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X

Nach der Mahlzeit machte sich Michael auf den Weg, ohne zu sagen, wohin er gehe. Seitdem sein Schwiegervater gestorben war und er von Fleurs Treubruch mit Jon Forsyte gehört, hatten seine Beziehungen zu Fleur eine kaum merkliche, aber tiefe Wandlung erfahren. Er stand nun nicht länger willenlos in ihrem Banne, sondern hatte sich in seinem Hause die Freiheit zurückerobert. Kein Wort hatten die beiden mehr über jene Affäre gewechselt, die fast vier Jahre zurücklag, kein Hauch des Verdachts hatte seither seine Neigung zu Fleur getrübt; diese Geschichte war tot und begraben. Michael war dem Anschein nach ihr gegenüber noch immer der alte, doch innerlich hatte er seine Selbständigkeit zurückgewonnen, und Fleur war diese Veränderung nicht entgangen. In der Angelegenheit Wilfrids war also die Mahnung seines Vaters überflüssig gewesen. Michael hätte ohnedies seiner Frau nichts davon verraten. Zwar mißtraute er keineswegs ihrer Verschwiegenheit, auf die konnte er bauen, doch war ihm klar, sie könne in dieser Sache nicht von Nutzen sein.

Zu Fuß begab er sich zu Wilfrid. ‹Der Junge ist verliebt›, dachte er, ‹drum treff ich ihn wahrscheinlich um zehn zu Hause, falls er nicht irgendwo Verse schmiedet – doch draußen im Straßenlärm kann man nicht Gedichte schreiben und in den Klubräumen auch nicht, die Atmosphäre dort lähmt den poetischen Schwung.› Er überquerte die Pall Mall, drang in das Gewirr enger Gassen ein, wo lauter Junggesellen hausten, und kam endlich in die Piccadilly, wo noch die Ruhe vor dem Sturm der heimkehrenden Theaterbesucher herrschte. Dann schritt er eine Seitengasse entlang, in der hilfreiche Geister in Menschengestalt sich angesiedelt hatten – Schneider, Buchmacher und Geldverleiher; endlich bog er in die Cork Street ein.

Schlag zehn stand er vor dem Hause, dessen er sich noch so gut entsann. Schräg gegenüber lag die Bildergalerie, wo er Fleur zum ersten Mal getroffen.

Michael hielt einen Augenblick verwirrt inne, in jene Erinnerungen verloren. Drei Jahre hindurch war er Wilfrid ein treuer Freund gewesen, bis ihr Bund durch Wilfrids seltsame Leidenschaft für Fleur in die Brüche ging. ‹Durch Dick und Dünn gingen wir miteinander›, dachte er, und während er die Treppe hinanstieg, wurden all die alten Gefühle in ihm wieder wach.

Bei seinem Anblick nahmen die mönchisch strengen Züge des Dieners Stack einen mildern Ausdruck an.

«Mr. Mont? Freut mich, Sie zu sehn, Sir.»

«Wie geht's Ihnen, Stack?»

«Danke, Sir; man wird älter, im übrigen bin ich noch recht gut beisammen. Mr. Desert ist zu Hause.»

Michael legte den Hut ab und trat ein.

Wilfrid, der im dunklen Schlafrock auf dem Diwan lag, setzte sich auf.

«Donnerwetter! ‹Großartig!› hätt ich fast gesagt.»

«Wie geht's, Wilfrid?»

«‹Glänzend!› hätt ich fast gesagt. Stimmt aber nicht ganz. Stack, etwas zum Trinken!»

«Gratuliere, alter Junge!»

«Weißt du, zum ersten Mal traf ich sie auf deiner Hochzeit.»

«Beinah zehn Jahre her. Ihr Haar ist nicht mehr dasselbe. Wilfrid, du hast die schönste Blume unseres Familiengartens gepflückt; wir alle sind in Dinny verliebt.»

«Ich mag nicht über sie reden, doch denke ich dafür um so mehr an sie.»

«Wieder gedichtet, alter Junge?»

«Ja. Morgen wandert ein kleiner Band zum selben Verleger. Erinnerst du dich noch an den ersten?»

«Das will ich meinen! Die einzigen Verse, die ich lese! Das beste Geschäft, das ich damals dem Verlag vorschlug.»

«Der neue Band ist besser. Eines der Gedichte ist tatsächlich echt.»

Stack trat mit einem Servierbrett wieder ein.

«Bediene dich, Michael!»

Michael schenkte sich etwas Kognak ein und tat nur wenig Wasser dazu. Dann steckte er sich eine Zigarette an und nahm wieder Platz.

«Wann ist der große Tag?»

«So bald wie möglich, auf dem Standesamt.»

«So. Und dann?»

«Dinny will mir England zeigen, solang es noch sonnig ist. Den Sommer über werden wir uns vermutlich hier aufhalten.»

«Und dann reist du mit ihr nach Syrien zurück?»

Desert rutschte unbehaglich auf den Kissen herum.

«Weiß nicht, vielleicht noch weiter – sie soll entscheiden.»

Michael starrte auf seine Schuhe nieder, neben die ein wenig Asche auf den Perserteppich gefallen war.

«Alter Junge!» hob er an.

«Nun?»

«Kennst du vielleicht einen Zugvogel namens Telfourd Yule?»

«Dem Namen nach – schreibt Abenteurergeschichten.»

«Vor kurzem ist er aus Arabien und dem Sudan zurückgekehrt. Er brachte ein Gerücht mit heim.» Ohne den Blick zu heben, gewahrte Michael, daß Wilfrid sich emporgerichtet hatte.

«Dich geht es an. Es ist sonderbar und peinlich. Er glaubt, du weißt davon.»

«Nun?»

Michael stieß unwillkürlich einen Seufzer aus.

«Kurzum, die Beduinen behaupten, du habest dich zum Islam bekannt, als dir der Feind die Pistole vorhielt. Yule erfuhr dieses Gerücht in Arabien, dann in der libyschen Wüste, den Ort – Darfur, den Namen des Scheichs und des Engländers.» Noch immer, ohne den Blick zu heben, sah er Wilfrids Augen unverwandt auf sich gerichtet, sah, wie ihm der Schweiß auf die Stirn trat.

«Nun?»

«Yule möchte es dich gern wissen lassen, äußerte er im Klub meinem Vater gegenüber, und der sagte es mir. Ich versprach, es dir mitzuteilen. Verzeih!»

Schweigen. Michael hob den Blick. Welch seltsam schönes Gesicht! Wie zerquält, und doch – wie bestrickend!

«Nichts zu verzeihn. Es ist wahr.»

«Lieber, alter Junge!» stieß Michael hervor, brachte aber kein weiteres Wort über die Lippen.

Desert erhob sich, trat zu einer Kommode und entnahm ihr ein Manuskript.

«Da, lies das!»

In den folgenden zwanzig Minuten, während Michael das Gedicht las, war kein Laut zu vernehmen, bis auf das Knistern der umgewandten Blätter. Endlich legte Michael sie wieder hin.

«Prachtvoll!»

«Ja, aber du hättest so etwas nie getan.»

«Hab keine Ahnung, was ich in diesem Fall getan hätte.»

«Doch! Du weißt ganz gut, wie du gehandelt hättest! Bei dir hätten nie Sophistereien und weiß der Teufel was für Hirngespinste über den ersten Impuls den Sieg davongetragen, wie bei mir. Auch mich trieb es im ersten Augenblick, zu rufen: ‹Schieß zu und fahr zur Hölle!› Hätt ich's doch nur getan; dann säße ich jetzt nicht hier! Sonderbar: wenn er mir mit der Folter gedroht hätte, wär ich standhaft geblieben. Und doch zieh ich den Tod der Folter vor.»

«Jemanden zu foltern, ist eine Gemeinheit.»

«Es war kein gemeiner Kerl, das sind Fanatiker nie. Wär er brutal auf mich losgegangen, ich hätt ihn umgebracht. Doch er war nicht brutal. Er wollt mich gar nicht niederknallen. Er bat mich, ich solle ihn doch nicht dazu zwingen – stand, die Pistole in der Hand, vor mir und bat mich. Ich hab die Araber gern. Sein Bruder ist mein Freund. Herrgott, der Fanatismus ist doch etwas Hirnverbranntes! So stand er vor mir, die Finger am Hahn, und bat mich.» Desert lachte. «Verdammt menschlich! Noch jetzt seh ich seine Augen vor mir. Er hatte ein Gelübde getan, Ungläubige zu bekehren, und litt Höllenqualen. Noch nie hab ich einen Menschen so erleichtert aufatmen gesehn.»

«Davon steht in dem Gedicht aber gar nichts», bemerkte Michael.

«Mitgefühl mit dem Henker ist wohl kaum ein Entschuldigungsgrund. Ich bilde mir auf Sentimentalität nichts ein, zumal, wenn sie einem das Leben rettet. Vielleicht war das auch gar nicht mein Beweggrund. Für einen Glaubenslosen ist die Konfession ein Plunder. Und für solchen Plunder ins ewige Dunkel zu wandern! Wenn ich schon sterben soll, dann will ich doch wenigstens wissen, wofür!»

«Hältst du es nicht für besser», fragte Michael bedrückt, «das Ganze einfach in Abrede zu stellen?»

«Ich leugne nichts. Wenn es herauskommt, steh ich dafür ein.»

«Weiß Dinny davon?»

«Ja. Sie hat das Gedicht gelesen. Zuerst wollt ich ihr die Sache nicht erzählen, tat es dann aber doch. Und sie benahm sich ganz anders als alle andern. Großartig!»

«Schön. Doch gerade ihretwegen solltest du vielleicht leugnen.»

«Nein, aber verzichten sollt ich auf sie.»

«Da hat sie wohl auch ein Wort mitzureden. Wenn Dinny verliebt ist, dann ist sie's bis über die Ohren.»

«Mir geht's nicht besser.»

Der bittere Ernst der Lage überwältigte Michael. Er stand auf und goß sich verwirrt noch etwas Kognak ein.

«Ja, so ist's», erklärte Desert und folgte ihm mit dem Blick. «Stell dir vor, die Zeitungen schnüffeln das heraus!» Und wieder lachte er auf.

«Scheint mir fraglich», meinte Michael ein wenig tröstend. «Yule erfuhr ja beide Male nur in der Wüste davon.»

«Was man heut in der Wüste erzählt, davon klatscht man morgen in den Basaren. Da hilft nun einmal nichts, ich muß es auslöffeln.»

Michael legte ihm die Hand auf die Schulter. «Auf mich kannst du zählen. Biet ihnen also die Stirn! Aber ich fühle deutlich, was dir bevorsteht.»

«Geächtet. Gebrandmarkt. Zum feigen Verräter gestempelt!»

«Unsinn!» rief Michael.

Rückhaltlos fuhr Wilfrid fort: «Und doch bäumt sich alles in mir dagegen auf, für etwas zu sterben, woran ich nicht glaube. Aberglaube, Legenden – wie ich das alles hasse! Lieber möcht ich ihnen um den Preis meines Lebens den Todesstoß versetzen, als sie verteidigen! Wenn mich jemand zwänge, ein Tier zu quälen, einen Mitmenschen aufzuknüpfen, ein Weib zu vergewaltigen – ich stürbe lieber, eh ich das täte, selbstverständlich. Warum zum Teufel aber soll ich den Kerlen etwas zulieb tun, die ich verachte, verachte, weil sie sich noch immer an morsche Dogmen klammern, die mehr Unheil und Elend angerichtet haben als irgend etwas andres in der Welt? Warum? He?»

Michael war vor diesem leidenschaftlichen Ausbruch zurückgewichen und stand mit trübseliger Miene da.

«Es handelt sich um das Symbol», murmelte er.

«Symbol! Für Symbole trat auch ich schon ein, während des Krieges und tät es auch heute noch – doch waren es Symbole wertvoller Ideen: Ehre, Menschlichkeit, Mut! Doch weshalb soll ich mich für etwas opfern, was mir nicht mehr bedeutet als Staub und Moder?»

«Es darf nicht herauskommen!» rief Michael heftig. «Sonst rümpft jeder Schwachkopf über dich die Nase und das wär mir unerträglich.»

Wilfrid zuckte die Achseln.

«Ich selbst rümpfe über mich die Nase, sei versichert! Michael, folg du nur immer dem ersten Impuls, sonst mußt du's büßen!»

«Was willst du also tun?»

«Ist das nicht ganz einerlei? Es kommt doch alles, wie es kommen muß. Niemand wird mich verstehn, oder, auch wenn er's verstünde, meine Partei ergreifen. Ich geb mir ja nicht einmal selbst recht.»

«So mancher würde dir heute recht geben.»

«Wer? Kerle, neben denen ich nicht einmal begraben liegen möchte! Nein, ich bin ausgestoßen.»

«Und Dinny?»

«Das bring ich mit ihr ins reine.»

Michael ergriff den Hut.

«Wenn ich irgend etwas für dich tun kann, dann zähl auf mich. Gute Nacht, alter Junge!»

«Gute Nacht! Danke!»

Ehe Michael noch recht überlegen konnte, stand er draußen auf der Straße. Wilfrid saß schön in der Patsche! Offenbar machte ihn seine tiefe Verachtung aller Formen der Überlieferung gegen die landläufige Beurteilung seines Falls ganz blind. Und doch ließ sich aus dem allgemeinen Bild des Engländers nicht willkürlich irgendein Zug tilgen. Die Preisgabe eines einzigen Merkmals würde Verrat am Ganzen bedeuten. Und welcher Mensch, der Wilfrid nicht genau kannte, würde dieses exzentrische Mitleid mit dem Gewalttäter verstehn? Die Sache war bitter ernst, tragisch. Fortan würde Wilfrid ein Brandmal, allen sichtbar, auf der Stirn tragen.

‹Natürlich›, dachte Michael, ‹wird er auch Verteidiger finden, die «Freidenker» und Bolschewikenfreunde, doch das kränkt ihn gewiß noch mehr als alles andre. Nichts ist so zuwider wie die unerwünschte Gefolgschaft von Leuten, die nicht uns und die wir nicht verstehn. Und was sollen solche Bundesgenossen erst Dinny frommen, Dinny, die diesen Kreisen noch viel fremder gegenübersteht als Wilfrid! Die ganze Sache ist zum –!›

Unter solchen Erwägungen überquerte Michael die Bond Street und schritt Hay Hill zum Berkeley Square hinab. Eh er heimging, mußte er noch mit dem Vater sprechen, sonst fand er keinen Schlaf.

In der Mount Street nahmen seine Eltern eben aus Blores Händen einen blassen Punsch entgegen, ein ganz besonderes Gebräu, das als erprobter Schlaftrunk galt.

«Wegen eurer Catherine?» fragte Lady Mont. «Masern?»

«Nein, Mutter. Ich möchte mit Vater sprechen.»

«Aha, über den jungen Mann mit dem Glaubenswechsel. Der hat mir schon immer einen Stich gegeben. Fordert Gott und Teufel in die Schranken.»

Michael starrte sie an. «Es handelt sich tatsächlich um Wilfrid.»

«Emily», mahnte Sir Lawrence, «tiefste Verschwiegenheit!»

«Furchtbar spannend!»

«Nun, Michael?»

«Das Gerücht beruht auf Wahrheit, er kann und will es nicht leugnen. Dinny weiß davon.»

«Was für ein Gerücht?» fragte Lady Mont.

«Er hat den Glauben abgeschworen, als ihm in der Wüste ein paar fanatische Araber mit dem Tode drohten.»

«Wie verdrießlich!»

‹Herrgott!› fuhr es Michael durch den Sinn, ‹wenn das nur alle so aufnähmen!›

«Soll ich also Yule sagen», fragte Sir Lawrence ernst, «Desert gedenke sich gegen diesen Vorwurf nicht zu verteidigen?»

Michael nickte.

«Lieber Junge, dann aber zieht die Geschichte weitere Kreise.»

«Allerdings, doch das läßt ihn kalt.»

«Gott und Teufel!» sagte Lady Mont unvermittelt.

«Ganz richtig, Mutter. Er hat ein Gedicht darauf gemacht, ein ganz prachtvolles Gedicht. Morgen übersendet er es mit einem Band neuer Lyrik dem Verleger. Vater, suche jedenfalls Yule und Jack Muskham zu bewegen, über die Geschichte reinen Mund zu halten. Was geht es sie am Ende an?»

Sir Lawrence zuckte die magern Schultern, die auch jetzt, trotz seiner Zweiundsiebzig, kaum sein Alter ahnen ließen.

«Michael, es handelt sich um zwei Fragen, die meines Erachtens voneinander ganz unabhängig sind. Erstens: Wie kann man den schwatzhaften Klubmitgliedern den Mund stopfen? Zweitens: Wie werden sich Dinny und ihre Familie verhalten? Dinny, sagst du, weiß es, aber ihre Leute nicht, abgesehn von uns dreien. Da sie es uns geheim hielt, hat sie es wohl auch ihnen verschwiegen. Aber das ist nicht in Ordnung. Und unklug dazu», fuhr er ohne eine Antwort abzuwarten fort, «denn derartige Affären kommen todsicher eines Tages ans Licht, und ihre Leute könnten es Desert nie verzeihn, wenn er Dinny heiratet, ohne die Familie darüber aufzuklären. Auch ich würde es ihm übelnehmen, die Sache ist zu ernst.»

«Wie aufregend!» murmelte Lady Mont. «Frag doch Adrian um Rat.»

«Eher Hilary», meinte Sir Lawrence.

«Die zweite Frage», fiel Michael ein, «dürfen wir meiner Ansicht nach ganz und gar Dinny überlassen. Wir sagen ihr, daß man bereits von der Sache spricht, dann wird sie es ihren Leuten mitteilen oder Wilfrid.»

«Wenn sie ihn nur fallen ließe! Er kann sie doch nicht heiraten, solang diese Gerüchte in Umlauf sind.»

«Dinny läßt ihn bestimmt nicht fallen», erklärte Lady Mont. «Sie hat zu lang auf ihn gewartet – die Liebe ist der Traum der Jugend.»

«Wilfrid erklärte mir, er müsse auf Dinny verzichten, das wisse er wohl. Verdammt noch mal!»

«Kehren wir zur Frage eins zurück. Ich kann ja immerhin versuchen, Muskham und Yule zum Schweigen zu bewegen, zweifle aber, ob ich damit etwas erreiche, besonders, wenn das Gedicht erscheint. Was ist es denn, eine Rechtfertigung?»

«Eher eine Aufklärung.»

«Bitter und rebellisch wie seine frühern Geisteskinder?»

Michael nickte.

«Na, vielleicht halten sie aus Mitleid den Mund, aber wie ich Jack Muskham kenne, läßt er sich Deserts trotzige Art nicht gefallen. Er haßt diese anmaßenden jungen Skeptiker wie den Tod.»

«Wir haben ja noch keine Idee, wie die Sache sich entwickeln wird. Jedenfalls müssen wir alles aufbieten, die Katastrophe hinauszuschieben.»

«Nur keine grauen Haare!» murmelte Lady Mont. «Gute Nacht, lieber Junge! Ich gehe schlafen. Gib beim Fortgehn auf den Hund acht – er war heut noch nicht draußen.»

«Also gut», sagte Sir Lawrence, «ich werde mein möglichstes tun.»

Michael nahm von der Mutter einen Kuß in Empfang, drückte dem Vater die Hand und ging.

Verstimmt und bekümmert wanderte er heim, denn dieser Schlag traf zwei Menschen, die er sehr lieb hatte, und mußte beiden wehtun. Immer wieder stieg ihm der Gedanke auf: ‹Was hätte ich an Wilfrids Stelle getan?› Unterwegs kam er zu dem Schluß, kein Mensch könne sagen, wie er in der Lage eines andern gehandelt hätte. Und im frischen Wind dieser schönen Frühlingsnacht kam er zum South Square zurück, schloß die Haustür auf und trat ein.


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