Autorenseite

 << zurück weiter >> 

Peter Altenberg

Der beste Damenschneider der modernen Literatur. Keiner zieht die kleinen Mädchen und jungen Frauen so reizend an, wie er. Und ist er dessen müde, so geht er zu den Aschantidamen, wenn sie im Zelte und nackt sind (in der Nähe der emaillirten Nachttöpfe), und regt sich hygienisch an. Denn er ist auch der stärkste Hygieniker unter den Modernen. Keiner weiß wie er die kräftigenden Eigenschaften eines kalten Bades und den Einfluß der einzelnen Sports auf die einzelnen Muskeln zu schätzen. Es ist aber alles blos von wegen der Liebe zum Leben. Es gilt, so gesund zu werden, daß man vorlauter Lebensseligkeit in jedem Zählkellner einen Marquis Posa sieht und in jedem Piccolo einen Romeo.

Wahrlich, wahrlich ich sage euch: dieser Peter ist ein seliger Narr, und seine Narrheit ist so ausbündig, daß man sie von der Heiligkeit ägyptischer Mönche kaum noch unterscheiden kann. Nur, daß ihn Gott verdamme und zum Schulmeister bei den Aschantis mache: er schreibt deutsch! Diese Frivolität ist lasterhaft, wenn man bedenkt, daß das Volapük vorhanden ist, diese dichterisch unbefleckte Sprache, die zu deflorieren Herr Altenberg geeigneter ist, als irgend ein Lebender. Statt dessen, wie gesagt, treibt er Unzucht mit der Sprache Goethes, und sie wird unter seinen Händen zur marchande de modes. Wenn die deutsche Sprache umzubringen wäre, – Herr P. A. würde längst zum literarischen Lustmörder geworden sein. Die Tragik seines Schaffens ist, daß er nicht über die Notzucht hinauskommt, so wütend er sich auch bemüht.


 << zurück weiter >>