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Obstweine

 

Apfelwein oder Cider

Im großen wird der Apfelwein meistenteils durch Keltern der Äpfel unter Zusatz von Wasser und Zucker erzeugt, doch kann man sich für den Hausgebrauch auch kleinere Mengen ohne allzuviel Mühe selbst herstellen. Man wählt am besten Äpfel von verschiedenen Sorten, säuerliche sowohl wie süßliche, die gut ausgereift sein müssen. Man reibt sie auf dem Reibeisen, seiht den Saft durch ein Tuch und gießt ihn in Steintöpfe, wobei man einige mit der Schale im Ofen gebratene Äpfel hineinlegt, um die Gärung zu befördern. Nach einigen Tagen wird sich eine Haut auf dem Saft zeigen. Dieses ist das Zeichen, daß die Gärung vollendet ist. Die Haut wird abgenommen, der Most in Flaschen gefüllt und fest verkorkt an einem kühlen Ort aufbewahrt.

Um im Haushalte eine größere Menge herzustellen, muß man die Äpfel stampfen, den Brei mittels einer Presse gut auspressen und den Saft in ein kleines Faß füllen, in dem vorher guter Weißwein war. Nun stellt man das Faß auf einen Bock in eine kühle Kammer, wo die Gärung bald vor sich geht. Während der etwa 14 Tage dauernden Gärungszeit entferne man die ausgestoßenen Unreinigkeiten täglich mit einem sauberen Leinenläppchen, fülle, sobald die Gärung vollendet ist, das Faß ganz mit Apfelmost an, den man auf Flaschen ausgären ließ, und schlage nun das Spundloch fest zu. Nachdem der Wein 5-6 Monate ruhig im Keller gelagert hat, zieht man ihn auf ein anderes Faß, lagert ihn wieder einige Monate ab und füllt ihn dann auf Flaschen.

 

Stachelbeerwein

Man verwendet, um guten Wein zu gewinnen, nur recht reife Beeren, die beinahe durchsichtig geworden sind. Man pflückt sie vorsichtig ab, säubert sie und preßt sie so vollständig wie möglich aus. Zu dem durch Leinwand gegossenen Most gibt man nach Maß ebensoviel Brunnenwasser und setzt jedem Liter Flüssigkeit 250 Gramm guten Farinzucker zu. Den Saft füllt man in ein Faß und legt dasselbe zum Gären in den Keller, wobei man die Spundöffnung mit einem leinenen Tuche verdeckt. Die Spundöffnung und das Tuch müssen täglich von dem angesetzten Schaum gesäubert werden. Nach einigen Tagen schon ist die Gärung vorüber. Man ersetzt die durch Gärung verloren gegangene Flüssigkeit durch Stachelbeersaft und Wasser zu gleichen Teilen, so daß das Faß ganz gefüllt ist; dann verschließt man es mit einem hölzernen Spund und läßt es nun sechs Monate unberührt liegen. Nach dieser Zeit kann der Stachelbeerwein auf Flaschen abgezogen werden.

 

Johannisbeerwein oder Ribiselwein

Man pflückt die roten Johannisbeeren, wenn sie gut ausgereift sind, streift sie von den Stielen ab und zerstößt sie mit einer hölzernen Keule. Auf 1 Anker (etwa 38 Liter) Wein rechnet man 15-20 Kilogramm Beeren. Die zerquetschten Beeren läßt man 2 Tage in einem Holzgefäß oder einem Steintopf stehen und rührt sie von Zeit zu Zeit um. Dann preßt man den Saft durch einen leinenen Beutel und gibt auf die Rückstände reichlich gutes Brunnenwasser. Am nächsten Tage gießt man das Wasser durch den Beutel ab und vermischt nun beide Säfte, und zwar nimmt man von dem ersten Safte 1 Liter, von dem zweiten Safte 2 Liter, und gibt zu dieser Mischung 1 Kilogramm guten Farinzucker. Nachdem man alles gut vermischt hat, füllt man den Saft in ein Faß und den Rest in Krüge oder Flaschen, um ihn zum Nachfüllen zu verwenden. Man lagert Faß und Flaschen im Keller und behandelt den Johannisbeerwein weiter wie den Apfelwein.

 

Heidelbeer-, Blau- oder Schwarzbeerenwein

Gut reife Heidelbeeren werden zerquetscht und nach 24 Stunden durch einen leinenen Beutel gepreßt. Wünscht man dem Wein einen besonderen Geschmack und Duft (Bukett) zu geben, so mischt man den Heidelbeeren schon beim Quetschen etwas Holunderblüte oder auch etwas Zimt und Nelken bei. Auf 1 Kilogramm Saft setzt man 500 Gramm guten Farinzucker hinzu; nachdem derselbe gelöst ist, füllt man den Saft in ein Fäßchen, läßt auch einen Teil im Kruge zum Nachfüllen zurück und behandelt nun den Heidelbeermost während der Gärung wie die anderen Obstweine. Wenn die Gärung vorüber ist, bringt man ihn in ein reines Faß, das man wohl verspundet 3-4 Wochen liegen läßt; dann zieht man den Wein auf Flaschen.

 

Champagner aus Obstwein

Stachelbeer- und Johannisbeerwein lassen sich vorzüglich als moussirendes Getränk, als Champagner verarbeiten. Zu diesem Zwecke füllt man sie nach der Gärung nicht in ein anderes Faß, sondern zieht den betreffenden Wein sofort auf starke Flaschen ab, deren Korke man mit Draht verbindet. Dieses sehr erfrischende Getränk muß recht kühl aufbewahrt werden.

 

Wert der Obstweine

Die Obstweine bilden alle ein erfrischendes Getränk, das, recht kühl gestellt, besonders im Sommer sehr wohlschmeckend ist. Der Apfelwein ist, wenn er gut zubereitet ist, arm an Alkohol und wird ärztlicherseits besonders solchen empfohlen, die an Fettleibigkeit leiden. – Der Heidelbeerwein zeichnet sich aus durch seinen hohen Gehalt an Eisen wird mit Erfolg bei Blutarmut getrunken.


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