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Martin Greif

Es ist kein Zweifel: bei Gott sind alle Dinge möglich. Wenn es ihm gefiele, aus einer Heringstonne Beethovensche Symphonieen zu entlocken: er brauchte nur mit dem Finger daran zu klopfen, und die Harmonieen quöllen in himmlischer Fülle. Und, wenn es ihn gelüstete, von einer Kuh eine Madonna malen zu lassen: er brauchte nur den buschigen Schwanz anzuhauchen, und die allerseligste Jungfrau entstünde in leuchtenden Farben unter dem besudelten Quast. Wer so lästerlich denkt, daß er daran zu zweifeln vermag, der möge sich das unbegreifliche Phänomen vor Augen halten, daß er aus Martin Greif, diesem hilflosen und geschwätzigen Reimer, ein paar Lieder hat klingen lassen, die zu den schönsten gehören, die je in deutscher Sprache gesungen worden sind. Es ist ein wirkliches und vollkommenes Wunder, nicht geringer als das von der Hochzeit zu Kana, wo der Heiland aus Wasser Wein machte.

Daß dieses Gefäß der göttlichen Gnade über dieses Wunder ein wenig wirr geworden ist und nun meint, all das trübe Wasser, das von ihm fließt, sei Wein, ist freilich kein Wunder. Denn der Mensch ist schwach von Natur und verträgt nur dann den Besuch der Gottheit, wenn er dessen würdig ist.

Der Herr der Heerschaaren hat sich offenbar in der Adresse geirrt.


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