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XXIV.

Das Haustelephon klingelte wieder, und Dan nahm den Hörer ab. »D. D. Beddington ist draußen«, meldete er. Lawrence warf ihm einen vielsagenden Blick zu.

»Lassen Sie ihn nähertreten.«

Der kleine Beddington kam in einem Tweedanzug ins Zimmer. »Morgen Lawrence, Morgen! Wie geht es Ihnen, alter Junge? Ich sehe, ich brauche nicht zu fragen. Schönes Wetter heute. Meinen Sie nicht auch? … Und was machen Sie, Woburn? Sehen Sie, ich kann mich noch genau auf Ihren Namen besinnen. Sie waren doch auch bei dem großartigen Essen zugegen.«

»Nehmen Sie Platz«, erwiderte Lawrence sachlich. »Was kann ich heute für Sie tun?«

Beddington setzte sich nieder und schaute auf das Fenster. Dann nahm er seine Brille ab und putzte sie.

»Nun, ich hörte, Sie wären krank, und ich wollte mich nur einmal nach Ihnen erkundigen. Aber da ich nun einmal hier bin, kann ich auch gleich über eine bestimmte Sache mit Ihnen reden. Unter vier Augen allerdings.« Er warf einen Blick auf Dan.

»Es tut mir leid, aber Woburn verläßt das Zimmer nicht. Er hat auch eine Schußwaffe in der Tasche«, fügte Lawrence ironisch hinzu.

»Um Himmels willen, sind Sie so argwöhnisch geworden?«

»In den beiden letzten Tagen sind zwei Versuche gemacht worden, mich umzubringen«, entgegnete Lawrence und beobachtete Beddington scharf.

»Das ist ja schrecklich! Aber wozu haben wir denn eine Polizei?« Plötzlich begann Beddington zu lachen. »Aber mein lieber Lawrence, Sie glauben doch nicht etwa, daß ich …«

»Ach, vor Ihnen fürchte ich mich nicht«, sagte Lawrence kühl. »Ich habe es mir nur jetzt zum Grundsatz gemacht, daß Woburn immer im Zimmer bleibt, und ich ändere meine Absicht in der Beziehung auch nicht. Also erzählen Sie, worum es sich handelt.«

»Die Jahresversammlung der Ohio-Mississippi-Eisenbahn-Gesellschaft findet in zehn Tagen statt.«

Lawrence räusperte sich nur.

»Wieviel wollen Sie für die Aktienmajorität haben?« fuhr Beddington fort.

»Die verkaufe ich nicht.«

»Aber hören Sie doch, Mr. Lawrence! Ihnen nützt diese kleine Eisenbahnlinie gar nichts. Sie hat doch immer mit Verlust gearbeitet, seit sie eröffnet wurde. Aber Sie wissen ganz genau, was der Besitz der Strecke für mich bedeutet. Dadurch würden meine mittelatlantischen Linien mit der Nebraska-Pacific verbunden und zu einem System abgerundet werden, und ich könnte Züge von New York nach San Francisco durchgehen lassen.«

»Wozu ist das nötig?«

»Zur Bequemlichkeit des reisenden Publikums, und zur Hebung des Geschäfts im allgemeinen. Aber im Ernst, Geld spielt hierbei keine Rolle. Sie können Ihren Preis nennen.«

»Mir kommt es in diesem Fall nicht auf Geld an. Ich verkaufe nicht. Bauen Sie doch selbst eine Linie, das würde bedeutend billiger für Sie werden, als wenn Sie mir die Strecke abkaufen wollten.«

»Dazu bekomme ich die Erlaubnis nicht.«

»Zu schade!«

Beddington war außer sich. »Aber warum wollen Sie denn das Geschäft nicht mit mir abschließen? Was haben Sie denn gegen mich?«

»Als Finanzmann halte ich Sie nicht für solide«, erwiderte Lawrence mit einer nachdrücklichen Handbewegung. Dann erhob er sich zum Zeichen, daß die Unterredung zu Ende war.

Beddington verlor die Selbstbeherrschung.

»Nein, so lasse ich mich nicht von Ihnen behandeln«, erklärte er wütend. »Das lasse ich mir nicht gefallen! Ich mag ja körperlich ein kleiner Mann sein, aber ich habe doch Einfluß in der Geschäftswelt, ich habe ebensoviel zu sagen wie Sie!«

»Sicher, sicher«, entgegnete Lawrence, als ob er ein kleines Kind beruhigte. »Aber Sie müssen mich jetzt entschuldigen, ich habe eine Verabredung.«

»Ich bin nicht gewöhnt, daß man mir die Tür weist«, schrie Beddington. »Eines Tages wird Ihr herausforderndes Benehmen Sie noch teuer zu stehen kommen! Sie sagen, daß in den letzten Tagen zwei Attentatsversuche auf Sie gemacht wurden. Das zeigt, was die Leute von Ihnen denken. All Ihr Geld und all Ihre Macht können Sie nicht vor einer Kugel oder vor Gift schützen!«

»Woburn, machen Sie doch bitte Mr. Beddington die Tür auf«, sagte Lawrence kühl.

»Hören Sie ein letztes Wort, und überlegen Sie es sich! Ich biete Ihnen zehn Millionen für die Aktienmajorität der Ohio-Mississippi-Eisenbahn. Das ist doppelt so viel, wie die Linie wert ist.«

Er machte eine Pause, um seinen Worten größeren Nachdruck zu geben.

»Das Angebot gilt bis heute mittag um zwölf. Nachher ziehe ich es zurück und werde die Linie später bedeutend billiger bekommen!«

»Na ja, Sie scheinen es ja sehr eilig zu haben wegen der Ohio-Mississippi-Bahn!«

Dan lachte nicht, nachdem Beddington das Büro verlassen hatte. »Mr. Lawrence«, sagte er, »wenn Sie nun vor der Generalversammlung der Ohio-Mississippi-Eisenbahn-Gesellschaft sterben sollten, was würde dann aus der Linie werden?«

»Ich glaube, dann würde er seinen Willen durchsetzen und sie kaufen. Er würde meinen Nachfolgern ein Angebot machen, und die würden es annehmen.«

»Dann müssen Sie also bis zu der Sitzung sehr scharf bewacht werden. Statt eines Mannes müßten Sie ein halbes Dutzend um sich haben. Mehrere Polizisten auf Motorrädern müßten unauffällig ständig Ihrem Auto folgen.«

»Nein, das mache ich nicht mit. Wir wollen hier keine Vorstellung geben. Vor allem darf ich der Welt nicht zeigen, daß ich mich vor dem kleinen Kerl fürchte. Wenn Sie sich nicht Manns genug fühlen, die Sache allein durchzuführen, müssen Sie eben gehen.«

»Das haben Sie zu entscheiden.«

»Zum Donnerwetter, nehmen Sie Ihren Block und schreiben Sie, was ich Ihnen diktiere.«


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