Autorenseite

 << zurück weiter >> 

XL.

Als das Kanu den halben Weg zum Ufer zurückgelegt hatte, erfaßten es die Strahlen der Scheinwerfer. Wieder ertönten Schreie und Rufe auf dem Leichter, und von neuem fielen Schüsse. Aber das Kanu war nun schon zu weit entfernt. Die Flüchtlinge hörten, daß die Leute in das eine Boot stiegen. Die Ruder griffen aus, und das Fahrzeug jagte hinter ihnen her. Es fuhr zweimal so schnell wie das überladene Kanu.

Dan, halb bewußtlos vor Schmerzen, riß sich mit einer Anstrengung zusammen.

»Sobald wir in die Brandung kommen«, sagte er, »springen alle heraus und tragen das Kanu ans Ufer, sonst zerschellt es an den Steinen.«

Das Licht der Scheinwerfer hielt die Flüchtlinge immer noch gefangen, aber sie konnten wenigstens ihren Weg darin sehen. Kurz vor der Brandung kletterten sie heraus, wateten ans Ufer und trugen das Kanu mit sich. Das andere Boot war ungefähr sechzig Meter hinter ihnen.

»Tragt es in den Wald. Ein schlechter Weg folgt der Küste. Wartet dort auf mich. Ich werde dieses Boot aufhalten«, sagte Dan.

Er duckte sich hinter einen großen Felsblock der steinigen Küste. Das Boot und seine Insassen hob sich im Scheinwerferlicht deutlich ab. Er wartete, bis sie in Schußweite kamen, zielte sorgfältig und feuerte. Ein lauter Schrei ertönte, dann ruderten die Leute rasch zurück.

Nun hatte auch das zweite Boot den Leichter verlassen. Das erste wartete, bis es herankam. Dann folgte eine leise Unterhaltung, die Dan nicht verstehen konnte, und sie trennten sich. Eins fuhr die Küste hinauf, das andere hinab. Der Scheinwerfer richtete sich immer noch auf das steinige Ufer. Dan zog sich hinter die Bäume zurück, wo er seine Freunde fand. Sie warteten mit dem Kanu auf der Straße.

»Sie kennen diesen Weg«, sagte er, »und sie wollen uns hier abfangen. Wir müssen sehen, daß wir ihnen entkommen.«

Die vier hoben das Kanu zwischen sich hoch und bogen nach links in die Straße ein.

»Ist das nicht der falsche Weg?« fragte Julia.

»Nein«, erwiderte Dan. »Ich habe mir die Karte heute genau angesehen.«

Obwohl sie zu vieren an dem Kanu trugen, war doch Dolan der einzige unter ihnen, der noch Kraft besaß. Der schwere Koffer stand in dem Boot. Sie stolperten über den unebenen Weg dahin. Das umherwandernde Scheinwerferlicht zeigte ihnen wenigstens dann und wann den Weg und machte es ihnen möglich, dem Kurs des Bootes in der Nähe der Küste zu folgen. Es landete dreißig Meter die Küste hinauf, und die Leute wandten sich dem Walde zu.

Als Dan sah, daß sie abgeschnitten werden konnten, gab er den Befehl, in den Wald zurückzugehen.

Hier war das Vorwärtskommen doppelt schwierig. Dan fürchtete, daß sie sich selbst verraten könnten durch die Geräusche, die sie machten, und befahl, ungefähr fünfundzwanzig Meter von der Straße entfernt haltzumachen.

»Jeder sucht sich einen Baum als Deckung, falls sie versuchen, an uns heranzuschleichen«, flüsterte er.

Als Dan im Dunkeln auf der Erde lag und die Zähne zusammenbiß, um die Schmerzen zu ertragen, knöpften behutsame Hände seinen Rock auf und machten die verwundete Schulter frei. Julia bat um ein Messer, entfernte das blutgetränkte Leinen und verband die Wunde neu. Es war Dan ein Rätsel, woher sie das Material dazu nahm.


 << zurück weiter >>