Heinrich Federer
Umbrische Reisegeschichtlein
Heinrich Federer

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Mein Geschichtlein

»Da wir in einem Gotteshaus sind, kann ich dir keine weltlichen Abenteuer erzählen. Vielleicht in Perugia einmal! Aber du sollst nicht in Schaden kommen. Ich erzähle dir etwas aus der ersten Christenheit.«

»Ach was!« zürnte Ximenes leise. »Wo ist nun der General oder der Kapitän?«

»Das kommt alles, du Heißsporn. Meinst du etwa, die Türkenkriege und die Taten des Cortez oder eure großartigen Siege über Peru vor wenig Jahren, das begeistere mich nicht auch? Ein Trommelwirbel, eine Feldmusik, wehende Vaterlandsfahnen... und ich würde wahrhaft schon einen Flintenschuß nicht mehr spüren. Was habe ich nicht Hannibal zeitlebens verehrt, und wie begeistert es mich, von einem Genie wie Turenne oder Prinz Eugen zu lesen! Aber all das wird klein vor der Größe der Glaubenshelden.«

Ich meinte, ein ungläubiges Hm! zu hören.

»Schau, lieber Ximenes, wenn ich hier so im Dunkel sitze und hie und da wie von einer Fackel getroffen ein Heiligenbild im Blitz aufleuchtet und wieder in die Nacht versinkt, dann muß ich an die Katakomben denken, wo die ersten Christen auch in einem solchen unbequemen Dunkel ihre Gottesdienste feierten, ihre toten Helden begruben und ihre Jungen begeisterten, in die Weltstadt zu gehen und alle goldenen Götzen umzustoßen. Du warst doch in Rom?«

»O vielmal.«

»Und in den unterirdischen Christenwohnungen?«

»Nein. Ich habe gehört, das sind Rattenlöcher und Rattengänge. Vater und ich lieben die Sonne.«

»Ja, das sagst du gut, Rattengänge. Wenn sie nicht atmen durften in der Sonne, nicht beten, nicht einmal begraben werden im Licht, da mußten sie sich wohl unter den Boden verkriechen. O ja, das waren Ratten, aber merkwürdige, großartige, ein neues Weltfundament grabende Ratten. Alle andern Tiere der Welt, die römische Wölfin, der germanische Bär, der afrikanische Leu, alle wurden von dieser wunderbaren Ratte überwunden. Aber ich mag jenes erste Christentum doch nicht gern mit einer Ratte vergleichen. Es ist vielmehr der im Boden liegende lebendige Heldensame. Er darf noch nicht herausgucken. Der herzlose Winter würde ihn zerstören. Aber ein paar besonders starke und heldenmütige Keime müssen doch von Zeit zu Zeit sich ins Freie wagen, um die Zeit, ihre Gunst und ihr Recht zu studieren und den Brüdern drunten mutige Winke zu geben. Viele werden dabei getötet. Was macht das? Sie düngen die Erde. Andere folgen ihnen immer reger. Bald sind sie nicht mehr umzubringen. Sie brechen Eis und Schnee und Sand und Fels, sie gießen ihr neues Leben auch über eine neue Welt aus, sie machen die Zeit, die Geschichte. Frühling ist es worden.«

»Die Geschichte! Das alles versteh' ich nicht. Die Geschichte vom General!« bat Ximenes und war nahe daran, vor Ärger zu weinen.

»Aber sie haben es verdienen müssen. Mehr als zweihundert Jahre Katakomben, Rattenhöhlen, denke! Und nun höre gut: Da steckte auch so ein Knabe in deinem Alter unten in den Erdgängen. Vater und Mutter waren als Christen enthauptet worden. Den Palast und die großen Güter am Monte Cavo hatte man ihm genommen. Denn auch er glaubte, daß es nicht zweihundert komische goldene Götzen, sondern nur einen einzigen, furchtbar ernsten, aber auch unbegreiflich lieben Gott gebe. So stark, ja wild war er von diesem Glauben ergriffen, daß er beschloß, beim ersten öffentlichen Todesgericht über einen Christen im Augenblick, wo das Beil geschwungen oder der Holzstoß angezündet würde, zum Verurteilten in die gleiche Sterbensmarter zu stürzen und zu rufen: Auch ich kleiner Mann bin ein Christ. Ich heiße Tarcisius. Wer in Zukunft Tarcisius heißt, soll an mich denken und auch ein Christ werden und den Tod auslachen wie ich jetzt. Da, Henker, tötet mich!... So wollte er laut übers Volk schreien. Mußt du nicht sagen, Ximenes, daß er ein ganz heilloser Mutbolz war?«

»Es scheint wirklich so«, sagte zögernd und mit altkluger Stimme der Chilene. »Auf der See oder in einem Landkrieg hätte er wohl auch etwas leisten können.«

»Nun, muß es gerade ein Meersturm oder ein Gefecht sein? O Kleiner, es gibt noch größere Schrecken, wo mancher Cäsar, der sonst nie eine Miene verzog, zittern würde wie ein Kind... Aber ich rede vom feinen römischen Christenknaben Tarcisius. Täglich schlich er in die Gerichtsverhandlungen und traf endlich, worauf er so sehnlich wie auf seinen Geburtstag gewartet hatte: das Verhör und Todesurteil zweier herzhaften Christen, des alten herrschaftlichen Fräuleins Monica Severa und ihres treuergebenen Sklaven Onostopolos. Severa war ein fünfzigjähriges, von der Gicht gerümpftes und halbgelähmtes Jüngferchen mit dem schneeweißen Haar einer Hundertjährigen. Man glaubte, ein Häuflein Asche zu sehen. Aber als sie dem Richter antworten mußte, da schlug aus dieser Ruine ein so gewaltiger tiefer Glockenschlag, daß man eher einen Riesen als ein Weiblein dahinter vermutet hätte. Und aus der welken Haut flammten die sonst fast immer geschlossenen Augen wie Sonnen. Alles staunte. Nun ja, hieß es, sie stammt von Gaius Marius ab. Die haben alle so einen Gewaltsblick. Schafft sie nur rasch weg, sonst verhext sie noch die Lektoren und selbst den Statthalter!... Man hatte sie in einer Sänfte vor den Richter getragen, und der Sklave Onostopolos hatte sie wie ein graues altes Vögelchen herausgehoben und auf den Steinsitz der Zeugen gesetzt. Sie wurde zum Beil verurteilt, während ihr Begleiter als wertloser Sklave ohne Federlesen beim nächsten Spiel den Bestien in die Arena geworfen werden sollte. Diese Ungleichheit allein tat dem Paar weh. Es hatte nicht wie Herrschaft und Knechtschaft, sondern wie Schwester und Bruder die vielen stillen Jahre im Marcianischen Hause gelebt. So baten sie beide denn um die Gunst des gleichen Todes, sei es das Schwert, sei es auch der Zahn eines Tigers. »Gut denn«, gab der Präses spöttisch zu. »Mögen die beiden zu den wilden Tieren spazieren. Ambulent!« sagte er ausdrücklich, als wäre es nur so ein fröhlicher Bummel in die Gärten des Lukull. Aber die Domina Severa nahm das Wort nicht im Spott auf, sondern jubelte mit ihrer gewaltigen Männerbaßstimme: »O ja, da sagst du recht, Meleager« – so hieß der Prätor –, »ich habe nie einen besseren Spaziergang vorgehabt! Du solltest eigentlich mitkommen, Freund, wie du so oft mit Flavius Cura und der guten Priscilla und mir auf den Aventin spaziert bist. In der Kinderzeit! Weißt du noch? Ich lade dich höflich ein!«

Der Präses winkte böse zum Abmarsch. Er bekam ein dunkles Gesicht vor Scham, eine Gespielin... oder mehr als eine Gespielin seiner heißen Jugendzeit... verurteilt und dazu noch verspottet zu haben. Und es tauchten die grünen Tage der Kindheit vor ihm auf mit den laubigen Hügeln Roms und seiner so früh und fromm verstorbenen Schwester Priscilla. Er winkte nochmals hurtiger. Aber siehe, da fehlte die Sänfte. Und ein Spottvogel rief: »Wenn das Fräulein so gern spaziert, macte, macte, nehm' sie frisch den Weg unter die Füße!«

»Und hüpfe sie, saltet virgo«, hänselte ein junger Soldatenhauptmann mit glattrasiertem Kindskopf, »das Jüngferchen springe! Denn unsere Löwen gelüstet nach so einem Schleck!« Im Blick auf das kleine, magere Fräulein, an dem man nur Knochen und dürre Haut sah, lachten die derben Soldaten unbändig, während die meisten Zuschauer, aus angeborenem Takt für weibliche Zartheit, den Lachkitzel verwürgten. Mehr taten auch sie nicht.

»Ich habe gehört«, gab jetzt Monica Severa donnernd zurück, »daß die Löwen an einem starken Knochen mehr Freude haben als am faulen Sitzfleisch unserer Dicklinge.« Dabei zeigte sie mit ihrem groben Finger auf die richterlichen Beistände, von denen die meisten ihren Sitz übermäßig belasteten. »Und daß unsere Knochen stark sind, das, glaub' ich, hat man schon am Gaius Marius erlebt und auch an seinem Schwiegersohn Gaius Cäsar. Sonst hätten euch die Barbaren längst aufgefressen.... Aber verzeih' mir Gott, daß ich so ins Prahlen komme!« brach sie plötzlich mit viel heiserer Stimme ab und lächelte wie ein im Übermut ertapptes Kind. Dieses Lächeln war so bescheiden und bittend, als flehte sie, so weit es reichte: Verzeiht mir das, was ich gesagt habe. Es war nicht schlimm gemeint! – Dann machte das Fräulein eine hilflose Gebärde gegen den Diener, weil sie eben doch nicht einen einzigen Schritt allein gehen konnte. Sie errötete jetzt. Denn nun ward es ja offenbar, wie sie vorhin mit den starken Mariusknochen geprahlhanst hatte. Aber der Sklave, ein Greis, dem das Haupthaar und der Bart wie eine Wildnis ums Gesicht zusammenwuchsen, faßte sie sogleich wieder leicht und scheu wie etwas Kostbares in die Hände, hob sie behutsam auf den rechten Arm und trug sie unter einem atemlosen Respekt der ganzen Zuschauerschaft zum Säulenportal hinaus.

»Famos!« lispelte Ximenes und lüftete die Kapuze ein wenig, damit ihm bei der dicken Vermummung doch kein Wort entgehe.

Soweit hatte der Ritterknabe Tarcisius voll Eifer zugeschaut. Es kitzelte und stach ihn, sofort seinen großartigen Trumpf zu spielen und jetzt... jetzt mit einem frechen Schrei sich ins herrliche Theater zu stürzen. Und immer wieder zwang ihn die Neugier, was nun wohl geschehe, noch ein Weilchen und wieder eines zuzuwarten. Als dann die Enkelin des großen Marius, des Teutonen- und Zimberntöters, auf einmal so demütig ward, leiser sprach, nach allen Seiten um Verzeihung lächelte und wie ein Krüppelzwerglein von einem Sklaven sich wegtragen ließ, ohne auch nur eine Silbe für sich zu reden, und besonders, als der herrliche Knecht stattlichen Ganges mit ihr zum Portal den Bestien entgegenschritt, ohne zu eilen, ohne zu zögern, sicher und gelassen, wie er denn auch im ganzen Verhör nichts als ja oder nein gesagt hatte, ob man zu ihm nun von der Straße sprach, wo er wohnte, von seinem früheren Müllerberuf oder von den Löwen, die ihn zermalmen sollten: da blieb dem Bürschlein alle Waghalsigkeit in der Kehle stecken. Nicht, als ob er sich nun vor Leu und Ur gefürchtet hätte. Aber er glaubte, wenn so ein Mann, wie dieser riesenhafte Grieche, schweige, dann dürfe ein Knabe wie er ihm doch gewiß nicht ins heilige Spiel pfuschen oder spektakeln. Aber als dann die Märtyrer verschwunden, die Richter abgezogen und das Volk verlaufen war, da reute es ihn wieder, so heldenlos heim in die finstern Katakomben zu gehen. Er schalt sich einen Tropf. Er fing an, in seiner hübschen Unerfahrenheit sich Vorwürfe der Feigheit zu machen und hatte zuletzt nichts anderes übrig, als was auch letzten Endes den ritterlichsten Knirpsen noch allein bleibt... zu weinen. Dabei dachte er, ob er nicht den Lektoren nachspringen und ihnen: »Christus ist Gott! Christus allein!« zuschleudern oder ob er in die Gerichtsbasilika stürmen und den Apoll, Mars und Jupiter, die dort aufgestellt waren, vom Sockel schütteln wolle. Er lief wie irre hin und wider und hätte gewiß etwas Unsinniges getan, wenn ihn nicht plötzlich eine Faust gepackt und ein geharnischter großer Mann gefragt hätte, was er sich da so toll herumtreibe? Ob er nicht sehe, wie es zunachte? So ein Knabe gehöre doch heim. Er wolle ihn jetzt die Via Appia hinausgeleiten, gehe er doch auch zur Predigt und zum Abendmahl... Das andere verschluckte er aus gewohnter Vorsicht. »Kennst du mich denn?« –»Ei ja, du bist doch der wilde Tarcisius, der unserem Bischof bei der Messe so feurig das Rauchfaß schwingt, daß fast immer Gluten herausspritzen. Und jetzt hast du gar noch dein Leben so übermütig verspritzen wollen. Ich habe dich wohl beachtet. Aber ich konnte nicht mit dir reden. Ich war im Amtskleid der kaiserlichen Garde da und hätte dich und mich nutzlos in Gefahr gebracht. Gott sei gedankt, du hast dich doch nicht toll gehen lassen. Aber dein schwarzes kurzes Kraushaar hat sich gesträubt und deine braunen Augen sind rot geworden, wie wenn sie bluteten, und deine sonnenverbrannte Stirne hat geglänzt von großen Schweißtropfen. Auch die Hände hast du beständig zu Fäusten geballt. Wenn er nur nichts Dummes macht!, dachte ich. Was hätte es jetzt genützt, mit den beiden andern zu sterben? Die sind auch nicht zum Henker gelaufen. Der Henker hat sie holen müssen. Was würde aus uns, wenn alle sterben wollten? Es braucht auch Märtyrer des Lebens, nicht nur des Todes. Das Sterben ist jetzt leicht, aber das Leben ist schwer. Unser großer Christ kann uns jetzt nicht alle drüben in seinen Himmeln haben. Er braucht uns auf Erden. Denn wir sollen groß werden wie Rom, nein, wie das Kaiserreich, wie die Welt. Da haben wir keine Zeit zu sterben. Leben, leben, für das große neue Reich leben müssen wir. Und ihr Knaben voran. Ihr seid am wichtigsten. Ihr habt das größte Leben... Hier warte... oder gehe langsam geradeaus! Ich hole dich schnell ein. Warum ziehst du dein Fell nicht an?«

Es war Sebastian, der Hauptmann der kaiserlichen Palastwache. Er ging durch einen kleinen Garten in seine Villa, um sich umzukleiden. Tarcisius aber nahm den Überwurf vom Arm, der wie roter Purpur, aber doch nicht so rot wie seine Scham leuchtete. Man dachte, es sei ein Mantel, wie ihn die vornehmen Jünglinge abends bei der Kühle über der leichten Tunika trugen. Aber siehe, das war nur die eine zur Täuschung berechnete, sozusagen städtische Seite des Tuches. Die innere Seite war aus Lappen von Schafspelz zusammengestückt. Die kehrte Tarcisius jetzt heraus, so daß man ihn für einen kleinen Schäferbuben der Campagna gehalten hätte. So konnte er unbehindert zum Appischen oder noch eher zum Asinarischen Tor hinaus. Mit diesen Fellen deckte er jetzt alles zu, den Purpur, seinen Adel und seine gewaltige, herzklopfende Zerknirschung. Bald hatte ihn Sebastian wieder erreicht. Er sah aus wie ein dicker Gärtner. Denn er hatte den Rockschurz und Kapuzenmantel seines Gärtners über sich geworfen und trug Samenbeutel und Ackergeräte mit sich. Aber unter diesem gemeinen Überkleid glänzte verstohlen das schönste Soldatenkleid seines hohen Ranges. Vor seinem Christus wollte er sich mindestens so schön und feierlich wie vor seinem Kaiser zeigen.

So gingen sie durch die Porta Asinaria und schwenkten dann westwärts den Hütten des Campus Vaccarum zu, wo ganze Hirtenfamilien gemeindeweis beisammenlebten und die untere Hälfte der Stadt, soweit sie östlich der Via Latina lag, mit Milchwaren versahen. Bei der Pastorie der Klementinen, wo jeder Gehöftebesitzer unweigerlich Klemens heißen mußte, kehrten sie beim zweiten Feldhäuschen ein. Von dort ging eine Erdstiege in die kühle Käsekammer hinunter. Und hier öffnete sich hinter einem Milchtrog eine Falltüre, die noch zehn Stufen tiefer führte und unten bald in einen weiten Katakombengang mündete. Schon sah man eine ferne Helligkeit, hörte ein Gesumme von Stimmen und langte schließlich in einem großen, kreisförmigen Raume an, wo ein Tisch mit weißem Linnen in der Mitte stand, ein edler Mann, Kelch und Brot vor sich, wunderbare Gebete sprach, bald gen Himmel, bald zum ringsum knienden Volke, bald in sein augenverschlossenes, innerstes Wesen hinein. Das war der Bischof von Rom. Er las die heilige Messe, und nachdem er selber vom Opfertisch genossen, wandte er sich gegen das Volk und rief: »Reinigt eure Seelen! Der Allreine kommt!«

Da bekannte das Volk, was ihm das Herz schwer machte. Die schuldigten sich des Geizes, jene des Hochmutes, andere der Menschenfurcht oder des Wortverdrehens oder des unbezähmten südlichen Blutes an. Kinder lispelten ihre Harmlosigkeiten und winzigen Sündlein, ohne ein Lid zu zucken. Aber hier und da stand ein grauer Mann oder ein heißer Jüngling hastig auf, kniete dem Bischof zu Füßen und hauchte ihm mit nassen Augen etwas Schweres ins Ohr. Trat eine Pause ein, so rief der Papst eine neue Gewissensfrage in die Menge. Dann schüttelten viele glücklich die Köpfe, während andere schamhaft nickten und bekannten. In dieser großen, lauten Beichte, wo alles die Barmherzigkeit Gottes anrief, seine herzliche Reue bezeugte und dann im Namen der Dreifaltigkeit vom Bischof an Christi Statt losgesprochen wurde und mit erleichtertem Herzen einen Bußpsalm sang, in dieser Beichte hörte man allein die glockenhelle Stimme des Tarcisius nicht. Er sah sich immer wieder in der Basilika, ward uneins und zornig mit sich, schalt auf Sebastian und ward immer verstörter. Plötzlich hörte er neben sich sagen: »Nimm hin und iß, das ist mein Fleisch... Nimm hin und trink, das ist mein Blut!« Der Levite Felix stand nebenan vor den zwei Schafbuben Ajax und Romulus mit dem Abendmahl in der Schüssel, und der Levite Cyrill folgte mit dem großen Kelch voll Blut. Und die Buben empfingen mit niedergeschlagenen Augen von beidem. – Ich nicht! Ich nicht!, dachte Tarcisius entsetzt und schüttelte ein trauriges Nein mit dem Krauskopf, als das Sakrament des Weines an ihn trat. Harte Tränlein schossen ihm aus den Augen. Aber nein, er konnte, er durfte nicht kommunizieren, und der goldene Kelch schwebte vorbei.


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