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Johannes Schlaf

Es ist eine alte Geschichte: Künstler sollen nicht heiraten. Es kommt doch immer blos eine Scheidung heraus.

So ist auch die Ehe Holz-Schlaf in die Brüche gegangen, und, natürlich, die Frau ist immer am übelsten dran. So läuft denn die ledige Schlaf auch richtig unglückselig in der Literatur herum und weiß nicht, was sie allein anfangen soll. Resultat?: Lyrik. Die arme Frau! Ein bischen zimperlich war sie immer, jetzt wird sie auch noch pimperlich.

Und dennoch: ein herziger Kerl. Das reine japanische Holzfigürchen. Riesig sauber und nett.

Ob nicht Johannes wirklich ein Hannchen ist trotz des Schnurrbartes? Auf alle Fälle ist er die reinste Jungfrau der deutschen Literatur. In seinem Stübchen sieht's allerliebst aus: lauter hübsche Deckchen und Nippeschen und an allen Fenstern Topfblumen. Ach, und der Augenaufschlag! Gottchen, die Seele! Jedes Käferchen ist ihm lieb, jedes Vergißmeinnichtchen spricht zu ihm, und selbst die Stäubchen, die in der Sonne spielen, empfindet er als Teilchen von sich. Und, wie es nach Kaffee bei ihm riecht! Zwar auch ein bischen nach Windelwäsche, aber das geht ganz hübsch zusammen, da es auch an einem Rüchlein Lavendel nicht fehlt.

Und dann: Der Mond scheint ins Kämmerlein, und plötzlich wird Hannchen grandios: Oh Mond, du süßer Mond, flüstert sie, du bist ich, und ich bin du, wir zwei beiden zusammen sind die Welt, und der liebe Gott ist auch mit von der Partie.

Nur, daß Hannchen manchmal Rückfälle in die schlechten naturalistischen Angewohnheiten aus der Zeit ihrer wilden Ehe mit Holz hat, ist nicht hübsch von ihr. Es steht ihr nicht zum Haubenbande.


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