Adolf Glaßbrenner
Neuer Reineke Fuchs
Adolf Glaßbrenner

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Zwöftes Capitel.

           

So ward der gute König Braun
    Gefoltert wie ein Sünder traun,
Und – wie der Fuchs es ausgeheckt –
    Aus allen Freuden aufgeschreckt,
Bis daß der Thron nur sah Bethörer
    Des armen Volkes und Empörer,
Und glaubte, einzig Hülfe sei
    Für ihn nur bei der Polizei,
Und von den Fremden, so ihm nahten,
    Sie möchten ihn beattentaten.

Was eigentlich als Tugend gilt,
    Darob ward die Regierung wild:
Ein jedes freie Wort im Reich,
    Es galt als Missethat sogleich,
Und als das schrecklichste Verbrechen
    Erinnerung an das Versprechen.

Das war nun, wie der Fuchs es wollte,
    Daß es im Reiche kommen sollte;
Die Mächt'gen alle und das Land,
    Er lenkte sie mit seiner Hand,
Und konnte wirken so im Stillen
    Nach seinem und des Ordens Willen,
Der auch im Ketzerlande lebt
    Und ungesehen sorgt und strebt.

Herr Grimbart saß nur kurze Stunden,
    War balde aus dem Reich verschwunden.
Das Loch, in welches er gebracht,
    Ward ihm geöffnet in der Nacht
Von Tampach, unrühmlich bekannt
    Als Iltis, und dem Dachs verwandt,
Und außerdem auch ein Neveu
    Seiner Excellenz des Reineke.

Dagegen hielt der kleine Fresser
    Die anderen Gefangnen besser
In Ketten und in Banden fest.
    Wie Mörder hielt man im Arrest
Die, so nichts Andres wollten haben,
    Als die gesetzversprochnen Gaben!
Drum sei man drob nicht mißgestimmt,
    Wenn es die Nachwelt übel nimmt.

Dem Studio Grimbart folgten Viele,
    Bei denen etwas Ernst im Spiele –
Die alle Nächte complottirten,
    Und furchtbar demagogisirten,
Und deren Eifer wohl gefühlt
    Die Fürsten hätten, wär' gekühlt
Derselb' nicht durch viel Kannen Bier,
    Und späterhin durch eng Quartier.
Ja, Sclaventhiere muß man kennen!
    Wenn Die für eine Sache brennen,
Und Herz und Mund geht ihnen über:
    So schreiben sie sogar darüber!

Als nun der Bär gestorben war,
    Da weinte seiner Völker Schaar,
Und das mit allem Recht und Fug,
    Denn König Braun war gut genug
Für Einen, der, ganz absolut,
    Gesetze gibt, was er auch thut!
Es waren Dumme, die ihn schalten,
    Daß jenes Wort er nicht gehalten,
Da er ja späterhin sah klar,
    Wie unreif noch das Thiervolk war,
Und da, wer einmal absolut,
    Das Rechte thut, was er auch thut.

Auch sollte er, schon grau und alt,
    Zuletzt noch theilen die Gewalt,
Mit der er doch nach bestem Denken
    Von je das Schiff des Staats thät lenken?
Dazu gehört der schönste Muth,
    So Dessen nicht, der absolut.

Und wenn er war den Künsten hold,
    Und Diese mehr als Jene wollt':
Wer möchte solche kleine Freuden
    Dem reichen Herrscher wohl beneiden,
Da doch das ärmste Thier begehrt
    Zu reiten auf dem Steckenpferd.
Und milde war der alte Bär
    Und tugendhaft von Anfang her,
Und fromm und herzig und gerecht
    Zu jedem Ansehn und Geschlecht,
Und thät nicht mit der Frommheit prunken,
    Daß es im Lande hätt' gestunken,
Wie's anderswo zuweilen ist,
    Nach Heuchelei und Pfaffenmist.

Drum soll's ihm droben Gott verzeih'n,
    Was ihm der Fuchs gegeben ein,
Und seiner Seele edlen Trieben
    Bis an sein Ende fremd geblieben!
Denn sicherlich hat er gedacht,
    Bevor das Aug' er zugemacht:
Was Du gefehlt auf dieser Erden,
    Soll durch den Sohn geheiligt werden,
Und Alles blühe auf in Pracht,
    Was Du gewollt und nicht vollbracht!


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