Gottfried Keller
Das Tagebuch und das Traumbuch
Gottfried Keller

 << zurück weiter >> 

Den 12. Juli

An obiger Erzählung geschrieben. Dann dem Leichenbegängnisse des Altbürgermeisters Melchior Hirzel beigewohnt. Er war ein edler Gefühlsmensch, sein Leben lang für Ideale kämpfend, ein Mann und Freund des Volkes und der Volksschule, für welch letztere er sehr viel getan und geopfert hatte. Aber er war weniger praktisch; so wurde er Anno 1839 durch seinen Stichentscheid über die Berufung des Dr. Strauß ein Haupturheber der unseligen Septembertage und ihrer Nachgeburten. Er hatte dem Teufel ein Plätzlein bereitet, wo er seinen Schwanz darauf legen konnte. Große Enthusiasten sind auch den größten Irrtümern unterworfen; dieser Satz bewährte sich an Hirzel. Indessen haben ihn die Journale aller Parteien, welche auf eine geistigere Tendenz Anspruch machen können, durch teilnehmende, anerkennende Nekrologe geehrt.


 << zurück weiter >>