Julius Stinde
Die Familie Buchholz. Aus dem Leben der Hauptstadt
Julius Stinde

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Taufe

Seinen Namen hatte das Kleine bei Weigelts ja schon auf civilstandsamtlichem Wege erhalten, aber es ward nach diesem nun doch die höchste Zeit, daß es getauft wurde und nicht länger als junges Heidenkind in den Tag hineinlebte. Die Verzögerung hatte jedoch ihren guten Grund, denn Herrn Weigelt's Vater ist Landpastor, dort irgendwo an der pommerschen Küste, und nun wollten Weigelts doch gerne, daß der Großvater den Enkel taufen möchte, aber dem war es schwer geworden, von seinem Amte auf einige Tage abzukommen. Jetzt aber hatte er geschrieben, daß er Zeit habe und den Tag seines Eintreffens in Berlin angemeldet.

Dies Alles setzte mir Herr Weigelt auseinander, als er zu uns kam, um meine Emmi zur Gevatterin zu bitten. Natürlich gewährte ich ihm diesen Wunsch, denn Emmi und Auguste waren von jeher gute Freundinnen, und man kann sich nichts Reizenderes denken, als eine junge niedliche Gevatterin. Es rangirt das gleich nach Brautjungfer, obgleich Braut in meinen Augen noch einen bedeutenden Grad höher steht.

Als er mir nun sagte, daß sein Vater kommen werde, fragte ich, wo der denn logiren solle, da doch die Räumlichkeiten bei ihnen nur beschränkt seien und eine Taufe außerdem allerlei Unruhe verursache. – »Ach, Frau Buchholz,« sagte er, »Sie sind stets so wohlwollend zu uns gewesen, und Platz haben Sie auch. Wenn mein guter alter Papa bei Ihnen wohnen könnte, ich wüßte nicht, wie dankbar ich sein würde! Bei meinen Schwiegereltern fehlt es leider auch an Raum!« – Ich überlegte einen Augenblick und sagte dann: »Ihr Herr Vater soll mir sehr willkommen sein. Ganz außerordentlich willkommen, aber ich fordere einen Gegendienst.« – »Mit Freuden,« antwortete er. – »Sie bitten Dr. Wrenzchen ebenfalls zu Gevatter. Sie sind mit ihm bekannt. Wollen Sie?« – »Was an mir liegt, soll geschehen,« erwiderte Herr Weigelt, »und müßte ich ihn mit der Raupenschere heranzerren!« – Wir lachten beide über dies grausame Mittel, das kürzlich von einem Mörder ersonnen war, um seine Kunden zu erwürgen, und dann verabschiedete Herr Weigelt sich seelenvergnügt.

Als er fort war, sagte ich mir: Wilhelmine, dieser Einfall ist Goldes werth. Der Doktor entrinnt Dir nicht. Daß Emmi aussieht wie eine junge Fee, dafür wirst Du schon sorgen.

Am nächsten Tage kam Herr Weigelt wieder heran. »Er hat zugesagt!« rief er mir schon in der Thüre entgegen. – »Ohne viele Ausflüchte?« fragte ich. – »Im Gegentheil, als er hörte, daß Fräulein Emmi mit ihm Gevatter stehen würde, acceptirte er sofort und sah so fidel aus, als hätte er einen Grand mit Vieren in der Hand.« – »Das geht ja vortrefflich,« dachte ich, »er scheint schon selbst zu der Ansicht gekommen zu sein, daß er reif ist.« – Nun beredeten wir noch allerlei praktische Dinge in Bezug auf das Tauffest, ich versprach ihm, unsere Punschbowle mit den Gläsern hinzuschicken und was sie sonst brauchten, denn Bergfeldts ihre hat beim Umzug natürlich einen Stoß wegbekommen und ist ohne Schamröthe nicht mehr auf den Tisch zu stellen. In meiner Freude hätte ich ihm unsere ganze gute Stube geliehen, wenn es möglich gewesen wäre.

Nun richteten wir das Fremdenzimmer für den alten Herrn ein. Die Kinder meinten zwar, es würde tödtlich langweilig sein, einen Geistlichen im Hause zu haben, da dürfte man ja kein lustiges Wort reden und müsse sauer aussehen, aber ich sagte mit Beziehung: »Kinder, nach Regen folgt Sonnenschein, aus der Säure wird noch eitel Honigseim werden. Überdies sucht Eure Gesangbücher hervor und legt sie auf den Nähtisch, das wird einen guten Eindruck machen. Du, Emmi, bekommst ein weißes Kleid mit blaßblauer Garnirung. Mattes Blau steht Dir sehr gut. Im Winter kannst Du damit zu Ball gehen, ich sage Dir, weggeworfen ist es nicht.« Das war am Freitag.

Wir hatten mithin noch Zeit genug zur Herstellung der Toilette, denn der alte Herr Weigelt traf erst am Dienstag Nachmittag ein und am Mittwoch sollte die Taufe sein.

Der alte Herr hatte natürlich erst seine Kinder besucht und dann kam er mit seinem Sohne zu uns. Mir war anfangs etwas beklommen, denn man ist doch nicht gewöhnt mit der Geistlichkeit umzugehen, allein der alte Herr hatte so viel Herzliches und Gewinnendes, daß wir nach zehn Minuten schon so nett miteinander waren, als hätten wir uns bereits seit Jahren gekannt. Als wir zum Abendbrod gingen, bot er mir galant den Arm und das erste Glas Wein nahm er und sprach, er wünsche die Gesundheit der Familie zu trinken, von der sein Sohn und seine Schwiegertochter ihm so viel des Guten gesagt hätten, und im Namen seiner Kinder dankte er uns für die vielen Beweise der Freundschaft. Mein Karl entgegnete, so viel Lob mache seine Frau ganz verlegen, aber der alte Herr reichte mir seine Rechte mit herzlichem Händedruck und sagte, er wisse recht gut, woran er sei und habe kein Wort zu viel gesagt.

Nachdem wir gespeist hatten, beschwor ich Herrn Weigelt junior, doch um des Himmels willen noch einmal nach dem Doktor zu sehen und ihn an seine Zusage und seine Pflicht als Christenmensch zu erinnern, und deshalb verließ der uns auch bald. Der alte Herr unterhielt sich mit den Töchtern. Er fragte, ob sie auch spielten und sängen, als er das Klavier bemerkte. Ehe wir es nur dachten, saß er an dem Instrument und erzählte, wie er früher als Student den 'Freischütz' gesehen habe und wie alle Welt davon begeistert gewesen sei, und sang ganz munter die Arie 'Durch die Wälder , durch die Auen'. Emmi sang dann auch einige Lieder, aber zu seinem Leidwesen kannte sie das 'Kommt ein schlanker Bursch gegangen' nicht. »Nun,« sagte er, »als ich noch jung war, wurde das Lied überall gesungen, mir gilt es als eine Erinnerung an die ferne Jugend.« Da spielte er es und sang dazu, und wir Alle lauschten, wie den welken Lippen noch so frohe Töne entquollen. Ich hatte mir den Pastor ganz anders gedacht, finster und gänzlich scherzlos, aber nun ich ihn so gesellig und gemüthlich fand, reifte ein Plan in mir, der nicht fehlschlagen konnte.

Ich ließ die Töchter sich absondern und dann sagte ich ihm vertraulich: »Herr Pastor, Sie werden morgen einen Gevatter vor sich haben, der ein recht angenehmer Mensch und mir als Schwiegersohn willkommen ist, aber das sündhafte Berliner Leben hat ihn ganz umgarnt. Reden Sie ihm doch ein bischen ins Gewissen und malen Sie ihm das Glück der Ehe recht hübsch aus. Wenn er Gevatter steht, muß er schon zuhören.« – Der Pastor überlegte einen Augenblick und sagte dann: »Ich will versuchen, ihn auf den rechten Weg zu führen.« – »Sie thun ein gutes Werk,« erwiderte ich, »Sie haben keine Ahnung davon, wie verderbt die Berliner jungen Leute sind. Auch meinem Bruder Fritz könnte eine Ermahnung nicht schaden!« –

Am nächsten Tage war die Taufe. Weigelts hatten Alles sehr niedlich eingerichtet, es war so freundlich bei ihnen und sauber, und ich mußte staunen, wie doch ein paar Blumentöpfe und fröhliche Gesichter eine Wohnung festlich machen, wenn sie noch so klein ist. Von den Bekannten waren selbstverständlich Bergfeldtens von A bis Z da, Herr und Frau Krause, die den kleinen Eduard mitgebracht hatten, Onkel Fritz, der Hauswirth Herr Meier mit Frau und Tochter, ein paar Freunde des Herrn Weigelt, worunter ein Herr Theophile, der Chemiker studirt und nachher allerlei Kunststücke machte. Dazu kamen wir noch Alle und Dr. Wrenzchen, so daß die Wohnung voll war wie ein Omnibus bei Regenwetter. Wegen Dr. Wrenzchen war die Taufe um 6 Uhr angesetzt und er kam auch mit dem Glockenschlage. Herr Bergfeldt hielt seinen Enkel und Dr. Wrenzchen und Emmi standen rechts und links von ihm.

Der alte Pastor fing seine Rede an. Er wies darauf hin, daß das so sanft schlummernde Kind (es schlief nämlich herrlich) eine junge Knospe sei, die sich in dem großen Garten der Menschheit entfalten solle, bei der die Gevatter die Gärtnerpflicht übernähmen, damit die Blüthe dem Herrn des Gartens gefalle. Dies führte er mit manngifachen Vergleichen aus und wußte unser Gemüth zu bewegen, daß in uns Allen recht innige Wünsche für den jungen Erdenbürger wachgerufen wurden. Dann aber wandte er sich zu den Gevattern und sprach, wie die Pflicht, die sie übernähmen, so zu deuten wäre, daß ihr Schützling nun auch Anforderungen an sie stelle. Er wisse wohl, daß Berlin, wie dereinst Babel, der Versuchungen voll sei und namentlich Denen mit dem Untergange drohe, die ihre Wege, unbekümmert um Andere, wandelten. Da lauerten das Spiel, der Trunk und die Sünde in gleißenden Farben und zögen den jungen Menschen in den Abgrund. – Nur ein Mittel gäbe es zur Rettung, das wäre das eigene Heim, die Sorge für Andere in Leid und Noth und Trübsal. Die Prüfungen, welche der Ehestand mit sich brächte, führten den dem Verderben Zueilenden auf den rechten Weg und zur Erkenntniß. Darum solle jeder junge Mann das Joch der Ehe auf sich nehmen, damit er aus den Schlingen böser Gesellschaft errettet werde und den Thorheiten der Welt entsage. – Mich überlief es eiskalt, denn er ging mir weiter als ich wünschte, der gute Pastor, aber er war einmal im Zuge und ließ sich nicht halten. Dr. Wrenzchen hörte sehr genau zu, aber trotzdem schien er nicht sehr erbaut. – »Welches Glück,« fuhr der Pastor fort, »wenn einem jungen Manne sich ein Haus öffnet, in dem ein guter Geist waltet, wo die Töchter das Gesangbuch nicht in den Winkel werfen, aus dem sie fromme Verse lernten, wo eine Mutter waltet, die ihre schützende Hand auch über den Verlorenen ausstreckt, den sie ihren Sohn nennt.« – Nun verzog Dt. Wrenzchen den einen Mundwinkel. »Das bedeutet nichts Gutes,« dachte ich. »Wenn der Pastor nur aufhören wollte, er macht den Doktor noch ganz rabiat.« – »Zwei Wege giebt es, meine Theuren,« schloß der Pastor, »den der Zucht und Ordnung, der Entsagung und des Friedens und den der sündigen Welt mit ihren Genüssen, dessen Ende Verzweiflung und Gewissensqualen sind. Wer kann sich da lange besinnen? Nur der Verstockte, dem Bösen Verfallene, der Verruchte. Und was verlangt unser Täufling? Daß seine Gevattern ihm auf der Bahn des Guten vorangehen!«

Dann folgte die Taufhandlung und der kleine Franz wurde in das Schlafzimmer zurückgebracht.

Ich war neugierig, welche Wirkung die Rede wohl auf den Doktor ausgeübt haben würde. Der Pastor hatte er zu gut gemeint, denn für so ganz verloren, wie er ihn hinstellte, erachte ich den Doktor keineswegs, aber wenn die Pastoren auf die Sünde zu sprechen kommen, malen sie meistens reichlich schwarz.

Es wurde rasch gedeckt und wir setzten uns zu Tische. Doktor Wrenzchen führte Emmi, die allerliebst aussah, der Pastor saß mit der Bergfeldten auf dem Sopha und Krauses nahmen ihren Eduard zwischen sich. Ich wunderte mich, daß der Junge während der Taufe so ruhig gewesen war, aber das dicke Ende kam nach, denn er hatte die Konfektschüssel entdeckt und sich gehörig daran gehalten. Auguste mußte rasch zum Konditor schicken, um den Schaden wieder gut zu machen. Da ich noch mit der Krausen etwas gespannt war, sagte ich nichts, aber ich warf Blicke, die sie wohl verstand.

Auguste hatte ein sehr gutes Essen bereitet. Es schmeckte uns Allen, und als wir schon ein bischen in Stimmung waren, ging das Toasten los. Herr Krause ließ die Eltern leben, mein Karl sehr hübsch den alten Weigelt, und der wieder die Gevattern. Onkel Fritz ließ die vier Franzen leben: den Täufling, den Vater, den Großvater und Dr. Wrenzchen, der auch Franz heißt, und meinte, wenn es so weiter ginge, würde es noch ein ganzes Kaiser Franz-Regiment in der Familie geben, worüber wir Alle in ein lautes Gelächter ausbrachen und Dr. Wrenzchen stark erröthete. Der Doktor unterhielt sich zwar mit meiner Emmi, aber, wie mir schien, ein bischen reservirt und kühl. Ich war sehr unruhig darüber.

Zum Dessert kam die Punschbowle, und nun machte Herr Theophile verschiedene sehr amüsante Kunsttücke. Er fraß Feuer, ohne sich zu verbrennen, und verschluckte Messer und Gabeln. »Das sind ja fast Wunder wie zu Mosis Zeiten und Aarons!« sagte der Pastor lächelnd.

»Meinen Sie den Nietenkommissarius Aarons?« fragte die Bergfeldten, »das ist doch ein sehr ordentlicher Mann, ich glaube nicht daß der Feuer frißt!« – Jedermann schwieg ob dieser grenzenlosen Bornirtheit.

Der kleine Krause war aufgestanden und zu dem Herrn gegangen, um die Kunststücke in der Nähe zu sehen, und rief mit einem Male laut: »Äh, äh, er hat das Messer gar nicht gegessen, das liegt auf seinem Schooß. Äh, äh!«

Herr Krause gebot Eduard Stillschweigen. Die Herren standen theilweise auf und rauchten ihren Ziehgarn, und ich setzte mich zum Doktor. »Nun, lieber Doktor,« fragte ich, »wie hat Ihnen denn die Taufrede gefallen?«

»Sie hat mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben,« antwortete er. »Meine gute Frau Buchholz, ich liebe die persönliche Freiheit, ohne gerade den Sündenweg zu wandeln, und würde mich doch sehr besinnen, ehe ich mich unter Kuratel, selbst der ausgezeichnetsten Schwiegermutter stellte. Der Himmel mag wissen, wer dem alten Herrn bei seiner Rede geholfen hat, aber für das Joch der Trübsal bin ich nicht erwärmt worden! Auch kann ich nicht annehmen, daß Ihnen ein verruchter Schwiegersohn willkommen wäre.«

Nun wußte ich's. Das war eine Ablehnung, und zwar in der Größe eines Waschkorbes. Warum kannte der alte Her den Doktor nicht besser? Er hätte sich doch sagen können, daß delikate Angelegenheiten auch delikat behandelt werden müssen.

Ich wollte dies Thema noch ein wenig weiter verfolgen, denn Zureden hilft manchmal, als die Krausen rief: »Wo ist Eduard?« – Ja, wo war Eduard? Im Zimmer keineswegs, denn sein Platz war leer. Im Nebenzimmer war er nicht; in der Küche auch nicht. – »Mein Gott, wo ist Eduard?« Herr Krause suchte überall, Eduard war nicht zu finden. Im Nebenzimmer war ein Fenster geöffnet, um den Tabaksrauch und die Hitze auszulassen. Sollte er aus dem Fenster gefallen sein? Herr Krause blickte hinab. Unten auf dem Trottoir lag etwas Dunkles. »Mein Kind!« schrie die Krausen, »es liegt unten zerschmettert!« Dabei fiel sie in Ohnmacht. Herr Krause und noch einige Herren eilten die Treppe hinunter, wir suchten indessen die Krausen ins Bewußtsein zurückzurufen. Ein Glück, daß wir einen Doktor bei uns hatten, denn der Pastor hatte schon die Ölflasche statt der Essigflasche ergriffen und wollte der Krausen die Schläfe einreiben. – Sie rührte sich noch nicht, als Herr Krause wiederkam. »Es ist nur das Fensterkissen, nicht unser Kind, erwache wieder, Adelheid, besinne Dich doch!« rief er. Sie kam wieder zu sich. »Wo ist Eduard?« schluchzte sie. »Ach, Ihr wollt mir nur das Schreckliche verbergen. Sagt mir die Wahrheit, die Ungewißheit tödtet mich!«

Wir wußten Alle nicht, was wir dazu sagen sollten, als plötzlich die Bergfeldten, die bisher stupide auf dem Sopha saß, laut aufkrähte und rief: »Mich hat Jemand gepiekt!« Und so war es auch. Der kleine Krause, die Kröte, hatte sich unter das Sopha verkrochen und dort eine vergessene Tapeziernadel gefunden, mit der er der Bergfeldten ins Bein stach.

Die Bergfeldten war außer sich und wollte gleich auf der Stelle nachsehen, ob es schlimm geworden sei. Nur mit Mühe konnte ich sie davon abhalten. Wir gingen ins Schlafzimmer und da stellte sich heraus, daß kaum ein Tropfen Blut geflossen war, nur ein kleiner rother Punkt war auf dem weißen Strumpf zu sehen. Übrigens wunderte ich mich, daß die Bergfeldten so stämmig zu Fuß ist.

Krausens waren wie närrisch über das glücklich wiedergefundene Kind. Sie küßte und hätschelte den Jungen, daß ich es nicht mehr ansehen konnte.

»Gehen Sie doch mit ihm nach der Mädchenkammer,« rief ich, »die liegt nach dem Hof zu, da hört es Niemand, wenn er seine wohlverdiente Jacke voll kriegt.«

»Was sagen Sie?« fuhr die Krausen wüthend auf. »Den süßen Engel schlagen? Sie sind keine Priesterin der Humanität.«

»Der Himmel bewahre mich vor solcher Humanität,« erwiderte ich. »Ich sage Ihnen nur, wenn Sie den Jungen weiter so verziehen, dann ist für ihn auch schon der Kalch mitgelöscht worden, als sie das neue Gefängniß in Moabit bauten!« – »Frau Buchholz, schonen Sie das Gefühl einer Mutter!« rief Herr Krause. – »Sie sollten ihm den Puckel nur gehörig mit hölzernem Balsam einreiben,« erwiderte ich. – »Richtet nicht, auf daß Ihr nicht gerichtet werdet!« predigte Herr Krause. »Komm, Adelheid, so etwas brauchen wir uns nicht gefallen zu lassen!«

Krausens gingen, und da die Krausen schrecklich aufgeregt war, bat Herr Krause den Doktor, sie zu begleiten. – Und der Doktor ging mit! Er konnte gehen!

Wir blieben noch ein wenig, aber es kam kein Zug mehr in die Gesellschaft. Die Punschbowle war kaum zur Hälfte leer, als wir auch aufbrachen. Wie schön hätte man mit dem Rest noch Verlobung feiern können!

Emmi war sehr niedergeschlagen. Ich glaube, sie liebt den Doktor aufrichtig.

Das arme Kind! Es ist förmlich, als verfolgte das Unglück sie.


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