Fanny Lewald
Italienisches Bilderbuch
Fanny Lewald

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Pompeji und Herculanum

Gleich dem weisesten Künstler liebt es die Natur, bisweilen durch das Zusammenstellen greller Gegensätze eine bedeutende Wirkung, einen besondern Eindruck hervorzubringen; so hat sie neben dem lebensprudelnden Neapel Herculanum und Pompeji verschüttet, ein mahnendes Memento mori!

Den Hafen entlang fährt man durch Portici, das sich wie eine Vorstadt an Neapel anschließt, nach Resina, hart am Fuß des Vesuvs. Resina ist über den Trümmern von Herculanum gebaut. Man steigt eine Treppe hinab durch kellerartige Gänge, um in das verschüttete Theater zu kommen, wie man ebenfalls eine lange, schmale Straße abwärts geht, die ausgegrabenen, dem Sonnenlicht wiedergewonnenen Stadtteile von Herculanum zu sehen.

Der Eindruck, welchen das verschüttete Theater gewährt, ist einer der entsetzlichsten, die man sich zu denken vermag. Unsere Führer gingen uns die hohe Treppe hinunter mit Fackeln voraus. Es war feucht und kalt in den Gewölben; Todesschauer schienen darin zu wohnen; immerfort wähnte ich, der Angstschrei der Menschen müsse ertönen, die hier, im Theater versammelt, ihr Ende fanden, als das Unheil hereinbrach.

Die Pfeiler, die Sitze der Zuschauer, die Bühne, die Plätze für die Musik sind deutlich sichtbar. Man hat den Marmor von der Lava gereinigt, die ihn überflossen. Im Vorgrunde stehen die Piedestale von den Statuen der beiden Balbi, der Konsuln, welche sich wohlerhalten im Museum zu Neapel befinden. Die Inschriften auf denselben sind fast unversehrt. An vielen Stellen der Wände sieht man den roten Stuck, mit dem sie bekleidet waren. Zwischen diesen Säulen, zwischen dem Schmuck und der Pracht eines durch Kunst verfeinerten Lebens, in dem der menschliche Geist sich schöpferisch tätig bewies, brach sich die wilde Naturgewalt verräterisch ihren zerstörenden Weg. Die kleinsten Zwischenräume, die geringsten Lücken des Baues sind mit der erstarrten, schwarzen Lava ausgefüllt, ein menschliches Gebiß sah an einer Stelle zähnefletschend daraus hervor, ein grauenhafter Anblick.

Alles Interesse an dem Bau, an dem Altertume verschwand in mir vor der Idee dieses furchtbaren Ereignisses. Ich atmete erst auf, als ich dies Riesengrab verlassen hatte und mich im Sonnenlicht dem Leben angehörend empfand. Unterirdische Gewölbe, Bergwerke, Höhlen zu besuchen scheint mir immer sehr traurig. Sooft ich es tun mußte, um mich mit den Pflichten eines Reisenden abzufinden, hat es mich ein schweres Opfer gekostet. Es heißt im Neuen Testamente: »Ihr seid Kinder des Lichtes!« Das empfindet man mit ganzer Seele, sooft man die sonnige Erdoberfläche, die warme, farbige Atmosphäre des Tages vertauscht gegen das schaurig feuchtkalte Dunkel der innern Erde. Man hat das beängstigende Gefühl, seinem Elemente entrissen zu sein, und das ganze Grauen des Todes legt sich über uns. Dann habe ich mich immer gefragt: wie ist es möglich, den Tod nicht zu fürchten, todesfreudig zu sein? Ich begreife, daß man den Tod über sich nimmt wie Christus, sobald es das höchste Gut des Menschen gilt; daß man, um dieses zu retten, das höchste Opfer bringt, dem Leben zu entsagen, weil eine unerbittliche Notwendigkeit es gebieterisch verlangt; aber an die christliche »Todesfreudigkeit« vermag ich in der gesunden Menschennatur nicht zu glauben. Sie gehört auch sicher in den Bereich jener unnatürlichen, unmenschlichen Entsagungstheorien, die uns einbilden möchten, es läge in dem bloßen Sein, in dem Atmen unter dem goldenen Licht der Sonne nicht ein hohes, selbständiges Glück.

Hätten wir nicht so große Freude am Dasein, faßte uns das Glück der Gegenwart nicht in seiner ganzen ausfüllenden Seligkeit, wir könnten, in jedem Augenblick von Todesgefahr umgeben, uns des Lebens niemals erfreuen. So unerläßlich, so notwendig erscheint uns unsere Existenz, daß wir den Tod vergessen und leben müssen, als ob das Dasein kein Ende nähme, wenn wir Großes leisten oder auch nur das Leben genießen sollen. Diese zuversichtliche Sorglosigkeit tritt nirgends auffallender hervor als hier in den verschütteten Städten.

Zwischen dem Theater und den ausgegrabenen Teilen von Herculanum zieht sich eine Straße von Resina hin. Rechts und links die Bilder des entsetzlichsten Verderbens, hoch über der Stadt die Rauchsäule des Flammenberges, und wohin man in Resina blickt, die sicherste Lebensgewißheit. Weiber saßen spinnend vor den Türen, Kinder liefen umher; wohl keine Mutter dachte daran, daß man in Herculanum in der kleinen Badewanne des einen Hauses zwei Kinderskelette gefunden habe. Der Gegensatz des täglichen Lebens ist es, der den Eindruck von Herculanum noch furchtbarer macht.

Die Stadt selbst erscheint, soweit sie sichtbar ist, unwahrscheinlich klein. Sie gleicht jenen Ruinen englischer Parks, die das großartige Altertum parodierend nachbilden. Die Häuser, die Säulenhallen der Höfe, die metallenen Stangen und Ringe, an denen die Vorhänge vor den Badezimmern befestigt waren, die eisernen Stäbe in den Fensterhöhlen eines Gefängnisses sind unwiderlegliche Zeugnisse von der bewohnten Stadt; dennoch fragt man sich, wie war es möglich, daß Menschen in diesen engen, kleinen Verhältnissen ein behagliches Dasein fanden? Menschen, denen der ausgebildetste Luxus zur Lebensgewohnheit geworden war?

Und diese ganze Stadt war untergegangen, spurlos verschwunden mit all ihrem Luxus, mit all ihrer Lebensfülle, so gänzlich verschwunden, daß kaum ein Gedanke daran zurückblieb, daß man jahrhundertelang ihres Daseins sich kaum noch erinnerte. Tausende von Menschen, ganze Generationen sind verschüttet, verbrannt – und die Welt hat doch bestanden, und es ist dadurch gar nichts anders geworden in der Allgemeinheit. Wohl sechzig Fuß tief liegt Herculanum unter dem eigentlichen Niveau von Portici und Resina. Oben auf diesen Wänden von Lava, die wie Felsen aussehen, standen ganz vergnügte Burschen in Hemd und Leinwandshose, die rote Flanellmütze auf dem schwarzen Haar. Sie banden Weinreben an die Maulbeerbäume und ließen fröhliche Lieder aus der braunen Brust zu uns herniederklingen oder riefen uns neckend zu, wobei sie ihr Italienisch in der Weise aussprachen, wie ungeübte Fremde es zu tun pflegen. Auch der Kustode sprach es in der Art. Als wir ihn fragten, weshalb er das täte, antwortete er: »Die Fremden verstehen es dann besser!« Man behandelte uns wie Kinder, zu deren unvollkommener Ausdrucksweise man sich freundlich bequemt.

Pompeji macht einen viel milderen Eindruck als Herculanum. Man erreicht es mit den Dampfwagen, die von Neapel bis Nocera fahren, auf einer Eisenbahn, deren Lage kaum ihresgleichen haben dürfte. Sie geht an dem Ufer des Meeres auf mäßiger Höhe fort durch Torre del Greco und Torre Annunziata am Fuße des Vesuvs, der bis zur Hälfte seiner Höhe mit reichem Grün und lachenden Villen gekränzt ist.

Wohin man blickt, liegen an der Eisenbahn und unten am Meere kleine Städtchen mit flachen Dächern, auf denen frische Makkaroni oder Maiskörner zum Trocknen ausgebreitet waren. Überall Schiffe, Kähne, Fischer und werktätige Menschen. Auf dem schwarzen, silberfunkelnden Lavaboden des Ufers wälzten sich Scharen nackter Knaben umher, die sich dann in das Meer stürzten und aus dem Meere wieder in den glühenden Sand zurückkehrten, den erquicklichen Wechsel von Hitze und Erfrischung zu genießen.

Fünf kleine, von Unsauberkeit starrende Buben hatten ein paar Schweine in das Meer getrieben und wuschen und bürsteten sie mit einer Sorgfalt, wie schwerlich die Mutter der Knaben sie diesen jemals angedeihen ließ. Andere hatten ein Calessino ins Meer gezogen. Zwei Jungen schwammen voraus an der Deichsel, vier andere stützten die beiden Räder, und ein größerer Bube stand wie ein Triumphator darin. So hielten sie es einige Augenblicke über Wasser, bis es umschlug, sämtliche Knaben untersanken und dann zappelnd und lärmend wieder emportauchten, um jubelnd ein neues Spiel zu beginnen. Es waren vollkommene Tritonenbilder.

Hier am Meere begriff ich, wo Raffael und die andern alten Maler die Originale zu ihren Tritonen gefunden haben. Hier lernte ich die lebenswonnigen, naturseligen Meergötter auf Raffaels Galatea erst recht verstehen. Wer den Süden nicht sah, wer nicht dies sonnevolle, heiße Naturleben in seinen Regungen betrachtete, kann keine heidnischen Götter malen, denn sie sind Produkte dieser Natur, wie sie Ideale dieser Menschen sind. Unsere Meergötter frieren im Winter ein; und tauen sie dann auch im Juli und August ein wenig auf, so bleiben sie lauwarm, strecken ängstlich die erstarrten Glieder und wagen nicht recht, sich zu freuen, weil sie wissen, daß sie im September doch wieder einfrieren werden.

Zwischen den heitersten Bildern, zwischen Kaktus, Oleander- und Myrtenbüschen, die mit starren, schwarzen Lavawänden abwechseln, fliegt der Dampfwagen dahin. Mehrere Tunnel sind durch die Lava gebrochen, welche hier alles überflutet hat. Wo man im Erdreich die Straße abgestochen, bedeckte die rotblühende Eispflanze dicht wie ein Teppich den ganzen Boden.

Von der Eisenbahn geht man einen ziemlich langen, schattenlosen Weg bis nach Pompeji. Es war gegen Mittag, als wir dort anlangten, die Hitze auf dem gelben Sande fast unerträglich. Wir sanken bis an die Knöchel hinein, man hatte die Empfindung, als nähme man ein glühendes Fußbad.

Eine fast sonntägliche Stille, ein süßes, melancholisches Schweigen liegt über Pompeji. Die Vordermauern vieler Häuser sind wohlerhalten, die Zerstörung tritt hier milder auf. Nur die Dächer fehlen, um der Stadt wieder ein wohnliches Ansehen zu geben.

Reinliche, nicht breite, aber schnurgerade Straßen durchkreuzen sich regelmäßig. An den Häusern findet man erhöhte Trottoirs, an den Straßenecken erhöhte Quadern zum Überschreiten des Fahrweges; die steinernen Gleise für die Wagen tragen die deutliche Spur der Räder. Diese müssen danach sehr breit, die Räder schmal gewesen sein.

Noch außerhalb der Stadt liegt das zweistöckige Haus des Diomed. Acht der schönsten Zypressen stehen davor, als wären sie absichtlich hierher gepflanzt, den Anfang der Gräberstraße zu bezeichnen, welche vom Hause des Diomed bis an das Tor Pompejis reicht. Die Marmorbekleidung, die Reliefs und Inschriften der Gräber sind zum Teil wohlerhalten. Neben den Gräbern findet man Ruheplätze, runde Sitze von schönem Marmor. Das Stadttor mit dem Wachthause und eine Schenke folgen zunächst. Der Laden der letztern liegt hart an der Straße, eine Marmorplatte trägt die Merkmale der Gefäße, welche einst darauf gestanden haben.

Ganze Straßen, wohl an hundert Häuser, sind ausgegraben und lassen die innere Einrichtung derselben genau erkennen. Ein kleines Vestibül bildet den Eingang. Das freundliche »Salve« auf der Schwelle, das noch heute den Eintretenden begrüßt, den Gast willkommen heißt, obschon der Wirt so lange gestorben, hat etwas sehr Ergreifendes. Die Gastlichkeit, die uns aus so ferner Vorzeit entgegenwinkt, rührt und bewegt die Seele mild. Aus diesem Vestibül tritt man in einen von Säulen umgebenen Hof, das Impluvium, in dem sich ein Brunnen befindet. Zu beiden Seiten des Impluviums liegen die Schlafgemächer der Männer. Sie haben untereinander keinen Zusammenhang, sind zellenartig geschieden, mit drei geschlossenen Wänden und einer Türe gegen den Hof. An der Hinterwand erhebt sich einen Fuß hoch die gemauerte Estrade, auf der die Schlafpolster ausgebreitet wurden.

In den großen Häusern folgt dem ersten noch ein zweiter Hof, mit prächtigem Mosaikfußboden und Springbrunnen geziert, dann das Eßzimmer (trichnium) mit festen Sitzen an den Wänden und einem ebenfalls festen Tisch dazwischen, alles von Marmor und von schöner, zweckmäßiger Form. Die Eßzimmer sind sehr klein. Man sieht, daß große Gastmahle nicht üblich sein mußten. Ganz in dem hintersten Teile des Hauses lagen die Gemächer der Frauen.

In zwei Höfen befinden sich Fontänen, mit Muscheln und Steinchen verziert, genau wie in den alten holländischen Gärten. Es ist der reinste Rokokostil. Über denselben sind Löwenköpfe von gebranntem Ton mit offenen Augen und Rachen angebracht, in die man Lampen setzte, um Licht zu haben, wenn man abends Wasser brauchte. In allen Häusern gibt es Badegemächer und in dem öffentlichen Bade die zweckmäßigste Einrichtung für warme und kalte Bäder. Die Lager zum Ausruhen sind dort auf Gestellen von Bronze; Marmor, Stuck und Fresken überall mit Geschmack und Freigebigkeit verwendet. Die öffentlichen Gebäude, die Tempel, die Basilika, das Forum sind ebenso groß als die Wohnungen und Zimmer klein; und alles dies macht den Eindruck höchster Zweckmäßigkeit. Die Zimmerchen mit einer Türe haben etwas sehr Ruhiges, die Hofräume sind luftig, die Treppen bequem; es ist für dies Klima alles so vollkommen berechnet, daß man noch heute mit Lust und Behagen in diesen Räumen wohnen könnte.

Unbeschreiblich ist das Gefühl, welches die Brust bewegt bei dem Anblick dieser Trümmer, deren Bewohner so gewaltsam vom Leben, von der Arbeit abgerufen sind; und rührender als die großen Bauten erschienen mir die Spuren der Kette, welche tagtäglich den Brunnenrand hinabglitt, oder der ausgehöhlte, durch Arbeit abgenutzte Stein an einem Waschplatze. Man bedarf kaum eines Erklärers, man sieht es alles deutlich vor Augen und bedauert nur, daß es notwendig war, die Geräte, welche man in den Häusern vorgefunden hat, an das Museum nach Neapel abzuliefern. Man möchte das alles zusammen sehen, um sich das Ganze in seiner Vollkommenheit in die Seele zu prägen.

Pompeji hat drei Theater gehabt, den Circus für die Kampfspiele, das tragische und komische Theater. In dem großen tragischen Schauspielhaus spielte man am Tage; das andere Theater für komische Stücke ist klein, und die Vorstellungen müssen in der Dunkelheit stattgefunden haben, denn hier grub man die prächtigen Kandelaber aus, welche im Museum aufbewahrt werden.

Diese Kandelaber, alle Gerätschaften, die Gefäße, Waffen, Möbel, welche viele Zimmer im Museum füllen, sind in ihrer Art vollendet, die Mosaiken und Fresken, die man ausgehoben und im Museum aufbewahrt hat, ungemein lieblich. Sie stellen zum großen Teil Szenen aus der Mythologie, aus der Ilias und Odyssee dar oder einzelne Gottheiten und Halbgötter. Diese bilden den Übergang zu tanzenden Menschen, spielenden Kindern und Tieren. In allen Schilderungen die frischeste, ursprünglichste Naturwahrheit, verklärt durch die Freude an sinnlichem Naturgenuß. Diese Menschen, diese Kinder, diese Tiere müssen tanzen, spielen, hüpfen, denn sie freuen sich ihres Daseins; diesen Halbgöttern glaubt man, daß sie fliegen können, wie man es den Engeln des Fiesole glaubt, und doch ist zwischen beiden ein wesentlicher Unterschied. Die Engel fliegen, weil Gott es will, weil das Vertrauen zu Gott ihnen das Unmögliche möglich macht. Die pompejanischen Göttergestalten fliegen aus eigener Machtvollkommenheit, im Vollgefühl der ihnen innewohnenden Naturkraft, als Elementargeister, die das Element beherrschen.

Wir hatten viele Stunden mit dem Betrachten dieser untergegangenen Herrlichkeit zugebracht und kehrten erst am Nachmittage zum Eisenbahnhofe zurück. Kaum waren wir dort angelangt, als zwei Nonnen aus einem Kloster in den Abruzzen uns um Almosen angingen.

Die eine Nonne war jung und schön, die andere sah würdig aus. Der Bahnhofsinspektor bevorwortete ihre Bitte mit dem Bemerken, sie müßten die Mildtätigkeit der Fremden in Anspruch nehmen, um eine Nonne ihres Klosters, die Schwester Antonia von Florenz, die als heilig erkannt sei, kanonisieren zu lassen. Mehrere Personen der Gesellschaft gaben ihnen Geld, einer der Männer lehnte es ab, weil er nicht Katholik sei und nicht an die Heiligen glaube.

»Aber wohin kommen die Fremden nach ihrem Tode, wenn sie keinen Schutzheiligen haben, der sie losbittet aus dem Fegefeuer?« fragte die junge Nonne. »Sie müssen ja ewig im Fegefeuer bleiben.«

Der Bahnhofsinspektor, der sich mit einigen Frauen aus unserer Gesellschaft bei der Ankunft unterhalten hatte, schien Mitleid mit unserer Verdammnis zu fühlen und meinte: »Je nun! sie werden doch vielleicht auch ins Paradies kommen!«

Die alte Nonne schüttelte den Kopf: »Unmöglich, Signor! Die Ketzer kommen nicht hinein, kommen alle für ewig in die Hölle.«

Es entspann sich ein Streit, die Nonnen hatten keine Gnade für uns, die Deutschen waren beleidigt und entrüstet über ihre Unerbittlichkeit, da beschloß ich, den Friedensstifter zu machen. »Sehen Sie«, sagte ich zu den Nonnen, »hier dieser Bahnhof, in den wir alle gehen, ist ein Haus mit drei verschiedenen Klassen, und jeder kommt in die Klasse, für die er bezahlt hat. So wird's vielleicht auch im Jenseits sein, wo wir alle in dasselbe Haus einkehren werden, aber in verschiedenen Klassen.«

Damit waren die Nonnen zufrieden, die ältere nickte mir Beifall, und auf den Gedanken eingehend, sagte sie freundlich: »Bezahlen Sie gut, Signora, damit Sie in die erste Klasse kommen!«

Noch während der Unterhaltung mit den Nonnen, die uns viel von der Armut ihres Klosters erzählten, erscholl das Pfeifen der Lokomotive. Man drängte sich zu den Wagen, nahm die Plätze ein – ein zweites Pfeifen, ein Ruck, wir flogen von dannen und langten in Neapel an, als in den Straßen sich die Volksmenge dem Genuß des Abends zu überlassen anfing, uneingedenk des schweigenden Pompeji, an dessen Untergang die Feuersäule des Vesuv uns schmerzlich mahnte.


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