Heinrich Federer
Umbrische Reisegeschichtlein
Heinrich Federer

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Frau Agnes

Assisi ist ein kleines kurzweiliges Städtchen oben am Hang des Subasio. Schon das prachtvolle Lüftchen aus den Abruzzen ist da im Sommer köstlich. So oft ich es nachmittags spürte, mußte ich an den gewaltigen frischen Wind denken, den ein Tuchhändlerssohn aus diesem Weichbild in die schlaffen Segel des 13. Jahrhunderts blies.

Ich speiste und wohnte bei der Padrona Agnese di Serla. Sie besitzt ein gutes Haus mit dicken Mauem, kühlen Kammern und festen Fenstergittern. Schon weil sie einen reinen Bohnenkaffee kocht, ist sie durch ganz Italien eine Sehenswürdigkeit. Aber eine Tasse Kaffee – oder auch mehrere – an ihrem zersprungenen milchweißen Marmortisch trinken dürfen, ist mehr, ist ein Erlebnis. Ein unbekanntes Buch geht einem auf, wenn man ihren Reden zuhört.

Nach ihrer Meinung gibt es keinen größeren Heiligen als den Santo von Assisi. Santissima Vergine, die heiligste Jungfrau, jawohl, da kann man nicht markten. Aber San Giuseppe, des Christbübleins Nährvater, – nein, der reicht nicht an Franz, und Johannes der Täufer auch nicht –, da kann ihr der Canonico Battista, der gelehrte Vetter, alle heiligen zwanzig Bücher über den Kopf schlagen, Franz ist größer. Petrus trägt die Himmelsschlüssel, und Paulus hat das Evangelium durch die Welt gedonnert, das ist wahr. Aber ich frage: hat einer von ihnen die Wundmale des Herrn empfangen? – Ich frage: hat einer den Vögeln gepredigt, daß sie still blieben bis zum letzten Amen und dann in einem Takt Bravissimo pfiffen? Und hat einer von den Aposteln auch wirklich gelächelt? Vielleicht Johannes Evangelista! Nun gut! Der sagte: Kindlein, liebet einander! Aber er macht doch auf allen Bildern ein trauriges Gesicht oder er blickt so nachdenklich und übermenschlich erhaben neben seinem Adler in die Wolken und verliert ganz die Erde aus dem Gesichte. Franz aber, paßt nur auf, Franz bleibt hübsch auf der Erde. Er nascht süße Trauben gern. Spielt mit den Kindern Boccia und kann spaßen. Und es will ihm einfach das Lächeln nicht von den Lippen weg. Dann denkt doch, er hat nichts gehabt und doch gelacht. Ich sage, rein sauber und glatt nichts gehabt! Und doch gelacht! Würde wohl Paulus gelacht haben, wenn man ihm seinen schönen, dicken Bart abgeschnitten hätte? Oder Petrus, wenn man ihm die Schlüssel weggerissen und dem Jakobus zugeworfen hätte? Na, ich danke schön, die hätten nicht mehr gelacht! Aber Franz hätte gelacht. Tante grazie! hätte er gerufen. Viel, viel Dank, daß ihr mir auch dieses Leidwesen mit den Schlüsseln abnehmt. O dieser göttliche Francesco! –

Frau Agnese ist nie aus dem Gesicht von Assisi weggekommen. Im Schatten des heiligen Franz floß ihre Kindheit und fließt ihr Alter dahin. Wenn sie einmal nach Perugia hinüber fährt, im eigenen Wagen und mit dem eigenen Klepper, so peitscht sie das Pferdlein unbarmherzig, um möglichst rasch wieder in Assisi zu sein bei ihrem guten Kaffee, ihren abendlichen Hausgästen und ihren Devotionalien.

Denn meine Padrona ist Krämerin. Sie hat ihre Bude so nahe als möglich der Franziskanerkirche, an der Ecke der Via del Principe di Napoli. Also am eindringlichsten Platz, wo ihre Bildchen und Rosenkränze und Wachskerzlein am ehesten gekauft werden.

Niemand versteht seine Ware so zu preisen. Zu jedem Bildchen weiß sie einen kräftigen Spruch. Das ist der heilige Franzesco, wie er einen Toten erweckt! Einen Toten von zehn Tagen Grab und Verwesung – und augenblicklich erweckt! Seht, wie der Gestorbene um sich guckt und die schwarze Ewigkeit aus den Augen schüttelt und wieder die Sonne anliebelt! – Ach, ist der Mann glücklich! Und wie hat Franz selber am Wunder eine mächtige Freude und klatscht fast gar in die Hände und ruft:»Bravo, bravissimo, lieber, einziger Herrgott – das hast du wieder einmal famos gemacht!«– So erfindet Agnese ganze Gedichte. Fürwahr, sie hat viel Poesie im Leibe. 's ist nicht ordinäres Wasser, was sie heraussprudelt.

»Vossignoria, das ist Franz, wie er mit den Vögeln parliert. Wenn er ihnen gerufen hat: ihr lieben Menschlein im Gefieder, kommt! – so sind sie hergeflogen und haben sich ihm auf Knie und Kopf und Achsel gesetzt und sind in seine Ärmel geschlüpft und in seine Rocksäcke gekrochen und haben sich in ihn hineingenistet wie in einen lieben heimlichen Baum voll Schutz und Frucht. Schwalben kamen und Finken und Amseln und, denkt euch, sogar die vorlauten Spatzen und waren ganz still. Ja, die Grobiane von Krähen und sogar die Elstern mit ihrem schlechten Gewissen und eine Menge Spechte – alle kamen, mitunter sogar ein Falke oder ein Uhu. Ach, sie hatten so lange keine Predigt mehr gehört. Seit dem Paradies keine mehr! Jetzt redet Franz. Ich weiß nicht wie – nicht lateinisch wie mein Vetter Don Battista in San Rufino oder französisch oder unser Italienisch, sondern eine Vogelsprache. Die Vögel verstanden alles, nickten nach einem besonders schönen Satz, machten: Hm!, und: Ja so! – Und: Freilich! Freilich!, und: Wenn wir das nur früher gewußt hätten! – und die Elster versprach feierlich, nie mehr etwas noch so Glitzriges zu stehlen – und der Uhu gelobte, er wolle Tag und Nacht nicht mehr verkehren, sondern wie ein rechtschaffener Christenvogel am Tage arbeiten und nachts ordentlich schlafen. Die Raben wollten nicht mehr Nägel und Hobelspäne verschlucken, und die Drosseln nicht mehr auf die Amsel eifersüchtig sein, und Finken und Meisen gelobten, sich inskünftig nicht mehr die Federn auszurupfen, sondern lieber Vetter zu sagen. Und aus diesem bußfertigen Gezwitscher heraus ging Franz zu den Menschen und machte auch da alles gut und zufrieden.« –

So redet meine Padrona und glaubt, was sie sagt. Auch wenn sie erfindet. Auch wenn sie leise denkt: Franz hat nur zehn Sarazenen bekehrt – und laut sagt: zehntausend sind es gewesen! –, so glaubt sie das. Sie ist begeistert, der Heilige und die große Zahl reißen sie mit. So köstliche, fromme Übertreibungen kommen ihr wie Beten vor. Sie bekommt dabei Tränen in die Augen, ihre ganze Seele zittert vor Freude und vor Glück. Und sie schaut unter ihren schweren, grauen Wimpern über den Platz zum Kloster hinauf, wo Leute aus den Portalen treten, und sagt: »Auch die hat er gesegnet! Auch die! – Er segnet alle! Kommt, gute Herren und Damen, kommt! Hier ist das Beste in Assisi zu kaufen!« – Und sie ergrimmt, wenn viele Fremde zur anderen Bude gehen, an der Ecke der Via San Giacomo.

Ach, klagt sie, es ist nichts mehr mit diesem Handel gegen früher! Die Leute bezweifeln alles. Nichts nehmen sie mehr für wahr. Wurmstichig ist die schöne Gläubigkeit der einstigen Wallfahrer geworden. Einst konnte man Tuchstücklein verkaufen, kleine braune. Das waren Fetzlein von der echten Franziskuskutte. Es gab Fasern aus dem Strick des heiligen Franz, ja, Federchen von den verschiedenen Vögeln, die ihm nachgetrippelt sind und die, während er schlief, in seine hohlen Hände ihre warmen Eier gelegt haben. Solche Federn waren sehr teuer. Man konnte für eine ganz geringe Spatzenfeder vier, fünf Lire kriegen. Eine Nachtigallenfeder aber kostete schon dreimal mehr. Gebänderte vom Uhu konnten überhaupt nur die Inglesi bezahlen. Ahi, da konnte man noch anständig verdienen. Und die ganze Welt trug damals noch etwas vom heiligen Franz an sich. Darum lebte man noch so brav. Aber der Bischof hat nun das mit den Federn und anderes verboten. Gott, warum denn einer armen Frau schaden? Nur Bildchen und Rosenkränze und Figürchen darf ich noch verkaufen. Aber Agnese übertrumpft man nicht. Es sind Gebete auf die Bildchen gedruckt. Und wer die gut betet, dem gibt der Papst oder der Bischof so und so viele Tage Ablaß. Meist steht darauf hundert Tage Ablaß. Aber das ist ein Druckfehler. Nehmt dreihundert! Oder es steht sieben Jahre. Warum nicht gar – so ein Moment! Nein, wer dieses Gebet sehr, sehr fromm verrichtet, die Hände zusammen und kein Auge offen – warum soll er nicht dreißig Jahre und mehr Ablaß haben? Gott und Seine Geschenke lassen sich doch nicht so geizig austeilen. Sicher nicht! Nehmt Gott lieber größer als kleiner, reicher als knapper – Ihr fasset Ihn dann noch immer zu klein und zu knapp. –

So Agnese! Ein seltsames Weib, voll Wahrem und Falschem und dazu mit Augen wie ein schlaues Kind, hellbraune, heitere, vogelschnelle.

Sie hat eine schwere Geschichte hinter sich. Ihr Mann ist ihr fast noch als Jüngling weggestorben. Aber das ist es nicht. Jedoch ihr einziger feiner Sohn Marzo wollte nicht Geistlicher werden. Das war ein großes Leid. Der Canonico erbot sich, ihn Latein zu lehren. Aber der Schlingel warf ihm alle lateinischen Bücher aus dem Fenster in den Domherrenhof. Was sagt Ihr dazu? War das nicht ein kleiner Teufel?

Wir sind von den ältesten Bürgern der Stadt. Ein di Serla hat dem heiligen Franz oft Geld und Tuch und Eßzeug nach San Damaso hinuntergebracht. Mein Marzo würde hier sogleich Domherr, von der ersten Messe an. Wer weiß, er könnte Bischof werden! Nun, was gafft man mich so groß an? Ein Bischof di Serla – klingt das nicht sehr gut? Ich würde ihm den Haushalt führen.«

»Aber der Kramladen, gentilissima Signora di Serla, wie?«

Schmerzlich sieht Agnese auf ihren schweren, bunten Kramtisch. »Ich müßte ihn wohl aufgeben«, seufzte sie. »Vielleicht hat Michaela – doch nein, nein, nein!«

Das war die erprobte Magd zu Hause. Sie besorgte die Wirtschaft vortrefflich und bediente und verhätschelte den jungen di Serla wie einen Königssohn. Als sie sah, er habe für nichts Talent als fürs Markten und Feilschen und Profitchenmachen, da bildete sie ihn in den vier Grundoperationen tüchtig aus. Denn auch sie war eine helle Rechnerin und zählte vier Kaffee, zwei Kirsch, drei Gläschen Chianti und fünf Zigarren in einem Auf- und Niederschlagen ihrer schlauen Augen auf den genauen Centesimo aus.

An einem milden Tag hinten im Januar, wo man gegen die Statione hinunter schon Veilchen findet, Veilchen, wie an einem brummeligen Thüringer Wiesenbach, nur duften sie nicht so heimatlich süß – da sagte der flotte, schöne Bursche Marzo seiner Mutter zum Namenstag als Gratulation das Einmaleins vorwärts und rückwärts ohne Stottern und Zagen auf. Das Multiplizieren ging am schneidigsten. Das Dividieren zwar geschah auch sehr sicher, aber mit einem inneren Widerstreben gegen das Teilen, das Verzetteln, das Armwerden, das in dieser Operation so unheimlich angedeutet ist.

Die Mutter klatschte in ihre zwei breiten Krämerinnenhände. Sie war besiegt. Sie verzichtete auf Birett und Kanonikusmäntelchen und sagte: »Also wirst du in Gottes Namen ein Kaufmann, wie alle di Serla.«

Agnese freute sich an jedem kleinen Blitz von Handelsgenie, das im Geplauder aus Marzo zuckte. Jeden Soldo verehrte sie abgöttisch, von dem Marzo einen abgefeimten Krämerschlich zu erzählen wußte.

Aber dann ging es auf der Industrieschule in Perugia mit dem Buben keinen Schritt mehr vorwärts. Da kamen Zeugnisse mit elenden Noten und dem Vermerk: Talentlos – Schwer von Begriff! – Eignet sich besser zum Grobschmied! – und ähnlichen Professorenwitzen. Auch San Franzesco hatte kein Einsehen, so eifrig sie zu ihm betete. Marzo war und blieb in Perugia ein unwissender Lümmel!

Als er sechzehnjährig geworden, was bei uns im späteren Norden achtzehn bis zwanzig Jahre bedeutet, half er der Mutter an der Bude. Und sieh, da war der schlechte Theoretiker der beste Praktiker. Ein staunenswertes Talent kam zum Vorschein. Wo die Padrona erzählte, dichtete er schon; wo sie schilderte, malte er; wo sie versilberte, vergoldete er. Und er lächelte mit seinen schlauen, süßen, grauen Augen so charmant und zog seine niedrige, aber wachsweiße Stirne so wichtig unter dem kurzen, schwarzblauen dichten Haar zusammen, daß die Pilger bald lieber von ihm als von der Mutter kauften und ein Schatten frommer Eifersucht über die Seele Agnesens fiel. Es gab dann und wann Streit mitten im Profit zwischen den zwei Krämerseelen. Die Mißhelligkeiten wuchsen, die Eifersucht ward immer unfrommer. Zuletzt teilte man den Budentisch. Die Hälfte gegen Perugia nahm Marzo. Da waren die gelben Wachskerzen, wie man sie für Tote, für Buß' und Sünde, im großen Unglück etwa ansteckt. Dann Rosenkränze aus gedrehten Holzkügelchen und Bilder des heiligen Franz ohne die Wundmale. Auf der Tischhälfte gegen den Berg verhandelte Agnese beinerne Rosenkränze, weiße Kerzchen, wie man sie zur Freude für Unschuldige, bei Wundern und Erhörungen entfacht, und endlich Bilder mit dem Santo im mystischen Glanz der fünf Wundmale.

Das Geld floß am Abend in die gleiche Truhe. Aber der Handel selbst, nicht nur der schließliche Tagesprofit, war auch ein Fest für diese zwei Budenherzen. Und gerade dieses Fest verdarben sie einander, weil jedes die höheren Noten dabei singen und das größere Amt dabei verwalten wollte.

Man konnte nun außerordentliche Dinge erleben.

Eines Tages stand ein grober, knochiger Schweizer aus den Urner Bergen vor dem Tisch und wollte einen Rosenkranz kaufen. Er stand so unglücklich in der Mitte, zwischen Perugia und dem Subiaso, zwischen Franz mit und Franz ohne Wundmale, daß Mutter und Sohn den seltenen Gast beanspruchten.

»Hier sind Rosenkränze aus Korallen«, sagte Agnese mit ihrer großen Altstimme,»Korallen aus dem jonischen Meere, von Kreuzfahrern gehoben, von Franzens Brüdern – –«

»Hier ist, edler Signore, ein Rosenkranz aus Zedernholz«, sang die süße, fast noch ungebrochene Stimme Marzos, begleitet von einem bestrickenden Knabenlächeln, »Zedernholz vom Ölberg. Ich meine den Ölberg bei Gerusalemme

Auf diesen Trumpf wetterte die Mutter mit erhobener Stimme: »Oder wünschen Eure Herrlichkeit diesen Perlenrosenkranz? Er ist nicht teuer. Natürlich echte Perlen, gefunden im Tal Josaphat. Wie man sagt, versteinerte Tränen des großen Propheten Geremia – als er dort fastete und büßte für das arme gefangene Volk seiner lieben Juden –«

»Ja, ausgezeichneter frommer Pilger, das ist sicher ein wunderbarer Rosenkranz. Aber nun erst der da!« klingelte Marzos melodische Stimme. »Diese Kügelchen sind verbürgtermaßen aus dem Napf geschnitzelt, aus dem die heilige Familie Milch und Mus gegessen hat zu Mittag und zu Nacht.«

Dem Gletschermenschen vom Gotthardgebirge schmolz die harte Seele bei solchen Offenbarungen. Droben bei ihnen redete der Herr mit Lawinen und Felsstürzen. Aber hier ist es noch die alte, goldene Sprache der Wunder. Die Rosenkränze der Hirten daheim sind aus Kieseln oder aus Glasperlen gefertigt. Aber hier haben alle Geheimnisse des Morgenlandes daran mitgearbeitet. – Der Rosenkranz aus dem Näpflein des Christkindes scheint ihm das Großartigste von allem. Was er koste?

Nur acht Lire!

Viel Geld für einen einzigen Rosenkranz! Der Schweizer mit den zugeklobenen Händen zaudert.

»Es ist nicht sicher, daß die Perlen aus der Schüssel der heiligen Familie gedrechselt sind«, mischt sich Agnese ins Geschäft. »Viele meinen, es sei nur der Topf des kleinen Johannes in der Wüste gewesen. Nun, das ist auch wertvoll. – Aber mit diesem Rosenkranz ist ein echter Splitter vom Kreuz auf Golgatha – – seht einmal in die Medaglia! – – eingefaßt, ein echter Span vom blutigen Kreuz unseres lieben Herrn Heilandes, und kostet nur sieben Lire! Una lira di meno!«

»Wenn alle Splitterchen echt wären, liebe Mutter«, spottet Marzo mit aalglatter, giftiger Süßigkeit, »dann hätte unser Herr und Erlöser wohl an zehntausend Kreuzen sterben müssen. Das wäre ein ganzer Olivenwald! Aber von dieser Sorte schwarzer Rosenkränze aus der Christkindleinküche, wie man das heißt, gibt es nur ein Dutzend. Das ist doch ein Beweis, daß sie echt sind. Nicht wahr, Euere Herrlichkeit? Und da Ihr so weit her zu kommen scheint und schon so lange in der Sonne steht, so gebe ich Euch dieses Wunder von einem Rosenkranz für sechs Lire! Una Lira di meno! Aber Euch allein, und sagt es niemand! San Franzesco wird mir den Schaden gut machen.«

Das entschied. Der Schweizer nahm diesen Rosenkranz mit tiefer Andacht, aber doch mit heimlicher und echt eidgenössischer Freude, sogar an einem solchen Heiligtum noch einen Profit erzielt zu haben. Wenn er zu Hause am Abend daran seinen Kindern vorbetet, so denkt er, daß an diesem ehrwürdigen Holz die kleinen, heiligen Hände des Jesuskindes und die schneeweißen der Muttergottes und auch die runzligen Zimmermannsfäuste des heiligen Joseph oft und oft gehaftet haben. Und dieser Gedanke gibt seiner betenden Stimme eine besondere Kraft und Weihe und Segnung. Aber leise, leise klingeln manchmal doch auch silberfein die zwei abgemarkteten Fränklein in die Andacht hinein.

Bald danach trennten sich Mutter und Sohn. Sie blieb am alten Eckplatz der Via Principe di Napoli, er an der anderen Ecke der Via di San Giacomo. Beide hatten ihre besonderen Waren. Aber heimlich legte sich Marzo bald auch beinerne Ketten und Kränzlein und Agnese hinterrücks auch hölzerne Heiligtümer zu. Kam eines zum andern etwa an dem Marktstand vorüber, so deckten sie das verbotene Feilzeug mit einem Wachstuch zu. Noch nach Monaten und Jahren taten sie das, obwohl jedes den Betrug des anderen klar durchschaute.


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