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Zum Resolutionsentwurf A. Bebels über die imperialistische PolitikRedaktionelle Überschrift. Diese Rede wurde auf dem Internationalen Sozialistenkongreß gehalten, der vom 18. bis 24. August 1907 in Stuttgart stattfand.

Ich habe mich zum Worte gemeldet, um im Namen der russischen und polnischen sozialdemokratischen Delegation daran zu erinnern, daß wir namentlich bei diesem Punkte der Tagesordnung auch der großen russischen Revolution gedenken müssen. Als bei der Eröffnung des Kongresses Vandervelde mit der ihm eigenen Eloquenz der Dankespflicht an die Märtyrer genügte, haben wir alle den Opfern, den Kämpfern gehuldigt. Aber ich muß doch offen sagen, als ich da nachher manche Reden, so besonders die Vollmarsche Rede hörte, da kam mir der Gedanke, wenn hier die blutigen Schatten der Revolutionäre wären, so würden sie sagen: »Wir schenken euch euere Huldigung, aber lernt von uns!« Und es wäre ein Verrat an der Revolution, wenn Sie das nicht täten. Auf dem letzten Kongreß 1904 in Amsterdam Der Internationale Sozialistenkongreß fand vom 14. bis 20. September 1904 in Amsterdam statt. wurde die Frage des Massenstreiks erörtert. Es wurde ein Beschluß gefaßt, der uns als unreif und unvorbereitet für den Massenstreik erklärte. Aber die materialistische Dialektik, auf die sich Adler überzeugungsvoll berufen hat, hat sofort verwirklicht, was wir für unmöglich erklärt haben. Ich muß mich gegen Vollmar und leider auch gegen Bebel wenden, die sagten, wir wären nicht in der Lage, mehr als bisher zu tun. Aber die russische Revolution ist nicht nur aus dem Krieg entsprungen, sondern sie hat auch dazu gedient, den Krieg zu unterbrechen. Der Zarismus hätte sonst sicher den Krieg weitergeführt. Die geschichtliche Dialektik gilt für uns nicht in dem Sinne, daß wir mit verschränkten Armen zusehen, bis sie uns reife Früchte bringt. Ich bin eine überzeugte Anhängerin des Marxismus und betrachte es gerade darum als eine große Gefahr, der marxistischen Auffassung jene starre, fatalistische Form zu geben, die nur dazu führt, solche Exzesse wie den Herveismus Nach der anarchistischen Auffassung Gustave Hervés sollte jeder Krieg mit Streik und Aufstand beantwortet werden, ohne die jeweilige historische Situation zu berücksichtigen. als Reaktion hervorzurufen. Herve ist ein Enfant, allerdings ein Enfant terrible. (Heiterkeit.) Wenn Vollmar sagte, daß Kautsky nur für seine Person gesprochen habe, so gilt dies doch noch viel mehr für Vollmar. Es ist Tatsache, daß die große Masse des deutschen Proletariats die Anschauungen Vollmars desavouiert hat. Es war auf dem Parteitag in Jena, wo nahezu einstimmig eine Resolution beschlossen wurde, die bewies, daß die deutsche Partei eine revolutionäre Partei ist, die aus der Geschichte gelernt hat. In dieser Resolution erklärte sie den Generalstreik, den sie jahrelang als anarchistisch verworfen hatte, als ein Mittel, das unter Umständen angewendet werden kann. Es war aber nicht der Geist Domela Nieuwenhuis', Unter Führung des holländischen Sozialdemokraten Domela Nieuwenhuis trat in der internationalen Arbeiterbewegung eine halbanarchistische Gruppe mit der Forderung auf, das Proletariat solle auf jede Kriegserklärung mit einem Generalstreik antworten und den Wehrdienst verweigern. Auf dem Internationalen Arbeiterkongreß in Brüssel im August 1891 waren diese Auffassungen von der überwältigenden Mehrheit der Delegierten abgelehnt worden. sondern das rote Gespenst der russischen Revolution, das über den Verhandlungen in Jena schwebte. Allerdings haben wir damals nicht den Massenstreik gegen den Krieg, sondern den für das Wahlrecht im Auge gehabt. Wir können jedoch gewiß nicht schwören, daß wir einen Massenstreik machen werden, wenn man uns das Wahlrecht nimmt. Aber ebensowenig können wir schwören, daß wir ihn nur für das Wahlrecht machen werden. Nach der Rede Vollmars und zum Teil Bebels halten wir es für notwendig, die Bebelsche Resolution zu verschärfen, und wir haben ein Amendement ausgearbeitet, das wir noch vorlegen werden. Ich muß noch hinzufügen, daß wir in unserem Amendement zum Teil noch weiter gehen als die Genossen Jaurès und Vaillant, indem wir die Agitation im Kriegsfalle nicht bloß auf die Beendigung des Krieges gerichtet wissen wollen, sondern auch auf die Ausnutzung des Krieges zur Beschleunigung des Sturzes der Klassenherrschaft überhaupt. (Beifall.)


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