Heinrich Federer
Umbrische Reisegeschichtlein
Heinrich Federer

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Feierlich führte Mario auf ein Nicken des Papstes die Gemeldeten ein. Der kahlköpfige Siebziger di Mossi und der sechzehnjährige Fanciolla, beide in braunem Samt und kurzem spanischem Degenmantel, aber ohne Waffen, traten mit einem Gefolge von Advokaten und Zeugen ein. Di Mossi ist anzusehen wie eine zähe, graue Regenwolke, Fanciolla wie ein junges, lustiges Morgenrot. Der hochadelige Bursche ist gestern mündig und unbeschränkter Herr seines gewaltigen Erbes geworden. Er lacht immer ein wenig frech vor sich hin. Seine Kirschenlippen kann er unmöglich schliessen. Die eine blutet üppig über das weisse Knabenkinn herab, die andere schwellt zur frechen Spitznase auf. Dazwischen blecken wilde, grosse Zähne wie Marmorblöcke und wollen alles, was Ordnung und Würde heisst, aus lauter lachendem Übermut wie Mandelnüsse zermalmen. Kläglich nimmt sich daneben der dürre Mossi aus, wie er den verschrumpften und zahnlosen Mund geizig zusammenknöpft. Die beiden Edelleute mit ihrem Chorus verbeugen sich dreimal in einem raschen, wunderbar gemeinsamen Rhythmus, wie nur Römer es verstehen. Es ist, als walle dreimal eine lange schöne Welle auf und nieder. Dann stellen sie sich in einem weiten Bogen vor dem Pontifex auf, di Mossi und Fanciolla an beiden Flügeln, dem Oberhirten zunächst.

Es ging der Streit um ein Grenzland, halb mit Oliven, halb mit Reben bestellt, am mittäglichen Hang der Volskerberge. In diesem Prozess waren massenhaft Advokaten bestochen, falsche Eide geschworen und eine Menge Bauern halbtot gepresst worden. Aber immer, ohne mit einem Flecklein Blut die zarten, weissen Hände der beiden Nobili zu besudeln. Die Sache wurde zum Landesärgernis. Sixtus hatte sich über den Fall genau unterrichtet und wollte ihn jetzt mit einem Machtspruch ein für allemal aus der Welt schaffen.

Er winkte lässig, die Kläger möchten sich nur ungeniert aussprechen. Dann blickte er hartnäckig und immer ein wenig im Barte krauend auf den Boden, wo in den bunten Marmor der schwache Richter Heli gezeichnet war, mit allem Drum und Dran der biblischen Erzählung.

Die Parteien begannen, eine nach der andern, ihre Gerechtsame und erlittene Unbill zu schildern. Die Juristen mischten Sätze aus den Pandekten und aus dem Pseudoisidor ein und machten das Verzwickte mit jeder Glosse noch verzwickter. Die biedern Zeugen nickten, die Mossianer, so oft der Greis nach heiserem Gelispel wieder den Geifer vom zahnlosen Mund wischte, die Fanciollaner, so oft der üppige Arrigo den leisen Jünglingsflaum nach einem besonders tapfern und klingenden Satz mit seiner roten Zungenspitze netzte. Die Gegner schoben einander in gesitteten und höflichen Worten die gröbsten Frevel in die Schuhe. Zuletzt redeten nur noch der kahle Mossi und der frische Fanciolla, jener giftig und mager wie eine alte Wespe durch den Saal surrend, dieser hochfahrend und spottselig wie eine Edeldrossel singend. Aber alles geschah in den süssen Lauten der römischen Hochsprache.

Sixtus hatte indessen den grauen, in seine sündigen zwei Söhne vernarrten Heli genügend in der ganzen Elendigkeit beschaut und fragte nun, ohne aufzusehen, möglichst leise: »Um was handelt es sich also?« Aber es rollte doch wie fernes Gewitter durch die Sala.

»Um ein Stück Wald und Weinland!« ward mit Wichtigkeit wiederholt, »zwölfmal so gross wie der Petersplatz.«

»Ein paar Oliven und Trauben,« wiederholte der Papst, »weiter!«

Tiefer noch neigte er die Stirne und reger spielten seine kurzen Finger im Bart. Es dünkte die Signori, er höre gar nichts von ihrem Zank. Er hatte wohl etwas anderes, Grösseres zu denken, dieser Mann der Weltgeschichte.

Die zwei führenden Advokaten verlasen jetzt Gutachten berühmter Bologneser Professoren, während Sixtus die gottlosen Buben des Priesters Heli verfolgte, wie sie am Tempeltor den opfernden Leuten Geld oder Geflügel oder ein frisches Böcklein abjagten und den Beraubten hintendrein erst noch ruchlos die Zunge nachstreckten. Konnten das nicht die zwei Peretti drüben in der Burg sein? Ganz Rom weiss, was die Paritonder gefrevelt haben, hundertmal mehr als diese biblischen Schurken. Und da sollte er den Heli spielen und auf seinem Stuhle die Gerechtigkeit verschlafen, damit das ungestrafte Verbrechen auf ihn auch so schnöde Grimassen schneiden kann? Niemals! – Sein weisses Haar fing an zu wehen und seine Stirne rötete sich. Aber die tiefen Quecksilberaugen, die schon so manchen Beherzten unsicher und schwach gemacht, blieben steif im Boden haften.

Diese Unaufmerksamkeit des gefürchteten Richters liess die Streiter nach und nach die Rücksicht auf den Ort, wo man stand, und auf die Person, zu der man sprach, immer mehr ausser acht setzen. Die Vorwürfe wurden heftiger, die Worte minder gewählt, die Melodie des Vortrags ging verloren. Endlich gab es Schimpfnamen, wie sie vor Seiner Heiligkeit nie hätten ausgesprochen werden dürfen.

»Du eitler Zuckerbube, zeig den Mädchen deine Zähne, nicht mir! Mir musst du einen Bart zeigen und noch etwas dazu ... Verstand!«

»Wo suchen wir ihn, ehrwürdige Ruine unseres Jahrhunderts?«

»Wo ein Naseweis, wie du, nie hinkommt!«

»Und Euere Knochenherrlichkeit nie war.«

»Dein Gebein wird freilich nicht alt. Die Dirnen haben es längst zermürbt. Man sehe deine Fratze! Was ist daran als Maul? Alles Maul! An Maul bist du David und Goliath in einem.«

»Ach, hättet auch Ihr nur so viel Maul, um küssen und trinken zu können. Alter Salomon, ich weiss, Ihr gäbet all Euer totes Getrümmer an einen einzigen der vielen Küsse, die mich hinterm Vatikan noch diesen Abend begnadigen. Aber Ihr, ich kann es würdigen, haltet ewige Quadragesima.«

»Fabelst du immer in dieser Höhe, hübsches Äfflein?«

»Wann hätte, o Patriarch der Rumpelkammer, der Aschermittwoch nicht auf den Prinzen Karneval geflucht, wie so ein Habenichts immer auf den Millionär flucht?«

»Gottes Wunder! im Unverstand stecken wohl deine Aktiven!«

»Im Verstand, Vossignoria, Euere Passiven!«

»Ein Esel, wer noch mit dir redet!«

»Wohlan, nun seid Ihr gut getauft!«

»Asino, asino ...«

»Fahret weiter,« rollte und grollte es da unversehens vom schneegewandeten, tiefgebückten Männlein in die Gruppe hinüber.

Nein, der apostolische Fischer musste tief in sein Weltgarn vergrübelt sein, dass er ihnen keinen Blitz, sondern dieses gedankenlose: fahret weiter! ins Gezänke warf. Er sann wohl über Philipp nach, der im Eskurial päpstlicher als der Papst sein wollte, und an den frühergrauten Schlaupelz in Paris, den vierten Heinz. Welcher war wohl der üblere?

Und weiter kreiste und jubelte das gottlose Duett.

Sisto aber fuhr weder nach Madrid noch Paris, sondern haftete jetzt am schönen Jüngling Samuel, mitten in Helis Türe stehend, links und rechts die Hand flach auf die Pfosten gestützt, weit aufgesperrt den reinen Mund und die grossen Kindsaugen, und das viele Haar gesträubt wie ein vom Geist Gottes am Schopf gepackter und unwiderstehlich getriebener Engel, schreiend mit Leib und Seele: Heli! Heli! ... Aber der mattherzige Richter hebt den Kopf kaum vom Kissen und sinkt wieder zurück in sein altes, feiges und feiles Schlafmützentum. So oft Sisto dieses sündhafte Phlegma sieht, kitzelt es ihn gewaltig, diesen Schlappgreisen aus dem Mosaik da ins spasslose und schmerzhafte Leben zu reissen, vor sein Tribunal zu schleppen, ihm seine herzliche Verachtung ins Gesicht zu speien und den Alten alsdann dem Strang zu überliefern. Warum hat die Memme ihre Kinder verschont ... selbst, da der Herr ihn so schreckhaft gemahnt hatte! ... Ihn, Sisto, soll man nicht mahnen. Kein Samuel braucht zu kommen ... Schon diese Narren, die da vor ihm ihren Wahnwitz auskramen, sind Samuels genug, ihn zu warnen, wenn er ein wenig sollte geschwankt haben. Man sieht es hier: so würde alles Volk, wenn es keinen unbestechlichen Richter mehr zu fürchten hätte, die Jungen alles verlachend wie hübsche Papageie, die Altern belfernd wie blinde und taube Uhus. Und was hätte erst der Richter oder eigentlich Missrichter und Unrichter zu gewärtigen? Auf dem mittlern Mosaik des Saalbodens kann es jeder lesen: der Bote vom Feldzug ins Fenster hereinhängend ... dass die Helisöhne von den Philistern erschlagen worden, hat er bemeldet und immer noch nicht den Atem zurückgewonnen; nun der Vater selbst, hintenüber vom Sessel gefallen, das Genick zerschmettert, und vor ihm die heilige Justitia, baumlang und gen Himmel blitzend wie eine ungebrochene Lanze. Ja, ja, mögen der Lanzenträger noch so viele sich bücken und zusammenknicken, sie bleibt immer unversehrt und hochauf. Aber er will neben ihr stehen, ganz so gerade und ganz so hoch, so dass Lanze und Lanzenhalter eines sind, und man in alle Zukunft keins vom andern trennen kann. Wer Gerechtigkeit sagt, sagt Sisto und wer Sisto meint, meint die Gerechtigkeit. So war es bis heute. Weg Fleisch und Blut! Wir zwei sind aus härterem Stoff. Zum Spruche denn!

Sixtus liess die Rechte langsam aus dem Bart sinken, aber horchte nun ein Weilchen scharf der übeln Musik vor ihm zu, um aus der ehernen Bibel sich leichter in diese gegenwärtige Lappalie zu finden. Sein Gesicht war zwar von langen Priesterjahren mit hundert feinen Runzelfäden durchsponnen, aber im übrigen rauh und knochig wie seine Abstammung geblieben, und wie ein Stein lächelt, so lächelt er jetzt stumm über diese zierlich gebauten und blank gescheuerten Durchlauchten, die sich vor ihm in die Haare gerieten, wie die Gassenbuben im Trastevere. Es war, als lache der uralte Bauer über den uralten Kavalier der Weltgeschichte.

»Signori,« fragte er nun, bemüht, den Donner seiner Stimme so gut er konnte zu verbergen, »sind es denn wirklich ein paar Krüge Öl und etliche Schüsseln voll Trauben wert, dass sich meine durchlauchtigsten Söhne so erhitzen! Was meint Ihr, liebe Fanciullini?«

Stille, dann ein greises Hüsteln, dann ein Kräuseln der Knabenlippen.

»Ich sehe klar, das Unrecht liegt auf beiden Seiten und keine Partei, auch die obsiegende nicht, möchte sich fürder an diesem dubiosen Stück Erde edelmännisch, ich meine, so recht in Ritterehren erlustigen. Nun wohl, erspart uns allen ein weiteres! Hier Signori,« der Papst drückte die Faust auf einen Aktenstoss seines Tisches, »hier ist für jeden Fürwitz die nötige Antwort, aber noch unbarmherzig viel mehr enthalten. Seid weise und lasset es euch darnach nicht weiter gelüsten!«

Das Hüsteln wird erstickend dünn. Der alte Mossi knöpft die Lippen verzweifelt zusammen. Aber dem Fanciolla züngelt das wahre, adelige Blut in zwei roten Fackeln die bleichen Wangen herauf, und Zähne und Zunge lachen ihm sozusagen wie einem vergnügten jungen Leu aus dem offenen Maul.

»Gebet also, Signori, den nichtigen Fetzen und seine ganze Plackerei dem Gubernatore in Orvieto zuhanden der dortigen Notleidenden. Es hat davon in jener Gegend eine schreckliche Menge vom Krieg und vom verflossenen Hungerjahr her. Pauperibus, figliuoli miei, pauperibus!«

Als der graue di Mossi auch noch dieses letzte übelriechende Wort geschluckt hatte, verzog er sein wohlgepflegtes und glattgeschminktes, steinaltes Gesicht, als hätte er Rattengift bekommen. Und von einer solchen unglücklichen Ratte unterschied ihn auch wirklich nichts weiter, als dass er in hübscher Verkleidung und ohne sichtbaren Schwanz auf den Hinterbeinen aufrecht stand.

Aber der frische Bube Fanciolla lachte grossartig und rief dann mit klirrenden Zähnen: »Euere Heiligkeit hat vollkommen recht. Ich trete meine Ansprüche all diesen Käuzen und armen Hungerleidern von Viterbo ab. Das ist die Stadt meiner Väter. Der möchte ich das Almosen zuhalten.«

Sixtus nickte dem Bürschchen, das aus einem Cherub und einem jungen Teufel in den einen Junker Arrigo die Fanciolla zusammengegossen schien, ein wenig unwillig und ein wenig wohlwollend zu. Dann richtete er das Auge auf den Alten:

»Und Ihr, Edler von Mossi?«

Der Gerufene schrak zusammen und zitterte über den ganzen Leib. Dann aber schoss er bissig auf und pfiff giftig aus seiner grauen Rattenseele heraus: »Ich, oh no no no! Der Prozess soll entschei...«

»Di Mossi«, fuhr es jetzt wie ein Donnerschlag neben ihn in den Boden. Alle hoben die Köpfe. Wenig fehlte und sie hätten sich auch noch bekreuzt.

»Ich weiss«, donnerte das päpstliche Gewitter weiter, »wie du auf deinen Gütern vom Umbrischen herauf bis zu den Abruzzen deine Pächter und Zinseintreiber schalten lässest. Die Bauern müssen vom Stehlen leben, wenn sie nicht verhungert in deinen Schollen umfallen sollen. So übel saugst du sie mit Zehnt' und Fron aus!«

»Heiligkeit!« stöhnte die Mossi. Jedes Wort geisselte ihn. Aber am meisten brannte es seinen uralten Grafenstolz, dass der Papst ihn so derb duzte.

»Auch Ihr, Marchese Arrigo di Fanciolla«, sprach Sixtus und zielte mit dem kurzen, dicken Zeigfinger auf den Jüngling, »geht wild und herrisch mit Euern vielen kleinen Leuten um. Aber freilich, Ihr seid noch jung und hitzig und habt kein besseres Vorbild gehabt. Auch sagt man, dass Ihr Herz besitzet und Euern Knechten nach der Peitsche wieder Wein und Kuchen gönnet...«

»Heiligkeit!« wehrte Arrigo überglücklich ab.

»Milch und Brot sollen sie haben, das ist das wenigste«, rollte die Stimme des weissen, kleinen Mannes nun furchtbar schwer über beide schuldige Häupter, den Kahlkopf und den Bubenwirbel. »Was soll ich das Land von Dieben säubern und die Banditen aufknüpfen und – – »hier stockte das Gewitter einen schwachen Augenblick, aber polterte dann um so gewaltiger fort, »und den eigenen Bruder und Neffen unter das Beil schicken...«

Tief und in feierlichem Anstand neigten hier alle die Stirnen.

... »Was hilft das, wenn ihr das arme Volk durch Euern Geiz, di Mossi, und durch Euere Tollheiten, Fanciolla, doch immer wieder in Verzweiflung treibt, bis ihnen nichts mehr übrig bleibt, als Briganten zu werden? Signori, Signori, bekennet, wo finge ich besser mit dem Galgenstrick an, dort oben im Gebirge oder hier in Rom bei meinen Adeligen mit Ring und Reif!«

»Hier,« sagte mit seinen klirrenden Zähnen der junge, raschblütige Marchese und das Rot seiner Wangen fing an, aus dem hellen Übermut in eine dunklere Scham überzugehen.

»Hier,« wiederholte er ehrlich und tupfte schuldbewusst an seine, aber hernach gleich auch mit kindischer Schadenfreude dem alten Widerpart an die Brust.

»Geht! ... dass ich kein Wort mehr von jenem Erdhäufchen höre! Ein paar Oliven und Reben galten euch mehr als eine ganze verhungerte Provinz. Seid froh, dass ich dieses Verbrechen so sanft abtue. Das Gut gehört von jetzt an der Armengemeinde von Viterbo, und Ihr, junger Herr, leistet mir ein Probestück Eueres gebesserten Adels, indem Ihr als Schirmer und Verwalter des Vermögens darüber wie über Euer Liebstes wachet und fleissig sorget, dass jene Oliven und Trauben in die richtigen Teller fallen! Gehet!«

»Euern Segen, Heiligkeit!« hörte man jetzt den alten di Mossi mit halbtoter Stimme betteln. Wenn er dann gar nichts aus der Audienz rettete, so wollte er wenigstens den einen Profit einer solchen Gelegenheit nicht fahren lassen und dem Pontifex zum mindesten einen recht scharfen Segen für das Übriggebliebene abmarkten. Denn bis ins ungreifbare Geistliche und Heilige trieb es dieser Geizhals mit seinem Prozentenhunger. Vom päpstlichen Segen, so nahe, im gleichen Saal, nur auf vierzehn Köpfe verteilt, erwartete sein sonderbares geschäftliches Christentum mindestens einen zwanzigprozentigen Nutzen.

Geduldig wie unser Herrgott, der über Täubchen und Geier die Sonne aufgehen lässt und beim ersten wie beim tausendsten Mal unerschütterlich hofft, dass doch jetzt, jetzt ein Fünklein solcher Gnade auch einen schlimmen Vogel zur Tugend führe: so breitete Sixtus seine weissen, rauhen Hände aus und segnete mit gewohnter Langmut, was da vor ihm in buntscheckiger Stimmung niederkniete und ein schallendes Kreuz von der Stirne zur Brust schlug.

Dann küsste vom Prozessvölklein eins ums andere den Fischerring und ging mit dreimal gebogenem Knie von dannen.

Als sich Sixtus allein sah, ward ihm, dem audienzumlagerten Greis, ungefähr so viel leichter wie einem Gärtner, der von dickem Gestrüpp umwuchert, sich wieder einmal mit der Axt Luft und Licht geschaffen hat. Der kleine Herr erhob sich, nahm das Todesurteil der zwei Peretti wieder vom Tische und mass den Saal mit jenen breiten und in die Knie hotzelnden Schritten, wie er sie aus dem Bauernland gebracht, in der Klosterzucht dann abgehobelt und in der Prälatur poliert hatte, aber seit der päpstlichen Omnipotenz wieder in der rohen, ursprünglichen Zimmerung übte, zum Verdruss der spanischen Kardinäle, zum Spass der französischen, aber zur herzlichen Genugtuung der Schweizergarde, die in Pluderhosen und Harnisch ihr Hirtenblut nicht verleugnete und da einen verwandten Tropfen herausfühlte.

So ging Sixtus auf und ab, immer rascher, um sich nun auch zum zweiten Gerichtsspruch zu ermannen, und immer, wenn er gegen die Helischilderung geriet, richtete er es so ein, dass er mit einem herschreitenden Fuss dem jüngern, mit einem zurückschreitenden dem ältern Schurken mitten in den Nacken trat. Dabei trug er sich seine Gedanken in lauter, eindringlicher Rede vor, als währe es eine offene Gerichtssitzung:


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