Karl Emil Franzos
Der Pojaz / Vorwort
Karl Emil Franzos

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Elftes Kapitel

Er ging. Mutter und Sohn blieben allein. Es war ein langes Schweigen zwischen den beiden.

»Sonntag früh«, begann die Frau, »fährst du also mit dem ›Marschallik‹ nach Mielnica und läßt dich von den Eltern des Mädchens anschauen. Wenn du ihnen gefällst, so fahre ich in den nächsten Tagen hinüber und mache die Verlobung fertig –«

»Und wenn das Mädchen mir nicht gefällt?«

»So fahre ich dennoch hinüber und schaue sie mir an. Ich werde plötzlich kommen, so daß die Leut' sich nicht herausputzen können. Und wenn mir das Haus und das Mädchen gefallen, so bringe ich die Sache ins reine.«

»Wirst du sie heiraten?«

»Auf die Schönheit kommt es nicht an!« sagte Frau Rosel. »Und die Eltern wissen da überhaupt besser Bescheid als die Kinder.«

Jeder Nerv ihres Herzens zuckte schmerzhaft, während sie so sprach. Sie erinnerte sich ihrer eigenen Jugend und wie ihr das ganze Leben entzweigebrochen war, weil sie gegen den Willen der Eltern und nach ihrem Herzen gewählt hatte. »Es war eine Sünde«, sagte sie sich, »und sie hat sich gerächt!«

»Mutter«, bat Sender, »hast du es auch wohl überlegt?«

»Ja!« erwiderte sie fest. »Das ist abgemacht und bleibt abgemacht, soweit wir beide etwas dazu tun können... Spare dir deine Worte«, fuhr sie mit lauterer Stimme fort, als er sprechen wollte. »Es würde nichts nützen... Gute Nacht!«

»Mutter, treib' mich nicht in mein...«

»Ja... Ich treib' dich in dein Glück... Gute Nacht!«

Er ließ die flehend erhobenen Arme sinken und ging in seine Kammer. Dort saß er im Dunkeln auf den Stuhl neben seinem Bette nieder und überdachte seine Lage.

»Es geht nicht anders«, murmelte er endlich, »es muß sein!«

Er machte Licht, zog seine Schreibsachen hervor und malte langsam in so deutlichen Buchstaben, wie er sie irgend fertig bringen konnte, den folgenden Brief:

 

»An den Herrn Wohltäter Adolf Nadler in Czernowitz.

Weil Sie es mir erlaubt haben so werden Sie mir nicht bös sein. Aber auch wenn Sie es mir nicht erlaubt hätten, so möchten Sie mir gewiß zur Güte verzeihen, weil es meine einzige Hoffnung ist.

Nämlich, in Barnow kann ich nicht bleiben.

Erstens haben sie mir meinen Soldaten fortgeschleppt und erschossen, vielleicht hat es auch der barmherzige Gott von dem armen Menschen abgewendet, aber gehört habe ich nichts mehr von ihm.

Nämlich dies war mein Lehrer, sein Unglück war mit einem Büchel vom Pfaffen Moritz Hartmann. Geheißen hat er Wild.

Zweitens habe ich jetzt im Saale bei den Mönchen Bücher, aber allein verstehe ich nur sehr wenig, vom Erfrieren gar nicht zu reden. Und weil ein Unglück nie allein kommt, soll ich jetzt auch noch eine Braut kriegen. Der Herr Wohltäter kann mir wirklich glauben, daß ich jetzt schon der traurigste Pojaz auf Gottes Erde bin.

Lieber Herr Wohltäter – wie ich in Czernowitz war, haben Sie mit mir gemacht, was Gott mit Moses gemacht hat, Sie haben mich auf einen Berg hinaufgeführt und haben mir von fern das gelobte Land gezeigt. Moses hat sich mit dem Anschauen begnügen können, denn er war schon sehr alt, aber mir blutet das Herz, daß ich dieses Land nie soll erreichen können, weil ich noch so ein junger Mensch bin und gottlob so gut zum Theater passe! Sie haben ja selbst gesagt, daß Sie einen solchen Spieler noch nie gesehen haben, und es ist auch gewiß wahr! Hier wird nichts aus mir, das kann ich Ihnen ganz sicher sagen. Also flehe ich Sie an, daß Sie es mir erlauben und daß ich darf zu Ihnen nach Czernowitz kommen. Mein Brot verdiene ich mir schon, vielleicht bei Ihnen, denn es scheint ja nur, daß der Vorhang von selbst in die Höhe geht, es muß ja doch jemand ziehen, und Lampen möchte ich anzünden und Stiefel putzen und alles pünktlich verrichten, bis ich spielen kann. Oder vielleicht trifft sich mir ein Uhrmacher in Czernowitz, oder sonst was, denn bin ich nicht gottlob ein geschickter Mensch?

So haben unsere Väter in der Wüste nicht nach dem Manna gelechzt oder nach dem Wasser, wie ich auf Ihre Antwort warte. Bitte ich also, mir zu schreiben, aber nicht an mich, sondern an Fedko Hayduck im Kloster in Barnow, weil sonst hier die Leut' was merken könnten. Fedko wird mir schon den Brief geben, zu verzahlen brauchen Sie ihn nicht, denn meinetwegen sollen Sie nicht Geld ausgeben.

Ich grüße den Herrn Wohltäter und die Frau Wohltäterin und schreibe darunter als

Ihr
Sender, der ›Pojaz‹.

Daß ich schon schreiben kann, sehen Sie, lesen natürlich auch, und Deutsch kann ich reden, als wenn ich nie einen Kaftan getragen hätte. Alles auf Ehre! – Sie können es mir glauben.«

 

Als Sender am nächsten Tage diesen Brief im Schalter des Postamtes verschwinden sah, kehrten ihm auch Mut und Entschlossenheit zurück.

Nun galt es, die nächste Gefahr abzuwehren, die Verlobung. Er machte keinen Versuch mehr, die Mutter umzustimmen; er wußte, daß es vergeblich sein würde; nun mußte auf eigene Faust gehandelt sein, freilich nicht mit Gewalt.

Als ihm Frau Rosel am Freitag morgen den Befehl gab, für den Sonntag bei seinem einstigen Lehrherrn, dem lustigen Simche Turteltaub, ein Wägelchen zu mieten, verzog er keine Miene. »Es soll geschehen«, erwiderte er und entledigte sich des Auftrags. Auch dem Marschallik, der ihn am Sonnabend morgen vor der Schul' beglückwünschte und umarmte, sagte er kurz: »An mir soll's nicht fehlen!«

»Gottlob, er scheint vernünftig geworden«, sagte der Alte einige Stunden später zu Frau Rosel, als er ihr seinen Besuch machte, um alles für den nächsten Tag genau festzustellen. »Wenn ich ihm noch so auf der Fahrt einige Winke gebe, so wird alles gut ablaufen.«

»Was wollt Ihr ihm sagen?« fragte sie.

»Nun, wie er sich zu benehmen hat, um Reb Mortche und seinem Weibe zu gefallen. Sie sind auch Menschen und haben ihre Schwächen.«

Sie dachte nach.

»Davon redet ihm lieber nicht«, entschied sie. »Nicht etwa, als ob ich ihm nicht trauen würde. Ich habe ihn zum Gehorsam erzogen, er weiß, daß er sich fügen muß. Aber vergesset nicht, Reb Itzig, daß er ein ›Pojaz‹ ist! Ich werde ihn mahnen, sich anständig zu benehmen – mehr wäre von Übel!«

Zur selben Stunde unterhielt sich Sender mit seinem fröhlichen Freunde, dem dicken Simche, über dasselbe Thema, seine Brautfahrt. Aber auch dies geschah in einer Art, mit welcher der Marschallik anscheinend nur hätte zufrieden sein können. Simche, der nie den Verdruß verwunden, seinen liebsten Jungknecht an die langweilige Uhrmacherei verloren zu haben, neckte den Pojaz soviel er konnte, aber der ließ sich nicht unterkriegen.

»Natürlich«, rief er, »Euer Mädele hätt' ich nehmen sollen, an der kein Quentchen Fleisch ist, damit ich immer an die sieben mageren Küh' denken muß. Da lob' ich mir meine Dicke! Das ist doch ein Beweis, daß Reb Mortches Kost gut ist.«

»Gut und kräftig!« höhnte Simche. »Die Fliegen in der Supp' werden das einzige Geflügel sein, das du zu sehen bekommst.«

»Ihr wißt es, Ihr wart bei Reb Mortche immer eingeladen!«

»Das nicht – aber wenn man alle Monat' zweimal nach Mielnica kommt, wie ich, so kennt man die Leut' und ihren Ruf. Dein Schwiegervater wägt seinem Weib die Knochen zur Supp' zu – ein Knauser wie kein zweiter!«

»Und stehlen tut er auch!«

»Das besorgt sein Bruder, dein neuer Herr Onkel! Nein, im Ernst, Sender, Reb Mortche ist sonst ein braver Mensch, aber wirklich ein Geizhals! Ich rat' dir, beding' dir bei der Verlobung mindestens für jeden Sabbat fünf Lot Fleisch aus, sonst kriegst du es nie zu sehen, auch wenn du seiner Frau täglich sagst, daß sie das schönste Weib auf der Welt ist!«

»So schön wie Eure Surke ist meine Schwiegermutter natürlich nicht! Eurem Schwiegersohn könnt Ihr ruhig täglich drei Pfund Fleisch versprechen, wenn er Eure Surke ansieht, vergeht ihm der Appetit!«

»Dafür ist meine Surke nicht lächerlich und zum Gespött fürs ganze Städtchen wie Mortches Rifke!« erwiderte der Kutscher vergnügt. »Nämlich weil sie einmal hübsch war, hält sie sich noch heute dafür und tut so, als wär' sie ein geschämig Mädele von vierzehn Jahren.«

»Wer's glaubt!« rief Sender anscheinend sehr grimmig. »Nun – nur zu! Was wißt Ihr sonst noch von ihnen?!«

»Nichts!« sagte Simche einlenkend. »Auch will ich dich wahrhaftig nicht abschrecken. Was ich gesagt hab', ist wahr, aber deshalb rat' ich dir doch zu der Partie! Viel Glück auf den Weg!«

»Schön Dank!« erwiderte Sender, schlug herzlich in die dargebotene Hand ein und drückte sie warm. »Ihr habt mir einen großen Dienst erwiesen –«

Dann eilte er rasch hinweg.

Der Kutscher blickte ihm erstaunt nach. »Pojaz!« murmelte er. »Ein anderer wär' bös, und der fährt vor Freud' schier aus der Haut, wenn man auf seine Schwiegereltern schimpft!«

Am Sonntag morgen war Sender schon so früh vom Hause fortgegangen, daß ihn die Mutter nicht mehr sprechen konnte. Sie sah ihn nur eine Stunde später, als er in Simches Wägelchen, den Marschallik neben sich, am Mauthause vorüberfuhr. »Du benimmst dich vernünftig!« rief sie ihm streng nach.

Er sagte nichts. Der Marschallik aber erwiderte statt seiner: »Keine Sorg', Frau Rosel, er ist wie ausgetauscht!«

In der Tat war Türkischgelb vom Benehmen seines Begleiters aufs angenehmste enttäuscht; er konnte sich die ermunternden Trostreden sparen, die er in Bereitschaft gehalten. Sender lachte und scherzte, als wäre ihm mit dem Leitseil, das er so oft geführt, auch die fröhliche Laune seiner Fuhrmannsjahre zurückgekehrt. So konnte der Marschallik statt aller Predigten jene saftigen Scherze an Mann bringen, die sein eigentliches Element waren. Aber Sender blieb nicht hinter ihm zurück, und die beiden kamen gar nicht aus dem Lachen heraus.

»Sender«, rief der Marschallik fröhlich, »so lustig bin ich noch nie auf Brautschau gefahren, aber so eine Braut hat auch noch niemand gekriegt. Schön wie die Sonn' –«

»Die Sonn' hat auch Flecken!« meinte Sender.

»Dann ist sie noch schöner wie die Sonn'! Das Mädchen hat keinen Fehler! – Du wirst selbst sehen!«

»Aber wenn sie gar so herrlich ist«, meinte Sender, »dann nimmt sie mich am End' gar nicht!«

Reb Itzig lachte.

»So gefällst du mir! Hast sie noch gar nicht gesehen und sorgst dich schon um den Ausgang! Aber da kannst du ganz ruhig sein! Ein Bursch' wie du! Und dann: die Hauptsach' ist doch, daß du den Eltern gefällst! Und daran wird's nicht fehlen, wenn du dich anständig benimmst!«

»Seid unbesorgt!« lachte Sender. »So hat sich bisher noch nie ein Freier benommen!«

Sie langten in Mielnica an, stellten das Wägelchen im Wirtshause ein und machten sich sofort zum Hause Mortche Diamants auf. Mit jedem Schritt wurde Sender ernster, und nahe dem Laden hielt er zögernd still.

»Reb Itzig«, begann er unsicher.

»Nun?!« rief Türkischgelb. »Ich glaube gar, du hast Furcht!... Vorwärts, es muß sein!«

Sender war bleich geworden. »Es muß sein«, sagte er finster. »Aber meine Schuld ist's nicht!«

Dann lachte er laut auf.

Sie traten in den Laden. Mortche Diamant, ein wohlbeleibter Mann mit gutmütigem Gesichte, erhob sich von der Arbeit und begrüßte sie freundlich.

»Es freut mich, daß ihr mir die Ehre schenkt«, sagte er zu Sender. »Was führt Euch nach Mielnica?«

Solche Diplomatie schreibt die Sitte dem Brautvater vor. Aber Sender war nicht in der Laune, darauf einzugehen.

»Das wißt Ihr ja!« rief er lachend. »Ich komme, um mir Eure Tochter anzuschauen und ob Ihr wirklich was habt! – Na – Uhren scheinen ja genug da!«

Und ungeniert trat er an den großen Schaukasten und begann die Ware zu mustern. »Aber nichts Rechtes!«

Der dicke Mann räusperte sich befremdet. Auch Türkischgelb war einen Augenblick verdutzt, aber er faßte sich rasch.

»Gott!« rief er, »was für ein Uhrmacher ist unser Sender! Mit Leib und Seel' ist er dabei! – Wo er Uhren sieht, muß er sie anschaun!«

»Ei, Reb Itzig!« lachte Sender, »was seid Ihr für ein unverschämter Lügner! Ihr wißt ja ganz genau, wie verhaßt mir das Handwerk ist und daß mich mein Meister jeden Tag dreimal wegjagen will. Recht hat er, ich bin als Uhrmacher ein Stümper und werd's bleiben! Aber mich kränkt das nicht und Euch hoffentlich auch nicht, Reb Mortche! Übrigens – Ihr habt ja außer den Uhren wahrscheinlich noch Geld im Beutel, he?«

»Verzeiht ihm«, sagte der Vermittler, »er – er ist so wirtschaftlich, so sparsam!«

»Hm! Hm!« Der Uhrmacher räusperte sich immer verlegener und blickte dabei zur Erde nieder oder vielmehr nur – jeder, wie er kann! – auf seinen mächtigen Leibesvorsprung.

»Na, nichts für ungut, Alter«, sagte Sender und klopfte ihm gemütlich auf das Bäuchlein. »Ihr scheint mir ein stilles, gutmütiges Fäßchen, – solche Leute hab' ich gern. Der Alte spart's, der Junge gibt's aus – wir werden uns schon vertragen! Aber wo ist das Mädel?«

Türkischgelb gab ihm einen Rippenstoß, daß er drei Schritte weit flog.

»Verzeiht!« sagte er zum Uhrmacher, »er ist so aufgeregt, weil ich ihm viel von dem Mädchen erzählt habe, und jetzt brennt er schon darauf, sie zu sehen. Nun – da kommt sie ja!«

In der Tat erschien jetzt in der Türe, welche in die Wohnung führte, die Frau des Uhrmachers und hinter ihr ein sechzehnjähriges wohlbeleibtes Mädchen.

»Guten Tag!« rief ihnen Sender entgegen. »Ist das das Mädel? Na, für den Winter nicht übel – aber im Sommer mußte man sie im Keller halten, sonst zerschmilzt sie an der Sonne –«

»Was?!« rief Frau Rifke – sie traute ihren Ohren nicht –

»Nun, Reb Itzig«, fuhr Sender gemütlich fort, »ich hab' sie mir zwar nach Eurer Beschreibung anders gedacht, aber –« fügte er in gedämpftem Tone hinzu, den man bis auf die Gasse hinaus hören konnte, »wenigstens sieht sie gottlob ihrer Mutter nicht ähnlich!«

»Was?!« rief Frau Rifke noch gellender und stemmte die Arme in die Seiten.

»Ja, ja!« rief Türkischgelb laut, »freilich sieht sie der Mutter ähnlich – ich hab's dir ja gesagt – darum ist sie so schön, so –«

Frau Rifkes überbreites Antlitz verzog sich zu einem verlegenen Lächeln – wem sollte sie nun glauben?!

»Gottlob gar nicht ähnlich!« wiederholte Sender laut. Dann wandte er sich an den Uhrmacher.

»Nebenbei –« sagte er halblaut – »eine Frage im Vertrauen! Wie seid ihr zu den vielen Uhren gekommen?!«

»Was meint Ihr damit?« fragte der Uhrmacher entrüstet. »Gekauft hab' ich sie!«

»Ich hab' gemeint, weil auf so vielen ›Geneve‹ steht – das sind vielleicht Andenken an Euren Bruder!« (Ein unübersetzbares Wortspiel: »Geneve«, die Bezeichnung der Genfer Uhren, »Geneve«, hebräisch Diebstahl.)

Reb Mortches breites Gesicht färbte sich dunkelrot. »Ihr wagt es...« pustete er. »Ihr wagt es...«

Wieder gab Türkischgelb dem Jüngling einen Puff, daß er gegen den Ladentisch flog.

»So ist der Jung'!« lachte er. »Brennt fürs Geschäft! Sieht gleich nach, welcher Stempel auf einer Uhr steht!«

Aber alle Geistesgegenwart nützte da nichts mehr.

»Genug!« unterbrach ihn der dicke Mann keuchend vor Erregung, aber entschieden. »Ich hab' Euch gleich gesagt, ich will mit dem ›Pojaz‹ nichts zu tun haben. Ihr habt mir vorgelogen, daß er vernünftig geworden ist. Es ist nicht wahr! – Geht mit Gott – kommt gesund heim!«

»Bleibt gesund!« rief Sender fröhlich und war mit einem Satz zur Türe hinaus.

Er ging zur Schenke und harrte auf den Marschallik. Aber dieser kam nicht wieder. Und je länger er ausblieb, desto ernster wurde Sender, desto bänger wurde ihm vor den Folgen seiner Handlungsweise. Und als er sich endlich nach vierstündigem Warten entschloß, allein heimzufahren, da war ihm alle Lustigkeit vergangen.

Der Abend dämmerte schon, als er vor den Mautschranken hielt. Die Mutter öffnete ihm.

Ein Blick in ihr Antlitz zeigte ihm, daß der Marschallik bereits vor ihm dagewesen. Er hatte diese Züge noch nie so streng und finster gesehen.

»Ich will den Wagen abliefern«, sagte er demütig.

Sie nickte stumm.

Als er heimkam, sagte sie mit jener dumpfen, klanglosen Stimme, die der Sohn so sehr fürchten gelernt: »Du bist ein Lump! Aber ich spreche nicht gern über Dinge, welche sich nicht mehr ändern lassen. Nur über die Zukunft ein Wort! Ich habe den Marschallik bewogen, dir eine andere ›Partie‹ zu suchen. Benimmst du dich da ähnlich, so jage ich dich aus dem Hause und kenne dich nicht mehr. So wahr mir Gott gnädig sei!«

Sie erhob die Hand zum Schwure.


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