Gottlieb Konrad Pfeffel
Gedichte
Gottlieb Konrad Pfeffel

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Der kranke Löwe

(1773)

      Der Tiere Großsultan lag auf dem Krankenbette;
Er war von Kopf bis auf den Schwanz
So dürr als Bruder Hein im Basler Totentanz.
Da war kein Vieh, das ihm nicht was geraten hätte.
Die Gerste, sprach das Pferd, ist trefflich für die Lunge,
Sie kühlet das Geblüt und reiniget die Zunge.
Nicht doch, versetzt der Bär, der wilde Honigseim
Ist Balsam für die Brust und löst den zähen Schleim.
Freund, rief ein weiser Wolf, ich wette hundert Kronen,
Mein sympathetisches Arcan
Erhält den Preis: Neun frische Ziegenbohnen,
Im Vollmond angehängt, ziehn alle Seuchen an.
Pfui, sprach der Leopard, man möchte flugs purgieren,
Der Henker brauche diesen Quark.
Ich lobe mir das Menschenmark,
Um einen Fürsten zu kurieren.
Ein Pfund des Tags in Tränen aufgelöst
Hilft ganz gewiß, probatum est.
Dies, Vetter, will ich gleich probieren,
Versetzt der Patient, der Rat ist Goldes Wert.
Ich selber habe längst gehört,
Daß viele große Herrn auf Erden
Durch dieses Mittel fett als wie die Dachse werden.

 


 


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