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Hermann Bahr

Wie ein Wiesel. Ganz wie ein Wiesel. Verflucht hurtig und fix. Wo's junge Eier auszulecken gilt, ist er gleich da. Ein liebes elegantes Raubtier auf geschmeidigen Pfoten, die tanzen können.

Wie? Er? Der Mann im weißen Flanellrocke des alten Goethe mit der heiteren Würde des griechischen Pädagogen, hinter dem die jungen Wiener, teils goethelnd, teils mauschelnd, ephebisch schreiten? Er sollte ein Wiesel sein? Ist er nicht vielmehr an grotesker Würde ein Storch; – auch was das Klappern angeht? Der Storch von Wien. Geschickt, in Sümpfen Nahrung zu finden, wo es an Gewürm nicht fehlt, aber auch ein guter Flieger, um Ausblick zu halten. Nach einem Frosche, der Frösche dickstem und quarrendstem, ist er unablässig auf der Jagd, und gerne nähme er ihn in den Schnabel, trüge ihn hoch und ließe ihn über Berlin herabfallen. Denn er hat ein gutes Herz und gönnt Herrn Schlenther der schönen Preußenhauptstadt.

Ja, das gute Herz! Das ist nun sein Pech, daß er ein so gutes Herz hat. Das macht ihn gar so wienerisch – weanerisch, daß er sich und den anderen allzuviel verzeiht.

Der Steckbriefschreiber hat hier eine Bosheit auf dem Herzen, läßt sie aber nicht herunter. So gerne er mit schweren Gegenständen um sich wirft und selbst die trifft, die er gerne hat, hier kann er nicht. Wo ganz Banausien einig ist, zu spotten und zu schmähen, mag er nicht mitthun.

Hermann, zieh hin! Du treibst viel Unfug und hast schon manches Unheil angestiftet, aber ich kann Dir keine Pfeile ins Gefieder schicken, o Storch der Störche, denn es erscheint mir respektwürdig, da es mit den Geschossen sämmtlicher Philister Germaniens gespickt ist.


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