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Otto Julius Bierbaum

Dieser deutsche Dichter ist ein Kloß: zugleich derb und quatschig, aber immer unverdaulich.

Indessen: ein Kloß mit Seele und in Pflaumenmussauce. Es gießt Geschmäcker, die auch das goutieren, und schließlich, wer die heutige Literatur überhaupt verträgt, dessen Magen ist knödelfest.

In Klößen pflegt mancherlei zu sein. Zuerst und vor Allem: Mehl. Bei Bierbaum ist das die Lyrik. Sie ist zuweilen klitschig. Dann Semmelbrocken: der Humor. Er ist etwas trocken. Dann allerhand Fleischreste: die deutsche Gesinnung. Nicht immer ganz frisch. Und schließlich ein paar Körnchen Gewürz: sozusagen Geist. Na ... Paprika ist es nicht.

Dieser Kloß ist im Ganzen unter die harmloseren Gerichte der deutschen Literaturgarküche zu rechnen, und schließlich: er stopft wenigstens.

Gefährlich wird er, wenn er kritisch wird. Wehe, wenn er sich über die belles lettres wälzt, einen Streifen von Pflaumenmussauce hinter sich herziehend!

Mit besonderer Vorliebe bethätigt er sich ornamental. Er hat dafür das kloßige Wort Buchschmuck erfunden, und diese gräuliche Influenza der Bücherbeklexung mit Kloßmotiven ist in der Hauptsache von ihm eingeschleppt.

Die größte Merkwürdigkeit an B. ist, daß er der einzige Kloß ist, der lebendige Junge zur Welt bringt: sie nennen sich Zeitschriften, und es sind solche von Plakatumfang darunter. Man kolportiert das Gerücht, daß er sich mit der Schaffung einer Monatsschrift in Form von auswechselbaren Litfaßsäulen beschäftigt.


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