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Michael Georg Conrad

Ein blonder Hengst aus fränkischem Gestüte, – fängt aber an dick zu werden. Auf alten deutschen Bildern sieht man solche Gäule: zottelhaarig über den Hufen, eine Mähne wie ein Wald, Schweife, als wollten sie ganz Deutschland von allem Unrath rein fegen; der drauf sitzt, ist dann ein Kerl aus lauter Eisen und Heldenmut.

Siehe, Michael Georg, solch eine Mähre bist du! Und du hast den rauhbeinigsten aller Helden ins Schlachtgebrause getragen: den deutschen Naturalismus. Hui, wie hat dein Schweif (wir sind im Bilde!) den Boden gefegt, Donner und Doria, wie stand deine Mähne wild zu Berge, und deine Hufe, Paul Heyse weiß es, haben keinen kleinen Krawall gemacht und soviel Staub umhergewirbelt, daß manch einer die Nase voll kriegte und rief: verfluchte Bestie!

Sag mal, werter Gaul aus Frankenland: hat dein Held gesiegt?

Ei ja, wiehert der blonde Frankenhengst.

Aber wo ist er denn nun? Hat ihn die Erde verschlungen, nach der zu riechen sein Stolz war?

Oh! Er steht an der Schmiede und fegt neue Schwerter.

Armer Hengst! Drum mußt du im Stall stehen und fett werden.

*

War aber doch ein herrlicher Gaul!


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