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Hermann Sudermann

Seitdem die Deutschen Schiller und Goethe haben, thun sie es nicht mehr einballig mit dem literarischen Ruhme: es müssen immer zweie sein, die im Herzen, – Pardon: auf der Zunge der Nation leben. (Wenn man gebildet ist, redet man von Dioskuren.) Augenblicklich macht sich das besonders hübsch, weil die beiden fleißigsten Bühnenlieferanten im Namen verwandt sind: Sudermann und Hauptmann klingt ganz reizend und hat mnemotechnische Vorzüge.

Sonst ähneln sich die beiden allerdings nicht ganz: Hauptmann (wie Goethe, wenn ich bitten darf) ist im Interesse seiner Schädellinie bartlos wie ein Tenor, Sudermann dagegen besteht nur aus Bart. Dafür sind seine Verse genau so schlecht wie die Hauptmannschen, und auch er hat Ehrgeize, die seinen Tantièmen zum Schaden gereichen.

Sonst ist er im Ganzen besser, als sein Ruf, und die literarische Gleichung: Sudermann zu Hauptmann verhält sich wie Schiller zu Goethe entspricht mehr der vor nichts zurückschreckenden Verwegenheit der Hauptmann-Trompeter, als den thatsächlichen Verhältnissen.

Warum aber vergleichen? Sollten wir uns nicht lieber einfach und von Herzen freuen, daß wir des Glückes gewürdigt werden, zwei solcher Kerle auf einmal zu haben? Stehen sie nicht friedlich beide im Brahmschen Stalle? Nicht wie Kühe, sondern wie jener Esel, der so pünktlich statt feuchter Bollen blanke Dukaten a posteriori von sich gab.

In dieser Kunst ist der Suder- dem Hauptmann sogar noch über. Das macht: er versteht das eigentliche Handwerk besser, und dafür schmäht ihn das undankbare Vaterland, soweit es auf literarischen Geschmack Anspruch erhebt. Es würde mehr Geist verraten, wenn man darin einen Vorzug erkännte. Nun: Sudermann ist im Cottaschen Verlage und Hauptmann blos bei Fischer, – es giebt also doch eine ausgleichende Gerechtigkeit.


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