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Stanislaw Przybyszewski

Dieser deutsche Dichter mit dem polnischen Niesnamen hat wie kein anderer vor ihm den Seelengehalt des Gilka-Kümmels erschöpft. Berlin, diese slavische Niederlassung, war die Wiege seiner mit allen Fuseln getränkten Kunst. Hier steht der eine Fuß des in allen Farben der Krebsgeschwüre schillernden Regenbogens, auf dem er torkelnd über die Welt der Nüchternheit schreitet, der andere Fuß steht im »Königreiche Polen«, dessen heimlicher Rex Stanislaw der Besoffene ist.

Ein nach Jodoform riechender Katholizismus ist der Seelenextrakt der gewaltig rülpsenden Dichtung Przybyszewskis. Erzengel mit violetten Potatorennasen stehen vor den polnischen Heiligtümern dieser blödsinnig orgelnden Steppenpoesie, die sich mit Maultrommelbegleitung am besten ausnimmt. Dem heiligen Geist geht es aber zu liederlich und destillenhaft in diesem Heiligtume zu, wo sich alle Laster nackt zwischen den Schnapsfässern wälzen, auf denen die polnische Messe zelebriert wird.

Den Deutschen ist diese Wirtschaft schließlich doch zu polnisch vorgekommen, und Stanislaw, der schon auf dem besten Wege war, eine literarische Sekte (die Gilkaisten) zu gründen, entdeckte Rudimente polnischer Sprachkenntnisse in seinem Ingenium und verlegte seine Destillation ins Polnische. Nur die Schnapsschänker Berlins trauern ihm nach.


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