Friedrich von Raumer
Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Band 3
Friedrich von Raumer

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Drittes Hauptstück.

{1195} Auf solche Weise war also Kaiser Heinrich Herr des sicilischen Reiches geworden; allein seine neuen Unterthanen haßten ihn und der Papst, durch die letzten Grausamkeiten empört und der langen Ermahnungen über König Richards Beschatzung müde, sprach den Bann über ihn aus. Dies kümmerte jedoch den Kaiser bei seiner Macht und Sinnesart wenig: er hob alle Gemeinschaft mit Rom aufBaronius zu 1195, c. 5.  Pagi c. 7.  Galv. Flamma c. 227.  Inn. reg. imp. 29., brachte, um sich irdisch zu sichern, in Sicilien und Apulien so viel Geld und Geldeswerth zusammen als irgend möglich war, hob Geißeln aus und schickte, zu gerechtem Jammer der Sicilier, Güter wie Personen nach DeutschlandOtto S. Blas. c. 40.  Corner 802. Sybille lebte mit ihren Töchtern in dem elsassischen Jungfrauenkloster Hohenburg; von Wilhelm hat man nichts wieder gehört. Doch findet sich die Legende, daß er aus dem Gefängniß über Frankreich nach Italien entkommen und im Thale S. Jakob, oberhalb Chiavenna, als Einsiedler gelebt habe.  Quadrio Valtell. III, 98. – Auch Rogers verborgene Schätze habe man zufällig entdeckt. Arn. Lub. IV, 20.. Doch erfreuten sich seine treuen Anhänger auch manches Lohnes: Diephold der Feldhauptmann und der Abt Roffrid von Montekassino erhielten schöne Besitzungen; Markuald wurde belehnt mit Romagna, Ravenna und Ankona; Philipp des 56 {1195} Kaisers Bruder mit den Gütern der Markgräfinn Mathilde und mit Tuscien. – Milder gesinnt als Heinrich, hatte Philipp sich durch die Schönheit und Hülflosigkeit, vielleicht auch durch die Herkunft und die Ansprüche Irenens, der byzantinischen Prinzessinn und Wittwe König Rogers, einnehmen lassen und sie von dem allgemeinen Untergange ihrer Verwandten errettet, indem er sich mit ihr verlobte. Die anfängliche Dankbarkeit Irenens verwandelte sich bald in Liebe, denn Philipp war ein geistig ausgezeichneter Mann und dem Körper nach zwar nicht groß, aber zart gebaut, blond und schön; Irene heißt bei Walter von der Vogelweide, eine Rose ohne Dorn, eine Taube sonder GallenBurchardi vita 120.  Uhlands Walter 31..

Der Kaiser verließ Sicilien im Februar 1195, reisete in Apulien umherMeo ann.  Mongitor bullae 65.  Ursp. 317.  Mecatti I, 50. – 1195, den ersten Julius belagert Philipp als Herzog von Tuscien, Perugia.  Mittarelli IV, 198.  Sicardi chron. 617. Camici zu 1195, p. 6. und war ums Ende des Monats Mai bereits in Pavia. Hier erwarteten ihn der Erzbischof von Genua und andere angesehene Männer dieser Stadt. Bei der ersten Zusammenkunft wollten sie dem Kaiser den mit ihm geschlossenen Vertrag, zum Beweise seiner Versprechungen und zur Begründung ihrer Ansprüche, vorlesen; er aber unterbrach sie und sprach: »laßt das, ich habe auch eine Abschrift und weiß was drinnen steht. Wenn ihr bereit seyd euch zu vergleichen, so will ich euch gerecht werden: allein meine Genossen in der Beherrschung Siciliens könnt ihr nie seyn, nie dürfet ihr das Land gemeinsam mit mir besitzen. Wollt ihr aber den König von Aragonien angreifen, so will ich euch beistehen, und das eroberte Reich soll euch allein verbleiben.« – Es kam kein Vergleich zu Stande: denn der stolze und reiche Kaiser wollte nur Geld geben und fand es unanständig Land abzutreten; die Genueser im Gegentheil widersprachen gleich beharrlich einer 57 {1195} Schmälerung und Beschränkung ihrer, schon für sicher gehaltenen, Landherrschaft.

Um dieselbe Zeit bestätigte Heinrich der Stadt Cremona den ihr schon früher zugesagten Besitz von Crema, und wahrscheinlich auch die Herrschaft von Guastalla und Lucera; er wirkte für die Befestigung des schon 1191 bei seiner ersten Anwesenheit gegen die übrigen Lombarden geschlossenen Bundes zwischen Cremona, Lodi, Como, Pavia, Bergamo und dem Markgrafen von MontferratCremon. chr. 636.  Murat. ant. It. IV, 231.  Affò Guast. 166.  Poggiali V, 22.  Rovelli II, 362.. Die ununterbrochenen Bemühungen seines Statthalters Trushard für die Schlichtung aller Streitigkeiten zwischen den lombardischen StädtenDessen Stillstandsvertrag vom 14ten Januar 1194 bei Moriondus I, Urk. 88. Vergleiche Affò Storia di Parma III, 302. hatten keineswegs genügenden Erfolg gehabt; vielmehr war es in Bologna bis zu blutigen Fehden und bis zu solcher Zügellosigkeit gekommen, daß die Unzufriedenen dem Podesta, welcher nicht nach ihrem Verlangen Recht sprach, Zähne ausrissen und ihn verjagtenBonon. hist. misc.  Griffo.  Savioli zu diesen Jahren.. Zur Abstellung all dieses Übels, meinten aber die Städte, sey ein tyrannischer Kaiser wie Heinrich VI keine wahre Hülfe; und wider den, von ihm begünstigten, Bund jener Städte erneuten und beschwuren den lombardischen Bund auf dreißig Jahre Verona, Mantua, Modena, Brescia, Faenza, Mailand, Bologna, Reggio, Grabadona, Piacenza und PaduaMurat. antiq. Ital. IV, 486..

Auch in Deutschland hatte es während der Abwesenheit des Kaisers nicht an bösen Fehden gemangelt: des Erzbischofs von Mainz gegen den Landgrafen von Thüringen, des Bischofs von Utrecht gegen die FriesenGodofr. mon. Aquic. auctar., des Grafen Balduin von Hennegau gegen den Herzog Heinrich von Brabant, des Markgrafen Albert von Meißen gegen seinen 58 {1195} Bruder Dietrich von Weißenfels. – Nach dem Tode ihres Vaters Otto hatte Albert die alten Streitigkeiten widerrechtlich erneut und Dietrich gezwungen, beim Landgrafen Hermann von Thüringen Hülfe zu suchen. Dieser gab ihm zur Antwort: »mir fehlt ein Vorwand zum Kriege; willst du aber meine Tochter Jutta heirathen, so will ich dir beistehen.« Ungeachtet Jutta sehr häßlich war, willigte Dietrich ein, und nun ward Albert geschlagen und auch von den Mannen des Kaisers, welcher sein Benehmen laut gemißbilligt hatte, so bedrängt, daß er nach Italien eilte, um sich vor allem erst mit diesem auszusöhnen. Als ihn aber Heinrich, wider seine Erwartung, sehr streng empfing, so entfloh er, größere Übel fürchtend, mit einem einzigen Diener und traf in der Heimath die ernstlichsten Anstalten zur Erneuung des Krieges. Allein bald nach seiner Rückkehr, am 25sten Junius 1195, starb er, wie es hieß, an GiftChron. mont. sereni.  Ann. Vetero - Cell.  Rohte 1692.  Weißes Gesch. I, 104., und der Kaiser, welcher um diese Zeit wieder in Deutschland anlangte, ließ die Markgrafschaft Meißen sogleich von seinen Getreuen für sich in Besitz nehmen, unbekümmert um die von ihm nicht anerkannten Erbrechte Dietrichs.

Hartwich von Bremen, welcher mittlerweile, dem Ausspruche des Papstes vertrauend, in sein Erzbisthum zurückgekehrt war, fand die Bürger jener Stadt und den Grafen Adolf von Holstein, von dem er die Rückgabe Stades verlangteArnold. Lub. IV, 22.  Corner 803., so abgeneigt, daß er den Bann über sie aussprach und sich aufs neue nach Rom wandte. Diese Mittel blieben jedoch ohne Erfolg, und erst als er dem Kaiser 600 Mark zahlte, ward er in seine Rechte wieder eingesetzt.

Während Heinrich VI so in Italien und Deutschland auf jede Weise seine Macht zu mehren suchte, hatte Heinrich der Löwe zwar auch mit Fleiß für die Verwaltung 59 {1195} seiner, jetzo im Frieden schön aufblühenden Besitzungen gesorgt, aber sich allmählich doch immer mehr vom Weltlichen abgewandt. Einsam und lange von seinen Söhnen getrennt,– denn Heinrich war mit dem Kaiser nach Apulien gezogen, und Wilhelm und Otto lebten theils als Geißeln für ihren Oheim Richard in Österreich, theils in England –, beschäftigte sich der bejahrte Herzog mit der Geschichte von Deutschland. Er ließ die alten Zeitbücher sammeln, abschreiben, ordnen, und ergötzte sich so sehr an deren Inhalt, daß er oft ohne Ermüdung ganze Nächte hindurch sich daraus vorlesen ließ. – Keiner dem es Ernst ist mit seinen Thaten, kann gleichgültig seyn gegen die Vergangenheit, und je mehr das Alter diesem Leben ein Ende zu machen droht, desto mehr sehnt sich ein Held nach der durch den Geschichtschreiber vermittelten Unsterblichkeit. Doch baute Heinrich mit Recht seine Hoffnung nicht ausschließlich auf diesen irdischen Nachruhm; sondern das Christenthum trat ihm tröstend näher und erhielt seinen Muth auch in der letzten Krankheit. Er fühlte, daß es die letzte seyn würde, und berief deshalb seinen aus Italien zurückgekehrten Sohn und den Bischof von Ratzeburg, damit sie bei seinem Ende zugegen seyn möchten. Ein unerwarteter schrecklicher Donnerschlag zündete itzt das Gebäude an, in welchem er daniederlag: aber in der allgemeinen Angst blieb er allein gefaßt, bis das Feuer durch die Thätigkeit der seinen und den starken Regen gelöscht war. Niemand hörte in der schmerzhaften Krankheit eine Klage von dem sonst so Ungeduldigen. »Herr, sey mir armen Sünder gnädig«, waren seine letzten Worte. Er starb zu Braunschweig am sechsten August 1195 im sechs und sechszigsten Jahre seines AltersNach Weingart. chr. zu 1135 und Lüneb. chron rhythm. 49, wäre Heinrich 1135 geboren: es sind aber überwiegende Gründe vorhanden (Orig. guelf. II, 9 und Böttiger 57), das Jahr 1129 anzunehmen. Auch lassen ihn das Chron. Stederb. und Riddagshus. Chr. 349, 66 Jahr alt werden. Einige haben den 25sten Julius als Todestag. Siehe Arnold. Lubec. IV, 19, 24.  Alber. zu 1193.  Chron. mont. sereni.  Corner 805.  Gerhard 432.  Apogr. in Leibn. script. III, 148, und Böttiger 457., und liegt in der von ihm erbauten Klosterkirche des heiligen 60 {1195} Blasius neben seiner Gemahlinn begraben. Des Löwen Feinde und manche nur auf Wechsel Begierige freuten sich über dessen Tod, bald nachher aber wünschten sie den Tapfern, den Heldenmüthigen zurück. – Selten würdigt das lebende Geschlecht die großen Männer der eigenen Zeit ohne Vorliebe und Haß, und nicht immer gelingt es, die Geschichte von den entstellenden Zusätzen parteiischer Berichtserstatter zu reinigen und zu läutern; ja in dem vorliegenden Falle haben sich, bis auf die neuesten Zeiten, fast alle Geschichtsforscher nur bestrebt dem noch fortblühenden Geschlechte der Welfen jeden Vorwurf abzunehmen, das untergegangene Geschlecht der Hohenstaufen hingegen jedes Schmuckes zu berauben und ihm jede Schuld aufzubürden. Dies Verfahren ist um so tadelnswerther, da beide Geschlechter zwar nicht von Fehlern und Irrthümern frei sind, aber auch in beiden sich Männer von solcher Geisteskraft und Charaktergröße finden, daß wir sie vor menschlichen Richterstühlen lossprechen und denen beizählen müssen, auf welche spätere Nachkommen zurückblicken können, um sich selbst zu kräftigen und zu erheben.

Von den Söhnen des Herzogs sollte Heinrich Braunschweig, Wilhelm Lauenburg und Lüneburg, Otto Haldensleben mit Zubehör erhalten; doch blieben die Verhältnisse des ganzen Hauses noch lange schwankend. Für jetzt war es ein bedeutender Gewinn, daß Heinrich der jüngere nach dem Tode seines Schwiegervaters Konrad (welcher am 8ten November 1195 starb)Falke cod. addit. Urk. 41.  Godofr. mon. zu 1195.  Tolner 329.  Orig. guelf. III, 160. wirklich in den Besitz der Pfalzgrafschaft am Rhein gesetzt wurde.

Auch suchte Kaiser Heinrich VI, als er siegreich und 61 {1195} mit großen Schätzen aus Italien zurückkam, keineswegs Händel und Unfrieden; sondern wünschte, durch alle Mittel seines Ansehns und seines Reichthums, einem Plane ungetheilte Beistimmung zu verschaffen, der das Staatsrecht, ja die Geschichte Deutschlands ganz würde umgestaltet haben. Er verlangte: man solle die Kaiserwürde in seiner Familie erblich machen; dafür wolle er Apulien und Sicilien unabtrennlich mit dem Reiche vereinen, die Erblichkeit aller Lehne einführen und anerkennen, und allen bisherigen Anrechten auf den Nachlaß der Bischöfe und Geistlichen entsagen. – Zur Unterstützung dieses Vorschlags führte Heinrich VI folgendes an:

»Mit dem Tode jedes deutschen Königs war das Reich zeither ohne Haupt, und der Zwischenraum bis zur nächsten Wahl nothwendig eine Zeit der inneren Auflösung; ja selbst eine neue Wahl beendete nur selten diesen Zustand. Denn widersprechende Forderungen wurden oft mit gleicher Heftigkeit aufgestellt und führten zur Ernennung zweier Könige, oder zum Aufruhr der Mißvergnügten gegen den durch die Mehrheit Erwählten. Nur alsdann wurde diesem Übel einigermaaßen vorgebeugt, wenn man beim Leben des Vaters, dem Sohne oder nächsten Verwandten die Nachfolge zusicherte, mithin nach Weise des Erbrechts verfuhr. Jener heimliche Groll und Neid, jene öffentlichen Befehdungen, jener Wechsel der Ansprüche und nach Maaßgabe der aus verschiedenen Häusern Erhobenen auch der Ansichten, Grundsätze und Zwecke, haben Deutschland geschwächt, erniedrigt und verwüstet. Herrscht dagegen nach bestimmtem Gesetz eine und dieselbe Familie, so fallen alle verwirrenden Ansprüche zu Boden, aller Ungehorsam spricht sich selbst sein nicht mehr zweifelhaftes Verdammungsurtheil, und nach festern Grundsätzen wird im Innern verwaltet, mit größerer Macht wider äußere Feinde gekriegt werden. – Aber, könnte man einwenden, wird nicht dieser gewaltige Zusammenhang, diese königliche Übermacht zur Sklaverei der übrigen Fürsten und Stände führen? Keineswegs! 62 {1195} Für ihren Vortheil habe ich fast mehr gesorgt, als für den meinen. Denn der König kann doch wohl noch eher hoffen, durch seinen Einfluß die Erbfolge ohne Gesetz zu bewirken, als der Herzog oder der Markgraf gegen das Gesetz. Denn die Söhne derselben haben kein Recht, wider den Willen des Königs und vor einer neuen Belehnung, ihre Väter zu beerben. Wollte man aber auch, ohne Rücksicht auf die frühere Geschichte und die tägliche Erfahrung, eine solche Erblichkeit der Lehne und Würden im Mannsstamme behaupten; so hat doch noch niemand bezweifelt, daß beim Abgange männlicher Nachkommen das Reichslehn eröffnet und dadurch dem Könige ein Mittel gegeben sey, seine Macht auf höchst bedenkliche und für die übrigen Verwandten sehr harte Weise zu vermehren. Diesem Mittel, durch Einziehungen oder willkürliche neue Vergabungen die Verhältnisse im Reiche gewaltig umzugestalten, entsage ich freiwillig, und verleihe mit dem Rechte unbeschränkter Vererbung allen Fürsten eine Sicherheit und Selbständigkeit für sich und alle ihre Nachkommen, welcher sie bei der bisherigen Verfassung gesetzwidrig, und dennoch vergebens nachstrebten. – Nicht minder gewinnen die Bischöfe und Geistlichen durch die Vernichtung der königlichen Ansprüche auf ihre Besitzthümer; es gewinnt das gesammte Reich durch die ruhmvolle Einverleibung von zwei herrlichen Ländern; es gewinnen endlich alle einzelnen: denn es wird künftig Friede und Ordnung herrschen, und nach Aufhebung unnatürlicher Beschränkungen, jedem in seinem Kreise mehr Freiheit zu Theil werden, als bisher.«

Zwei und funfzig Fürsten willigten hierauf urkundlich in die Vorschläge des Kaisers. Andere dagegen, besonders die sächsischen Fürsten, widersprachen und behaupteten: »ihr Erbrecht im Mannsstamme sey nicht zu bestreiten, und eröffnete Lehne habe der Kaiser, wie die Geschichte beweise, nicht eigenmächtig einziehen können, sondern gewöhnlich den nächsten Verwandten ertheilen müssen. Gegen die etwanige Übermacht eines Hauses habe die freie Wahl 63 {1195} zeither am besten geschützt, und daraus entstehenden Mißbräuchen lasse sich vorbeugen. Nur einem erwählten Herrscher könne man Bedingungen vorlegen und ihn zu deren Erfüllung anhalten: aus dem Erbrechte hingegen folge die Unumschränktheit fast unvermeidlich. Eine Aussicht, den Thron wirklich zu besteigen, hätten freilich auch jetzo nur wenige: daß aber jeder der deutschen Fürsten doch König und Kaiser werden könne, diese Möglichkeit stelle schon Königen gleich, und keiner wolle Stand, Gefühl und Gesinnung durch ein feiges Aufgeben solcher Anrechte herabwürdigen. Überhaupt komme es mehr darauf an, daß man das freie Leben im Innern Deutschlands ungestört erhalte, als daß man größere Macht zur Wirksamkeit nach außen erzeuge. Die Einverleibung fremder Länder bürde endlich dem Reiche nur die Last der Vertheidigung auf, während der Kaiser die Vortheile solcher Erwerbungen für sich allein behalte.«

Die Bischöfe und Geistlichen wurden größtentheils durch den in die Augen fallenden Vortheil für Heinrichs Plan gewonnen; indessen machte Erzbischof Konrad von Mainz, welcher an der Spitze der Widersprechenden stand, bemerklich: daß jener weltliche Anspruch auf ihre Erbschaften nicht im Rechte begründet, sondern ein Mißbrauch sey, der abgestellt werden solle, ohne anderweitigen Verlust. Ein solcher Verlust finde aber unleugbar statt, wenn man die Königswahlrechte der Erzbischöfe vernichte und die gesammte Geistlichkeit, in ihrer schlechthin nothwendigen Beweglichkeit und Abwechselung, der künftig unveränderlichen, erblichen und dadurch nothwendig anwachsenden weltlichen Macht, gegenüberstelle.

Der Papst endlich, ob er gleich, einigen zweifelhaften Berichten zufolge, den Plan anfangs billigteNach dem Chron. Rainersbrunn. bei Hofmann 24, hätte der Kaiser die Erblichkeit nur denen versprochen, welche am Kreuzzuge Theil nahmen, aber so einseitig war der Plan keineswegs. Halberst. chron.138.  Anon. Saxo 116.  Belg. chron. magn. 224.  Nach Gervas. Tilber. 943 sollte man glauben, erst Innocenz III habe dem Plane widersprochen. allein zu dessen Zeit war er längst aufgegeben und er spricht bloß geschichtlich wider denselben.  Pfister II, 264.  Wir haben die zerstreuten Gründe übersichtlich zusammengestellt., äußerte 64 {1195} nachher desto bestimmter: »eine solche Grundveränderung in allen wichtigen Verhältnissen ist stets gefährlich, denn bestehende Rechte werden offenbar gekränkt; ob und was aber jeder zuletzt gewinnt, kann niemand vorher sagen. Die innige Wechselwirkung, wonach die Fürsten ihre Lehne von dem Könige, der König seine Krone von den Fürsten erhält, ist mehr werth als die Selbständigkeit, welche jedem um so reizender erscheint, je eigennütziger er nur an sich denkt und auf Kosten der übrigen und des Ganzen zu erwerben hofft. Eine Macht muß die andre unterstützen und wiederum in Schranken halten, und der Papst wird von seinem höhern Standpuncte aus regeln und entscheiden, wenn sich das bloß Weltliche etwa verwirrt. Ihm steht die Bestätigung oder Verwerfung des Königs, ihm steht die Weihe des Kaisers zu, und er wird diese Rechte zu behaupten wissen, welche man ihm mittelbar auf schlaue Weise entziehen möchte.«

Als Kaiser Heinrich diese, gegen seine Vorschläge erhobenen, Schwierigkeiten sah, entband er die Fürsten welche bereits darin gewilligt hatten, von ihrem Eide und hielt es für gerathener, mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln die Wahl seines Sohnes Friedrich zum König durchzusetzen, aber keinem Anspruche zu entsagen und kein neues Recht zu bewilligen. Gewiß wollte er die Größe und Hoheit des deutschen Reiches nicht minder, als die seines Hauses, denn beides war ja für jeden Hellsehenden unzertrennlich: aber ein so geistreicher tiefsinniger Plan, der so unermeßliche Folgen haben mußte und das, was sich sonst in Jahrhunderten allmählich entwickelt, mit einem Male erschaffen wollte, ein solcher Plan bedurfte zu seiner 65 {1195} Vollführung auch der persönlichen Stützen des Vertrauens und der Liebe. Diese hatte der Kaiser verscherzt durch seine Leidenschaften, durch seine Habsucht, durch seine Grausamkeit; und auch er bewies, daß die größten Anlagen ohne einen reinen Charakter nicht im Stande sind, die Welt auf heilsame Weise umzugestalten.

{1196} Die Wahl Friedrichs zum Könige ward indeß von den Brüdern des Kaisers, von allen Fürsten und, nach einigem Widerspruch, auch von dem Erzbischofe Konrad von Mainz genehmigt, beschworen und urkundlich anerkanntAdmont. chr. zu 1196.  Godofr. mon.  Irsperg. chr. Innoc. gesta 5..

Gleichzeitig mit diesem wichtigen Unternehmen betrieb der Kaiser seit seiner Rückkehr aus Italien einen neuen Kreuzzug, welcher, um der Ereignisse im Morgenlande willen, so nothwendig als zeitgemäß erschien. – {1193 bis 1196} Nach dem Tode Saladins wurde dessen Reich nicht allein unter seine Söhne, sondern auch unter Neffen, Oheime, Vettern und mächtige Emire vertheilt: Asdal erhielt Damaskus, Jerusalem und die Seeküste; Aziz, Ägypten; Daher, Aleppo; Adel ihr Oheim Karaka, Schaubeka und die östlichen Gegenden; der kleinern Herrschaften endlich war eine noch größere Zahl. Zu der hieraus nothwendig hervorgehenden Schwächung gesellten sich innere Uneinigkeiten. Nach Saladins Bestimmung sollte Asdal, der älteste unter den Brüdern, die Oberleitung des Ganzen übernehmen; aber sein Wandel war ohne Festigkeit, zügellose Ausschweifungen wechselten mit mönchischen Übungen, und als er mehre der treusten Diener seines Vaters entließ, wandten sich diese nach Ägypten und legten den Grund zum Hasse zwischen ihm und Aziz. Für diesen Augenblick wurden zwar durch die Vermittelung Adels und der übrigen Brüder Gewaltthätigkeiten verhütetAbulf. und Abulfarag zu 1193–1196.  Fundgruben V, 145.: aber die feindlichen Gesinnungen dauerten fort, und Adel umstrickte heimlich schon seine Neffen, 66 {1196} um zuletzt auf ihren Untergang größere Herrschaft zu gründen.

Von diesen Ereignissen konnten aber die morgenländischen Christen ohne abendländische Hülfe keinen Vortheil ziehen: denn dem Grafen Heinrich von Champagne, welcher den Überrest des Königreichs Jerusalem verwaltete, schien seine Lage noch immer so unangenehm und gefährlich, daß er sich nicht krönen ließ, um nicht dadurch eine Verpflichtung lebenslänglicher Vertheidigung zu übernehmen und sich die Rückkehr nach Europa zu verschließenHist. hierosol. 1123..

Desto ernstlicher dachten der Papst, seinem Berufe gemäß, und der Kaiser, im Sinne seines Vaters handelnd, an das Sammeln neuer Heere für das Morgenland. Selbst Kardinäle predigten das Kreuz, und Heinrich VI versprach schon im April 1195 auf einer Versammlung in Bari: er wolle mit nächstem März 1500 Ritter und eben so viel Dienstleute auf ein Jahr nach Palästina senden, sie unterhalten und jedem Ritter, sowie er das Schiff besteige, dreißig Unzen Goldes auszahlen. Dagegen schwuren die Ritter: sie würden den vom Kaiser gesetzten Befehlshabern gehorchen, und im Fall diese während des laufenden Jahres stürben, den ihnen bestellten Nachfolgern Geld und Lebensmittel nach Verhältniß der Zeit überlassen.

Die gleiche Neigung, den Christen in Syrien beizustehen, zeigte sich auf den Reichstagen in Gelnhausen, Worms und MainzErfurt. chron. S. Petrin.  Godofr. mon.  Chron. Udalr. August. Admont. chr.  Numburg. chron.  Staindel 1201.  Arnold. Lub. V, 2.  Oliv. Schol. hist. reg. 1395.  Der Reichstag in Worms, November 1195.  Guil. Neubr. V, 26., und so nahmen das Kreuz die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Bremen, die Bischöfe von Halberstadt, Naumburg, Verden, Regensburg, Würzburg und Prag, die Herzöge von Meran, Brabant, Kärnthen und Österreich, der Pfalzgraf Heinrich, der Landgraf von Thüringen, der Markgraf Otto von Brandenburg, der Graf 67 {1195} Adolf von Holstein, und viele andere Grafen, Edle und Geringere. Der Kaiser selbst mochte eine Zeit lang anstehen, ob er sich nicht an die Spitze des Zuges stellen solle: aber bei der Erinnerung an frühere Unfälle und so viele ihm näher liegende Geschäfte, war ihm die Behauptung vorsichtiger Männer wahrscheinlich sehr willkommen: wenn er Geld, Lebensmittel und Mannschaft nach dem Morgenlande sende, so genüge er vollkommen allen seinen Pflichten; {1196} wogegen es in den jetzigen Zeiten durchaus unrathsam erscheine, daß er selbst das Reich verlasseHemingf. II, 85.. – Nachdem man nun alle vereinzelte Pilgrimschaften untersagt hatte, weil sie die Kräfte der Christen schwächten und die Saracenen bereichertenOtto S. Blas. 40., zog ein Theil der Kreuzfahrer durch Ungern gen Konstantinopel; der andere über die Alpen nach Italien, und erreichte auf apulischen Schiffen am 22sten September 1196 den Hafen von Akkon.

Dadurch wurden die Apulier zwar von der Furcht befreit, der Kreuzzug sey eigentlich gegen sie gerichtet: aber auch ohne ein solches Hülfsheer verfuhr der Kaiser hart und grausam. Nach seinem Befehle wurden, unter Aufsicht des Bischofs von Worms, die Mauern von Kapua und Neapel niedergerissen, und im December dieses Jahrs kam der Kaiser selbst nach der ersten Stadt. Hier ließ er den, auf seiner Flucht von einem Mönch an Diephold verrathenen Grafen Richard von Acerra, den Schwager Tankreds, an den Schweif eines Pferdes binden, durch die Straßen schleifen und bei den Beinen aufhängen. Als er nach zweien Tagen noch lebte, band ihm des Kaisers NarrOb der Narr es aus Mitleiden that, oder um dem Kaiser zu gefallen, der einen schnellern Tod wünschte, oder ob er den Grafen dadurch noch beschimpfen wollte, ist aus den Worten bei Rich. S. Germ. so wenig ganz deutlich, als ob der Narr ihn erwürgte, oder der Graf es selbst that, um sein Leiden zu beendigen. Ärzte zweifeln, daß jemand zwei Tage lang an den Beinen aufgehangen seyn und fortleben könne. 68 {1196} einen schweren Stein an den Hals, daß er sich endlich erwürgte. Richard büßte nicht ohne Ursach, denn er hatte den Grafen von Andria verrätherisch gefangen und umgebrachtOben S. 17.: aber man soll Frevel nicht durch Frevel überbieten und sich dadurch von allem Menschlichen lösen.

{1197} Diephold ward itzt zum Grafen von Acerra ernannt und eine allgemeine Schatzung in Apulien ausgeschrieben; dann begab sich der Kaiser nach Sicilien. Hier hatte Konstanze während seiner Abwesenheit der Regierung vorgestanden, und manches Geschäft ohne Rückfrage abgemacht, manche Urkunde ausgestellt, ohne ihres Gemahls zu erwähnenMongitor bullae 67.. Einerseits mochte Heinrich dies gern geschehen lassen, damit sich der Haß und der Widerspruch nicht allein gegen ihn kehre; auch konnte er keinen natürlichern Stellvertreter finden, als die Erbinn des Reichs: aber auf der andern Seite war es gleich natürlich, daß die hart Behandelten in Konstanzen eine mildere Gesinnung voraussetzten und sie von den strengen Gewaltschritten ihres Gemahls abzuwenden suchten. Freilich wollte sie Kaiserinn seyn und ihr Recht nicht aufgeben: aber sie blieb doch immer die Tante Tankreds, dessen Kinder blieben ihre nächsten Verwandten, ein Krieg gegen diese war ein innerer Familienkrieg, und niemals konnte sie die Ansicht des deutschen Heinrich über die Natur und die Behandlung der Eingebornen ihres Reiches ganz theilen. Daher entstand gewiß Verdacht und Mißhelligkeit zwischen beiden Gatten: allein Heinrich VI war in den letzten Jahren viel zu übermächtig, als daß Konstanze eine offene Empörung hätte wagen können. Außerdem lagen noch viel andere Gegengründe so nahe, daß wir den unerwiesenen BehauptungenSiehe in Murat. ann. 1197 die gründliche Prüfung dieser Nachrichten.  Roger Hov. 772.  Ann. Lub. V, 2.: sie habe je zum Aufstande oder zur Krönung eines Dritten, mit Zurücksetzung der Anrechte ihres Sohnes, die Hand geboten, 69 {1197} ohne Bedenken widersprechen dürfen. Witzlinge sagten freilichSalimbeni 359.: wenn man dem Könige Schach bietet, wird ihn die Königinn nicht vertheidigen; allein Heinrich VI, dem itzt sogar die Afrikaner ängstlich Zins zahlten und große Geschenke sandten, war kein schwacher Spielkönig, und mußte neue Unruhen im Innern um so mehr zu vermeiden suchen, als ihn Ereignisse und Plane mancherlei Art sehr lebhaft beschäftigtenGodofr. mon.  Aquic. auct. zu 1194.  Die Händel mit Zäringen können wir an dieser Stelle nicht umständlicher erzählen..

Zuvörderst war in Deutschland eine große Fehde ausgebrochen. Bertold von Zäringen, welcher, gleich den meisten Gliedern seines Hauses, nicht nach Kriegsglanz und großer Herrschaft trachtete, sondern durch die heitern und preiswürdigen Künste des Friedens seine Unterthanen bessern und beglücken wollte, hatte alle Anmahnungen zum Kreuzzuge, alle bestimmte Aufforderungen zu italienischen Kriegen ruhig an sich vorübergehen lassen. Das sey nicht ungestraft zu dulden, meinte Konrad, des Kaisers Bruder, welcher nach Herzog Friedrichs Tode den großen und schönen Ländern, Franken, Schwaben, Elsaß und dem welfischen Erbe vorstand. Konrad wird gerühmt als sehr tapfer, freigebig und großartig: aber im Gefühle seiner Überlegenheit, ließ er seiner Willkür freien Lauf und hing allen Lüsten nach, anstatt sie mittelst der ihm von Gott gegebenen Kraft zu beherrschen. Das wurde die Ursach seines Verderbens. Siegreich war er schon bis in den Mittelpunkt der zäringischen Länder, bis Durlach gedrungen; da ertappte ihn, laut eines Berichtes, ein Mann bei seiner Frau im Ehebruche und stach ihn nieder. Nach einer andern Erzählung wollte er einer Jungfrau Gewalt anthun, die ihn aber, von höchster Angst bedrängt, so heftig in das linke Auge biß, daß sich daraus eine große schwarze Blase entwickelte, an 70 {1197} welcher er binnen drei Tagen starbDie Nachrichten von seinem Frevel sind zu bestimmt, als daß wir einzelne Erwähnungen eines natürlichen Todes vorziehen könnten.  Conradi cat. imp. 1190.  Admont. chr.  Ursp. chron. Er starb im August 1197 (Weingart. chron.), oder vielleicht schon früher, da Kaiser Heinrich davon noch Nachricht erhielt, Philipp belehnte, und dieser die Nachricht von des Kaisers Tode erst auf der Rückreise aus Deutschland, in Viterbo erhielt.. – Kaiser Heinrich erschrak sehr über den Tod Konrads und verlieh sogleich das Herzogthum Schwaben, damit es nicht in fremde Hände gerathe, seinem Bruder Philipp; welcher auch sogleich nach Deutschland eilte, auf dem Günzenlech bei Augsburg ein prächtiges Beilager mit Irenen hieltWeing. chr. 799.  Otto S. Blas. c. 45., die Großen des Landes über die öffentlichen Angelegenheiten befragte, und von vielen Mannen begleitet wieder aufbrach, um seinen Neffen, den jungen Friedrich, nach Deutschland zur Salbung und Krönung abzuholen.

Mehr noch als diese deutschen und Familienangelegenheiten, beschäftigte den Kaiser der Plan zur Eroberung des griechischen Reiches. Er wollte dadurch für immer festen Fuß in Asien fassen und den Kreuzzügen, welche bei allem Eifer zeither mißlungen waren und mißlingen mußten, erst die wahre Grundlage und Haltung verschaffen; er wollte das jämmerlich abgestorbene, aufgelösete griechische Kaiserthum neu beleben und mit dieser neuen Zeit einer kräftigeren Weltherrschaft, auch die Herstellung einer einigen rechtgläubigen Kirche verbinden. – Und warum soll dieser Plan, so fragten dessen Begünstiger, unausführbar heißen? Wenn die Normannen mit geringeren Kräften, und in Zeiten wo die Herrschaft der Komnenen noch in ihrer Blüthe stand, oft so nahe daran waren ihn zu verwirklichen: wie viel eher muß dies demjenigen möglich seyn, welcher das römisch-deutsche Kaiserthum mit der sicilischen Krone verbindet und selbst von einer mächtigen Partei in Griechenland dazu aufgefordert wird!

71 {1194 bis 1197} Schon früher verlangte nämlich Heinrich VI, daß Kaiser Isaak Angelus den Franken im Morgenlande unverzüglich Hülfe leiste und ihm das Land von Epidamnus bis Thessalonich abtrete, weil die Normannen aus dieser ihrer alten Eroberung nur durch den Betrug der Griechen vertrieben wären. Ehe jedoch Isaak hierüber einen Beschluß faßte, ward er im April 1195 durch seinen Bruder Alexius vom Throne gestürzt und geblendet. Thöricht meinte der neue Kaiser, wenn er sich mit Perlen und Edelsteinen bedeckt und umgeben von der glänzenden Pracht seines Hofes den deutschen Abgeordneten zeigte, so würden diese von Ehrfurcht ergriffen sogleich ihre Forderungen beschränken. Statt dessen erhöhten sie diese und äußerten: »wenn die Griechen nicht alles und jegliches bewilligen, so werden sie ohne Verzug mit Männern kämpfen müssen, die weibischen Schmuck zu erobern verstehen, obgleich sie ihn sonst verachten.« Hierauf gab Alexius nach und schrieb (zur Aufbringung der großen Summen, welche Heinrich verlangte, um sich in dem Maaße zu stärken, wie er die Griechen schwächte) eine sogenannte deutsche Steuer aus, vermöge welcher Vornehme wie Geringe, Geistliche wie Weltliche einen Theil ihres Vermögens einzahlen solltenNicet. Alex. I, 306.. Dieser Steuerplan kam indeß bei der allgemein entstehenden Unzufriedenheit so wenig zur Ausführung als ein zweiter Vorschlag, die entbehrlichen Kirchengefäße wegzunehmen; worauf Alexius die Gräber und Denkmale der früheren Kaiser, welche keinen Fürsprecher und Vertheidiger fanden, ausplünderte und nur dem Grabe Konstantins kein Leid anthat, – weil ihm hier ein Dieb zuvorgekommen war! Durch Mittel so unanständiger Art brachte er eine nicht unbedeutende Summe Geldes zusammen, welche aber Heinrich VI nie erhielt.

Dieser hatte seitdem wiederum einzelne wegen angeblicher Verschwörungen gestraft, und vielleicht erst durch den 72 {1197} Burgvogt von S. Giovanni in SicilienVielleicht ist dieser Burgvogt der Johann, dessen Arnold von Lübeck V, 2 erwähnt. zu einer wirklichen Empörung veranlaßt. Als sich die vom Kaiser hierauf unverzüglich angeordnete Belagerung dieses, von Natur festen, Ortes in die Länge zog, so jagte er bisweilen zur Zeitkürzung in den Wäldern von AugustaAuct. inc. ap. Urstis.. Nach einer solchen am sechsten August in gewaltiger Hitze vorgenommenen Jagd, trank Heinrich schnell kaltes Quellwasser und setzte sich unvorsichtig den Einwirkungen der folgenden kühlen Nacht aus. Hievon erkrankte er so schwer, daß man ihn nach Messina bringen mußte, wo er am 28sten September 1197Über den Todestag und das Todesjahr Heinrichs VI finden sich unzählige Abweichungen; das Angegebene ist unstreitig das Richtige.  Erfurt. chr. S. Petrin.  Baron. ann. zu 1186, c. 17.  Admont. chron.  Sanese chr. 17. Wir ersparen uns manche unnütze Citate. Über die Lösung vom Banne, Roger Hov. 774. in Gegenwart seiner Gemahlinn im zweiunddreißigsten Jahre seines Alters starb. Vor dem Hinscheiden bereute er seine Fehler und Sünden, und wurde, sobald der Papst den über ihn gesprochenen Bann aufgehoben hatte, in Palermo feierlich beigesetzt. Nach fast 600 Jahren eröffnete man sein Grabmal, und der wohl erhaltene Leichnam sah noch immer finster und trotzig ausDaniele 42 . Zugleich ein Beweis, daß er nicht vergiftet wurde, was auch schon Burchard (vita Frid. I, 108) nach glaubwürdigen Zeugnissen leugnet. Die Denkmünze mit den Bildnissen Heinrichs und Konstanzens, ist neu und unächt. Daniele 50..

Viele Deutsche beklagten laut seinen Tod, denn er würde das deutsche Reich bei längerem Leben über alle Reiche erhoben haben; die Apulier und Sicilianer hingegen freuten sich von seiner Tyrannei erlöset zu seyn: alle sahen 73 {1198} einer ungewissen gefährlichen Zukunft entgegen. Ob aber die weltliche oder die geistliche Macht in der nächsten Zeit das Übergewicht bekommen werde, das hing von der neuen Kaiser- und Papst-Wahl ab: denn etwa drei Monate nach Heinrich VI, am achten Januar 1198, starb auch Papst Cölestin III.Innoc. epist. I, 1.  Rigord. 41.  Pagi z. d. J., cap. 1. 74

 


 


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