William Shakespeare
Das Leben und der Tod des Königs Lear
William Shakespeare

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Vierter Auftritt.

Ein Zimmer in Glosters Schloß.

Gloster und Edmund.

Gloster. Edmund, diese unnatürliche Begegnung gefällt mir gar nicht. Wie ich sie um Erlaubniß bat, Mitleiden mit ihm zu haben, so nahmen sie mir den Gebrauch meines eigenen Hauses, und verboten mir bey Straffe einer ewigen Ungnade, weder mit ihm zu reden, noch für ihn zu bitten, noch ihn auf irgend eine Weise zu unterstüzen.

Edmund. Das ist ja ganz barbarisch und unnatürlich.

Gloster. Geht hinein, aber sagt nichts. Es ist Zwiespalt zwischen den Herzogen, und noch etwas schlimmers als das; ich habe diese Nacht einen Brief bekommen, es ist gefährlich davon zu reden, (ich habe den Brief in mein Cabinet verschlossen.) Diese Beleidigungen die der König duldet, werden gerochen werden; es ist schon ein Theil der Macht auf den Beinen; wir müssen uns zum Könige schlagen; ich will zu ihm sehen, und ihm heimlich Beystand thun; geht ihr, und unterhaltet ein Gespräch mit dem Herzog, damit er nicht merke was ich für den König thun werde; wenn er nach mir fragt, so bin ich nicht wohl und zu Bette gegangen. Und wenn ich deßhalb sterben müßte, (wie mir dann nicht weniger gedräut ist,) so muß der König, mein alter Herr Hülfe haben. Es sind wunderliche Dinge auf dem Tapet, Edmund, ich bitte euch, geht und seyd sorgfältig.

(Geht ab.)

Edmund (allein.)
Diese Großmuth soll mit deiner Erlaubniß der Herzog diesen Augenblik erfahren, und den Brief dazu. Das hat das Ansehen eines wichtigen Verdiensts, und muß mir geben was mein Vater verliehrt; nicht weniger als Alles. Der Jüngere steigt, wenn der Alte fällt.

(Geht ab.)


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