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XI

Als Sir Lawrence Mont am folgenden Nachmittag im Burton-Klub eintraf, kam er sich, wie so mancher andere, der die Nase in fremde Angelegenheit steckt, selbst sehr wichtig vor, empfand aber gleichzeitig ein gewisses Unbehagen und wünschte sich weit fort vom Schuß. Zum Kuckuck, was sollte er nur Corven sagen? Zum Kuckuck, wozu überhaupt mit ihm sprechen? Seiner Ansicht nach war es für Clare weitaus das Beste, wenn die Ehe wieder geleimt würde. Vom Portier erfuhr er, Sir Gerald sei im Klub; er spähte bedächtig in drei Zimmer, dann eräugte er den Rücken des Wilds, an das er sich heranpirschen wollte, in der Ecke eines kleinen Schreibkabinetts. Er ließ sich an einem Tisch nah bei der Tür nieder, um Überraschung heucheln zu können, wenn Corven aufstünde, um fortzugehn. Der Kerl ließ sich unerhört lange Zeit. Sir Lawrence sah eine Ausgabe des Vademecums für englische Staatsmänner neben sich liegen und begann gelangweilt in den Tabellen der britischen Importartikel zu blättern. In der Rubrik ‹Kartoffel› fand er folgende Angaben: Verbrauch: Sechsundsechzig Millionen fünfhunderttausend Tonnen; Erzeugung: acht Millionen achthundertvierundsiebzigtausend Tonnen! Unlängst hatte jemand geschrieben, England führe jährlich Speck im Werte von vierzig Millionen Pfund ein. Er nahm ein Blatt Papier und notierte: ‹Einfuhrverbot und Schutzzoll für Nahrungsmittel, die im Inland produziert werden können. Jährlicher Import: Schweine – vierzig Millionen Pfund; Geflügel – ungefähr zwölf Millionen; Kartoffeln – Gott weiß wie viel! Den gesamten Speck, die gesamten Eier und die Hälfte der Kartoffeln konnte man im Inland produzieren. Warum stellte man in England nicht auch einen Fünf-Jahr-Plan auf? Durch Einfuhrbeschränkungen ließe sich der Import von Speck und Eiern um ein Fünftel, die Kartoffeleinfuhr um ein Zehntel jährlich senken, die heimische Erzeugung müßte allmählich gesteigert werden, um diesen Ausfall zu decken. Am Ende der fünf Jahre wären dann der gesamte Speck, die gesamten Eier und die Hälfte der Kartoffeln britisches Eigenprodukt. Wir hätten achtzig Millionen bei der Einfuhr erspart und das Defizit der Handelsbilanz wäre beinahe ausgeglichen.›

Er nahm ein zweites Blatt und schrieb:

‹An den Herausgeber der «Times»

Schweine, Geflügel, Kartoffeln:
ein Wirtschaftsvorschlag

Geehrter Herr!

Ein einfacher Plan zur Sanierung unserer Handelsbilanz verdient wohl die Aufmerksamkeit aller, die langen Umwegen feind sind. Es gibt drei landwirtschaftliche Produkte, deren Jahresimport den Wert von rund … Millionen Pfund erreicht. Wie ich zu behaupten wage, könnten wir diese Produkte in unserm Vaterlande erzeugen, ohne daß die Lebenskosten erheblich steigen müßten. Gegen die Preisverteuerung gibt es ein einfaches Vorbeugungsmittel: Wir brauchten nur einen Profitgeier gleich zu Anfang als warnendes Beispiel aufzuknüpfen. Die drei erwähnten Artikel sind Schweine, Geflügel, Kartoffeln. Man braucht nicht einmal eine Zollerhöhung zu beschließen, es genügt schon –›

Doch in diesem Augenblick sah er, daß Corven auf den Ausgang zuschritt und rief:

«Hallo!»

Corven machte kehrt und trat auf ihn zu.

Sir Lawrence erhob sich. ‹Hoffentlich›, fuhr es ihm durch den Kopf, ‹hoffentlich zeig ich mich ebensowenig verlegen, wie mein angeheirateter und bald wieder ausgeheirateter Neffe.›

«Tut mir leid, daß ich sie neulich nicht traf, als sie bei uns vorsprachen. Haben Sie lange Urlaub?»

«Nur noch eine Woche, dann muß ich wahrscheinlich über das Mittelmeer fliegen.»

«Kein gutes Wetter zum Fliegen in diesem Monat. Was halten Sie übrigens von unsrer ungünstigen Handelsbilanz?»

Jerry Corven zuckte die Achseln.

«Na, wenigstens haben die Leute eine Zeitlang Stoff zum Schwatzen. Sie sehn ja nie eine Handbreit vor der Nase.»

«Tiens, une montagne! Erinnern Sie sich noch an Caran d'Aches Karikatur von Buller, wie er vor Ladysmith steht? Nein, Sie entsinnen sich wohl kaum. Es ist ja zweiunddreißig Jahre her. Nicht wahr, der Volkscharakter verändert sich nicht wesentlich? Was gibt es auf Ceylon? Hoffentlich keine Sympathien für Indien?»

«Für uns auch nicht viel, aber wir wursteln eben weiter.»

«Das Klima scheint Clare offenbar nicht zu behagen.»

Corvens Miene blieb wachsam, er wahrte ein leises Lächeln.

«Die Hitze hat ihr allerdings nicht zugesagt, doch die ist ja jetzt vorüber.»

«Nehmen Sie Clare wieder mit?»

«Jawohl.»

«Ob das wohl klug ist?»

«Sie hier zu lassen, wäre noch weniger klug. Entweder man ist verheiratet oder nicht.»

Sir Lawrence sah ihm prüfend in die Augen und dachte: ‹Weiter wag ich mich nicht vor. Aussichtslos. Noch dazu hat er vermutlich recht, nur möcht ich wetten –›

«Entschuldigen Sie», sagte Corven, «ich muß die Briefe da aufgeben.» Er wandte sich zum Gehn und seine elegante Gestalt glitt mit sicherm Schritt aus dem Zimmer.

‹Hm!› dachte Sir Lawrence, ‹die Intervention war nicht eben von Erfolg begleitet.› Und er setzte sich wieder vor seinen Brief an die ‹Times›.

«Ich muß mir genaues statistisches Material beschaffen», murmelte er. «Ich werd Michael damit befassen.» Dann wanderten seine Gedanken wieder zu Corven zurück. Ausgeschlossen, in solchen Fällen zu entscheiden, wer da eigentlich die Schuld hatte. Immerhin, die beiden paßten nun einmal nicht zusammen. Daran konnte kein redliches Bemühn, kein weltkluges Überlegen etwas ändern. ‹Schade, daß ich nicht Richter wurde›, überlegte er, ‹ich hätte mein Urteil in so treffende Worte kleiden können: «Und Mr. Justitius Mont sprach nach der Verlesung des Urteils: ‹Es ist hoch an der Zeit, die Bewohner dieses Landes vor Eheschließungen zu warnen. Diese Institution, die sich noch in der Ära der Königin Victoria ausgezeichnet bewährte, sollte fortan nur noch dann in Kraft treten, wenn keiner der beiden Partner eine nennenswerte Individualität besitzt …›» Na, gehn wir jetzt nach Haus zu Emily!› Er drückte die ‹Times› als Löschpapier auf die schon längst getrocknete Schrift, steckte den Brief in die Tasche und trat hinaus in die friedlich dämmernde Pall Mall. Er war stehngeblieben, um einen Blick in die Auslage seines Weinhändlers in der St. James's Street zu werfen, und sann neuerdings über die Frage nach, wie er für die zehnprozentige Zollerhöhung aufkommen solle, da rief eine Stimme:

«Guten Abend, Sir Lawrence!» Es war jener junge Mann namens Croom.

Sie überquerten gemeinsam den Fahrdamm.

«Ich wollte Ihnen nur für Ihre Fürsprache bei Mr. Muskham danken, Sir. Ich hab ihn heute aufgesucht.»

«Wie fanden Sie ihn?»

«Oh, recht liebenswürdig; seine fixe Idee, unsere Rassepferde mit Vollblutarabern zu kreuzen, halt ich natürlich auch für verschroben.»

«Ließen Sie das durchblicken?»

Der junge Croom lächelte. «Kaum. Aber die Araber sind ja viel kleiner als die unsern.»

«Trotzdem ist was dran. Nur sollte sich Jack nicht so bald davon Erfolg versprechen. Doch auch hier geht's wie in der Politik – man will sich keinesfalls auf lange Sicht festlegen. Wenn bei uns ein Unternehmen nicht binnen fünf Jahren Erfolg hat, hält man es schon für verfehlt. Hat Ihnen Jack eine Anstellung zugesagt?»

«Jawohl, probeweise. Ich soll auf eine Woche zu ihm, er will sehn, wie ich mit Pferden umgehe. Die Stuten kommen aber nicht nach Royston. Er bringt sie bei Bablock Hythe in der Nähe von Oxford unter. Wenn ich die Prüfung bestehe, soll ich dort bleiben. Doch erst im Frühling.»

«Jack hält viel auf Formen», erklärte Sir Lawrence, als sie den ‹Coffee House›-Klub betraten. «Achten Sie auf jedes I-Tüpfelchen!»

Der junge Croom lächelte.

«Wahrhaftig, in seinem Gestüt ist alles einfach tadellos. Zum Glück beschäftige ich mich riesig gern mit Pferden. Ich war Mr. Muskham gegenüber vollkommen sicher. Ein herrliches Gefühl, endlich wieder Aussicht auf Arbeit! Und gerade auf eine solche – das freut mich so!»

Sir Lawrence lächelte; Enthusiasmus gefiel ihm immer gut.

«Sie müßten meinen Sohn kennen», sagte er. «Der ist auch ein Enthusiast, obwohl er schon siebenunddreißig sein muß. Sie werden ja dann in seinem Wahlkreis wohnen – nein, hart an der Grenze, in Dornfords Kreis wahrscheinlich. Wissen Sie übrigens, daß meine Nichte bei ihm Sekretärin ist?»

Der junge Croom nickte.

«Wer weiß, wie lange noch», fuhr Sir Lawrence fort, «Corven ist ja wieder hier.» Und prüfend hing sein Blick an der Miene des jungen Mannes.

Sie hatte sich merklich verdüstert. «Oh, sie arbeitet bestimmt weiter, sie mag nicht nach Ceylon zurück.»

Die Stirne runzelnd, stieß er diese Worte hervor. ‹Hier pflege ich mich zu wiegen›, fuhr es Sir Lawrence durch den Sinn. Der junge Mann folgte ihm mechanisch zur Automatenwaage. Er war puterrot geworden.

«Woher wissen Sie das so bestimmt?» fragte Sir Lawrence und blickte aus jenem Stuhl von historischer Bedeutung zu ihm empor. Dem jungen Croom schoß das Blut noch mehr in die Wangen.

«Man geht doch nicht fort, um gleich wieder zurückzukehren.»

«Bisweilen doch. Das Leben gefällt sich manchmal in ganz unerwarteten Sprüngen.»

«Aber ich weiß zufällig, daß Lady Clare es nicht tun wird.»

Sir Lawrence war sich bewußt, daß er just in dem Augenblick auf den Busch geklopft hatte, da das Gefühl alle Zurückhaltung übermannt. Der junge Mensch war also tatsächlich in sie verliebt! Bot sich jetzt nicht Gelegenheit, ihn zu warnen? Oder sollte man mit Grazie darüber hinweggehn? «Genau siebzig Kilo», sagte er. «Mr. Croom, nehmen Sie zu oder ab?»

«Ich bleibe meist bei achtundsechzig.»

Sir Lawrence musterte die hagere Gestalt.

«Jawohl, die richtige Figur. Sie glauben gar nicht, welch düstern Schatten ein Bäuchlein bisweilen auf den Lebensweg wirft. Na, Sie brauchen sich vorläufig keine Sorgen zu machen, nicht vor fünfzig.»

«Ihnen, Sir, blieb diese Sorge wohl ganz erspart?»

«So ziemlich. Doch bei vielen andern sah ich, was diese Sorge heißt. Jetzt muß ich weiter. Gute Nacht!»

«Gute Nacht, Sir! Ich bin Ihnen riesig dankbar.»

«Kein Anlaß. Mein Vetter Jack wettet nie auf Pferde, und wenn Sie auf meinen Rat hören, dann lassen auch Sie es bleiben.»

«Ganz gewiß, Sir», erwiderte der junge Croom treuherzig.

Sie schüttelten einander die Hände und Sir Lawrence schritt durch die St. James's Street weiter.

‹Dieser junge Mann›, dachte er, ‹macht auf mich einen günstigen Eindruck, ich weiß eigentlich nicht, warum, denn allem Anschein nach wird es zu großen Scherereien mit ihm kommen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib! hätt ich ihm sagen müssen. Aber Gott hat die Welt so geschaffen, daß man im gegebenen Augenblick nie sagt, was man sagen sollte.› Sir Lawrence fand die Jugend von heute sehr interessant. Es hieß zwar, sie benehme sich dem Alter gegenüber respektlos, doch beim besten Willen konnte er diese Ansicht nicht teilen. Ihm schien sie ebenso manierlich, wie er selbst in jenem Alter gewesen, nur konnte man mit den jungen Leuten von heute besser reden. Natürlich erriet man nie ihre wahren Gedanken; aber vielleicht war das gut so. Schließlich war man ja zu seiner Zeit auch der Meinung – Sir Lawrence zuckte auf dem Randstein der Piccadilly zusammen – die Alten taugten nichts mehr und sollten sich endlich vom Schreiner Maß nehmen lassen. ‹Tempora mutantur et nos mutamur in illis.› Aber traf das wirklich zu? Ach nein, im Grunde hatten sich Zeiten und Menschen nicht mehr verändert als die Aussprache des Lateinischen in England seit seinen Jünglingstagen. Jugend blieb doch immer Jugend und Alter blieb Alter, stets gähnte zwischen beiden das gleiche Mißtraun, das gleiche seltsame Verlangen der Alten, es in Gedanken und Gefühlen der Jugend gleichzutun, dabei aber stets vorzugeben, sie möchten um keinen Preis der Welt so fühlen und denken! Und dennoch, wenn den Alten ein Wunder die Möglichkeit gäbe, ihr Leben nochmals von vorn zu beginnen, sie würden drauf verzichten. Eine barmherzige Fügung! Still und heimlich versank das erlahmende Leben allmählich in wohltuende Lethargie. In jedem Lebensalter bemaß sich der Lebenshunger nach der Zeitspanne, die noch vor dem Menschen lag. Wie komisch! Für die große Masse war Goethes ‹Faust› nie populär, erst durch die seichten Melodien Gounods wurde der große Gedanke, den erlöschenden Funken zur hellen Flamme zu entfachen, unsterblich. ‹Possen!› dachte Sir Lawrence, ‹echt deutsche Narrenpossen! Möchte ich wirklich, wenn ich könnte, das Seufzen und Weinen, das flüchtige Verzücken und das bittre Entbehren jenes jungen Mannes gegen mein Leben eintauschen? Nein, bestimmt nicht! Ein alter Kracher gibt sich lieber mit den Grillen des Alters zufrieden. Kann der Schutzmann dort denn nie diese verwünschten Autos aufhalten?› Jawohl, im Grunde blieb doch alles beim Alten! Die Menschen rasten heute in den Autos mit der gleichen Leidenschaft daher, mit der seinerzeit die Kutscher der Droschken und Omnibusse ihre dahineilenden, trappelnden Pferde antrieben. Und junge Männer und Frauen trieb die gleiche erlaubte oder unerlaubte Leidenschaft zueinander. Das Straßenpflaster war jetzt anders, und die Art, wie dieses jugendliche Sehnen sich Ausdruck schuf. Doch beim Allmächtigen, die Regeln für dieses ganze Getriebe, die Zusammenstöße, das Straucheln, die wunderbare Rettung im letzten Augenblick, Triumph, Verzweifeln, die Erfüllung – das alles war heute um kein Haar anders. ‹Ach was! Mag die Polizei auch Vorschriften erlassen, mögen die Diener Gottes Beschwerden über die Unsittlichkeit an die Blätter richten, mögen die Richter nach Belieben schwatzen – die Menschennatur geht auch heute noch unbeirrt ihren Weg, genau so wie damals, als bei mir die Weisheitszähne durchbrachen.›

Der Schutzmann wandte langsam den Arm, Sir Lawrence überquerte die Straße und setzte den Weg zum Berkeley Square fort. Hier hatte sich wahrhaftig genug verändert! Die Häuser der obern Zehntausend verschwanden rasch. Haus für Haus, ohne deutlich erkennbaren Plan, fast verschämt, wurde London in echt englischer Art neu gebaut. Vorüber das dynastische Zeitalter mit seinen Begleiterscheinungen: Feudalwesen und Kirche. Selbst die Kriege würde man jetzt für die Völker und ihre Absatzmärkte führen. Keine Erbfolgekriege mehr, keine Religionskämpfe. Na, immerhin ein Fortschritt! ‹Unsere Lebensführung nähert sich stets mehr der von Insekten›, dachte Sir Lawrence. Wie interessant! Die Religion war so ziemlich tot und abgetan, man hatte ja den eigentlichen Glauben an ein Fortleben im Jenseits verloren. Doch etwas andres versuchte ihren Platz auszufüllen: die Gemeinschaftsidee, der Dienst für die Gemeinschaft – die Lebensform der Ameisen, der Bienen! Der Kommunismus hatte diese Ideen in ein System gebracht und bleute sie von obenher dem Volke ein. Sehr charakteristisch! In Rußland ging man stets drauf aus, irgend etwas irgend jemandem einzubleuen. Dieser Weg führte zweifellos am raschesten ans Ziel, doch war es auch der sicherste Weg? Keineswegs! Am besten war es, den Leuten den freien Willen zu lassen; hatte dieses System einmal Wurzel gefaßt, dann blieb es auch bestehn – nur war diese Entwicklung so verflucht langsam! Und welche verdammte Ironie! Der Sinn für soziale Arbeit zeichnete doch bisher fast ausschließlich die alten Familien aus, irgendwie waren sie zur Ansicht gelangt, sie müßten als Gegenwert für ihre bevorzugte Stellung nützliche Arbeit leisten. Nun starben diese alten Familien aus – würde der Wunsch, für die Allgemeinheit zu wirken, sie überleben? Wie würde die Masse sich die Gemeinschaftsidee zu eigen machen? ‹Na›, dachte Sir Lawrence, ‹schließlich bleiben ja immer noch die dienstbereiten Autobusschaffner. Und die Verkäufer, die sich so unendliche Mühe geben, den passenden Farbton für unsere Socken zu finden; und die Frau, die auf das kleine Kind der Nachbarin achtgibt oder für verwahrloste Geschöpfe sammeln geht; und der Motorradfahrer, der anhält und geduldig wartet, während du an deinem Auto herumbastelst; der Briefträger, der sich so höflich für ein Trinkgeld bedankt – und endlich der nächstbeste Mitmensch, der sich müht, dich aus dem Wasser zu ziehn, wenn er sieht, daß du hineingefallen bist. Man muß sich lediglich an den Wahlspruch halten: «Ein frischer Luftzug und Pflege der edleren Instinkte des Menschen.» Dieser Wahlspruch sollte auf den Reklametafeln aller Omnibusse prangen statt der verlockenden Filmtitel: «Domherr und Verbrecherkönig» oder: «Turfschwindel». Und das bringt mich auf die Idee: Ich muß doch Dinny fragen, was sie über Clare und diesen jungen Mann weiß.›

In diesen Gedanken vertieft blieb er vor seiner Haustür stehn und drehte den Schlüssel um.


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