Titus Livius
Römische Geschichte
Titus Livius

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13. Unterdessen schickte auch der Consul, um nicht in Feindes Lande nur als der Unthätige dazustehen, den Marcus Popillius mit fünftausend Mann zu einem Angriffe auf die Stadt Meliböa. Sie liegt am Fuße des Ossagebirges, wo sich dieses nach Thessalien hinziehet, auf einer Demetrias beherrschenden Höhe. Zuerst setzte die Ankunft der Feinde die Bewohner des Orts in Bestürzung; als sie sich aber von dem überraschenden Schrecken erholten, vertheilten sie sich in den Waffen an die Thore und auf die Mauern, wo sich irgend ein Hinansteigen des Feindes besorgen ließ, und nahmen ihm dadurch sogleich die Hoffnung, im ersten Sturme die Stadt gewinnen zu können. Er schickte sich also zur Einschließung an und begann die Aufführung der Belagerungswerke. Als nun Perseus hörte, daß zu gleicher Zeit, während das Heer des Consuls Meliböa belagere, auch eine Flotte bei Iolcos stehe, um von dort aus einen Angriff auf Demetrias zu thun, so ließ er einen von seinen Heerführern, Euphranor, mit zweitausend Auserlesenen nach Meliböa gehen; zugleich mit dem Befehle, sobald er die Römer vor Meliböa weggeschlagen habe, sich heimlich nach Demetrias hineinzuziehen, ehe die Römer gegen diese Stadt von Iolcos anrücken könnten. Plötzlich zeigte sich dieser auf den Höhen; und die Belagerer von Meliböa gaben in größter Eile ihre Werke auf und steckten sie in Brand. So war ihr Abzug von Meliböa. Euphranor ging, nach dem Entsatze der einen Stadt, sogleich nach Demetrias. Und nun konnte man hier mit Sicherheit hoffen, nicht bloß die Mauer vertheidigen, sondern selbst die Dörfer vor Plünderungen schützen zu können. Es erfolgten Ausfälle auf die zerstreuten Plünderer und die Feinde hatten viele Verwundete. Dennoch ritten der Prätor und der König um die Stadt, ihre Lage in Augenschein zu nehmen, ob sich auf irgend einer Seite 386 durch Werke oder Sturm ein Versuch machen lasse. Es hieß, hier hätten der Cretenser Cydas und Antimachus, der Befehlshaber von Demetrias, über eine Verbindung zwischen dem Eumenes und Perseus Unterhandlungen gepflogen. Wenigstens zog man von Demetrias ab. Eumenes schiffte zum Consul, stattete ihm zu dem gelungenen Einbruche in Macedonien seinen Glückwunsch ab und ging in sein Reich nach Pergamus zurück. Der Prätor Marcius Figulus, der einen Theil seiner Flotte zum Überwintern nach Sciathus schickte, ging mit den übrigen Schiffen nach Oreum auf Euböa, weil ihm die Stadt vorzüglich dazu gelegen schien, den in Macedonien und Thessalien stehenden Heeren von hieraus Zufuhr zu senden. Über den König Eumenes weichen die Berichte sehr von einander ab. Will man dem Valerius von Antium glauben, so findet man bei ihm, der König habe weder den Prätor mit einer Flotte unterstützt, so oft ihn auch dieser schriftlich zu sich entboten habe, noch sei er in Gutem vom Consul bei seiner Abreise nach Asien geschieden; denn es habe ihn verdrossen, daß ihm die Römer nicht gestatteten, mit ihnen in einerlei Lager zu stehen. Man habe ihn nicht einmal bewegen können, seine mitgebrachte Gallische Reuterei zurückzulassen. Dagegen soll sein Bruder Attalus bei dem Consul geblieben, seine ungeheuchelte Ergebenheit sich immer gleich und seine Dienste in diesem Kriege ausgezeichnet gewesen sein.

14. Während in Macedonien Krieg geführt wurde, kamen Transalpinische Gesandte nach Rom, von einem Fürsten der Gallier, – er wird unter dem Namen Balanos angeführt, das Volk aber, zu dem er gehört haben soll, nicht angegeben – – und versprachen Hülfstruppen zum Macedonischen Kriege. Der Senat ließ ihm Dank sagen und schickte ihm Geschenke, eine goldene Halskette von zwei620 Gulden Conv. M. Pfund, an goldnen Opferschalen vier1240 Gulden. Pfund, ein Pferd mit Brust- und Stirnschilden und eine 387 Ritterrüstung. Gleich nach den Galliern überreichten die Pamphylischen Gesandten im Rathhause einen goldenen Kranz, aus zwanzig tausend Goldphilippen125,000 Gulden. Die Größe dieser Summe erklärt uns Crevier so: Corona illa dicanda erat Iovi et stabili sede in Capitolio collocanda. gefertigt; und die Bitte, dies Geschenk im Allerheiligsten des allmächtigen Jupiter niederlegen und auf dem Capitole ein Opfer bringen zu dürfen, wurde ihnen bewilligt. Auf ihr Gesuch um Erneurung der Freundschaft bekamen diese Gesandten eine sehr gefällige Antwort, und man ließ Jedem ein Geschenk von zweitausend62 Gulden. Kupferassen zustellen. Nun erhielten die Gesandten vom Könige Prusias und gleich nachher auch die von den Rhodiern, die über einerlei Gegenstand sich sehr verschieden äußerten, im Senate Gehör. Die Vorträge Beider handelten von Wiederherstellung des Friedens mit dem Könige Perseus. Prusias ließ mehr in bittendem, als in forderndem Tone, versichern, «So wie er es bis dahin mit den Römern gehalten habe, so werde er auch, so lange der Krieg daure, auf ihrer Seite sein. Da sich indeß vom Perseus, wegen Beendigung des Krieges mit den Römern, Gesandte bei ihm eingefunden hättenet iis pollicitum]. – Wegen dieses et will Gronov auch nachher lesen: et petere, si possent u. s. w. Man sehe seine Anmerkung bei Drakenb. Ich vermuthe, jenes erste et sei aus ee, d. i. esse, entstanden. Und ich verstehe die Stelle so: Ceterum quum ad se a Perseo legati venissent de finiendo cum Romanis bello, [se] esse iis pollicitum, deprecatorem apud senatum futurum: petere, (si possent inducere in animum) ut finiant iram. Se quoque in gratia reconciliatae pacis [senatum] posse uti., so habe er ihnen versprochen, bei dem Senate eine Fürbitte einzulegen. Er bitte die Väter – wenn sie sich anders dazu verstehen könnten – ihren Zorn aufzugeben. Auch könnten sie bei dem zu verdienenden Danke, den Frieden wieder eingeleitet zu haben, von ihm Gebrauch machen.» So sprachen die Gesandten des Königs. Die Rhodier hingegen, die mit Übermuth ihre Verdienste um das Römische Volk erwähnten, und beinahe den Sieg, vorzüglich den über den König Antiochus, sich größtentheils selbst zuschrieben, fügten hinzu: «Ihre Freundschaft 388 mit dem Könige Perseus habe zu einer Zeit ihren Anfang genommen, als zwischen Macedonien und Rom Friede gewesen sei. Ungern hätten sie diese, da Perseus nichts um sie verschuldet habe, unterbrochen, bloß weil es den Römern so gefallen habe, sie zur Theilnahme an diesem Kriege zu nöthigen. Jetzt empfänden sie schon ins dritte Jahr die vielfachen Übel dieses Krieges. Bei der Sperrung zur See leide ihre Insel Mangel, weil sie mit den Einkünften von der See auch die Zufuhr verliere. Da sie dies nicht länger hätten aushalten können, hätten sie andre Gesandte an den Perseus nach Macedonien abgehen lassen, ihm anzudeuten, es sei der Wille der Rhodier, daß er mit den Römern Frieden mache. Sie selbst wären mit derselben Erklärung nach Rom gesandt. Wer von beiden Theilen Schuld daran sei, daß der Krieg nicht beendigt werde, gegen den würden die Rhodier ihre Maßregeln zu nehmen wissen.» Ich bin überzeugt, daß man dies auch noch jetzt nicht ohne Unwillen lesen oder hören kann: es läßt sich also auf die Empfindungen der Väter schließen, als sie so etwas anzuhören hatten.

15. Claudius sagt, man habe ihnen gar keine Antwort gegeben; nur sei ihnen der Senatsschluß vorgelesen, durch welchen das Römische Volk die Carier und Lycier für unabhängig erklärte, undliterasque extemplo ad utramque gentem * scirent]. – Durch das Sternchen hat man hier eine Lücke andeuten wollen, die ich nicht finden kann. Auch kommen mir die hier vorgeschlagenen Abänderungen ganz unnöthig vor. Aus den Worten senatus consultum recitatum, quo – und aus que hinter literas erkläre ich mir die Stelle so: et quo (scil. recitato), Rhodii scirent, literas ad utramque gentem mitti, indicatum utrique hanc Romanorum voluntatem. Das Wort Rhodii hatte Livius nicht nöthig, weil schon vorher nihil responsum sich auf Rhodiis bezog, und auch gleich nachher principem legationis ein Rhodiorum voraussetzt. Über Carien und Lycien in Beziehung auf die Rhodier vergl. man nach Dukers Angabe 37, 55. 56. 38, 39. 41, 6. 25. 42, 14. 45, 22. woraus sie ersehen mußten, daß man sogleich Schreiben an beide Völker mit dieser Anzeige abgehen ließ. Als der Erste der Gesandschaft, für dessen hohen Ton so eben noch das Rathhaus fast zu klein wurde, dieses hörte, soll er zusammengesunken sein. Nach Andern wurde ihnen folgende Antwort gegeben: 389 «Das Römische Volk habe theils beim Ausbruche dieses Krieges aus zuverlässigen Quellen erfahren, daß sich die Rhodier mit dem Könige Perseus gegen den Römischen Stat auf geheime Plane eingelassen hätten; theils habe dies so eben, wenn es vorher noch zweifelhaft gewesen wäre, die Sprache der Gesandten zur Gewißheit gebracht; und gewöhnlich verrathe sich eine Unredlichkeit, wenn sie auch anfangs auf ihrer Hut sei, am Ende selbst. Die Rhodier dächten durch eine bloße Ankündigung, in der ganzen Welt über Krieg und Frieden die Schiedsrichter zu machen: nach ihremeorum nutu]. – Ich folge Perizon., Drak., Crev. Winke sollten die Römer zu den Waffen greifen und sie wieder niederlegen; sollten künftig nicht mehr in den Göttern, sondern in den Rhodiern, die Zeugen der Bündnisse sehen. Also im ErnsteItane tandem iis pareatur etc.]. – Ich interpungire mit Drakenborchs Beistimmung nach Crevier: Itane tandem? ni iis pareatur, exercitusque de Macedonia deportentur, visuros esse, quid sibi faciendum sit? so daß sich die ironische Frage auf die Worte bezieht, womit der Rhodische Gesandte seine Rede geschlossen hatte. Doch möchte ich iis nicht gern, wie Crev. thut, in ni verwandeln, theils weil es einmal als alte Lesart dasteht, theils weil ich dies iis wegen des voraufgegangenen eorum nutu für geflissentlich wiederholt halte. Auch ist es nicht nöthig, dem ni zu gefallen dies iis sinken zu lassen, da dies ni, auch wenn wir iis beibehalten, aus dem m in tande m sich wieder herstellen läßt. Wie oft haben wir schon gesehen, daß, eines voraufgegangenen m wegen, ein folgendes in ausfiel. Eben so leicht ni.? wenn man ihnen nicht Folge leiste, nicht die Heere aus Macedonien abführe, so wollten sie darauf denken, was sie zu thun hätten? – Worauf die Rhodier zu denken hätten, müßten sie selbst wissen. Die Römer würden ihrerseits nach Besiegung des Perseus, welche hoffentlich nächstens erfolgen werde, dahin sehen, jedem State, so wie er es in diesem Kriege um sie verdienen werde, nach Gebühr zu vergelten.» Doch ließ man jedem Gesandten zweitausend Kupferass als Geschenk zustellen, welches sie aber nicht annahmen.

16. Nun wurde das Schreiben des Consuls Quintus Marcius vorgelesen, worin er berichtete, «Wie er mit Übersteigung des Waldgebirgs in Macedonien eingedrungen sei. Hier sei er theils im Besitze der Vorräthe, mit denen ihn der Prätor aus andern Gegenden auf den 390 Winter versorgt habe, theils habe er sich von den Epiroten zwanzig tausend Maß Weizen und zehntausend Maß Gerste unter der Bedingung geben lassen, daß die Bezahlung dieses Getreides zu Rom an ihre Gesandten besorgt werde. Kleidungsstücke müßten seinen Truppen von Rom aus geschickt werden. Er habe gegen zweihundert Pferde nöthig, hauptsächlich Numidische; denn in jenen Gegenden könne er durchaus keine bekommen.» Es wurde ein Senatsschluß abgefaßt, daß dies Alles der Anzeige des Consuls gemäß ausgerichtet werden solle. Der Prätor Cajus Sulpicius schloß einen Pachtvertrag, sechstausend Oberkleider, dreißigtausend Unterröcke und die Pferde nach Macedonien zu liefern und nach des Consuls Verfügung sie abzugeben; ließ den Gesandten der Epiroten das Geld für das Getreide auszahlen, und stellte den Onesimus, des Pytho Sohn, einen vornehmen Macedonier, dem Senate vor. Dieser hatte dem Könige beständig den Frieden empfohlen, und ihm gerathen, so wie sichs sein Vater Philipp bis an den letzten Tag seines Lebens zum Geschäfte machte, den Friedensvertrag mit den Römern täglich zweimal durchzulesen, von dieser Weise, wo nicht immer, doch zum öfteren, Gebrauch zu machen. Als er ihn vom Kriege nicht abschrecken konnte, zog er sich anfangs, bald unter diesem, bald unter jenem Vorwande zurück, um bei dem, was er nicht billigen konnte, nicht zugegen zu sein: zuletzt, als er sah, daß man ihn verdächtig fand und ihm mitunter die Beschuldigung einer Verrätherei aufbürdete, ging er zu den Römern über, und war dem Consul von großem Nutzen. Als er dies bei seiner Aufstellung im Rathhause anführte, verordnete der Senat, ihn förmlich unter Roms Bundesgenossen aufzunehmen, ihm einen Ehrenplatz und freie Bewirthung zu geben, an Tarentinischer, dem Römischen State eigner, Länderei, zweihundert Morgen anzuweisen und zu Tarent ein Haus 391 zu kaufen. Die Besorgung wurde dem Prätor Cajus Decimius aufgetragen. Am dreizehnten December hielten die Censorn die Schatzungsmusterung, und zwar mit größerer Strenge als sonst. Vielen nahmen sie das Ritterpferd, unter Andern auch dem Publius Rutilius, der sie als Bürgertribun so hart verklagt hatte. Sie stießen ihn auch aus seinem Bezirke und machten ihn zum Steuersassen. Da ihnen von den Schatzmeistern vermöge eines Senatsschlusses die Hälfte der diesjährigen Zollgefälle zu öffentlichen Anlagen angewiesen wurde, so kaufte Tiberius Sempronius von der ihm angewiesenen Summe das Haus des Publius Africanus, neben den alten Krambuden bei der Bildsäule des Vortumnus, mit den daranstoßenden Fleischbanken und Kramgewölben für den Stat an und ließ das Statsgebäude aufführen, welches nachher Basilica Sempronia hieß.

17. Schon war das Jahr im Ausgange, und hauptsächlich aus Rücksicht auf den Macedonischen Krieg machten die Bürger die Frage zum Gegenstande ihrer Gespräche, was für Consuln sie auf das nächste Jahr wählen müßten, um endlich mit diesem Kriege fertig zu werden. Also erließ der Senat den Beschluß, Cneus Servilius solle sich so bald als möglich zur Haltung der Wahlversammlung einfinden. Nachdem der Prätor Sulpicius diesen Beschluß dem Consulad consulem etc.] – Ich habe die kleinen Lücken in Drakenborchs Sinne so auszufüllen gesucht, daß man die wahrscheinliche Veranlassung dieser Auslassungen sehen kann. Senatus consultum Stilpicius praetor ad consulem quum misisset, patribus literas, receptas a consule post paucos dies, recitavit, quibus in ante diem * * * * * comitia edicebat, seque eum ante diem in urbem venturum. Die Ähnlichkeit der Worte ad consulem mit a consule, und die der Worte in ante diem mit eum ante diem ließ auch hier, wie an unzähligen Stellen, den Abschreiber fehlgehen. [zugeschickt hatte], las er die wenige Tage nachher [vom Consul erhaltene Antwort den Vätern] vor, worin jener die Haltung der Wahltage auf den * * * * [bestimmte, und, daß er selbst] vor jenem Tage in Rom eintreffen werde. Der Consul selbst kam früh genug und auf den bestimmten Tag ging auch die Wahl vor sich. Zu den Consuln wurden gewählt Lucius Ämilius Paullus zum zweitenmale, im vierzehntenseptimo decimo]. – Nach Sigon., Crev. und Drak. las der Abschreiber statt XIIII. unrichtig XVII. Jahre nach seinem ersten Consulate, und Cajus Licinius Crassus. Die am folgenden Tage ernannten Prätoren waren Cneus Bäbius Tamphilus, Lucius Anicius Gallus, Cneus Octavius, Publius Fontejus Balbus, Marcus Äbutius Elva, Cajus Papirius Carbo. Der Gedanke an den Macedonischen Krieg spornte den Senat, Alles so viel mehr zu beschleunigen. Also wurde beschlossen: «Die bestimmten Consuln sollten sogleich um ihre Standplätze losen, damit man wisse, wem von beiden Consuln Macedonien, und welchem Prätor die Flotte zugefallen sei, so daß diese gleich jetzt die künftigen Erfordernisse zum Kriege überdenken und sie anschaffen, auch auf den Fall einer nöthigen Anfrage beim Senate, diese zum Vortrage bringen könnten. Wenn sie ihr Amt angetreten hätten, sollten sie die Feier des Latinerfestes, so viel sich ohne Anstoß gegen die heiligen Gebräuche thun lasse, möglichst beschleunigen; und der Consul, der nach Macedonien gehen müsse, solle sich durch nichts aufhalten lassen.» Nach diesen Beschlüssen wurden den Consuln Italien und Macedonien, den Prätorn, außer der zwiefachen Gerichtspflege in der Stadt, die Flotte, Spanien, Sicilien, Sardinien, zu ihren Standplätzen bestimmt. Von den consularischen Plätzen fiel Macedonien dem Ämilius zu, Italien dem Licinius. Von den Prätoren wies das Los dem Cneus Bäbius die städtische Gerichtspflege an, dem Lucius Anicius die über die Fremden und noch eine vom Senate zu bestimmende Anstellung; dem Cneus Octavius die Flotte, dem Publius Fontejus Spanien, dem Marcus Äbutius Sicilien, dem Cajus Papirius Sardinien.

18. Sogleich fiel es jedermann auf, daß Lucius Ämilius diesen Krieg nicht schläfrig führen werde; außerdem, daß er ein ganz andrer Mann war, auch darum, weil er, Tag und Nacht aufmerksam, seinen Geist allein mit dem beschäftigte, was zum Kriege gehörte. Gleich zuerst ersuchte er den Senat, Abgeordnete nach Macedonien 393 gehen zu lassen, um die Heere und die Flotte zu untersuchen, und darüber zu berichten, was nach ihren Wahrnehmungen die Truppen zu Lande oder zur See nöthig hätten; außerdem möchten sie sich, so viel möglich, über die Truppen des Königs in Kenntniß setzen; ferner, wo die Römer ihren Standplatz haben würden, wo der Feind den seinen; ob die Römer ihr Lager noch in dem Waldgebirge hätten, oder ob sie schon über die sämtlichen Engpässe hinaus und in ebenere Gegenden gekommen wären; welche Bundesgenossen uns wirklich treu, welche zweifelhaft und mit ihrer Treue vom Glücke abhängig, und welche offenbar Feinde zu sein schienen; wie groß die angeschafften Vorräthe wären; aus welcher Gegend sie zu Lande zugeführt würden, woher zur See; was man in diesem Sommer zu Lande und zu Wasser ausgerichtet habe: denn seiner Meinung nach könne man für die Zukunft nur nach gründlicher Belehrung über diese Punkte zu bestimmten Maßregeln schreiten. Der Senat gab dem Consul Cneus Servilius den Auftrag, die vom Lucius Ämilius zu bestimmenden Abgeordneten für Macedonien zu bevollmächtigen. Schon nach zwei Tagen gingen Cneus Domitius Ahenobarbus, Aulus Licinius Nerva, Lucius Bäbius mit der Vollmacht ab. Zu Ausgange des Jahrs lief die Meldung ein, es sei zweimal ein Steinhagel gefallen, nämlich auf Römischem, und zugleich auf Vegentischem Boden. Die neuntägige Andacht wurde gehalten. In diesem Jahre starben die Priester, Publius Quinctius Varus, der Eigenpriester des Mars, und Marcus Claudius Marcellus, einer von den Zehnherrenin cuius locum]. – Nämlich des Decemvirs. Die Wiederbesetzung der Stelle des flamen Martialis giebt Livius hier nicht an, weil sie erst nach einem Jahre erfolgte. B. 45. C. 15. am Ende., an dessen Stelle Cneus Octavius gewählt wurde. Auch findet sich, weil damals der Prachtaufwand schon im Steigen war, angemerkt, daß auf den Spielen in der Kampfbahn, welche Publius Cornelius Scipio Nasica und Publius Lentulus, die Curulädilen, gaben, dreiundsechzig Pantherthiere, vierzig Bären und * * Elephanten das Kampfspiel machten.

394 19. Als zu Anfange des folgenden Jahres, in welchem Lucius Ämilius Paullus und Cajus Licinius Consuln waren, die Väter am funfzehnten März in Erwartung standen, was der Consul, welchem Macedonien als Standort zugefallen war, darüber zum Vortrage bringen werde, so sagte Paullus, «Er habe darüber nichts vorzutragen, weil die Gesandten noch nicht zurückgekommen wären. Doch befänden sie sich schon zu Brundusium, nachdem sie auf ihrer Heimfahrt zweimal nach Dyrrhachium zurück verschlagen wären. Sobald er nächstens über das belehrt sei, was er vorher zu wissen nöthig habe, wolle er einen Antrag thun. In wenig Tagen werde es so weit kommen. Damit auch seine Abreise durch nichts [bis zum zwölften April] verzögert werden könnepridie idus Apriles]. – Die Kritiker bemerken, daß entweder hier das Wort idus in calendas, oder Cap. 22. das Wort calendas in idus abgeändert werden müsse. Als ein Auskunftsmittel, an beiden Stellen für die ferias Latinas die Lesart pridie calendas Apriles zu behalten, und doch die idus Apriles nicht ganz wegzustreichen, nehme ich an, Paullus habe gesagt: Et, ne quid profectionem suam teneret ad pridie idus Apriles, pridie calendas Apriles Latinis esse constitutam diem. Dann ergäbe sich, was den Abschreiber irre führte, und der Zusammenhang ließe sich rechtfertigen. Paullus weiß, daß das Latinerfest (diesmal vom 31sten März bis zum dritten April) die ersten Tage des Aprils wegnehmen wird; er kann auch nicht wissen, was ihm in den darauf folgenden nächsten Tagen noch vielleicht der Senat selbst zu thun giebt. Er verspricht also noch vor dem 12ten, als dem spätesten Termine, seine Abreise, und erbietet sich, simul senatus censuisset, noch früher, gleich nach dem Opfer, aufzubrechen., so habe man zum Latinerfeste den einunddreißigsten März angesetzt. Nach gehöriger Ausrichtung des Opfers wolle er und Cneus Octavius, sobald es der Senat bestimme, ausziehen. Sein Amtsgenoß Cajus Licinius werde in seiner Abwesenheit dafür sorgen, daß man Alles, was etwa zu diesem Kriege anzuschaffen und abzusenden sei, anschaffe und absende. Indessen könnten die Gesandschaften der auswärtigen Volker abgehört werden.» DieSacrificio rite perfecto, primi Alexandrini]. – Fünf Zeilen vorher sind die Worte Sacrificio rite perfecto schon dagewesen. Dort bezogen sie sich auf das Opfer an den feriis Latinis, in monte Albano. Dies kann hier nicht gemeint sein, weil Paullus nicht am 15ten März ein Opfer bringen kann, zu dem er selbst so eben den 31sten März als festgesetzt genannt hat. Das sollenne sacrum, quod consules faciunt, antequam de re p. referunt, kann hier auch nicht gemeint sein, denn der Consul, ob er gleich sagt, nihil se habere, quod referret, ist doch schon in referendo begriffen; das Opfer muß schon vorangegangen sein, ehe er als referens vorschlägt, die fremden Gesandten vorzulassen. Daß wir an das Opfer vom Quinquatrusfeste denken sollen, kann Livius auch nicht von uns erwarten, da er dieses Festes erst nach der Abreise der Alexandriner Gesandten im folgenden Cap. erwähnt. Auch ist es nicht wahrscheinlich, daß Paullus, da er hier am 15ten März vor dem Senate spricht, und das Quinquatrusfest erst am 19ten einfiel, bei seinem Drange, nach Macedonien zu kommen, vier Tage ungenutzt gelassen und dann noch das Opfer an den Quinquatrien abgewartet haben sollte, ehe er die fremden Gesandten dem Senate vorstellte. Ich lasse also hier die Worte Sacrificio rite perfecto mit Creviers Zustimmung wegfallen. Er sagt: Nihil iis hoc loco opus est. Vix dubium videtur esse, ex prioribus huc immigravisse. zuerst 395 Hereingerufenen waren die Alexandriner, gesandt von dem königlichen Ehepare, Ptolemäus und Cleopatra. In Trauerkleidern, mit langgewachsenem Barte und Hare, und Ölzweige in den Händen traten sie in den Rathssal, sanken auf die Kniee nieder, und ihr Vortrag war noch kläglicher, als ihr Aufzug. Antiochus, Syriens König, der zu Rom Geisel gewesen war, und jetzt unter dem ehrenvollen Scheine, den ältern Ptolemäusmaioris Ptolemaei reducendi]. – Ptolemäus V. Epiphanes hatte zwei Söhne hinterlassen, den Ptolemäus VI. Philometor und den Ptolemäus VII. Physkon. Der jüngere Bruder nahm dem älteren die Gemahlinn (und Schwester) Cleopatra und zugleich das Königreich. Den älteren will Antiochus Epiphanes wieder einsetzen und bedrohet Alexandrien. Die Gesandschaft kam also von den beiden Bedrängten, dem Physkon und der Cleopatra. wieder in sein Reich einzusetzen, mit dessen jüngerem Bruder, dem damaligen Besitzer von Alexandrien, Krieg führte, hatte nicht nur bei Pelusium mit der Flotte gesiegt, sondern war auch vermittelst einer Nothbrücke mit seinem Heere über den Nil gegangen, und bedrohete Alexandrien selbst mit einer Belagerung; ja es hatte den Anschein, als ob er bald von diesem so mächtigen Reiche Herr sein werde. Dies klagten die Gesandten dem Senate und baten ihn, ihrem Reiche und ihrem Königspare als Freunden des Römischen Stats zu helfen. «Das Römische Volk habe um den Antiochus so große Verdienste, und stehe bei allen Königen und Nationen in so hohem Ansehen, daß er gewiß, wenn sie nur Gesandte hinschickten und ihm sagen ließen, der Senat sei mit diesem Kriege gegen seine königlichen Verbündeten unzufrieden, sogleich von 396 Alexandriens Mauern abziehen und sein Heer nach Syrien zurückführen werde. Nähmen sie Anstand dies zu thun, so würden nächstens Ptolemäus und Cleopatra, als Flüchtlinge aus ihrem Reiche, in Rom erscheinen, nicht ohne Beschämung für das Römische Volk, welches sie, als ihr Alles auf dem Spiele stand, ohne Hülfe gelassen habe.» Gerührt durch die Bitten der Alexandriner ließen die Väter sogleich den Cajus Popillius Länas, den Cajus Decimius und Cajus Hostilius als Gesandte abgehen, um den Krieg zwischen den Königen beizulegen. Sie wurden angewiesen, zuerst zum Antiochus und dann zum Ptolemäus zu gehen und ihnen anzukündigen, wenn sie nicht vom Kriege abständen, so würden die Römer den, der von ihnen Beiden daran schuld sei, weder für ihren Freund, noch für ihren Bundesgenossen erkennen.

20. Als sie noch vor Ablauf von drei Tagen zugleich mit den Alexandrinischen Gesandten abgereiset waren, trafen am letzten Tage des Quinquatrusfestes die Gesandten aus Macedonien unter so sehnlicher Erwartung ein, daß die Consuln, wäre es nicht schon Abend gewesen, sogleich den Senat würden berufen haben. Am folgenden Tage war Senatssitzung, und die Gesandten wurden vernommen. Sie meldeten: «Mehr mit Gefahr als Nutzen sei das Heer über unwegsame Waldgebirge in Macedonien eingeführt. Pierien, wohin es vorgedrungen sei, habe der König besetzt. Lager an Lager ständen Beide sich fast so nahe, daß sie nur der zwischen ihnen fließende Strom Enipeus von einander abhalte; und der König biete kein Treffen an, und unser Heer sei nicht stark genug, ihn dazu zu zwingen. Mitten in den Unternehmungen sei der harte Winter dazugekommen: der Soldat werde, ohne etwas dafür zu thun, gefüttert, und man habe nicht mehr, als sechs * * * * Getreide. Die Macedonier sollten dreißig tausend Mann stark sein. Hätte Appius ein hinlängliches Heer bei Lychnidus, so hätte man durch Angriff auf zwei Seiten die Macht des Königs theilen können; so aber sei Appius selbst mit seinem Kohre in größter Gefahr, wenn nicht eiligst entweder 397 ein ordentliches Heer dorthin gesandt, oder jene von dort abgeführt würden. Aus dem Lager wären sie zur Flotte hingereiset und hätten gehört, daß ein Theil der Seetruppen an Krankheiten gestorben sei; ein andrer Theil, hauptsächlich Sicilianer, sei nach seiner Heimat abgegangen, und es fehle auf den Schiffen an Menschen. Und die man habe, hätten keinen Sold erhalten und wären ohne Kleider. Eumenes sei mit seiner Flotte, als hätten ihn die Winde mit den Schiffen herbeigewehet, ohne Ursache gekommen und gegangen; auch scheine dieser König in seiner Zuneigung nicht ganz fest zu sein.» So wie sie das ganze Verhältniß zum Eumenes als unzuverlässig darstellten, so meldeten sie vom Attalus eine musterhafte Beharrlichkeit in seiner Treue.

21. Als die Gesandten abgehört waren, da endlich erklärte Lucius Ämilius, nun bringe er die Angelegenheiten des Krieges zum Vortrage. Der Senat verordnete: «Die Ernennung der Obersten für acht Legionen solle zwischen den Consuln und dem Volke zu gleichen Theilen gehen; es solle aber für dies Jahr niemand dazu gewählt werden, der nicht schon ein Ehrenamt bekleidet habe. Dann könne sich unter den sämtlichen Obersten Lucius Ämilius die ihm anständigen zu den zwei Legionen für Macedonien aussuchen, und nach Beendigung der Latinischen Jahresfeier sollten der Consul Lucius Ämilius und der Prätor Cneus Octavius, dem die Flotte zugefallen sei, auf ihre Standplätze abgehen.» Außer ihnen erhielt noch ein Dritter eine Bestimmung, der Prätor Lucius Anicius, der die Rechtspflege über die Fremden hatte. Man fand für gut, ihn dem Appius Claudius auf seinem Posten bei Lychnidus in Illyricum zum Nachfolger zu geben. Die Sorge für die Werbung wurde dem Consul Cajus Licinius aufgetragen. Er erhielt Befehl, siebentausend Römische Bürger und zweihundert Ritter auszuheben, sich von den verbündeten Latinern siebentausend Mann zu Fuß und vierhundert Ritter stellen zu lassen, und dem Cneus Servilius, der seinen Posten in Gallien hatte, zu schreiben, daß er sechshundert Reuter anwerben möge. 398 Dies Heer sollte er dann je eher je lieber nach Macedonien an seinen Amtsgenossen abgehen lassen. Dort sollten auf dem Kriegsplatze nicht mehr als zwei Legionen stehen, und diese so ergänzt werden, daß jede aus sechstausend Mann zu Fuß und dreihundert Rittern bestehe. Die Übrigen, Ritter sowohl als Fußvolk, sollten in die Besatzungen vertheilt, und die nicht mehr zum Dienste Tauglichen verabschiedet werden. Außerdem mußten die Bundesgenossen zehntausend Mann zu Fuß und achthundert Ritter stellen. Diese Truppen wurden dem Anicius noch außer den zwei Legionen gegeben, welche er nach Illyricumin Macedoniam]. – Nach Macedonien gehen Paullus und Octavius; Anicius aber nach Illyricum. Ich lese also statt in Macedoniam mit Crevier in Illyricum. mitnehmen sollte, und welche jede fünftausend zweihundert Mann zu Fuß und dreihundert Ritter haben sollten. Auch für die Flotte wurden fünftausend Seeleute ausgehoben. Der Consul Licinius sollte für seinen Standplatz zwei Legionen haben, und diese mit zehntausend Mann Fußvolk und sechshundert Rittern von den Bundesgenossen verstärken.

22. Als die Senatsbeschlüsse abgefaßt waren, trat der Consul Lucius Ämilius, so wie er vom Rathhause kam, in der Volksversammlung auf und hielt folgende Rede. «Ich glaube bemerkt zu haben, ihr Quiriten, daß die Zahl derer, die mir dazu Glück wünschten, Macedonien zu meinem Standorte bekommen zu haben, größer war, als damals, wie man mich als neugewählten Consul begrüßte, oder auch am Antrittstage meines Amts: und dies aus keiner andern Ursache, als weil ihr glaubtet, dem Macedonischen Kriege, der so langsam geht, vielleicht durch mich einen der Hoheit des Römischen Volks würdigen Ausgang zu geben. Ich hoffe, meine Ziehung des Loses soll auch den Göttern gefällig gewesen sein, und ihr Segen mich in meinen Unternehmungen begleiten. Dies kann ich mir theils aus den Vorbedeutungenpartim o pinari]. – Nach Crevier richtiger: o minari., theils nach eigner Erwartung versprechen. Wenigstens fehlt 399 es mir für die Zusage, mich aus allen Kräften zu bestreben, daß ihr diese Hoffnung von mir nicht umsonst gefaßt haben sollt, so wenig an Gewißheit als an Muth. Die Bedürfnisse des Krieges hat nicht nur der Senat bewilligt, sondern mein Amtsgenoß – denn ich selbst soll sogleich aufbrechen; und ich bin auch nicht dagegen – Cajus Licinius, ein so vortrefflicher Mann, wird sie auch eben so angelegentlich besorgen, als hätte er selbst diesen Krieg zu führen. So glaubt denn künftig meinen Berichten an den Senat, oder an euch selbst; gebt aber nicht durch eigene Leichtgläubigkeit Gerüchten Nahrung, zu denen sich kein Aussager findet. Denn jetzt ist kein Feldherr – – und dies habe ich als etwas Gewöhnliches, vorzüglich aber in diesem Kriege, wahrgenommen – – gegen Gerüchte so gleichgültig, daß sie ihm nicht den Muth nehmen sollten. In jedem Zirkel, und, wenn es Gottes Wille ist, bei jedem Gastgebote, giebt es Leute, welche sichs zutrauen, Heere nach Macedonien zu führen, die da wissen, wo man sich zu lagern habe, welche Gegenden man besetzen müsse, wann und durch welchen Waldpaß man in Macedonien eindringen, wo man die Vorräthe aufschütten, auf welchem Wege man die Zufuhr zu Lande und zu Wasser kommen lassen, wann mit dem Feinde schlagen, wann sich ruhig verhalten müsse. Und sie bestimmen nicht allein, wie dies und jenes besser zu machen sei, sondern sobald es der Consul anders macht, als nach ihrem Ermessen, so sind sie seine Ankläger, als ständen sie mit ihm zu Gerichte. Dies lähmt den Mann, der sich an eine Unternehmung wagt: denn nicht Alle sind gegen ungünstiges Gerede so fest und standhaft, als Fabius war, der sich lieber dazu verstand, seinen Oberbefehl von der Thorheit des Volks beschränken zu lassen, als unter günstiger Nachrede seine Sache schlecht zu machen. Ich bin nicht der Meinung, daß man einem Feldherrn gar keine Erinnerungen machen dürfe; im Gegentheile sehe ich in dem, der Alles nach eignem Gutdünken ausrichten will, eher den Übermüthigen, als den Weisen. Worauf kommt es also an? Einmal, die den 400 Feldherren zu machenden Erinnerungen müssen von einsichtsvollen Männern kommen, die recht eigentlich mit dem Kriegswesen bekannt und durch Erfahrung belehrt sind; zum Andern, von solchen, die bei den Unternehmungen zugegen sind, die den Ortqui intersunt gerendis, qui loca, qui hostem]. – So ergänzt Drakenb. diese kleine Lücke., den Feind, den günstigen Zeitpunkt, vor Augen haben, und gleichsam auf demselben Schiffe Theilnehmer der Gefahr sind. Ist also jemand, der sichs zutrauen kann, über den Krieg, den ich zu führen haben werde, mir einen Rath zu geben, der dem State heilsam wäre, der versage doch ja dem State seine Dienste nicht und begleite mich nach Macedonien. Sein Schiff, sein Pferd, ein Zelt, ja die Zehrung will ich ihm reichen lassen. Wem aber dies zu unbequem ist, wer die Ruhe der Stadt den Beschwerlichkeiten des Felddienstes vorzieht, der muß nicht vom Lande aus Steuermann sein wollen. Die Stadt giebt sich selbst Gespräche genug zum Besten: sie beschränke also ihre Geschwätzigkeit auf sich selbst, und lasse sichs gesagt sein, daß auch wir mit unsern Berathungen im Lager uns begnügen wollen.» Nach dieser Rede brachen, sobald am Latinerfeste, welches am einunddreißigsten März gefeiert wurde, das Opfer auf dem Albanerberge gehörig ausgerichtet war, sowohl der Consul, als der Prätor Cneus Octavius, sogleich nach Macedonien auf. Es ist als denkwürdig angemerkt, daß den Consul diesmal eine weit zahlreichere Menge, als gewöhnlich, vor das Thor begleitete, und daß man, mit einer Art von Gewißheit ahnend, sich versprach, das Ende des Macedonischen Krieges sei gekommen und bald werde in einem herrlichen Triumphe die Rückkehr des Consuls erfolgen.

23. Während dies in Italien vorging, überzeugte sich Perseus, daß er die Benutzung eines Mittels, zu dem er, ob er gleich die Einleitung gemacht hatte, sich doch noch nicht hatte verstehen können, weil er dann Geld ausgeben mußte; ich meine die Verbindung mit dem 401 Illyrischen Könige Gentius; jetzt nicht länger verschieben dürfe: denn er sah, daß die Römer in das Waldgebirge eingedrungen waren, und daß es mit dem Kriege zur letzten Entscheidung kommen müsse. Da er schon durch seinen Gesandten Hippias, unter der Bedingung, sich gegenseitig Geisel zu geben, dreihundert Talente562,500 Gulden Conv. M. hatte versprechen lassen, so schickte er einen seiner Vertrautesten, den Pantauchus, hin, die Sache zu Stande zu bringen. Pantauchus traf den Illyrischen König zu Medeon im Labeatischen. Hier übernahm er vom Könige den Eid und die Geisel. Auch Gentius schickte einen Gesandten, Namens Olympio, um vom Perseus den Eid und die Geisel anzunehmen. Mit diesem ließ er zum Empfange des Geldes noch andre abgehen, und auf den Vorschlag des Pantauchus wurden auch Parmenio und Morcus dazu bestimmt, als Gesandte mit den Macedonischen nach Rhodus zu gehen. Diese bekamen den Auftrag, nur dann erst nach Rhodus abzureisen, wenn jene Gesandten den Eid, die Geisel und die Gelder von Perseus übernommen hätten. «Wenn dann den Rhodiern zwei Könige zugleich genannt würden, so müsse sie dies doch wohl zum Kriege mit Rom bestimmen können. Und die Verbindung mit diesem State, der jetzt den Ruf der größten Seemacht habe, werde die Römer zu Lande und zu Wasser um alle ihre Hoffnungen bringen.» Die ankommenden Illyrier traf Perseus, der sich aus seinem Lager am Flusse Enipeus mit der ganzen Reuterei aufgemacht hatte, bei Dium. Hier wurden die verabredeten Vertragspunkte in einem von der Reuterei geschlossenen Kreise vollzogen; denn Perseus hatte ihre Gegenwart beim Abschlusse der mit dem Gentius eidlich eingegangenen Verbindung gewünscht, weil er glaubte, es werde zur Erhöhung ihres Muthes nicht wenig beitragen. Die Geisel wurden vor Aller Augen abgegeben und angenommen, die zum Empfange des Geldes bestimmten Gesandten an die königliche Schatzkammer nach Pella geschickt, und die, welche mit den 402 Illyrischen Gesandten nach Rhodus gehen sollten, wurden angewiesen, zu Thessalonich sich einzuschiffen. Dort war Metrodorus, welcher neulich von Rhodus zurückgekommen war, und die Versicherung gab, auf Betrieb des Dinon und Polyaratus, der Häupter ihres Stats, hätten sich die Rhodier zum Kriege in Bereitschaft gesetzt. Er wurde bei der den Illyriern mitgegebenen Gesandschaft als das Haupt angestellt.

24. Zu gleicher Zeit gingen an den Eumenes und an den Antiochus Vorstellungen von gemeinschaftlicher Beziehung ab, wie sie sich von der Lage der Verhältnisse erwarten ließen. «Zwischen einem Freistate und einem Könige bestehe Feindschaft durch die Natur. Das Römische Volk greife einen nach dem Andern an, und was noch ärgerlicher sei, bestreite die Könige mit der andern Könige Kräften. Mit Hülfe des Attalus sei sein Vater unterdrückt; mit Hülfe des Eumenes und zum Theile auch seines Vaters Philipp, sei Antiochus angegriffen. Gegen ihn selbst hätten die Römer jetzt den Eumenes und Prusias bewaffnet. Hätten sie das Macedonische Reich vernichtet, dann sei Kleinasien das nächste, das sie zum Theile schon, unter dem Vorwande, die Städte in Freiheit zu setzen, sich zu eigen gemacht hätten: und dann folge Syrien. Schon zögen sie in ihren Ehrenerweisungen dem Eumenes den Prusias vor; schon werde der Sieger Antiochus vom Lohne seines Sieges, von Ägypten, zurückgewiesen. Wenn der König dies beherzige, so möge er doch entweder darauf denken, die Römer zu zwingen, daß sie mit Perseus Frieden machten, oder, wenn sie bei ihrem ungerechten Kriege beharreten, sie als die gemeinschaftlichen Feinde aller Könige betrachten.» Der Antrag an den Antiochus ging seinen offenen Weg: der Gesandte an den Eumenes kam unter dem Vorwande, die Gefangenen auszuwechseln; es wurden aber gewisse geheimere Dinge verhandelt, welche den den Römern schon jetzt misfälligen und verdächtigen Eumenes mit noch härteren ungegründeten Beschuldigungen belasteten. Denn darüber, daß die beiden Könige, 403 um einander zu belisten, in Betrug und Geldgeiz wetteiferten, galt er ihnen für einen Verräther, ja beinahe für erklärten Feind. Der Cretenser Cydas gehörte zu des Eumenes nächsten Vertrauten. Dieser hatte schon früher bei Amphipolis mit einem gewissen Chimarus, seinem Landsmanne in des Perseus Diensten, dann später bei Demetrias, einmal mit einem gewissen Menecrates, zum andernmale mit dem Antiochus, zwei königlichen Anführern, dicht unter den Mauern der Stadt Unterredungen gehabt. Auch der jetzt vom Perseus abgeschickte Cryphon hatte ebenfalls an den Eumenes die Gesandschaft schon früher zweimal gemacht. Über diese geheimen Unterredungen und Sendungen wurde zwar schlimm genug gesprochen, doch wußte niemand, was hier verhandelt sei, oder wohin sich die Könige verglichen hätten. Die Sache verhielt sich aber so:

25. Eumenes, so wenig er selbst den Perseus zu bekriegen Willens war, wünschte ihm doch auch den Sieg keinesweges; nicht sowohl darum, weil sie schon von ihren Vätern her Feinde waren, als weil die durch gegenseitige Erbitterungen entflammteinter se accensae. Non a regum]. – Das Unstatthafte dieser Lesart und Interpunction hat Duker gezeigt, und will deswegen etiam ipsorum und statt non lieber quam lesen. Richtiger, dünkt mich, bemerkte Drakenb. den Fehler in dem Worte accensae, welchem der Abschreiber mit inimicitiae die gleiche Form geben zu müssen glaubte. Darum will Drak. accen sis lesen und dies auf odiis beziehen. Ich vermuthe es sei bloß ein e in accensa e zu viel, und beziehe accensa auf aemulatio. Die Verbindung wäre dann dieselbe, wie Drakenb. sie wünscht, nur, wenn ich nicht irre, noch etwas leichter; diese: non tam, quia paternae inter eos inimicitiae erant, quam [quod], ipsorum odiis inter se accensa, non ea [erat] regum aemulatio, ut aequo animo – Eumenes visurus fuerit. – Non ea ist dann so viel, als non talis, non tam mediocris, non tam levis. Selbst Duker setzt hinzu: expletis e praecedentibus quia et erat. Wollte man indeß glauben, dies quod sei wirklich da gewesen, und nur wegen des voraufgehenden quam ausgefallen, so fände man dafür von Drak. bloß zu 37, 54. 4. acht Beispiele angeführt und noch mehrere im Register. Dann müßte man aber auch annehmen, daß das Wort erat zwischen earegum ausgefallen sei. Hr.  Walch, sehe ich jetzt, will quam in quin verwandeln. Eifersucht beider Könige durchaus nicht von der Art war, daß es Eumenes gleichgültig hätte ansehen können, wenn Perseus eine so hohe Macht, einen so hohen Ruhm erlangte, als er nach Besiegung der Römer erwarten mußte. Nun sah er, daß 404 nicht allein Perseus, schon seit dem Anfange des Krieges, auf alle Weise die Hoffnung zum Frieden versucht habe, und von Tage zu Tage ernstlicher, je näher ihm die Gefahr rückte, bloß hieran arbeite und nur damit sich beschäftige; sondern daß auch die Römer, sowohl ihre Feldherren, als ihr Senat, weil der Krieg sich gegen ihre Erwartung in die Länge zog, nicht abgeneigt waren, einen so lästigen und schwierigen Krieg zu endigen. Als er sich von dieser Stimmung beider Theile versichert hatte, wurde es ihm bei einem Geschäfte, das seiner Meinung nach bei dem Überdrusse des Stärkeren und der Besorgniß des Schwächeren sich von selbst machte, noch wünschenswerther, seine Dienste käuflich an den Mann zu bringen, als sich bloßen Dank zu verdienen. Bald unterhandelte er um die ihm zu zahlende Summe, wenn er die Römer weder zu Lande noch zu Wasser unterstützen sollte, bald dafür, den Frieden mit Rom zu Stande zu bringen; verlangte, wenn er nicht am Kriege theilnähme, tausend; [wenn er den Frieden bewirktene bello interesset, mille]. – Ich übersetze nach Creviers Ergänzung aus der von Gronov angezogenen Stelle Appians: Ne bello interesset, mille; ut pacem conciliaret, mille et quingenta talenta. Die erste Summe giebt 1,875,000 Gulden Conv. M.; die zweite 2,812,500 Gulden. In dem gleich folgenden in utroque halte ich die Abänderung in utrumque nicht für nöthig. Man sehe in Drakenb. Register In cum ablativo. So ist es auch gegen das Ende des Cap. nicht nöthig, daturum und depositurum in daturus und depositurus zu verwandeln: denn aus dem vorangegangenen malebat läßt sich ja ein dicebat, wie an vielen ähnlichen Stellen, hinzudenken, wie 42, 38, 5. u. 43, 10., wie Cap. 45. aus Beroeam zu dem folgenden aliae das Wort urbes. Siehe Walchii Emendd. p. 268., tausend] fünfhundert Talente; erklärte sich in beiden Fällen nicht nur zum Eide, sondern auch zur Stellung von Geiseln, bereit. Perseus, im Drange der Noth, ging geschwind daran, die Sache einzuleiten, trat über die Annahme der Geisel ohne Aufschub in Unterhandlung, und man war eins geworden, sie sollten nach der Überlieferung nach Creta gebracht werden. Als man aber auf das Geld zu sprechen kam, da war er der Zögerer, und meinte, vollends die Bezahlung der ersten Summe sei für so berühmte Könige schimpflich und niedrig, zwar für den Geber ebenfalls, noch mehr aber 405 für den Empfänger. Lieber wollte er sich noch für die Hoffnung zum Frieden mit Rom, zu einer Ausgabe verstehen, dies Geld aber erst nach Erfüllung des Versprechens auszahlen, und es so lange im Heiligthume auf der Insel Samothrace niederlegen. Da diese ihm gehörte, so sah Eumenes für sich keine größere Sicherheit, wenn es hier, als wenn es zu Pella lag, und suchte dahin zu gelangen, daß er wenigstens einen Theil gleich bar bekäme. Durch diese vergeblichen Versuche, sich gegenseitig zu belisten, bewirkten sie nur üble Nachrede.


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