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XXIV.

Barrikadenkämpfe in Hull.


Über die Ereignisse des Sonntags auf dem Humber berichtete am Mittwoch abend die Evening News:

Hull, Montag abend.

Hier hat sich großes Unheil ereignet, die Stadt ist in der Hand der Deutschen! ...

Am Sonntag morgen vor fünf Uhr schreckte lautes Geschrei auf der Straße mich aus dem Schlaf auf, ich öffnete mein Fenster und rief einem vorbeieilenden Matrosen die Frage zu, was denn los sei? Die verblüffende Antwort war: »Der ganze Fluß wimmelt von Deutschen!«

Hastig zog ich mich an, bestieg mein Fahrrad und fuhr nach dem Dockoffice, wo sich rings um die Wilberforce-Statue bereits ein so dichter Menschenhaufe angesammelt hatte, daß ich nicht durchkommen konnte, sondern absteigen mußte. Hier erfuhr ich, daß vor einer halben Stunde die Arbeiter im Alexandradock durch die grauen Nebel, die noch über dem Humber schwebten, einen erstaunlichen Anblick zu sehen bekommen hatten: Unzählige Schuten und Leichter, mühsam von Schleppdampfern hereinbugsiert und buchstäblich vollgestopft von Leuten in grauen Mänteln, offenbar Soldaten! ...

Zuerst schien es, als ob sie in Hull landen wollten; aber sie blieben draußen in der Fahrrinne, auf der New-Hollandseite, und hinter ihnen kam eine Menge von Frachtdampfern von geringem Tonnengehalt, die sicherlich so wenig Tiefgang hatten, daß sie bis nach Goole hinauf konnten.

Die ganze Stadt war sofort auf den Beinen, und jemand, der ein starkes Glas hatte, erkannte vom Pier aus, daß diese grauuniformierten Soldaten Deutsche seien, – wie ein Lauffeuer verbreitete sich nun die Nachricht, daß die Deutschen uns überfallen hätten! ... Sowohl Telegraph wie Telephon aber waren plötzlich unterbrochen.

In endlosem Zuge fuhren die Fahrzeuge aus dem Morgennebel heraus, um sich gleich wieder westwärts darin zu verlieren; die Zuschauer aber, darunter ich selbst, starrten ihnen nach und wußten nicht, was sie davon sagen sollten.

Die East Yorkshire-Freiwilligen waren auf die erste Nachricht hin gleich zusammengetreten und harrten nun an ihren Versammlungsplätzen auf Befehle; nachdem sie Waffen und Munition erhalten hatten, marschierten sie nach dem Alexandradock hinab.

Das ganze Flußufer war jetzt schwarz von erregten Menschen, aber jenes Sammelsurium von Fahrzeugen fuhr weiter, ohne sich um uns zu kümmern, und ward spärlicher und spärlicher, bis nur noch in längeren Pausen ein Schiff durch die graue Nebelbank zum Vorschein kam.

Eines aber war klar. Der Feind, wer er auch sein mochte, hatte uns aller Mittel, um Hilfe zu rufen, beraubt, denn wir konnten weder an die Besatzungen von York, Pontefract und Richmond telephonieren, noch auch nur an das Regimentsdistriktshauptquartier in Beverley! – Er war nach Goole hinaufgefahren, aber wenn er nun umkehrte und Hull angriff? ...

Es war die allgemeine Überzeugung, daß die Deutschen, falls sie die Absicht hatten, sich Gooles zu bemächtigen, Hull nicht seitwärts liegen lassen würden. In ihrer Todesangst begannen die Menschenmassen von den Holzplätzen Balken und Eisenwerk, aus den benachbarten Häusern Möbelstücke herbeizuschleppen, sowie Straßenbahnwagen, Omnibusse und Droschken, überhaupt alles, dessen sie habhaft werden konnten, und Barrikaden daraus zu errichten. Ich war Augenzeuge, wie die Volksmenge mit den größten Anstrengungen an der Ecke der Queen Street, dem Pier gegenüber, eine gewaltige Barrikade erbaute; rücksichtslos drangen die Leute in die Häuser ein und holten heraus, was sie fanden, Schränke, Pianos, Buffetts usw., und das alles schnürten sie mit der Geschicklichkeit von Seeleuten mit Stacheldraht zusammen. Auch Pflastersteine wurden mit Hacken und Brechstangen ausgehoben und aufgebaut. Die Frauen in ihrer Todesfurcht vor den Deutschen halfen mit, und so wuchs diese hastig improvisierte Barriere höher und höher, bis sie rechts und links an die Fenster des ersten Stockwerks reichte!

Das war nur eine von vielen ähnlichen Barrikaden; auch die Brücken über den Hullfluß wurden in aller Geschwindigkeit verrammelt, und damit war der Stadtteil westlich vom Hullflusse einstweilen gegen jeden Einbruchsversuch von Osten gedeckt.

Die Straßen waren jetzt so voll, daß an ein Vorwärtskommen nicht zu denken war. Tausende von Menschen, die sich außerhalb der Barrikaden befanden, also überhaupt die Bevölkerung von Southcoats, Drypool und Alexandra Wards, wollten sich aus der bedrohten Zone retten und fingen an, die riesigen Barrikaden zu eskaladieren und in die Stadt hineinzudrängen.

Der Fluß war eben wieder frei geworden, als gegen sieben Uhr plötzlich ein großes, unheimlich aussehendes, grau gestrichenes Kriegsschiff, das die deutsche Flagge führte, auf der Seeseite auftauchte, um alsbald zu wenden und vor dem Alexandradock vor Anker zu gehen. Panischer Schrecken erfüllte die Zuschauer am Lande, und nicht ohne Grund, da ein paar scharfäugige Seeleute erkannten, daß das fremde Kriegsschiff klar zum Gefecht gemacht hatte.

Während wir es noch anstarrten, warfen schon zwei andere ähnliche Fahrzeuge ihre Anker aus, und zwar an Punkten, von denen aus ihre Geschütze die ganze Stadt beherrschten. Und bald verdunkelten Rauchwolken den jetzt von der Sonne beschienenen Horizont; sie rührten von einer ganzen Flotte von Dampfern aller Größen her, die unter dem Geleite von Kreuzern und Zerstörern schnell von der See hereinfuhren.

Von der Barrikade in der Queen Street konnte ich den Victoria-Pier überblicken, und ich muß sagen, die nächste halbe Stunde war die aufregendste meines ganzen Lebens! Drei Dampfer von je 2500 Tons ankerten in Linie ungefähr auf der Mitte des Stroms, und ich konnte das Rasseln der Kabel in den Klüsen hören, als weiter stromabwärts eine ganze Anzahl von Schiffen derselben Größe ihrem Beispiele folgten. Sofort nachdem die Anker den Grund berührt hatten, wurden von allen Davits Boote aufs Wasser und längsseits gebracht – zu hunderten stiegen die Soldaten in sie ein, alle in dunkelgrauen Uniformen; hurtig übernahmen kleine Dampfpinassen sie und schleppten sie teils nach dem Victoria-Pier, teils nach den Kais.

Voll ausgerüstet und bewaffnet sprangen die Leute an Land und formierten und numerierten sich, als auf unserer Barrikade ein Freiwilligenoffizier den Befehl zum Feuern gab, und das scharfe Knattern einer Salve ertönte.

Ein junger deutscher Infanterieoffizier, der gerade seinen Revolver aus der Tasche ziehen wollte, schlug schwer vornüber, eine englische Kugel in seinem Herzen, und auch die Reihen der Mannschaften zeigten Lücken. Aber sofort hieß es: Zur Attacke marsch, marsch! und angesichts der Überzahl der Angreifer konnte man dies Unternehmen, die Stadt verteidigen zu wollen, nicht anders als unbesonnen und unvernünftig nennen. Fuhren doch Hunderte von Booten auf jeden nur möglichen Landungsplatz zu, und wimmelte es doch bereits auf jedem Kai und Bollwerk von deutschen Soldaten! ...

Ringsum knatterte das Gewehrfeuer. Dann hörte ich ein deutsches, mir unverständliches Kommandowort, und die an unserem Pier gelandeten Feinde schwärmten aus, rückten im Laufschritt vor und stürmten gerade auf unsere Barrikade los! Es war ein aufregender Augenblick. Unsere Freiwilligen gaben Salven auf sie ab und hielten sie auch eine Zeitlang auf. Ich aber, ein Nichtkombattant, befand mich inmitten der mich in unangenehmster Nähe umpfeifenden Kugeln! ... Auf beiden Seiten gab es Gefallene, und neben mir stürzte ein wild aussehendes schwarzhaariges Weib, offenbar eine von den Seemannsfrauen, die an der Errichtung der Barrikade mitgeholfen hatten, tot zu Boden, mit durchschossener Gurgel.

Von vornherein hatte die Gegenwehr auf diesem Punkte nicht den geringsten Sinn gehabt; die Freiwilligen selbst, so tapfer sie auch kämpften, mußten einsehen, wie vergeblich es war, sich einem Feinde entgegenzustemmen, der schon jetzt zu einem förmlichen Heere angeschwollen war.

Sie taten ihr Äußerstes, aber auf die Länge gab es für sie kein Standhalten, und bald kamen bärtige Teutonen über die Barrikaden geklettert und machten ohne Erbarmen alles nieder, was nicht sofort seine Waffen fortwarf.

Ich bekenne es, sobald ich die große Gefahr meiner Lage sah, ergriff ich die Flucht. Ich hörte hinter mir gerade noch das laute Krachen, als zuletzt Bresche in die Sperre gelegt wurde. Ich lief durch die Queen Street nach der Barrikade an der Drypoolbrücke, wo gleichfalls ein verzweifelter Kampf im Gange war, und die paar Freiwilligen sich tapfer abmühten, den Feind von ihrer Vaterstadt abzuhalten; auch eine ganze Anzahl von Zivilisten vereinigten sich mit ihnen in demselben Bemühen, und nicht wenige lagen bereits tot oder sterbend auf dem Pflaster. Sogar Frauen waren von dem Hagel der deutschen Kugeln getroffen, und der Feind, auf die Einnahme der Stadt versessen, griff mit wilder Entschlossenheit an.

Ich blieb aber nur fünf Minuten in Salthouse Lane, denn die Kugeln kamen so dicht, daß ich nach Whitefriargate und Victoria Square zu entkommen trachtete.

Ich stand an der Ecke der King Edward Street, als die Luft plötzlich durch ein furchtbares Krachen erschüttert wurde, das die Stadt bis in ihre Grundfesten erbeben ließ, – offenbar eine Brisanzgranate; die eine der schwarzen Kuppeln des Dockoffice war vollständig fortgerissen worden!

Ein zweiter Knall – ohne Zweifel ein Schuß eines der auf dem Flusse liegenden Kreuzer –, und eine hohe Flammensäule schoß aus einem der neuen Geschäftshäuser der King Edward Street auf, – wie ich später feststellen konnte, infolge des Platzens einer jener Petroleumbomben, deren Wirksamkeit unsere allem Fortschritt abgeneigte Regierung so oft abgeleugnet hatte.

Im Umsehen standen drei Häuser in heller Glut, und noch während ich zusah, loderte der ganze Block bis zur Straßenecke auf, da das brennende Petroleum sich nach allen Seiten ausgebreitet hatte.

Sicherlich, der moderne Krieg kennt kein tödlicheres Werkzeug als die schreckliche Petroleumbombe –, das hat sich an unserer unglücklichen Stadt erwiesen! Innerhalb zehn Minuten ging ein förmlicher Feuerregen nieder, und an allen Ecken und Kanten loderten die Häuser auf. Die Explosionen waren entsetzlich, ohne Unterlaß folgte eine der anderen, alle Welt stand hilflos da, in Angst und Schrecken, und niemand wußte, ob nicht der nächste Augenblick sein letzter sein würde.

Hull hatte Widerstand geleistet, und zur Vergeltung goß der Feind jetzt Tod und Verderben über die Stadt aus ...

Sobald die Bürger erkannt hatten, daß es sich um ein förmliches Bombardement ihrer Stadt handle, flohen sie Hals über Kopf auf das offene Land hinaus, um dem erbarmungslosen Feuerregen zu entrinnen. Mit mathematischer Regelmäßigkeit fielen die Bomben, platzten und ließen überall Flammen und dichten Qualm aufsteigen; ein Schrapnellschuß pflügte mit seiner Ladung von Kugeln eine breite Furche durch eine dichtgedrängte lebende Masse entsetzter Flüchtlinge, nicht weniger als 37 Tote und Schwerverwundete blieben auf dem Platze! Ein anderes Geschoß sah ich am Fuße der Viktoriastatue explodieren; es war mit einem Sprengstoff von so außergewöhnlicher Kraft gefüllt, daß das ganze Monument mit seinem Piedestal augenblicklich zerstäubt, und die Umstehenden zu unerkennbaren Fetzen, die kein menschliches Aussehen mehr hatten, auseinandergesprengt wurden!

Am Marktplatze brannte ein großer Häuserblock, und bis über die Dächer und Giebel schossen die schwarzen Rauchsäulen mit den prasselnden Flammen darunter in die klare Morgenluft auf. Plötzlich aber hörte das dumpfe Donnern und der Widerhall der schweren Marinegeschütze auf, und große Truppenmassen drangen durch alle Hauptstraßen in die Stadt ein; sie marschierten in Reih und Glied, machten aber ohne weiteres nieder, was noch bewaffneten Widerstand leisten wollte. In der Whitefriargate hatte jemand aus einem Fenster einen Revolverschuß abgegeben, dafür brannten die Deutschen an die zwölf Geschäftshäuser nieder, indem sie zwei oder drei Petroleumbomben in die Fenster des ersten Stockes warfen!

Natürlich stellte diese Beschießung einer wehrlosen Stadt eine flagrante Mißachtung des Völkerrechts dar. Andrerseits aber werden die Deutschen zu solchen drakonischen Maßregeln gegriffen haben, um gleich von vornherein den Bevölkerungen der von der Invasion bedrohten Gebiete eine nachdrückliche Lehre zu erteilen, daß Widerstand nicht nur nutzlos, sondern gefährlich und verderblich sei; über alle entrüsteten Proteste werden sie sich leicht hinweggesetzt haben.

Über dem Portal des Bahnhofshotels wehte die deutsche Fahne; hier hielt der kommandierende General des 8. Armeekorps, Graf Haesler, Kriegsrat ab mit dem Generalleutnant Stolz, Kommandeur der 16. Division, dem Generalmajor von Briefen, Kommandeur der 16. Kavalleriebrigade, und dem Oberst von Steinkirch, Kommandeur der Artillerie dieser Division.

Rings um den Bahnhof sah ich den glänzenden Stab, schneidige Offiziere, die Brust mit Ordensbändern bedeckt, auf und abschlendern, während Ordonnanzen, gut berittene Kürassiere und Dragoner, nach allen Teilen der Stadt im Galopp Befehle brachten. Da hörte ich auch, daß die nach allen Seiten etwa fünf Meilen weit vorgeschobenen deutschen Vorposten den Flüchtlingen den Durchgang nicht verstatten sollten.

Jetzt, wo die Stadt ganz besetzt war, ward übrigens ersichtlich, daß der Feind nur eine kräftige Demonstration beabsichtigt hatte und in Hull keine weitere Landung vornehmen wollte. Die Hauptkraft der Deutschen war nach Süden bestimmt, denn das Armeekorps, das flußaufwärts nach Goole gefahren war, bedurfte einer entsprechenden Unterstützung, um den Anprall der gesamten englischen Streitkräfte, die sich, wie anzunehmen war, um Sheffield sammeln würden, aushalten zu können.

Den ganzen Sonntag hindurch bot Hull ein seltsam unheimliches Schauspiel dar. Die Verwundeten waren in die Spitäler, die Toten aber bis zu ihrer Beerdigung in die Dreifaltigkeitskirche geschafft worden und lagen nun reihenweise nebeneinander, Angreifer und Verteidiger.

Bald nach Mittag war ein plötzlicher Wechsel in den Dispositionen der Feinde zu erkennen, denn als ich mich nach dem Viktoria-Pier begab, beobachtete ich, daß ein großer Teil der Truppen sich wieder in den Booten einschiffte, die sie an Land gebracht hatten, und eiligst nach der Lincolnshirer Küste geschleppt wurden. Auch die Schiffe, die vor Hull Anker geworfen hatten, waren nun größtenteils nach New Holland und Barton hinübergefahren, wo eine zweite und viel bedeutendere Ausschiffung im Werke zu sein schien.

Ich hatte so viel gesehen, daß meine Wißbegierde, einmal geweckt, der Gefahr nicht achten wollte. Warum hätte ich nicht auch versuchen sollen, nach New Holland hinüberzugelangen? Ich bewog einen mir bekannten Bootsmann, das Wagnis zu unternehmen; kurz vor ein Uhr stiegen wir ein, fuhren in weitem Bogen hinüber und landeten wohlbehalten dicht am Pier der Fähre.

Die Deutschen schienen jetzt, nachdem sie ihren Zweck erreicht hatten, den Humber zwischen sich und die Garnison von York und den anderen Städten des Nordens bringen zu wollen, um so der Möglichkeit, in Nachhutgefechte verwickelt zu werden, überhoben zu sein. In der weiten Ebene von Lincolnshire hatten sie prächtige Straßen, keine befestigten Stellungen vor sich und keine Furcht, im Rücken angegriffen zu werden. Sie brauchten also bei ihren augenblicklichen Dispositionen nur das zu berücksichtigen, was auf ihrer Front lag.

In New Holland waren schon Tausende von Deutschen gelandet, und ihre Kavallerie streifte meilenweit nach Süden und besetzte Caistor und Brigg, um gegebenenfalls der selbständigen Kavallerie die Hand zu reichen, die, wie ich in Erfahrung brachte, von Goole aus nach Crowle vorgestoßen war.

Als ich gegen Sonnenuntergang vor dem Yarborough-Hotel in New Holland stand und den ununterbrochenen Strom der nach Süden abmarschierenden Truppen beobachtete, kam von Süden her ein großer Militärmotorwagen, der die Aufschrift »VIII. Armeekorps« trug, herangefahren und hielt neben mir an; die Insassen waren bewaffnete Infanteristen. Zu meinem Erstaunen aber sah ich einen gewöhnlich aussehenden Mann, anscheinend einen Feldarbeiter, zwischen den Soldaten sitzen, die Hände hinter dem Rücken gebunden; der rief mir mit einem breiten Grinsen auf seinem schmutzigen Gesicht zu: »Na, das nenn' ich ein angenehmes Geschäft! Mußte diese Kerls da von Grimsby herführen, und sie sagten, sie würden mich totschießen, wenn ich verkehrt führte!«

»Was ist in Grimsby passiert?« fragte ich.

»Was, das wissen Sie nicht? Die Stadt brennt! Gerade als es heute Morgen hell wurde, kam ein ganzer Haufe von deutschen Dampfern vorm Flutdock an und lief ein, alles was Platz hatte; die andern fuhren nach dem Alexandradock hinauf, viele auch ins Royal Dock, und die kleineren in die Fischdocks. Sie landeten furchtbar viel Pferde und Wagen und Automobile und Tausende von Leuten. Ich denke, sie haben dort an die 1500 Wagen an Land gebracht, und Kanonen und Automobile, daß das Ende 'von weg ist! Und als das vor sich ging, kam es auch ein wenig zum Kämpfen, und ein paar Deutsche wurden totgeschossen. Da wurden denn all die Häuser in der Victoria Street und auch alle Holzplätze angesteckt. Die Stadt war wohl halb in Brand, als wir abfuhren. Schrecklich anzusehen, kann ich Ihnen sagen! Massenhaft Leute umgekommen!«

Da befahlen die Soldaten ihm barsch, sein Maul zu halten; kaum, daß er mir noch sagen konnte, daß die Truppen, die in Grimsby gelandet wären, denselben General hätten, wie die hier in New Holland.

Es war offenbar die Absicht des Feindes, von Grimsby nach Brigg vorzurücken, um sich dort mit der Division zu vereinigen, hinter der ich von Hull her gekommen war, sowie auch mit den nach Goole hinaufgefahrenen Truppen. Und so geschah es in der Tat; noch vor Anbruch der Nacht war der ganze Norden von Lincolnshire vollständig besetzt!

Ich aber mußte jener berühmten Worte des Herzogs Wellington an Sir John Burgoyne gedenken: »Wir haben keine Verteidigung noch Hoffnung auf Verteidigung, außer durch unsere Flotte. Man rühmt so sehr den Mut des englischen Volkes, vor dem niemand größere Achtung empfinden kann als ich; aber unorganisiert, undiszipliniert, ohne systematische Mannszucht, würde dieser Mut, falls er dem Flinten- und Kanonenfeuer und den Säbeln und Bajonetten disziplinierter Truppen gegenübertreten müßte, diejenigen, die von ihm beseelt sind, nur der Flucht und der Vernichtung aussetzen!« ...


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