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An den Leser

Dies ist ein Erstlingsbuch, und der Verfasser beschreibt darin ein Geschehen, das, fremd und fern nun, einst seines eignen Lebens Anteil war. Sollte aus diesem Grund ein Leser behaupten, dies Buch sei autobiographisch, dann hat der Verfasser nichts zu entgegnen: – ihm scheint, daß alle ernsthafte Romanliteratur autobiographisch ist, daß man sich zum Beispiel schwerlich ein autobiographischeres Buch als »Gullivers Reisen« vorstellen kann.

Diese kleine Vorrede jedoch richtet sich hauptsächlich an die Personen, die der Verfasser in der hier abgehandelten Zeit gekannt hat. Ihnen möchte er etwas bestätigen, was sie, wie er glaubt, bereits erkannt haben: Dieses Buch wurde in Unschuld und in der Nacktheit des Geistes geschrieben, und des Verfassers Hauptbestreben galt einer fülligen, lebendigen, intensiven Darstellung. Nun, da die Arbeit veröffentlicht wird, besteht der Verfasser darauf, daß dies Buch ein schöpferisches Werk ist, und daß es ihm fernlag, irgend jemanden zu porträtieren.

Aber wir sind die Summe aller Augenblicke unsrer Leben; alles, was unser ist, ist in ihnen; wir können dies nicht verbergen oder verhehlen. Wenn der Verfasser den Rohstoff des Lebens zu seinem Buch benutzte, so benutzte er nur, was niemand zu benutzen umhin kann. Die Romanschriftstellerei befaßt sich nicht mit Tatsachen schlechthin, sondern mit deren Auswahl, ihrer geistigen Verarbeitung und ihrer zweckvollen Einordnung. Dr. Johnson bemerkte, daß jemand eine halbe Bibliothek umblättern könne, um ein einziges Buch zu schreiben: so mag ein Schriftsteller die Hälfte aller Leute in einer Stadt »umblättern«, um eine Person für seinen Roman zu gestalten. Dies freilich ist nicht die ganze Methode, aber der Verfasser glaubt, daß es die ganze Methode veranschaulicht – in einem Buch, das aus einer mittleren Distanz zu den Dingen geschrieben wurde und ohne Groll oder bittre Absicht ist.


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