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XVII

Als sie in der Chelsea-Blumenausstellung ankamen, sagte Lady Mont nachdenklich: «Ich soll Boswell und Johnson bei den Pantoffelblumen treffen. Welch ein Gedränge!»

«Ja, und wie häßlich alle diese Leute sind! Kommen sie nur deshalb her, weil sie sich nach der Schönheit sehnen, die ihnen versagt blieb?»

«Boswell und Johnson kann ich diese Sehnsucht nicht einimpfen. Hier kommt Hilary. Seit zehn Jahren trägt er denselben Anzug. Da, nimm das und lauf um Karten, sonst wird am Ende er sie zahlen.»

Eine Fünfpfundnote in der Hand, glitt Dinny zum Schalter und wich dabei, so gut es ging, dem Blick des Onkels aus. Sie besorgte vier Karten und wandte sich lächelnd um.

«Hab dich schon gesehn, du Schlange! Wohin gehn wir zuerst? Zu den Azaleen! Bei einer Blumenschau will ich den Sinnen ihr volles Recht lassen.»

Lady Monts gewichtige Persönlichkeit rief eine kleine Verkehrsstörung hervor; unter halbgesenkten Lidern musterte sie sinnend die Leute, die sich augenscheinlich hier eingefunden hatten, um die Blumen durch ihr unschönes Aussehn noch mehr zur Geltung zu bringen.

Im Zelt, das sie betraten, war es trotz des feuchten, kühlen Wetters durch die Blumendüfte und die vielen Besucher angenehm warm. Die prachtvoll schönen Pflanzengruppen waren von allerlei Menschentypen umringt, die Leute zeigten samt und sonders jenen seltsam verwandten Zug, den gemeinsame Liebhaberei hervorruft. Das ganze Heer der Blumenzüchter war versammelt: Leute, die Primeln in Blumentöpfen zogen oder Kapuzinerkresse, Schwertlilien und Gladiolen in kleinen Londoner Vorstadtbeeten, Rosen, Malven und Nelken in kleinen Provinzgärten; Inhaber größerer Kulturen, Eigentümer von Treibhäusern und Pflanzschulen waren nur in geringer Zahl vertreten, vermutlich hatten sie die Ausstellungsräume schon früher besichtigt oder würden sich erst später einfinden. Alle Besucher gingen neugierig umher, sandten spähende Blicke in die Runde, als wollten sie über ihre nächsten Versuche schlüssig werden. Die Gärtner blieben immer wieder vor den Pflanzen stehn und sprachen aufeinander ein wie Leute, die Wetten abschließen. Ringsum erhob sich gedämpftes Stimmengewirr, im Vorstadtdialekt, den Mundarten der Provinz und kultiviertem Englisch, und gemahnte an das Summen der Bienen, nur klang es nicht so lieblich; und alle diese Gespräche drehten sich um Blumen. Dies mühsam zurückgedämmte Aufflammen einer Nationalleidenschaft zwischen Zeltwänden und der Blumenduft übten auf Dinny eine hypnotische Wirkung – schweigend, mit dem Stumpfnäschen leicht schnuppernd, wanderte sie von einer herrlichen Gruppe zur andern. Die Stimme ihrer Tante scheuchte sie auf.

«Da sind sie!» rief Lady Mont und wies mit dem Kinn nach einer bestimmten Richtung.

Dinny sah zwei Männer so reglos dastehn, als hätten sie den Grund ihres Kommens ganz vergessen. Der eine hatte einen rötlichen Schnurrbart und traurige Kuhaugen; der andre sah wie ein flügellahmer Vogel aus. Beide trugen Sonntagsanzüge, so steif wie Bretter. Sie sprachen kein Sterbenswort, sahn auch nicht die Blumen an und erweckten den Eindruck, als habe die Vorsehung sie ohne Zweck und Ziel hierhergestellt.

«Welcher von beiden ist Boswell, Tantchen?»

«Der ohne Schnurrbart», gab Lady Mont zur Antwort. «Der mit dem grünen Hut ist Johnson. Er ist taub. Sieht ihm ähnlich.»

Sie trat auf die beiden zu und Dinny hörte sie rufen:

«Ah!»

Die beiden Gärtner rieben die Hände an den Hosenbeinen, blieben aber stumm wie Fische.

«Gefällt's euch hier?» hörte sie die Tante fragen. Die Lippen der beiden bewegten sich, brachten jedoch keinen Laut hervor. Der eine, den die Tante Boswell genannt, zog die Mütze und kratzte sich den Kopf. Lady Mont wies jetzt auf die Pantoffelblumen, da begann der Mann im grünen Hut ganz unvermittelt zu sprechen. Er sprach so leise, daß nach Dinnys Meinung nicht einmal die Tante ein Wort verstehn konnte; aber unaufhaltsam plätscherte der Strom seiner Rede weiter und schien ihm selbst volle Genugtuung zu bereiten. Alle Augenblicke hörte Dinny die Tante «Ah!» rufen, Johnson aber fuhr unverdrossen fort. Plötzlich hielt er inne, die Tante sagte nochmals «Ah!» und trat zu Dinny zurück.

«Was hat er gesagt?» fragte Dinny.

«Hab kein Wort verstanden», erwiderte Lady Mont, «unmöglich, was zu verstehn, aber ihm hat's wohlgetan.» Sie winkte den beiden Gärtnern, die wie Bildsäulen dastanden, einen Abschiedsgruß zu und schritt den Ihren voran.

Nun wanderten sie ins Rosenzelt hinüber; Dinny warf einen Blick auf die Uhr. Sie hatte mit Wilfrid vereinbart, ihn am Eingang dieses Zelts zu treffen.

Eilig sah sie sich um. Wahrhaftig, da stand er! Hilary folgte allem Anschein nach seiner Nase, Tante May folgte Onkel Hilary, Tante Emily plauderte mit einem Gärtner. Hinter einer verschwenderisch blühenden Gruppe von Kitchener-Rosen glitt sie zum Eingang zurück, nahm Wilfrids Hände in die ihren und vergaß alles um sich her.

«Fühlst du dich stark, Liebster? Tante Emily ist hier und Onkel Hilary samt Frau. Ich möchte so gern, daß du sie kennenlernst, sie alle zählen mit.»

In diesem Augenblick kam er ihr wie ein trotziges Pferd vor, das einem nie gesehenen Hindernis gegenübersteht.

«Wenn du unbedingt willst, Dinny.»

Sie fanden Lady Mont im Gespräch mit den Vertretern der ‹Plantem-Gärtnereien›.

«Das da braucht südliche Lage und Kalkboden; die Nemesia nicht – ungünstiger Boden – sie verdorren so leicht. Der Phlox ist nicht aufgegangen, so behaupten wenigstens die Gärtner, man kann schließlich nie wissen. Meine Nichte Dinny – Mr. Plantem. Wir beziehn viel von ihm. Ah! Mr. Desert! Guten Tag! Ich erinnere mich noch, wie Sie bei der Trauung Michaels Arme hochhielten.» Sie hatte ihre Hand in Wilfrids Hand gelegt und offenbar sie wieder zurückzuziehen vergessen, während ihre Augen unter den hochgezogenen Brauen mit dem Ausdruck milden Staunens seine Züge prüften.

«Onkel Hilary», stellte Dinny vor.

«Ach richtig!» rief Lady Mont und kehrte wieder in die Gegenwart zurück. «Hilary, May – Mr. Desert.»

Hilary gab sich wie immer ganz natürlich, Tante May aber sah so förmlich drein wie bei der Begrüßung eines Domherrn. Und fast im selben Augenblick überließen die Verwandten wie im stillen Einvernehmen Dinny ihrem Liebsten.

«Was hältst du von Onkel Hilary?»

«Er sieht aus wie ein Mensch, an den man sich im Unglück wenden kann.»

«Stimmt! Er hütet sich instinktiv davor, mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, und doch ist er stets rührig. Das ist er wohl von seinem Leben im Elendsviertel her gewöhnt. Die Veröffentlichung des ‹Leoparden› hält er wie Michael für einen Mißgriff.»

«Da meint er wohl, ich wolle mit dem Schädel gegen die Wand rennen, wie?»

«Ja.»

«Der Würfel ist gefallen, wie man so sagt. Tut mir leid, Dinny, wenn es dir Kummer macht.»

Dinnys Hand haschte nach der seinen. «Nein. Wir wollen unter eigner Flagge segeln; aber versuche doch, Wilfrid, um meinetwillen ruhig Blut zu wahren, auch ich will mir ja alle Mühe geben. Sollen wir uns nicht hinter diesen farbensprühenden Fuchsien hinausstehlen? Meine Angehörigen erwarten es wohl nicht anders.»

Sie verließen das Zelt und schritten dem Ausgang am Themsekai zu, an den Ufergärten vorbei; und vor jedem dieser Steingärten stand im Nebel der Mann, der ihn angelegt hatte, als wolle er den Vorübergehenden zurufen: ‹Seht euch das doch nur an und gebt mir einen Auftrag!›

«So schöne Gärten schaffen sie und müssen sich die Augen aus dem Kopf schaun, damit jemand von ihnen Notiz nimmt», meinte Dinny.

«Wohin gehn wir?»

«Vielleicht in den Battersea-Park?»

«Also über die Brücke.»

«Es war wirklich reizend von dir, daß ich dich mit ihnen bekanntmachen durfte, aber dreingesehen hast du wie ein Pferd, das durchgehn will. Ich hätte dir gern die Mähne gestreichelt.»

«Ich bin es gar nicht mehr gewöhnt, mit Leuten zu sprechen.»

«Ich bin froh, daß du nicht von andern abhängig bist.»

«Total unbrauchbar als Gesellschaftsmensch. Doch von dir hätt ich gedacht –»

«Ich brauche niemanden als dich! Mir scheint, ich hab eine besonders anhängliche Natur. Ohne dich käm ich mir vor wie ein verlaufener Hund.»

Das Zucken um seinen Mund sprach mehr als alle Worte.

«Hast du schon das Heim für verlaufene Hunde gesehn? Dort drüben an der Ecke ist es.»

«Nein. Verlaufene Hunde – entsetzlicher Gedanke! Vielleicht aber sollte man doch an diese armen Geschöpfe denken. Komm, sehn wir sie uns an!»

Die Anstalt gemahnte an ein Spital und machte den Eindruck, sie sei schließlich immer noch das denkbar Beste für Wesen, denen das denkbar Schlimmste widerfahren. Sie vernahmen von verschiedenen Seiten Bellen und gewahrten einen gewissen fragenden Blick in den Augen mancher Hunde. Schwänze wedelten, als sie näher traten. Die Rassehunde blickten ruhiger und trauriger drein als die Köter, die in der Überzahl waren. In einer Ecke des drahtumzäunten Verschlags hockte ein schwarzer Wachtelhund und hielt den Kopf mit den langen Ohren tief gesenkt. Wilfrid und Dinny gingen zu ihm hinüber.

«Wie in aller Welt», rief Dinny, «kann man nur einen so schönen Hund abzuholen vergessen! Wie traurig er ist!»

Wilfrid fuhr mit den Fingern durchs Gitter, der Hund blickte auf. Sie sahn seine ein wenig blutunterlaufnen Augen und ein seidenweiches Haarbüschel auf seiner Stirn. Lässig erhob er sich aus seiner hockenden Stellung und begann leise zu keuchen wie in einem innern Kampf oder als erwäge er, was dieser Besuch für ihn zu bedeuten habe.

«Nur heran, alter Bursche!»

Bedächtig kam der rabenschwarze Hund auf den vier hohen, langhaarigen Beinen herbei. Unverkennbar war er von vornehmer Rasse, was ihn noch geheimnisvoller machte. Nun stand er fast in Reichweite, regte leise den gestutzten Schwanz und ließ ihn wieder sinken, als habe er sich gesagt: ‹Ich versäume keine Gelegenheit, aber du bist nicht mein Herr.›

«Nun, alter Bursche?» sagte Wilfrid.

Dinny beugte sich nieder. «Gib mir einen Kuß!»

Der Hund blickte zu ihnen empor, wedelte einmal mit dem Schweif und ließ ihn wieder sinken.

«Der ist auch keine gesellige Natur», meinte Wilfrid.

«Er ist zu traurig, um auf dich zu hören.» Dinny beugte sich tiefer hinab, und endlich gelang es ihr, die Hand durch den Draht zu zwängen. «Komm, Liebling!» Der Hund beschnupperte ihren Handschuh. Wieder wedelte er sacht mit dem Schweif; einen Augenblick kam eine rosa Zunge zum Vorschein und fuhr prüfend über die Lippen. Mit äußerster Anstrengung erreichten Dinnys Finger die seidenweiche Schnauze des Hundes.

«Wilfrid, der ist von ausgezeichneter Rasse.»

«Vermutlich gestohlen und dann durchgebrannt. Wahrscheinlich aus einem Hundestall auf dem Land.»

«Hundediebe könnt ich hängen lassen!»

Die dunkelbraunen Augen des Tieres schimmerten in den Winkeln etwas feucht. Lebhaft und doch bange sah er zu Dinny empor, als wollte er sagen: ‹Du bist nicht meine Vergangenheit und wer weiß, ob ich eine Zukunft habe.›

Sie blickte auf: «Ach Wilfrid!»

Er nickte und ließ sie mit dem Hund zurück. Vornübergebeugt stand sie da und kraulte dem Tier die Ohren, bis Wilfrid zurückkam. Hinter ihm nahte ein Mann mit Leine und Halsband in den Händen.

«Ich hab ihn bekommen», erklärte Wilfrid. «Sein Termin war schon gestern abgelaufen, weil er aber so hübsch ist, hätte man ihn noch eine Woche behalten.»

Dinny wandte sich fort und wischte hastig Tränen aus den Augen. Da hörte sie den Mann sagen: «Bevor er weggeht, leg ich ihm das an, sonst nimmt er noch Reißaus. Er konnte sich hier nicht eingewöhnen.»

Dinny kehrte sich dem Mann zu.

«Falls sich sein Eigentümer meldet, geben wir ihn augenblicklich zurück.»

«Wenig Aussicht, Miss. Meiner Meinung nach ist sein Herr gestorben. Wahrscheinlich streifte dann das Tier sein Halsband ab und lief davon, den Herrn zu suchen. Dabei wird er sich verlaufen haben, und niemand kümmerte sich so sehr um ihn, daß er hergeschickt und nachgefragt hätte. Ein schönes Tier! Sie haben ihn billig bekommen. Freut mich. Ich hätt es nicht gern gesehn, wenn man diesen Hund umgebracht hätte. Obendrein ist er jung.»

Er legte dem Hund das Halsband an, führte ihn zu den beiden hin und gab Wilfrid die Leine in die Hand. Der gab ihm seine Karte.

«Falls sich der Eigentümer meldet. Komm, Dinny! Gehn wir ein Stückchen zu Fuß. Los, Bursche!»

Als der namenlose Hund diesen schönsten Ausdruck seines Wortschatzes vernahm, lief er, soweit es die Leine erlaubte.

«Vermutlich hat dieser Mann mit seiner Ansicht recht», meinte Wilfrid. «Hoffentlich! Wir werden den Burschen gewiß lieb gewinnen.»

Draußen auf dem Rasen suchten sie den Hund etwas zutraulicher zu machen. Geduldig nahm er ihre Aufmerksamkeiten hin, versuchte aber nicht, sie zu erwidern. Schwanz und Augen hielt er gesenkt und verschob sein Urteil über die beiden offenbar auf einen späteren Zeitpunkt.

«Schaffen wir ihn lieber nach Hause», schlug Wilfrid vor. «Bleib du hier, ich hole einen Wagen.»

Er wischte mit dem Taschentuch einen Parksessel ab, übergab ihr die Leine und eilte davon.

Dinny nahm Platz und betrachtete den Hund. Soweit die Leine ihm Spielraum ließ, war er Wilfrid nachgelaufen, dann hockte er sich in der Haltung nieder, in der die beiden ihn zuerst gesehen hatten.

Was solch ein Hund wohl fühlte? Augenscheinlich vermochte er einfache Schlüsse zu ziehn, empfand Liebe, Abneigung, Groll, Begehren und Freude wie die Menschen. Aber sein Wortschatz war spärlich und Begriffe fehlten ihm gänzlich. Immerhin, besser als in seinem Drahtverhau inmitten jener Schar gefühlsstumpfer Hunde ging es ihm bei Wilfrid für alle Fälle!

Der Hund kam zu ihr zurück, hielt jedoch den Kopf unverwandt nach der Richtung gekehrt, die Wilfrid eingeschlagen, und begann zu winseln.

Ein Taxi fuhr vor, der Hund hörte zu winseln auf und begann zu keuchen.

«Der Herr kommt!» Da zerrte das Tier mit aller Macht.

Wilfrid trat vor sie hin; an der schlaffen Leine merkte sie die Enttäuschung des Hundes. Dann straffte sich die Schnur wieder, Dinny spürte, wie das Tier mit dem Schweif wedelte, während es die Stulpen von Wilfrids Hosen beschnupperte.

Im Auto saß der Hund auf dem Boden, das Kinn auf Wilfrids Schuhen. In der Piccadilly wurde er unruhig und legte schließlich das Kinn auf Wilfrids Knie. Diese Fahrt mit dem Hund und Wilfrid brachte Dinnys Gefühl in Aufruhr und beim Aussteigen atmete sie freier.

«Bin neugierig, was Stack dazu sagt», meinte Wilfrid. «Ein Wachtelhund in der Cork Street ist keine Kleinigkeit.»

Gelassen stieg der Hund treppan.

«Gottlob, er ist ans Haus gewöhnt!» rief Dinny erleichtert.

Im Wohnzimmer beschnupperte das Tier den Teppich. Dann kam es offenbar zu dem Schluß, hier gebe es keine Artgenossen und die Möbelbeine seien auch nicht besonders interessant. Schließlich legte der Hund die Nase auf den Diwan und blinzelte aus den Augenwinkeln zu ihnen empor.

«Herauf!» befahl Dinny. Der Hund sprang auf den Diwan.

«Du meine Güte!» rief Wilfrid, «der stinkt!»

«Baden wir ihn. Während du die Wanne füllst, untersuch ich sein Fell.»

Sie hielt den Hund, der Wilfrid nachlaufen wollte, fest und begann seine Haare zu zerteilen. Dabei fand sie einige gelbe Flöhe, jedoch keinen andern Inwohner.

«Du stinkst wirklich, Liebling!»

Der Hund wandte den Kopf und leckte ihr die Nase.

«Dinny, das Bad ist fertig!»

«Ich fand nur ein paar Hundeflöhe.»

«Wenn du mir helfen willst, leg dein Kleid ab, du verdirbst es dir sonst ganz, und zieh dir diesen Bademantel an!»

Hinter Wilfrids Rücken warf Dinny das Kleid ab und schlüpfte in einen blauen Bademantel; sie gab sich der leisen Hoffnung hin, er würde sich nach ihr umdrehn, rechnete es ihm aber hoch an, daß er es unterließ. Dann rollte sie die Ärmel auf und trat neben ihn. Als Wilfrid den Hund über die Wanne hielt, ließ das Tier die Zunge weit heraushängen.

«Dinny, er wird doch nicht am Ende erbrechen?»

«Nein, Hunde machen das immer so. Sachte, Wilfrid, laß ihn nicht plätschern, sonst erschrickt er. Los!»

Im Wasser hielt das Tier nach kurzem Strampeln still, ließ den Kopf hängen und gab sich alle Mühe, auf der schlüpfrigen Fläche nicht auszugleiten.

«Da ist Haarshampoon, besser als nichts. Ich halt ihn, reib du ihn damit ein.»

Dinny schüttelte etwas Shampoon auf den glänzendschwarzen Rücken des Hundes, goß ihm Wasser auf die Flanken und begann zu reiben. Diese erste häusliche Szene mit Wilfrid war für sie eine ungetrübte Freude und brachte sie ihm und dem Hund nahe. Endlich richtete sie sich auf.

«Puh! Mein Rücken! Spül den Hund ab und leere die Wanne, ich halte ihn.»

Wilfrid spülte das Tier ab, das den Verlust seiner Flöhe nicht übermäßig zu bedauern schien. Es schüttelte sich heftig, beide sprangen zurück.

«Nicht herauslassen!» rief Dinny, «wir müssen ihn noch in der Wanne trocknen.»

«Gut. Leg die Hände um seinen Nacken und halt ihn fest.»

In ein riesiges Badetuch gehüllt, hob der Hund den Kopf zu ihr empor und sah ganz kläglich und verloren drein.

«Armer Bursche! Na, jetzt ist es bald vorbei und du wirst herrlich duften.»

Der Hund schüttelte sich.

Wilfrid zog das Badetuch zurück. «Halt ihn einen Augenblick, ich hol eine alte Decke und wir frottieren ihn, bis er trocken ist.»

Dinny blieb mit dem Hund allein, hielt ihn mit den Vorderpfoten über den Rand der Wanne und rieb drauflos, während das arme Tier herauswollte und todtraurig dreinsah.

«Da! So ist es schon besser!»

Sie wickelten den fast ohnmächtigen Hund in eine alte Decke und trugen ihn zum Diwan.

«Wie sollen wir ihn taufen, Dinny?»

«Versuchen wir es mit ein paar Namen, vielleicht erraten wir den richtigen.»

Der Hund aber hörte auf keinen. «Auch recht», meinte Dinny, «wir wollen ihn Foch nennen. Foch verdanken wir es, daß wir uns wieder trafen.»


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