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Detlev von Liliencron

Detlev Freiherr Liliencron,
Hauptmann, Dichter und Baron:
Auf dem Barone liegt der Ton.

Einer der begütertsten Dichter der Jetztzeit. Besitzer von halb Holstein, Großgrundbesitzer und Hardesvogt auf dem Aldebaran (der seinem Haupthaar zu Ehren rot funkelt), Grandseigneur de Poggfred, Sultan der Palmaille, Mitinhaber von Pfordtes Weinstube, Hauptaktionär am Pan, Erb- und Grundherr aller böhmischen Dörfer, Generalissimus des gesammten jungen lyrischen Heerbannes mit Ausnahme der Schorschianer. Einem strengen Reglement zufolge müssen ihm sämmtliche lyrischen Erstlinge gewidmet werden, wofür er die Pflicht hat, täglich an dreihundertundsechsundzwanzig Lyriker Ermunterungsschreiben zu richten. Sein Adjutant ist Dehmel, sein Stabstrompeter Bierbaum, Großsäckelbewahrer Rudolf Mosse. Bei seinem Lever täglich Bauchtanz von hundertundzehn Indierinnen; zwanzig Prinzessinnen von Geblüt seine Servanten bei Tisch; die jeweilige Favorite unter ihnen darf mit ihm schlafen gehn, wenn er nicht gerade eine Vierländerin vorzieht.

Die nobelste seiner Passionen ist, sich arm zu stellen, seine höchste Sensation besteht darin, für sich sammeln zu lassen. Aus dem Erträgnis dieser Sammlungen, die regelmäßig Millionen einbringen, stiftet er Fonds für verarmte Verleger.

Diesen Sammlungen verdankt er übrigens seinen Ruhm. »Liliencron? Ach ja, das ist der Dichter, für den ich zehn Mark gezeichnet habe.« »Kennen Sie seine Gedichte?« »Erlauben Sie mal, ich bin doch schon konfirmirt!«

Auf die Nachwelt wird er im Gefolge des mit Recht weltberühmten Professors Emil Wolf kommen, gegen den er sich zu verschiedenen Malen mit ungezogenen Versen vergangen hat. Ein gewisses Talent fürs Erotische ist ihm nicht abzusprechen.


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