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Max Halbe

Ein starker Schnaps mit Flittergoldblättchen: Danziger Goldwasser. Aber das Zeug wird immer fuseliger und zuckriger dabei. Als es das erste Mal serviert wurde (Marke Jugend), da war ein liebliches echtes Parfüm daran, ein entzückender Geruch frischer, junger Menschen. Dafür wird der Firma viel verziehen. Man nimmt die flauen Schnäpse, die sie jetzt kredenzt, zwar nicht zu sich, sondern läßt sie schweigend vorüber gehen, aber man hat noch immer den holdstarken Geschmack der ersten Flasche im Munde und denkt sich: es wird dem Danziger Lachs doch wohl noch einmal die rechte Mischung einfallen.

Woraus zu ersehen ist, daß die Menschen gar nicht so undankbar sind, wie man immer behauptet. Ein guter Wurf, und wäre es nur ein Zufallswurf gewesen, genügt, um ein Dutzend faule Halbheiten vergessen zu machen.

Man kann darauf aber auch ein bischen zu fest bauen. Max, bedenke, man erwartet gute Schnäpse von dir, keine Pommade! Denk an die Spirituosen-Traditionen deiner Heimat! Deine Seele ist von einer echten, kernigen Bitterkeit, du bist ein zwar nicht liebenswürdiger, aber doch im Grunde ein ganzer Kerl: was in aller Welt hat dir den Kopf verdreht, daß du dich stellst, als wärst du ein Lutschbeutel?

Nun, wir hoffen weiter. Das süße Zeug nehmen wir definitiv nicht an; komm mal mit deinen Giften, oller Brannteweiner!


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