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XXV.

Um elf Uhr am selben Morgen traf Joe Penman auf dem Union Square wieder den gutgekleideten Herrn, dessen Namen er nicht wußte, und sie setzten sich beide auf eine Bank nieder.

Auf einer anderen Bank saß der kleine schäbig aussehende Silver Buckley.

»Die Sache ist Ihnen also wieder mißglückt«, sagte der gutgekleidete Herr sarkastisch.

»Sie müssen es nicht so hart beurteilen«, protestierte Joe. »Sicher geben Sie zu, daß es ein vorzüglicher Plan war. Einer meiner Leute hatte mit Christies Mädchen alles abgemacht. Wie konnte ich vorausahnen, daß J. M. das Glas ablehnen, oder daß Christie ihrem Hund davon geben würde!«

»Ach, die ganze Geschichte ist verfahren. Mein Klient ist der Meinung, daß Sie zu feige sind, einen Mann umzubringen. Vielleicht lassen Sie sich obendrein von Lawrence Geld zahlen, um ihn zu beschützen. Sonst würden doch Ihre Attentate nicht jedesmal mißlingen.«

Das war zuviel für Joe.

»Zum Donnerwetter, das lasse ich mir nicht sagen«, sagte er zwar leise, aber drohend. »Ich habe offen und ehrlich gehandelt!«

Der gutgekleidete Herr erschrak, als er Joes wütenden Gesichtsausdruck sah, und rückte etwas von ihm ab.

»Nun, darauf kommt es ja auch im Augenblick nicht an«, erwiderte er schnell. »Mein Klient zieht jetzt den Auftrag endgültig zurück. Sie sind mehr als gut bezahlt worden für die Mühe, die Sie gehabt haben. Ich werde mich jetzt wieder von Ihnen verabschieden.« Damit erhob er sich.

»Einen Augenblick!« befahl Joe.

Der andere fühlte, daß sich etwas gegen seine Rippen preßte, senkte den Blick und sah die Waffe. Sein Gesicht wurde aschgrau, und Angstschweiß trat auf seine Stirn.

»Das dürfen Sie nicht –« begann er mit stockender Stimme. »Das dürfen Sie nicht wagen unter all diesen vielen Leuten.«

»Glauben Sie, daß auch nur einer von diesen Kerlen versuchen würde, mich zu fangen?« fragte Joe. »Ich könnte überhaupt keinen besseren Platz für mich finden. Sehen Sie sich doch einmal um, ob Sie einen Polizisten in Rufweite sehen!«

»Was wollen Sie von mir?« winselte der andere. »Ich habe Ihnen doch nie etwas zuleide getan.«

»Geben Sie mir den Stoß Banknoten, den Sie in der Brusttasche haben.«

»Das ist Raub, gemeiner Raub!«

»Selbstverständlich. Glaubten Sie, wir wollten Ping-Pong miteinander spielen? Los, geben Sie das Geld her!«

Der Mann faßte mit der Hand in eine innere Tasche, zog ein Paket Banknoten heraus und ließ es in Joes Schoß fallen.

»Kann ich jetzt gehen?« fragte er unsicher.

»Gewiß. Aber der Teufel soll Sie holen!«

Der gutgekleidete Herr sprang auf und eilte davon. Silver Buckley schlich hinter ihm her, während Joe das kleine Paket einsteckte und sich grinsend nach einer anderen Richtung wandte.

Bull und Whitey warteten auf Joe in dessen Wohnung. Seit der Verhaftung von Colfax hatten sie nicht mehr gewagt, die Büroräume der Firma für ihre eigentlichen Zwecke zu benutzen. Colfax war von der Polizei scharf verhört worden und hatte die Telephonnummer verraten, unter der er seinen Auftraggebern berichtete, und seitdem wurde das Gebäude bewacht. Das Geschäft mußte zur Zeit ohne Leitung und Hilfe des Chefs und der beiden Stadtreisenden auskommen.

Bull und Whitey hatten es sich in zwei großen Armsesseln bequem gemacht, als Joe mit einem zufriedenen Grinsen eintrat.

»Nun, wie war es?« fragte Bull.

»Wir sind entlassen«, erwiderte Joe vergnügt.

»Ich habe es gleich gesagt«, meinte Bull mißmutig. »Von Anfang an habe ich nicht verstanden, warum du sie so lange an der Nase herumgeführt hast.«

»Du siehst also den Grund immer noch nicht? Na, dann will ich dich aufklären. Ich habe mehr als fünfundzwanzigtausend Dollar aus dem Kerl herausgepreßt, und wir haben kaum zweihundertfünfzig ausgegeben. Der Rest bildet das Betriebskapital für unser Privatgeschäft. Begreifst du nun?«

»Und wenn er nun sonst jemand nimmt, um Lawrence über den Haufen zu knallen?«

»Ich glaube bestimmt, daß er das tut«, entgegnete Joe kühl. »Ich lasse den Kerl, der mit uns verhandelt, beobachten.«

»Ich habe heute auch etwas zu berichten, Joe«, sagte Whitey. »Lawrence hat meine Schwester an die Luft gesetzt, und sie ist so wütend, daß sie jetzt gemeinsame Sache mit uns machen würde, wenn du sie gebrauchen kannst.«

»Selbstverständlich kann sie uns sehr viel nützen«, sagte Joe, der sofort stark interessiert war.

»Die Sache wird uns sogar nicht einmal etwas kosten. Er hat sie so verärgert, daß sie alles macht, nur um sich an ihm zu rächen.«

»Ich werde sie anrufen und mit ihr eine Zusammenkunft verabreden«, meinte Joe.


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