verschäumt« ... Ich hatte Zeit und Lust, die »schimmernde Blüte der Wellen« in allen Farben auszumalen. Das Rauschen des Betriebes wurde der Wellen Gemurmel, und die Blumen und Früchte gesellten sich mir in schwebender Phantasie allzu leicht an die glatten Kesselwände. Es war nicht schwer, in dieser Finsternis die schöne Nacht heraufzuholen, und Luisella, die ihre lachenden Lieder sang, das war ja meine Schöne von heute Mittag. Ach! und wenn man so viel Zeit hatte wie ich, da wird es leicht, die »holde Gestalt im Wirbel der Lust, wie ein Flämmchen Äther«, sich schwingen zu lassen.

Ja, ich war, so hieß es auch im Liede, »entrückt der Sorgen Getriebe, – es trägt dich auf Händen die Lust. Selbst das Gedächtnis der Liebe, hier beschleicht es gelinder die Brust« ... »Und du tauchst in die heiligen Quellen, des seeligen Meers Element!« – Nein, das war gelogen. Brühheiß quoll es nun von unten her, und ob ich auf die höchste Sprosse der Leiter stieg, wie ein Laubfrosch bei schönem Wetter, die Luft war kaum mehr zu atmen. Ich tastete nach meinem Stemmhammer, den ich, wie der Soldat sein Seitengewehr, ständig im Riemen an der Seite trug. Zwar schimpfte der Geselle immer auf die Wichtigtuerei mit dem stets zur Schau getragenen Hammer. Doch der Hammer war mein, er war Waffe und Werkzeug in einem. Er diente als Wurfgeschoß und im Nahkampf, wenn es zu einer kleinen Keilerei kam.

Diesmal aber sollte er den Gesellen aus der bodenlosen Ruhe wecken.

Ich trommelte mit meinem Hammer auf die Kesselwand, hieb und rief. Und nach langer, langer Zeit kam der Bleichermeister und fragte, was los sei. »Losmachen! Herauslassen! Von unten her kommt Dampf in den Kessel, – es ist unerträglich heiß!« Da sagte er, er wolle sofort ins Kesselhaus gehen und das Hauptventil noch fester andrehen. Es sei Feierabend, und nur noch der Gesell sei in der Fabrik mit einem Helfer. Ich solle mich nur gedulden, er mache alles in Ordnung und bald würde der Gesell auch kommen.

Also hockte ich mit schmerzendem Rücken weiter, horchte auf den Schritt des Vorübergehenden, lauschte, ob ich nicht den Hammerschlag aus der fernen Schmiede vernähme ... Nichts! Aber der Dampf brodelte heftiger heraus. Wie aus einem Sumpf, in dem ein Untier verreckte und gewaltige Luftstöße nach oben blies, so quoll es unter mir. Da endlich! Es klapperten die Ketten des Zugs, und der Gesell schrie durch die Schraubenlöcher, daß in zehn Minuten alles erledigt sei. Das Scharnier müsse jetzt passen. Als es angelegt wurde, sah ich das Schreckliche: Immer noch paßte das Eisen nicht. »Es ist gut, es ist sehr gut!« schrie ich, obgleich immer noch ein paar Millimeter zwischen Kessel und Scharnier fehlten.

Aber trotz meines Gebrülls zog der Gesell den Deckel nicht hoch. Er wollte nicht noch erst los- und festschrauben, um mich für eine Viertelstunde an die Luft zu lassen. Eine Viertelstunde müßte ich aushalten, dann sei die Kröpfung genau richtig, dann könne ich die Löcher anzeichnen. Dann sei alles in Ordnung! Das mit dem Dampf, der aus dem Bodenrohr käme, – das glaube er nicht, er kenne Lehrlingsschwindeleien; selbst wenn es wahr sei – man müsse als Kesselschmiedslehrling alles ertragen lernen.

Er aber wußte, genau wie ich, daß das mit der Viertelstunde gelogen war, und daß er mindestens eine Stunde brauchte. So saß ich nun gefangen.

Durst quälte mich, mehr noch die schreckliche Hitze. Daß mein neues Liebchen nun vergeblich auf mich wartete, daran hatte ich in dieser Lage zuerst gar nicht gedacht. Als es mir einfiel, war es mir ganz gleich, – und sie könne sich mit den Bauernburschen trösten. Und überhaupt, – morgen war ich sowieso wieder in einer andern Fabrik.

Wenn ich bedachte, daß ich vor einer Stunde noch vom schönen Sorrent geschwärmt, so fiel mir jetzt auf, daß ich da noch frei atmen konnte. Sonst hätte ich doch nicht singen können. Jetzt stach mich jeder Atemzug in die Lunge, mein Kopf quoll wie ein Schwamm, die Augen schmerzten, als fielen sie aus den Höhlen.

Nun mußte Hilfe von draußen kommen, ich konnte mir selber nicht mehr helfen. Es war Samstagnachmittag, der Betrieb stand schon still. Die Hunderte von Arbeitern waren nach Haus. Vielleicht waren auch der Bleicher und der Gesell ein Glas Bier trinken gegangen. Ich war der einzige Mensch in der großen Fabrik und gefangen.

Kluck, kluck, bruk, bruk – heißer quoll es von unten herauf. In langen Stößen kochte das Wasser hoch, ich kroch die Leiter hinan, bis unter den gewölbten Deckel, saß hustend und keuchend auf der höchsten Sprosse der Leiter.

Da kam mir ein rettender Gedanke: wenn ich den Mund auf das Nietloch presse, so bekomme ich kalte Luft, – ich kletterte einige Stufen tiefer, bog den Kopf an den Kesselmantel, gierig wie ein Verdurstender nach der Quelle, – da stieß die Nase ans Eisen, und sog ein, zwei Atemzüge kühler Luft ein, – dann mußte ich zurück, die Platten waren zu heiß. Ich zog den Kittel aus, legte den Stoff auf die Platte, – das milderte. Eine, zwei Minuten hielt ich das aus, aber die Hände, mit denen ich mich gegen den Kessel stützen mußte, verbrannten fast.

Der Krampf durchzuckte die müden, erhitzten, eingeknickten Arme, spannte Füße und Beine; ich stieß mich vom Kessel ab, um bequemer auf der Leiter zu stehen, da fiel mir die Jacke ins Wasser.

Ich riß das Hemd vom Leib. Der Hals, der die kühle Luft eingesogen, zog in Schlucken den heißen Wasserdampf unter stechenden Schmerzen ein. Ich wickelte das Hemd um den Kopf, um Nase, Mund und Augen zu schützen, riß den Hammer aus dem Gürtel und schlug, schlug und schrie wahnsinnig vor Angst und Schmerzen nach Hilfe.

Da – eine Frauenstimme: »Wo bist du?«

»Aufschrauben!« schrie ich, den Mund ans Nietloch gehalten.

»Ich hol den Gesellen!« kam die Antwort, »wo ist er?«

»Nein, mach erst los, du findest ihn nicht, losmachen! Stange zwischen die Flügelschrauben, – ich verbrenne!«

Schon hörte ich einen Schlag, rückende Stöße, – sie setzte den Schlüssel an und begann. »Andersrum!« schrie ich. Denn, wie alle Menschen, die nicht täglich mit Schrauben umgehen, drehte auch sie erst einmal falsch herum, immer fester. Doch sie hatte es bemerkt, und nun lief die erste Flügelmutter die Spindel hinauf, fiel mit knallendem Sprung auf den Deckel.

»Weiter! Weiter!« feuerte ich an.

Sie trottete auf dem Gerüst den einzelnen Schrauben nach. Ein Glück, daß sie nur provisorisch festgedreht worden waren, die Muttern fielen, die Bolzen klappten um, mit ruckenden Stößen arbeitete der Schlüssel voran.

Da, endlich Licht in schmalen Streifen, der Deckel hatte sich an einer Seite gelöst, es waren nur noch wenige Bolzen, – da rief sie auch schon: »Was nun?«

»Zieh an dem Kettenzug, an der Kette, zieh! Zieh!«

Da hob sich der Deckel, Luft strömte, kalte Luft, daß ich husten mußte. Doch nun stieg der Schwalch von unten her in dichten Mengen heran, so daß ich, trotz der Helligkeit nichts mehr sah. Das Rasseln der Kette ging weiter, der Deckel hob sich, aber ich sah nichts mehr vor lauter Schwalch.

»Steck den Kopf heraus, komm, es ist Platz genug da!.« rief sie. Aber ich hing in der Leiter, verkrampft, aus Angst ich könnte fallen, in den Armen keine Kraft, in den Beinen wie gelähmt, – ich konnte nicht höher kommen. »Hilfe! Hol Hilfe!« rief ich, und dann glaubte ich, die Lunge sei mir verbrannt, so fuhr mir die eingeatmete Luft wie eine glühende Stange in die Brust hinein.

Ich hörte das Mädchen nach dem Portier schreien, – da kam auch der Geselle die Treppe hinaufgesprungen, ruderte mit seinen langen Armen im Dunst umher und griff mich bei f der Schulter.

Ich hörte den Portier mit dem Mädchen sprechen: »Was hast du denn in der Fabrik verloren? Wie kommst du hierher?«

Ich lauschte auf die Mädchenstimme; sie war es natürlich, die Blonde! Sie hat auf mich gewartet!

Nun trug mich der Geselle ins Portierhaus. Ich wurde auf die Bank in Decken gepackt. Mein Hals brannte nach Wasser.

»Das kam so!« sagte der Bleicher. »Als alle Kocher und Bütten, alle Rouleaux und Maschinen abgestellt waren, da ging der ganze Kesseldampf auf die Leitung, und da muß wohl das Ventil nicht dicht genug geschlossen haben, oder das Reduzierventil, – na, da ging der Dampf eben in den Bleicherkessel.«

»Das mußtet Ihr doch wissen!« schrie der Geselle. »Wie könnt Ihr mir denn raten, den Jungen darin sitzen zu lassen! Aber Ihr tut schon wie Eure Herren, denen ein Menschenleben ein Dreck wert ist.«

»Wißt Ihr«, sagte der Portier, »wie die Kesselreiniger im neuen Kesselhaus verbrannt sind, – drei Mann tot und fünf Mann schwer verbrüht! Das ist noch nicht zwei Jahre her. Der Schlosserlehrling von Dooren hatte das Ventil aufgedreht –«

Während sich die drei Männer über die Schuld stritten, hatte das Mädchen mir ein Wasserglas gebracht. Es beugte sich über mich, ich roch aus ihren Kleidern den Dunst aus Weberei und Appretur. Als ich die Arme aus der Decke stieß, ging sie zurück, blieb außer Reichweite stehen und sagte: »Brav sein! Gut zudecken, sonst kriegst du kein Wasser!«

Ich starrte in das Gesicht dieses schönen Mädchens; sie sah in ihrem dunklen Kleid viel älter aus als heute mittag. Ich bewunderte noch mehr als heute mittag das hellblonde Haar und die dunkelblauen Augen. Sie hatte jetzt rote Backen und brennendrote Lippen.

Grade wollte ich etwas sagen, – da schlug der Geselle die Faust auf den Portiertisch, stampfte mit dem Fuß, der Stuhl flog zur Seite: »Das glaubt mir kein Mensch, daß ich davon keine Ahnung hatte. Das könnt ich doch nicht wissen, daß der Junge die Wahrheit gesagt hatte! Da! Dies Mädchen hat den Jungen vom Tode gerettet! Ich war ja ins Zuchthaus gekommen, sein Alter hätt mir mit einer Stange den Schädel eingeschlagen! Das kann mir ja kein Mensch glauben, daß ich das Beste gewollt habe!«

Das Mädchen war fort,–ich war müde geworden. In Decken gepackt saß ich auf den Knien des Gesellen; der Fabrikkutscher brachte mich auf dem Bolderwagen nach Hause.

Mein Vater machte die Arbeit mit den Gesellen fertig. Ich mußte drei Tage zu Bett liegen.

Dann feierte ich den ganzen Juli krank. Den ersten Gang tat ich zur Bleicherei. Da sah ich die Schöne, wie sie von einem Schreiber nach Haus gebracht wurde. Im Augenblick dachte ich, ich wäre doch besser im Kessel geblieben, als dies erleben zu müssen. Aber sie hatte recht, was sollte sie mit einem kranken Jungen?

Auf dem Rückweg kam ich an einem Zirkus vorbei. Ich befreundete mich mit dem Heizer an der Lichtmaschine. Als die Künstler aus dem Zelt kamen, verliebte ich mich in die schlanke Reiterin.

»Mach dir keine Illusionen«, sagte der Heizer, »sie ist die Frau des Clowns.« Nun weiß ich nicht, was leichter gewesen ist, die Kesselschmiederei oder die Liebe zu erlernen.


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