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XIX

In einem Zentrum der literarischen Produktion wie London, das täglich fast dutzendweise neue Bücher auf den Markt wirft, erregt das Erscheinen eines Bändchens Gedichte meist nicht viel Aufsehn. Doch das Zusammenwirken verschiedener Umstände machte die Veröffentlichung des Bandes: ‹Der Leopard und andere Gedichte› zu einer ‹literarischen Sensation›. Es war Wilfrids erstes Erzeugnis nach vierjährigem Schweigen. Der Verfasser war eine Ausnahmeerscheinung, er entstammte dem alten Adel, der so wenige begabte Dichter aus seinen Reihen stellt; auch die Lebendigkeit und der bittere Ton seiner früheren Gedichte, sein Aufenthalt im Orient, fern von der Literatenwelt, und das Gerücht von seinem Übertritt zum Islam hoben ihn aus der Schar der übrigen Autoren hervor. Vor vier Jahren, kurz nach dem Erscheinen des dritten Gedichtbands, ernannte ein Kritiker Wilfrid zum ‹zukünftigen Byron›. Diese Bezeichnung hatte gezündet. Dazu verstand sich Wilfrids Verleger glänzend auf Propagandaarbeit. Während der wenigen Wochen, seit er das Manuskript in Händen hielt, war er unablässig beschäftigt, mit allen erdenklichen Leuten zu lunchen und zu dinieren und sie dabei auf den ‹Leoparden› gespannt zu machen, seit dem ‹Himmelshund› das sensationellste aller Gedichte. Auf jede Frage nach dem Grund seiner Behauptung antwortete er mit vielsagendem Mienenspiel, Nicken und diskretem Lächeln. Ob es wahr sei, daß der junge Desert Mohammedaner geworden? Jawohl. Ob er sich in London aufhalte? Jawohl, doch sei er der scheueste, rarste Vogel aus dem ganzen Schwarm der Literaten.

Auf den ersten Blick hatte der Inhaber des Verlags Compson Grice G. m. b. H. in dem ‹Leoparden› einen ‹Reißer› erkannt. Die Sache dürfte den Leuten zwar schwerlich gefallen, aber klatschen würden sie darüber um so mehr. Er brauchte nur den Schneeball ins Rollen zu bringen, dann glitt er von selbst den Abhang hinab; und war Compson Grice vom Glauben an den Erfolg eines Werkes durchdrungen, so übertraf kein zweiter ihn in dieser Kunst. Drei Tage vor dem Erscheinen des Buches begegnete er Telfourd Yule – zufällig, oder hatte die Hand der Vorsehung ihn zu dieser Begegnung geleitet?

«Wie geht's, Yule? Aus Arabien zurück?»

«Wie Sie sehn.»

«Hören Sie, ich bring am nächsten Montag einen ganz außergewöhnlichen Gedichtband heraus, ‹Der Leopard› von Wilfrid Desert. Wollen Sie ein Exemplar? Das erste Gedicht ist ein Reißer.»

«So!»

«Bohrt die Verse Alfred Lyalls in den Grund, jenes Zeug von dem Soldaten, der lieber sterben als den Glauben abschwören will – in den ‹Gedichten aus Indien›, erinnern Sie sich?»

«Ja.»

«Es heißt, Desert sei zum Islam übergetreten. Ist das wahr?»

«Fragen Sie ihn doch selbst!»

«Das Gedicht wirkt so persönlich – vielleicht liegt ihm ein eigenes Erlebnis zugrunde.»

«Wirklich?»

Compson Grice schoß es durch den Kopf: «Herrgott, wenn das nur wahr wäre! Welche Sensation!»

«Yule, kennen Sie den Mann?»

«Nein.»

«Sie müssen das lesen, ich las es atemlos in einem Zug.»

«So!»

«Aber welcher Mensch könnte es über sich bringen, ein solches Erlebnis zu veröffentlichen?»

«Weiß nicht.»

Und wieder schoß es Compson Grice jäh durch den Kopf: ‹Wenn es wahr ist, setz ich hunderttausend ab!›

Er kehrte in sein Büro zurück und dachte: ‹Yule war verflucht zugeknöpft. Mir scheint gar, ich hab den Nagel auf den Kopf getroffen und Yule weiß von der Geschichte. Desert ist erst unlängst aus dem Orient zurückgekommen und auf den Basaren dort erfährt man jeden Klatsch. Also, was trägt mir das ein?›

Einen großen Absatz vorausgesetzt, ergäbe sich bei einem Verkaufspreis von fünf Shilling ein Reingewinn von sechs Pence pro Exemplar. Bei einer Auflage von hunderttausend Exemplaren zweitausendfünfhundert Pfund! Und fast ebensoviel Honorar für Desert. Allmächtiger! Doch vor allen Dingen galt es, dem Autor gegenüber loyal zu handeln. Da kam ihm eine jener Eingebungen, wie sie loyalen Menschen angesichts eines schönen Profits nicht selten kommen.

‹Ich muß ihn drauf aufmerksam machen, daß die Leute sagen werden, es handle sich da um sein eigenes Erlebnis. Doch das tu ich lieber erst am Tag nach dem Erscheinen. Inzwischen bereite ich eine zweite große Auflage vor.›

Am Tag vor der Veröffentlichung schrieb dem Verleger ein prominenter Kritiker, Mark Hanna, der jede Woche sein Gebimmel in der ‹Glocke› ertönen ließ, er habe sich für das Gedicht ‹mächtig ins Zeug gelegt›. Ein andrer junger Mann, eine Art Piratennatur, teilte ihm kein Wort mit, ließ jedoch gleichfalls eine Besprechung vom Stapel. Beide Kritiken erschienen noch am Veröffentlichungstag. Compson Grice schnitt beide Artikel aus und nahm sie ins ‹Jasmin-Restaurant› mit, wohin er Wilfrid zum Lunch geladen hatte.

Sie trafen einander beim Eingang und begaben sich zu einem kleinen Tisch am andern Ende des Speisesaals. Der Raum war überfüllt mit Gästen, die jede Persönlichkeit auf dem Gebiet der Literatur, der Bühne und darstellenden Kunst kannten. Als erfahrener Verleger, der schon zahlreiche Autoren bewirtet hatte, wartete Compson Grice, bis eine Flasche Mouton Rothschild 1870 bis zur Neige geleert war. Dann zog er die beiden Besprechungen aus der Tasche, legte Mark Hannas Kritik vor Wilfrid hin und fragte: «Haben Sie das schon gesehn? Ziemlich gut, nicht wahr?»

Wilfrid las.

Der Kritiker hatte sich wirklich ‹mächtig ins Zeug gelegt›. Er sprach fast ausschließlich vom ‹Leoparden› und pries ihn als Offenbarung der geheimsten Winkel der Menschenseele, wie es seit Shelley noch keinem Dichter gelungen war.

«Quatsch! Shelley hat überhaupt nichts enthüllt – höchstens vielleicht in seiner Lyrik.»

«Tut nichts!» warf Compson Grice hin, «in Shelley machen heutzutage alle Kritiker.»

Die Besprechung sah in dem Gedicht ‹ein Wegreißen der letzten Hüllen des Schleiers der Heuchelei, den in unserer ganzen Literatur die Muse über ihr Verhältnis zur Religion gebreitet›. Die Kritik schloß mit den Worten: ‹Dieses Gedicht ist in der rückhaltlosen Entblößung einer von grausamem Zwiespalt zerfleischten Seele das erstaunlichste Dokument poetischer Psychologie, das uns im zwanzigsten Jahrhundert beschieden ward.›

Compson Grice sah zu, wie sein Gast den Ausschnitt fortlegte, und bemerkte ölig:

«Ausgezeichnet! Die Glut eigenen Erlebens reißt die Leute mit.»

Wilfrid zuckte auf eine seltsame Art zusammen.

«Haben Sie vielleicht einen Zigarrenabschneider zur Hand?»

Compson Grice brachte einen zum Vorschein, zugleich auch die zweite Besprechung.

«Sie sollten auch diesen Artikel im ‹Tagesfunk› lesen.»

Die Besprechung trug die Überschrift: ‹Unglaube, Bolschewismus und das britische Weltreich.›

Wilfrid nahm den Ausschnitt.

«Geoffry Coltham?» fragte er, «wer ist das?»

Die Kritik begann mit einigen ziemlich korrekten Angaben über die Vergangenheit des Dichters, seinen Lebenslauf und die frühern Werke und schloß mit seinem Übertritt zur Lehre des Propheten. Dann ging sie nach einigen anerkennenden Worten über die frühern Gedichte auf den ‹Leoparden› über, sprang dem Untier sozusagen an die Kehle und schüttelte es wie ein Bulldogg. Schließlich führte sie folgende Zeilen des Gedichtes an:

‹Verflucht die Dogmen und verdammt!
Irrlichter sind sie allesamt
Und locken uns in Sumpf und Moor.
Am Aberglauben krankt der Tor,
Wohl kennt der Weise die Arznei –
Er macht sein Hirn vom Dusel frei.
Drum auf! Tut aus dem Labekrug
Der Skepsis einen tiefen Zug!›

Mit wohlberechneter Schonungslosigkeit hieß es dann weiter:

‹Durch den dünnen Schleier hindurch, den die Fabel über das eigene Erleben breitet, sehen wir eine persönliche Bitterkeit hervorbrechen, die man unwillkürlich dem verwundeten Stolz eines maßlos hochmütigen Mannes zuschreiben muß, der an sich und dem britischen Geist Verrat begangen. Allerdings wissen wir nicht, ob Mr. Desert in diesem Gedicht mit voller Absicht seinen eigenen Beweggründen und Gefühlen beim Übertritt zum Islam Ausdruck gab – einer Religion, der er sich übrigens durch die vorhin angeführten bitteren und jämmerlichen Zeilen als keineswegs würdig erweist; doch raten wir ihm, offen vor uns hinzutreten und uns darüber Aufschluß zu erteilen. Da in unserer Mitte ein Dichter lebt, der mit seinem unleugbaren Schwung unsere Religion und unser Ansehen im Ausland auf das schwerste schädigt und unser Empfinden tief verletzt, haben wir wohl das Recht zu erfahren, ob er tatsächlich ein Renegat ist oder nicht.›

«Das halte ich für eine Verleumdung», meinte Compson Grice ruhig.

Wilfrid sah mit einem Blick zu ihm empor, der Grice später zur Bemerkung Anlaß gab: ‹Hab gar nicht gewußt, daß Desert solche Augen hat.›

«Ich bin ein Abtrünniger. Die feindliche Pistole an der Schläfe, hab ich den Glauben gewechselt. Erzählen Sie das meinetwegen aller Welt.»

‹Gott sei Dank!› lag es Compson Grice auf der Zunge, doch er bezwang sich und streckte Wilfrid die Hand hin. Der aber hatte sich zurückgelehnt und das Gesicht in einen Schleier von Zigarrenrauch gehüllt. Der Verleger rutschte bis an den Rand des Stuhls.

«Wenn ich Sie recht verstehe, wünschen Sie also, ich soll dem ‹Tagesfunk› schreiben: ‹Dem Leoparden liegt ein eigenes Erlebnis zu Grunde›?»

«Ja.»

«Mein lieber Freund, das find ich einfach großartig von Ihnen. Das heiß ich Courage!»

Das Lächeln auf Wilfrids Zügen bewog Compson Grice, sich zurückzulehnen und die Worte zu unterdrücken:

‹Grandios! Das sichert uns reißenden Absatz!› Statt dessen bemerkte er: «Das wird Ihre Position ungemein stärken. Doch ich wollt, wir könnten es diesem Kerl gebührend heimzahlen!»

«Lassen Sie ihn plappern!»

«Gut», erwiderte Compson Grice. Es war ihm durchaus nicht drum zu tun, sich in Komplikationen zu stürzen und alle seine Autoren in dem wichtigen ‹Tagesfunk› zerfetzen zu lassen.

Wilfrid erhob sich. «Besten Dank! Jetzt muß ich fort.»

Compson Grice sah ihn langsamen Schritts und erhobnen Haupts davongehn. ‹Armer Teufel!› dachte er. ‹Da mach ich wirklich einen Schab!›

Wieder im Kontor, verbrachte er einige Zeit damit, in Colthams Besprechung eine Zeile ausfindig zu machen, die er aus dem Zusammenhang reißen und als Reklame benützen könnte. Endlich entnahm er der Kritik folgende Worte:

‹Tagesfunk: Kein Gedicht in den letzten Jahren hat eine so gewaltige Wirkung wie dieses› – der übrige Teil des Satzes wurde gestrichen, denn er lautete: ‹– in dem rebellischen Bestreben, unsern geheiligtesten Überzeugungen den Boden zu entziehn.› Dann verfaßte er einen Brief an die Schriftleitung des Blattes. Er schreibe, hieß es darin, im Auftrage Mr. Deserts; dieser denke sowenig daran, das Licht der Öffentlichkeit zu scheuen, daß er sogar dringend wünsche, jedermann solle erfahren, sein Gedicht ‹Der Leopard› sei in der Tat persönlichem Erleben entsprungen. Er für seine Person, fuhr er fort, sei der Ansicht, dieses freimütige Geständnis beweise größern Mut, als man weit und breit zu finden vermöge. Er sei stolz darauf, den Vorzug zu genießen, ein Gedicht veröffentlichen zu dürfen, das an psychologischem Gehalt, Formvollendung und rein menschlichem Interesse alle zeitgenössischen Dichtungen überrage.

Er zeichnete: ‹Ihr ganz ergebener Compson Grice.› Dann ließ er die zweite Auflage vergrößern, gab den Auftrag, eine Schleife mit den Worten: ‹Erste Auflage vergriffen, zweite vermehrte Auflage› augenblicklich drucken zu lassen, und begab sich in den Klub zu seiner Bridgepartie.

Es war der ‹Polyglot-Klub›; in der Halle traf er Michael. Das Haar seines ehemaligen Berufsgenossen war gesträubt, die Ohren schienen abstehender denn je, und unvermittelt stieß er hervor:

«Grice, wie werden Sie gegen dieses Scheusal, den jungen Coltham, vorgehn?»

Compson Grice lächelte geschmeidig und gab zur Antwort:

«Unbesorgt! Ich zeigte Desert die Besprechung und er ersuchte mich, ich solle durch ein unumwundenes Bekenntnis der Sache die Spitze abbrechen.»

«Grundgütiger!»

«Warum so entsetzt? Wußten Sie denn nichts?»

«Doch, ich wußte es wohl, aber –»

Diese Worte waren Balsam für die Ohren des Verlegers, denn Zweifel an der Wahrheit von Wilfrids Bekenntnis waren ihm gekommen. Konnte ein Mensch wirklich in eigener Sache ein derartiges Gedicht veröffentlichen? Und es dazu noch selbst ausposaunen? Doch jetzt waren seine Zweifel geschwunden, Mont war ja Deserts Entdecker und vertrautester Freund gewesen.

«Ich schrieb also in diesem Sinne an den ‹Tagesfunk›.»

«Hat Wilfrid Sie ausdrücklich darum ersucht?»

«Jawohl.»

«Die Publikation dieses Gedichts ist heller Wahnsinn. Er muß rein den Verstand verloren haben!» Plötzlich gewahrte er den Ausdruck in des Verlegers Miene und fuhr in bitterm Tone fort: «Sie erhoffen sich da einen schönen Schab!»

«Der pekuniäre Erfolg bleibt abzuwarten», gab Compson Grice kühl zurück.

«Quatsch!» erwiderte Michael, «die Leute werden sich jetzt das Buch aus den Händen reißen. Der Teufel hole das Gesindel! Haben Sie Wilfrid heute schon gesehn?»

«Er hat mit mir geluncht.»

«Welchen Eindruck machte er auf Sie?»

‹Wie Luzifer nach dem Fall›, schwebte es Compson Grice auf den Lippen. Doch er bemerkte nur: «Einen ganz guten – vollkommen ruhig.»

«So ruhig wie der Satan! Grice, passen Sie auf: Wenn Sie nicht zu ihm stehn und alles dran setzen, ihm aus dieser Patsche zu helfen, sprech ich mein Lebtag kein Wort mehr mit Ihnen.»

«Lieber Freund», gab Compson Grice mit einer gewissen Würde zurück, «was denken Sie von mir?» Er zog sich die Weste straff und verschwand ins Spielzimmer.

«Der Kerl hat Fischblut!» murmelte Michael und eilte nach der Cork Street. ‹Ob mich der alte Junge jetzt wohl sehn will?› fuhr es ihm durch den Sinn.

Doch am Straßeneingang schrak er zurück und schlug den Weg nach der Mount Street ein. Dort erfuhr er, daß seine Eltern ausgegangen seien, Miss Dinny jedoch halte sich seit Vormittag wieder im Hause auf.

«Na schön, Blore. Wenn sie daheim ist, finde ich sie selbst.»

Er stieg die Treppe hinauf und öffnete leise die Tür des Empfangszimmers. Im Alkoven unter dem Papageienkäfig ihrer Tante saß Dinny ganz unbeweglich und so stramm wie ein kleines Mädel in der Schulstunde, die Hände hielt sie im Schoß, der Blick war ins Leere gerichtet. Erst als Michael ihr die Hand auf die Schulter legte, gewahrte sie ihn.

«Träumst du?»

«Wie lernt man sich nur beherrschen, wenn man jemanden umbringen möchte?»

«Aha, dieser Giftspritzer! Haben deine Leute die Besprechung im ‹Tagesfunk› schon gesehn?»

Dinny bejahte.

«Wie wirkte es?»

«Schweigen, zusammengepreßte Lippen.»

Michael nickte.

«Arme liebe Dinny! Dann fuhrst du in die Stadt?»

«Ja. Ich geh mit Wilfrid ins Theater.»

«Grüß ihn herzlich von mir und sag ihm, wenn er mich zu sehn wünscht, komm ich jeden Augenblick. Und, hör doch, Dinny, mach ihm irgendwie klar, wie sehr wir ihn alle bewundern, weil er die Brücken hinter sich abgebrochen hat.»

Dinny sah empor; Michael war über ihren Gesichtsausdruck betroffen.

«Ihn trieb nicht allein der Stolz, Michael. Etwas nagt an ihm und das macht mir Sorge. Ganz heimlich überkommt ihn manchmal der Zweifel, ob er nicht doch aus Feigheit übertrat. Ich weiß, diesen Gedanken kann ich ihm nicht austreiben. Er bildet sich ein, er muß jetzt um jeden Preis den Beweis erbringen – nicht so sehr den andern als sich selbst – daß er kein Feigling ist. Ich bin überzeugt davon, er ist es nicht. Doch solang er das nicht sich und der Welt bewiesen hat, trau ich ihm alles Mögliche zu.»

Michael nickte. Während seiner einzigen Unterredung mit Wilfrid hatte er sich eine ganz ähnliche Meinung gebildet.

«Weißt du schon, daß er seinen Verleger ersuchte, die Sache öffentlich zu bekennen?»

«Ach!» rief Dinny überrascht, «was nun?»

Michael zuckte die Achseln.

«Michael, wird irgend jemand begreifen können, in welcher Lage Wilfrid sich damals befand?»

«Die wenigsten haben Phantasie genug. Ich selbst kann mich ja auch nicht in seine Lage versetzen. Kannst du es?»

«Ja, aber nur, weil es Wilfrid zugestoßen ist.»

Michael faßte sie am Arm.

«Gott sei Dank, Dinny, du hast noch ein altmodisches mitfühlendes Herz, nicht diesen modernen ‹Triebkomplex›.»


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