Heinrich Lersch
Hammerschläge
Heinrich Lersch

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Ich bin der kleine Wärmjunge

Ich weiß es, nun rufen mich die Hämmer aus der nahen Werkstatt: Komm! Komm! Du! Komm! Komm! Du!

Ich kann nicht, ich kann nicht: meine Brust tut weh, die Rippen schmerzen. Der Vater wird schimpfen.

Ich kriege keine Luft, die Kammer ist zu eng.

Das Fenster ist sonst immer auf, weil ich den Rahmen mit der Scheibe in die Ecke gesetzt habe, ich stoße mich an der Ecke, wenn es geöffnet ist. Nun hat die Mutter ihn wieder eingesetzt.

Es hat lange gedauert, bis ich den Riegel aufbekam, bei jedem Hochheben sticht es in der Brust.

Nun sehe ich hinaus, atme die Luft, der Wald rauscht, da unten weitet sich das große Brachfeld Ich höre die Stimme des Vaters: »Hundertfünfzig Morgen liegen da brach, wenn der reiche Geizhals sie mir doch überlassen wollte!«

Ich höre ihn hart neben mir – ich wende mich, aber er ist nicht da. Auch die Hämmer klopfen so laut.

Wenn ich auf die große Welt sehe, die Vorstadt mit den Fabriken, auf die Häuser am Hügel, die bis auf den Berg um die Kirche sich bauen, wird mir schwindelig, mir ist, als stände ich auf einem hohen Eisenträger über einem Strom, oben ziehen die Wolken und das sieht aus, als ob der Träger unter meinen Füßen wegliefe. Unten fließt das Wasser, ich taumle, ich greife nach Halt –

Da blüht am Rand der kleinen Kiesgrube der erste Ginster. Grün und gelb, grün und gelb.

Grün und gelb wird der Himmel, die ganze Erde. Ich kriege keine Luft, ich schreie, ich höre ein Kind schreien, das Kind bin ich. In dieser Wiese hab ich zuerst geschrien.


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