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XI.

Am nächsten Morgen saßen Joe Penman und Bull Fellows im Privatbüro ihrer Firma und lasen die Morgenzeitung. Haralds Tribüne brachte folgenden Bericht:

»Ein Gerücht tauchte gestern abend in der Stadt auf, daß der Millionär Lawrence bei seiner Rückkehr von dem Festessen im Madagaskar-Hotel von einem Mann überfallen wurde, der ihm unter seiner eigenen Haustür auflauerte. Der Schuß traf ihn, und er wurde gefährlich verwundet. Ein Berichterstatter unserer Zeitung, der den Schauplatz aufsuchte, erhielt von mehreren Personen der Umgegend die Bestätigung, daß zwei Schüsse abgefeuert wurden. Edward Dickey, ein Angestellter des Bankiers Michell Ennis, der im nächsten Häuserblock wohnt, erzählte, daß er mit seiner Freundin auf dem Fußsteig entlangging, den Schuß hörte und sah, daß einer der Sekretäre von Mr. Lawrence mit dem Verbrecher am Boden rang. Er wartete aber nicht, was sich weiter zutrug.

Als unser Berichterstatter im Hause des Millionärs anfragte, wurde diese Geschichte von dem Butler vollkommen in Abrede gestellt. Der Mann lachte herzlich und führte den Berichterstatter zur Tür der Bibliothek. Unser Mann sah durch die Glasscheibe, daß der Millionär mit einem seiner Sekretäre Karten spielte, kann also bestätigen, daß Mr. Lawrence nicht verletzt war.«

»Der Artikel ist verdammt kurz!« brummte Bull.

»Er zeigt doch aber unseren Auftraggebern, daß wir uns heftig bemühen«, meinte Joe. »Wir hätten allerdings nicht einmal das erreicht, wenn ich mich nicht um die Sache gekümmert hätte. Lawrence und die Polizei wollten natürlich die Geschichte totschweigen, aber ich habe an alle Redaktionen telephoniert und Ihnen den Typ gegeben.«

»Wenn nun unser Auftraggeber damit nicht zufrieden ist?« meinte Bull und sah düster zu Boden. »Wenn er die ganze Sache abbläst und andere Leute nimmt, um das Ding zu drehen?«

Joe spuckte auf den Boden. »Ja, darüber müssen wir einmal nachdenken«, entgegnete er kurz, dann erhob er sich aus seinem bequemen Sessel und ging in dem kleinen Büro auf und ab.

Schließlich sagte er: »Wir müssen jemand anstellen, um den Kerl zu beobachten, der uns den Zaster bringt. Und wir müssen uns dazu einen nehmen, der so ähnlich aussieht wie Colfax. Kennst du jemand?«

Bull nannte ein paar Namen, aber Joe lehnte die Leute ab.

»Jetzt habe ich den richtigen!« sagte Bull dann plötzlich. »Silver Bukley.«

»Wer ist denn das?«

»Ein kleiner, unscheinbarer Mensch. An dem gehst du vorüber, wenn er auf einer Bank im Park sitzt. Aber ich sage dir, der ist scharf wie Mostrich. Früher war er Beobachter bei einer Privatdetektei. Dort hat er sehr gut gearbeitet, aber dann angefangen, Koks zu schnupfen. Nun sitzt er auf der Straße und hat nichts zu beißen und zu brechen.«

»Nein, einen armen Schlucker, der nichts hat, kann ich nicht gebrauchen«, erwiderte Joe düster.

»Der ist aber tüchtig, wenn er nur das nötige Quantum Koks hat. Nur wenn er nicht schnupfen kann, fängt er an zu zittern und schneidet Grimassen.«

»Weißt du, wo er steckt?«

»Den kann ich durch die Kokshändler immer finden.«

»Also gut, heute nachmittag suchst du ihn auf. Heute morgen mußt du mir noch helfen. Whitey wird um halb elf vor die Polizeirichter gebracht.«

»Dann kommt am Ende die ganze Geschichte heraus?« meinte Bull.

»Nein.« Joe grinste. »Niemand hat ein Interesse daran, die Sache in die Zeitung zu bringen. Whitey wird nur angeklagt, weil er einen Revolver bei sich hatte – das ist alles. Der Name Lawrence wird überhaupt nicht erwähnt werden.«

»Whitey ist aber auch ein zu blöder Kerl, daß er sich gestern hat abfangen lassen.«

»Der Polyp war eben zu schnell für ihn«, meinte Joe, der kaum auf Bulls Worte achtete.

»Ich werde dem Polypen doch noch das Gehirn aus dem Kopf blasen«, sagte Bull hartnäckig.

Joe trat ein paar Schritte vor. »Vielleicht kommt die Zeit dazu bald. Warte noch ein wenig. Vor allem müssen wir sehen, wie die Sache bei der Polizei ausgeht. Wenn Woburn seine Stelle verliert und sie ihn an die Luft setzen, kümmern sie sich auch nicht weiter um ihn, und kein Mensch sagt ein Wort, wenn er verlorengeht.«

»Ach, hör auf mit den vielen Redensarten! Ich möchte ihm das Genick umdrehen!«

Joes Züge verhärteten sich. »Daß du keine Schießerei anfängst! Dieser Kerl darf nachher nicht irgendwo tot herumliegen. Er verschwindet spurlos.«

»Das habe ich verstanden. Wird gemacht.«

Joe sah auf die Uhr. »Komm mit, wir haben noch viel zu tun. Es ist halb elf. Heute brauchst du nicht auf Tour zu gehen und Bleistifte und Kohlepapier verkaufen.«


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