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Achtundzwanzigstes Kapitel.

Frisch, wack'res Schifflein! denn der Sturm ist aus;
Hast treu bewährt dich in des Wetters Graus.
Drum breite jetzt im Morgenwind die Schwingen;
Bald wird im Hafen dir der Willkomm klingen.

Park.

 

Der Montauk lag jetzt ganz nahe vor dem Einlaß, und sogar ein wenig windwärts von dessen Einmündung; aber der Kanal krümmte sich, und es war unmöglich, auch nur ein einziges Segel passend anzuschlagen, ohne die Matrosen dem Feuer der Beduinen auszusetzen, welche nach ihrem vergeblichen Schießen behutsamer und vorsichtiger geworden waren, indem sie jetzt blos nach den Stellen hinzielten, wo sich gelegentlich ein Kopf oder ein Arm blicken ließ. Eine Verlängerung dieses Zustandes der Dinge konnte das Uebel nur vergrößern; Kapitän Truck beschloß daher, einen schnellen Versuch zu machen, um seine Feinde zu verscheuchen.

In dieser Absicht wurde die am Bord befindliche Kanone geladen und fast bis an die Mündung mit Hagel gefüllt; man hob sie dann sorgfältig auf die Back und schob sie bis in die Nähe des Schanddecks vor. Hätten die Berbern den Bau eines Schiffes verstanden, so wäre es ihnen ein leichtes gewesen, während dieses Geschäfts die Hälfte der Mannschaft zu tödten, denn sie hätten nur durch die Planken feuern dürfen; da sie aber die Schwäche dieser Schutzwehren nicht kannten, so zielten sie insgesammt blos nach den Oeffnungen oder über die Geländer weg.

Durch Niederlassen der Gaffel gelang es, den Brodwinner unvollkommen anzuschlagen – das heißt, er wurde nur an seiner oben stehenden Seite festgemacht. Die Raa brachte man unter dem Schutze des Sturmhäuschens und des Segelballens hinein. Der Ausholer wurde angesetzt, die Raa zurückgebracht und das Segel hastig mit einer schwachen Leine gegen das Luv gehißt. Dies konnte nicht ohne große Gefahr bewerkstelligt werden, obschon der Umstand, daß die Schiffsbuge den Klippen so nahe standen, die Beduinen großentheils hinderte, das zu bemerken, was so weit hinten vorging. Andere aber, die der Küste näher waren, wurden der Arbeiten ansichtig, und die Folge davon waren mehrere Schüsse, die beinahe bedenklich hätten werden können. Namentlich fuhr dem zweiten Maten eine Kugel, kaum einen Zoll vom Kopfe ab, durch den Hut. Gleichwohl gelang es durch einige geschickte Handhabung, das Luv des Brodwinners leidlich gut zum Stehen zu bringen, und das Schiff genoß endlich den Vortheil dieses einzigen Segels.

Der dänische Kapitän war ein Seemann aus der alten Schule gewesen, denn sein Schiff hatte statt des neueren Spencers altmodische Stagsegel geführt. Mit diesen ließen sich die großen und die Besahnstagsegel mit leidlicher Sicherheit anschlagen, wenn man nur die Enden der Ziehtaue herunterbringen konnte. Weil jedoch die gedachten Segel fast lauter Hintertuch waren, so beschloß der Kapitän, einen Versuch zu Ueberholung der Bauschleinen und Leiken des Focksegels zu machen, denn dies konnte zu gleicher Zeit bewerkstelligt werden, wenn die Matrosen nach den Ziehtauenden in's Tackelwerk hinauf geschickt wurden. Auch hielt er es für möglich, ein fliegendes Fockstengenstagsegel zu setzen.

Kapitän Truck wollte in dieser Sache Niemand täuschen; er setzte daher seinen Leuten die Gefahr und die Operationsweise klar aus einander und forderte sodann Freiwillige auf. Diese waren im Augenblick zur Hand, um so mehr, da Mr. Leach und der zweite Mate mit dem guten Beispiele voran gingen und sich als das erste Paar meldeten. Damit übrigens der Leser das ganze Verfahren verstehe, müssen wir es ihm deutlicher auseinandersetzen.

Zwei Mann schickten sich an, auf ein gegebenes Signal nach der Fockraa hinaufzueilen. Diese, von denen der eine Mr. Leach war, nahmen drei kleine Knäuel Marlienen mit sich, an deren Ende je eine Stockfischangel mit abgefeilten Widerhaken hing, damit sie sich nirgends verfange. Vermittelst dieser Angeln nun befestigten die beiden Wagehälse die Knäuel an ihre Jacken. Zwei Andere stellten sich am Fuße des großen und des Besahntackelwerks in Bereitschaft. Paul lag mit drei Mann bei der Kanone, während mehrere von den Passagieren und einiger von den besten Schützen unter der Mannschaft mit Musketen oder Jagdgewehren bewaffnet wurden und ihre Posten auf der Back erhielten.

»Ist Jedermann bereit?« rief der Kapitän von dem Halbdecke aus.

»Alles bereit!« und »ja, ja Sir!« lautete die Antwort von verschiedenen Theilen des Schiffs her.

»Holt den Brodwinner aus!«

Sobald dieses Segel gesetzt war, schwang sich der Stern des Schiffes gegen den Einlaß herum, so daß der Bug, auf welchem die Kanone stand, dem Theile des Riffs zugekehrt wurde, wo sich der größte Beduinenhaufen befand.

»Jetzt stetig, ihr Leute, und übereilt euch nicht; seid aber gleichwohl so hurtig, wie wilde Katzen! Auf und weg!«

Die beiden Fockraamänner und die zwei an den Hintermasten sprangen gleich Eichhörnchen in das Tackelwerk und waren schon oben, noch ehe der Kapitän ausgesprochen hatte. In demselben Augenblick eilte einer von den Dreien bei der Kanone auf das Bugspriet und lief gegen den Stag hinaus. Paul und die andern Beiden erhoben sich, um die Kanone an ihre Stelle zu schieben, während die Schützen sich an den Geländern zeigten.

So Viele in rascher Bewegung, welche sich gleichzeitig im Tackelwerk zeigten, zerstreuten für einen Moment die Aufmerksamkeit der Beduinen, obschon einzelne Schüsse fielen. Paul wußte, daß die Gefahr erst dann am größten war, wenn die Leute oben länger an einer Stelle verweilten, und zögerte daher etwa eine halbe Minute, während welcher er sein Ziel nahm; dann ließ er die Kanone krachen. Er hatte den Augenblick gut gewählt, denn Mr. Leach und die anderen Waghälse befanden sich bereits auf dem Fockraa, während die Beduinen in ihrer Hast, ein gutes Ziel zu nehmen, aus ihren Verstecken hervorgekommen waren. Auch die Schützen gaben ihre Salve; aber jetzt war es mit dem Angriffssystem so ziemlich vorüber, da fast alles Pulver im Schiffe aufgebraucht war.

Wir haben jetzt das Ergebniß dieses Manövers zu berichten. Unter den Beduinen fielen Einige, und Diejenigen, welche dem Feuer des Schiffs am meisten ausgesetzt waren, stutzten nicht wenig, so daß sie durch ihre Verwirrung beinahe eine Minute verloren; aber die Entfernteren fuhren nach der ersten Ueberraschung fort, tüchtig zu feuern. Der von uns berichtete Vorgang hatte nur ungefähr drei Minuten gewährt, da das Handeln der verschiedenen Betheiligten fast gleichzeitig vor sich ging.

Der Matrose vorn war zwar dem Feinde am nächsten, aber doch am wenigsten bloßgestellt, weil er teilweise durch das Bugspriet gedeckt war, auf dem er hurtig hinauslief, bis er den Stagen erreicht hatte. Hier zerhieb er den Knoten der Fockstengenziehtaue, holte den laufenden Theil herüber und ließ den Block hereinschwingen. Dann hakte er einen Block ein, den er mit sich hinaus genommen und in dessen Rinne er bereits die Schlinge eines Taus gelegt hatte. Sobald dies geschehen war, eilte er so hurtig als möglich wieder zurück. Diese Aufgabe, welche man für die gefährlichste gehalten, weil das Bugspriet dem Riff so nahe stand, war also zuerst und mit der geringsten wirklichen Gefahr ausgeführt worden. Der Mann hatte durchaus keinen Schaden genommen, weil ihn theilweise der Pulverdampf der Kanone, theilweise der Mast selbst deckte. Da die beiden Matrosen im Hinterschiffe die gleiche Verrichtung vorzunehmen hatten, so werden die Bewegungen des Einen auch die des Andern erklären. Als der erste Abenteurer die Raa erreicht hatte, sprang er auf dieselbe, ergriff den Haken des Ziehtaublocks und hing sich ohne Zögern an demselben an, durch das Gewicht seines Körpers die Ziehtaue überholend. Unten standen Leute bereit, um einem Sturze Einhalt zu thun, indem sie das andere Ende des Taus festhielten, und so langte der kühne Bursche wohlbehalten wieder auf dem Decke an. Dieses Unterfangen schien den weniger an die See gewöhnten Reisenden äußerst gefahrvoll, obschon die Matrosen, welche die Maschinerie ihres Schiffes verstanden, sich nicht viel daraus machten.

Auf der Fockraa angelangt, eilte Mr. Leach nach der einen, und sein Gehülfe, ein gemeiner Matrose, nach der andern Nocke hinaus, wo sie je einen Haken in dem Knoten der inneren Bauschleine zurückließen und dann den Marlienballen auf das Deck warfen. Dasselbe geschah an den äußeren Bauschleinen und an den Leiken. Jetzt kehrte der Mate seiner Weisung gemäß um, sprang auf das Tackelwerk, von da auf einen Hinterstag, und glitt an demselben mit einer Schnelligkeit, die alles Zielen vereitelte, hinunter. Aber trotz der hurtigen Bewegung erhielt Mr. Leach doch einen leichten Schuß in die Schulter, während zugleich mehrere Kugeln ganz nahe an ihm vorbeizischten.

Der Matrose auf der anderen Nocke kam eben so gut mit seiner Aufgabe zu Stande und nahm nicht den mindesten Schaden, bis er das Leik festgemacht hatte; da er sich jedoch eben auf der Luvseite des Schiffes befand und er wohl wußte, wie nützlich es seyn mußte, wenn er das Ende des Refftackels mit sich brachte, so beschloß er, auch dieses herunter zu holen. Mit dem Rufe, man solle auf dem Deck das Tau gehen lassen, eilte er nach dem Topenanten hinaus, beugte sich darüber hin, bemächtigte sich des gewünschten Tackelendes und richtete sich auf, um nach dem Kranz der Raa einwärts zu gehen. Kapitän Truck und der zweite Mate forderten, ihn vergeblich auf, von diesem Vorhaben abzustehen, denn der Umstand, daß bis jetzt Alles so gut abgelaufen war, hatte ihn tollkühn gemacht. Er hielt sogar jetzt in seiner gefahrvollen Lage inne, um einen Jubelruf erschallen zu lassen; aber das Hurrah war kaum seinen Lippen entwischt, als er von der Raa mehrere Fuß in die Höhe sprang und, das Tau in der Hand mitnehmend, senkrecht in die See fiel. Die Meisten an Bord glaubten anfangs, er sey ins Wasser gesprungen, weil er so auf die gefahrloseste Weise herunter zu kommen meinte und sich durch das Tau und durch Schwimmen bergen zu können hoffte; aber Paul deutete auf einen Blutstreifen, der sich an der Stelle des Sturzes an der Meeresoberfläche zeigte. Das Refftackel wurde vorsichtig eingeholt und das Ende tauchte ohne die Hand auf, die es kürzlich noch gefaßt hatte. Der Matrose selbst kam nie wieder zum Vorschein.

Kapitän Truck war nun im Besitz der Mittel, drei Stagsegel, den Bordwinner und das große Focksegel zu setzen – Tuch genug, wie er meinte, um seinen vorläufigen Plan ausführen zu können. Das so theuer erkaufte Ende des Refftackels wurde mittelst einer schwachen Leine, welche man darum schlang, hereingebracht.

Der nächste Befehl betraf die Aufgeiung des Brodwinners, ferner die Anklappung und Lichtung der Kedsch – Aufgaben, die in der angedeuteten Reihenfolge verrichtet wurden. Sobald das Schiff freien Kiel hatte, setzte man das fliegende Fockstengenstagsegel und ein Klüvermarssegel, indem man die Halse herausholte und über die Ziehtaue schwang. Die Schoote wurde windwärts geführt und das Steuer niedergestellt. Natürlich begannen jetzt die Buge des Schiffes abzufallen; sobald aber der Schnabel dem eigentlichen Curse hinreichend nahe stand, wurde die Schoote angezogen und das Steuerrad gedreht.

Kapitän Truck ließ nun das Focksegel setzen, das man in der Zwischenzeit zugerüstet hatte. Dieses wichtige Segel wurde dadurch aufgebracht, daß man die Bauschleinen und Leiken an dem oberen Theile anschlug und vermittelst des Refftackels das Wetterkopflägel ausholte. Sobald dieses weite Tuch sich auf dem Schiffe entfaltete, wurde die Bewegung beschleunigt, und der Montauk begann sich von der Stelle zu entfernen, von dem wüthenden Geschrei und den Drohungen der Beduinen verfolgt. Auf die letzteren achtete jedoch Niemand; man ließ sie eben schreien, bis sich der Lärm in der Ferne verlor. Uebrigens bedurfte doch eine so große Masse, wie die des Montauk war, trotz der Beihülfe aller Spieren und des Windes, der gegen den Rumpf blies, einige Zeit, um die vis inertiae zu überwältigen, und es vergingen mehrere beängstigende Minuten, ehe er so weit von dem Verstecke der Beduinen abgekommen war, daß ihr Gezeter nicht mehr geradezu vor den Ohren der an Bord Befindlichen zu erschallen schien. Sobald aber das Schiff in solcher Ferne stand, fühlten sich Alle unaussprechlich beruhigt, obschon vielleicht die Gefahr dadurch vergrößert wurde, weil die Kugeln jetzt auch Gegenstände auf dem Deck treffen konnten.

Der Curs wurde anfangs fast vor dem Winde gehalten. Als jedoch das Schiff an dem mehrerwähnten flachen Felsen anlangte, sah man sich genöthigt, eine leichte Krümmung zu machen, um windwärts an demselben vorbeizukommen. Man setzte jetzt die hinteren Stagsegel sammt dem Brodwinner, wodurch das Schiff an den Wind kam, und holte die Fockhalse nieder. Hätte man nur auf eine Entfernung von hundert Ellen gerade durch den Paß anlegen können, so wäre für den Fall, daß die gegenwärtige Brise Stand hielt, das Fahrzeug wieder aus dem Riff und aller weiteren Gefahren der Küste überhoben gewesen; aber die Fluth drängte mit Macht gegen die Klippe hin und der Zustand des Schiffs gestattete es nicht, daß man hart auf eine Bogenlinie drängte. Kapitän Truck wurde nachgerade unruhig, denn er bemerkte bald, daß sie, obschon nur ganz allmählig, der Gefahr immer naher kamen; er begann daher für seinen Kiel zu zittern. Dennoch trieb das Schiff stätig vorwärts, und er gab wieder der Hoffnung Raum, daß er den äußeren Klippenrand wohlbehalten erreichen dürfte. Dieser bestand aus einem zackigten, zugespitzten Felsblocke, welcher nothwendig die Planken zertrümmern mußte, wenn das Schiff während der Wellenbewegung des Meeres, welche jetzt sehr fühlbar wurde, auch nur für einen Augenblick dagegen anstieß. Nach allen durchgemachten Gefahren sah daher der alte Seemann wohl, daß seine Sicherheit durch einen von jenen unerwarteten, aber doch im Matrosenleben sehr gewöhnlichen Vorfällen ernstlich bedroht werde.

»Luv! luv, soweit Ihr könnt,« rief Kapitän Truck von dem Felsen nach den Segeln und von den Segeln wieder nach dem Felsen blickend. »Luv, Sir – Ihr seyd am gefährlichsten Puncte.«

»Luv ist's, Sir!« antwortete der Mann am Steuer, welcher hinter dem Sturmhäuschen stand und vom Dach desselben, über das er wegschauen mußte, um die Segel zu Gesicht zu bekommen gedeckt wurde. »Luv kann ich wohl, und es ist's auch, Sir.«

Paul stand an der Seite des Kapitäns, welcher der Mannschaft Befehl ertheilte, sich so viel als möglich vor den Kugeln der Beduinen zu decken, die jetzt gegen das Schiff heranprasselten wie der Hagel beim Schlusse eines Donnerwetters.

»Wir werden jene Felsenspitze nicht umschiffen können,« rief der junge Mann hastig, »und wenn wir anstoßen, ist das Schiff verloren.«

»Es soll abhalten,« entgegnete der alte Mann finster. »Das Brustholz steht schon in gleicher Linie damit – abgehalten!«

Die Buge des Schiffs waren jetzt ohne Frage im Bereich der Gefahr, und der Montauk schleppte sich langsam vorwärts; aber mit jedem Augenblicke kam die Breitseite dem Felsen näher, der jetzt keine fünfzig Fuß mehr abstand. Die Fockputtingen kamen an der Spitze vorbei; indeß durfte man kaum hoffen, daß man mit dem ganzen Fahrzeuge glücklich durchkommen konnte. Ein Schiff dreht sich auf seinem Schwerpunkte wie auf einem Stifte, so daß sich die beiden Enden nach entgegengesetzten Richtungen schwenken; Kapitän Truck hoffte daher, da die Buge bereits aus dem Bereich der Gefahr waren, so dürfte es ihm möglich seyn, durch Abhalten den Hintertheil des Schiffs an den Wind aufzubringen und in dieser Weise sich glücklich aus der Klemme zu ziehen.

»Hart auf mit dem Steuer!« schrie er. »Hart auf. – Holt das Besahnstagsegel herunter und zieht die Schoote an!«

In Betreff der Segel wurde dem Befehl Folge geleistet, aber vom Steuer her kam weder Antwort, noch wurde der Curs des Schiffs gewechselt.

»Hart auf, sage ich Euch, Sir – hart auf, hart auf! Warum geschieht's nicht, Ihr verdammter Kerl?«

Auch jetzt blieb die gewöhnliche Antwort aus, und Paul eilte durch den schmalen Gang, welcher nach dem Steuer führte. Alles dies nahm nur eine Minute in Anspruch, aber es war die bedenklichste, welche den Montauk je betroffen hatte. Hätte das Schiff auch nur für einen Augenblick an den Fels gestoßen, so wäre menschliche Kunst kaum mehr im Stande gewesen, es noch eine Stunde über Wasser zu halten.

»Hart auf, ihr Höllenkerl!« wiederholte Kapitän Truck mit einer Donnerstimme, während Paul um die Ecke des Sturmhäuschens stürzte.

Der Matrose stand am Steuer und hielt die Speichen fest gefaßt; seine Augen waren wie gewöhnlich nach Oben gerichtet, aber die Umschläge des Steuertaus zeigten, daß dem Befehle nicht gehorcht worden war.

»Hart auf, Mensch, hart auf – seyd Ihr toll?«

Mit diesen Worten sprang Paul an das Rad, welchem er mit eigenen Händen die erforderliche Richtung gab. Was den Matrosen betraf, so ließ er ohne Widerstreben los und fiel, während das Rad umherflog, wie ein Block nieder. Eine Kugel war ihm durch den Rücken ins Herz gedrungen; aber dennoch blieb er fest an den Speichen stehen, wie überhaupt der ächte Seemann das Steuer nicht los läßt, so lange noch Leben in ihm ist.

Die Schiffsbuge fielen schwerfällig ab und der Stern drängte an den Wind auf; aber die kurze Zögerung hatte die Gefahr dermaßen erhöht, daß das Schiff nur durch die Form des Pieks und des Hecks gerettet werden konnte, deren aufwärtsgehende Biegung Raum gestatteten, um dem gefährlichen Punkte zu entgehen, während der Montauk sich auf einer Welle hob.

Paul konnte nicht bemerken, wie nahe dem Schiffe das Verderben stand; dagegen ließ die Durchsichtigkeit des Wassers den Kapitän sowohl als seine Maten Alles mit einer Bestimmtheit unterscheiden, welche ihnen den Athem benahm. In der That gab es einen Augenblick, in welchem der scharfe Fels unter dem Heck verborgen war, und die bestürzten Männer erwarteten mit jedem Moment das Knirschen des einbrechenden Bodens zu hören.

»Löst den Mann am Steuer ab und schickt ihn augenblicklich hieher,« sagte Kapitän Truck mit ernster, strenger Stimme, die bedeutungsvoller war, als ein Fluch.

Der Mate rief einen Matrosen und begab sich persönlich nach dem Hinterschiff, um den Befehl zu vollziehen. Eine Minute später kehrten er und Paul zurück, die Leiche des Steuermanns mit sich bringend, welche alle erforderliche Aufklärung gab.

»Herr, Deine Wege sind unerforschlich!« murmelte der alte Schiffsmeister, indem er den Hut abnahm, als die Leiche an ihm vorbeigetragen wurde. »In Deiner Hand sind wir weiter nichts, als Saatkörner, und so eitle, vergängliche Geschöpfe, wie der Schmetterling.«

Sobald sie den Felsen einmal hinter sich hatten, lag die offene See leewärts von dem Paketschiffe, welches nun den Wind ein wenig von hinten aufgriff und sich stätig von den Felsen entfernte, in deren Bereich ihm so viele Gefahren gedroht hatten. Der Montauk war bald weit genug von dem Riffe abgekommen, daß von den Beduinen nichts mehr zu fürchten war, obschon diese noch immer Feuer gaben und sich wie toll geberdeten, nachdem ihre Kugeln sowohl als ihre Drohungen denen an Bord längst nichts mehr anhaben konnten.

Der Körper des gefallenen Matrosen wurde zwischen die Masten gelegt und sodann der Befehl ertheilt, die Segel anzuschlagen. Da Alles bereit war, so steuerte nach einer halben Stunde der Montauk unter seinen drei Marssegeln seewärts, denn das Riff lag bereits eine halbe Meile in seinem Sterne. Zunächst wurden die Bramraaen in's Kreuz gebracht und die großen Segel gesetzt. Dann folgte das leichtere Tuch, und noch vor Sonnenuntergang steuerte das Schiff unter Prallsegeln vor dem Passatwind gegen Westen.

Jetzt zum ersten Mal von dem Augenblicke der Kunde an, daß die Beduinen sich des Schiffs bemeistert hätten, empfand Kapitän Truck wirkliche Erleichterung. Er hatte sich zwar nach dem Kämpfe für einen Moment glücklich gefühlt; aber bald bedrängten ihn neue Sorgen, so daß er zu keiner Ruhe kommen konnte. Nunmehr aber war der Stand der Dinge ganz anders. Sein Schiff befand sich, wenn es auch nicht gerade für einen Wettlauf ausgestattet war, in guter Ordnung; in der niedrigen Breite, in welcher er stand, kam ihm der Passatwind gut zu Statten, und da er obendrein von seinem alten Feinde, dem Foam, nichts mehr befürchtete, so kam es ihm vor, als sey eine Bergeslast von seiner Brust abgewälzt.

»Gott sey Dank,« bemerkte er gegen Paul, »ich kann heute Nacht schlafen, ohne von Beduinen, Riffen oder scheltenden Gesichtern in New-York zu träumen. Ich werde zwar hören müssen, ein Anderer würde in Umgehung einer solchen Klemme mehr Geschicklichkeit gezeigt haben; übrigens wird man mir schwerlich sagen, daß sich ein Anderer besser hätte herausziehen können. Außerdem kostet diese schöne Ausstattung die Eigenthümer nichts – buchstäblich nichts; denn ich zweifle, daß der arme Däne je wieder zum Vorschein kommen wird, um die Segel und Spieren anzusprechen. Ich weiß freilich nicht, ob wir nach afrikanischem Gesetz besitzberechtigt sind, denn ich verstehe mich wenig auf diesen Codex, und hinsichtlich des Völkerrechts sagt, glaube ich, auch Vattel nichts über einen derartigen Gegenstand; jedenfalls aber sind wir in so thatsächlichem Besitze, daß ich mich überzeugt fühle, ich werde die Ausstattung behalten, bis wir den East River anthun, wenn uns nicht etwa die Nordwester an der amerikanischen Küste einen Strich durch die Rechnung machen.«

»Es dürfte geeignet seyn, die Leiche zu bestatten,« nahm Paul das Wort; denn er wußte, Eva würde sich kaum auf dem Deck blicken lassen, so lange der Körper noch da war. »Matrosen sind in Betreff der Leichen bekanntlich ziemlich abergläubisch.«

»Ich habe bereits daran gedacht, hoffte aber, die beiden spitzbübischen Hayfische zu betrügen, die unserem Kielwasser folgen, als ob sie den Fraß witterten. Es ist doch außerordentlich, Mr. Blunt, daß diese Bestien wissen, wenn eine Leiche im Schiff ist und wohl hundert Stunden weit folgen, um sich des Raubs zu versichern.«

»Es wäre allerdings außerordentlich, wenn sich die Sache so verhielte; aber wie läßt sich ein Beweis herstellen?«

»Ihr seht doch die beiden seeräuberischen Schurken im Stern?« bemerkte Mr. Leach.

»Allerdings; aber wir würden sie wahrscheinlich auch sehen, wenn wir keine Leichen im Schiffe hätten. An Hayfischen wimmelt es in dieser Breite, und ich selbst habe seit unserer Einfahrt mehrere um das Riff gesehen.«

»In Betreff des armen Tom Smith sollen sie getäuscht werden,« sagte der Mate, »wenn sie nicht sehr tief nach ihm untertauchen. Ich habe dem wackeren Burschen eine von den Napoleonsbüsten an die Füße gebunden, und wenn er einmal fest auf dem Boden vor Anker liegt, wird er nicht mehr so leicht heraufkommen.«

»Die Stunde ist passend für eine feierliche Stimmung,« bemerkte der Kapitän, indem er nach dem Himmel aufblickte und das zunehmende Düster der Dämmerung betrachtete. »Ruft alle Matrosen zur Todtenbestattuug herauf, Mr. Leach. Ich gestehe, daß ich mich auch in Betreff des Wetters ruhiger fühlen würde, wenn wir die Leiche einmal aus dem Schiffe hätten.«

Während der Mate nach dem Vorderschiffe ging, um die Mannschaft antreten zu lassen, nahm der Kapitän Paul bei Seite und ersuchte ihn, dem Hingeschiedenen den letzten Dienst zu erweisen.

»Ich selbst will ein Kapitel in der Bibel vorlesen,« sagte er, »denn es wäre mir nicht lieb, wenn die Leute mit ansehen müßten, wie einer aus der Mannschaft über Bord ginge, ohne daß die Offiziere bei den Feierlichkeiten ein Wörtchen mitsprächen. Es könnte Achtungswidrigkeit erzeugen und unser Wissen in Verdacht bringen. Ihr Kriegsschiffleute übrigens seyd meist regelmäßiger zum Beten erzogen worden, als wir auf den Paketbooten, und falls Ihr ein passendes Buch bei Euch habt, so würde ich's Euch ungemein Dank wissen, wenn Ihr uns bei diesem traurigen Anlaß an die Hand gehen wolltet.«

Paul machte ihm dagegen den Vorschlag, er solle Mr. Effingham um diese Dienstleistung angehen, denn er wisse, daß dieser Gentlemen jeden Morgen und jeden Abend seine Reisegesellschaft in der Kajüte versammle und ihnen Gebete vorlese.

»Wirklich?« versetzte der Kapitän. »Dann ist er mein Mann, denn in diesem Falle muß er sich auf die Sache verstehen, und wir haben kein Stammeln oder Stottern zu hören. Ja, ja, er wird's in einem einzigen Gange durchbringen. Toast, geht hinunter, meldet Mr. Effingham mein Kompliment und sagt ihm, daß ich ihn zu sprechen wünsche; und, hört Ihr, Toast, – ersucht ihn, er möchte ein Gebetbuch einstecken. Dann geht Ihr auch in mein Staatsgemach und bringt die Bibel herauf, die Ihr unter dem Kissen finden werdet. Die Beduinen hatten beim Plündern freie Wahl, aber es ist etwas an dem Buche, was stets für sich selber sorgt. Ich habe oft bemerkt, daß Spitzbuben selten an eine Bibel gehen und lieber zehn Romane stehlen, als nur ein einziges Exemplar von der heiligen Schrift. Das meinige gehörte vor Zeiten meiner Mutter, Mr. Blunt, und ich wäre vielleicht ein besserer Mann geworden, wenn ich es öfter überholt hätte.«

Wir übergehen die meisten Vorbereitungen, um uns unverweilt der gottesdienstlichen Verrichtung und dem Zustande des Schiffes in dem Augenblicke zuzuwenden, in welchem seine Insaßen sich zu einer Handlung versammelten, die stets feierlich und ermahnend wirkt, wie sehr sie auch der Förmlichkeiten entbehren mag. Die großen Segel wurden ausgeholt und das Hauptmarssegel an den Mast gelegt – eine Vorbereitung, welche einem Schiffe stets den Character einer feierlichen Ruhe verleiht. Die Leiche wurde auf eine Planke, die quer über einem Geländer lag, gebracht und die bleierne Büste mit in die Hängematte eingenäht. Ein Blutstreifen auf dem Tuche verrieth allein, welchen Tod der Verstorbene erlitten hatte. Die Matrosen gruppirten sich um die Leiche her, während Kapitän Truck und seine Maten auf dem Gange standen. Die Passagiere hatten sich auf dem Halbdeck versammelt, und Mr. Effingham, der ein Gebetbuch in der Hand hielt, war ein wenig vorgetreten.

Die Sonne war eben in den Ocean untergetaucht, und der ganze westliche Horizont leuchtete in jenen sanften Perl- und Regenbogenfarben, welche bei mildem Herbstwetter in niedrigen Breiten den Morgen- und Abendhimmel zu schmücken pflegen. Gegen Osten war die Linie der Küste nur noch durch die Sandhügel zu unterscheiden, welche der Einbildungskraft Gelegenheit boten, sich die unermeßliche Wüste auszumalen. Nach allen anderen Richtungen sah die See dunkel und düster aus: der ganze Character des Sonnenuntergangs war der eines erhebenden Bildes von oceanischer Großartigkeit und Ausdehnung, durch einen Himmel gehoben, an welchem die Tinten wie die wohlbekannten Farben des Delphin kamen und gingen. Dazu trat noch das mehr und mehr sich vertiefende Düster der Dämmerung.

Eva drückte John Effinghams Arm fester an sich und blickte mit ehrfurchtsvoller Bewunderung auf das herrliche Schauspiel.

»Dies ist das Grab des Seemanns!« flüsterte sie.

»Ja, und zwar eine würdige Ruhestatt für einen so tapferen Burschen. Der Mann starb auf seinem Posten, und Powis sagt mir, seine Hand habe sich nur mit Mühe vom Steuer losmachen lassen.«

Sie verstummten, denn Kapitän Truck nahm jetzt den Hut ab – ein Beispiel, dem alle Anwesenden folgten – setzte seine Brille auf und öffnete das heilige Buch. Der alte Seemann nahm es mit der Auswahl dessen, was er vorlesen wollte, durchaus nicht genau und ersah sich gewöhnlich eine Stelle aus, von der er glaubte, daß sie auch seine Zuhörer besonders interessiren müsse, weil sie ihn vorzugsweise ansprach. Für ihn war die Bibel immer Bibel, und er schlug jetzt das Kapitel in der Apostelgeschichte auf, in welchem die Ueberfahrt des heiligen Paulus von Judäa nach Rom berichtet wird. Er las sicher, aber mit etwas gezierter Betonung vor und legte namentlich auf diejenigen Verse einen besonderen Nachdruck, welche sich auf die Schifffahrt bezogen.

Paul bewahrte während dieses interessanten Vortrags vollkommen seine Selbstbeherrschung, obschon unwillkührlich ein Lächeln um Mr. Sharps schön geformten Mund zuckte. John Effinghams ausdrucksvolles Gesicht blieb gesetzt und ruhig, während die Frauenzimmer zu sehr vom Eindrucke des Augenblicks ergriffen waren, um auch nur einer Spur von Lächeln Raum zu geben. Was dagegen die Matrosen betraf, so hörten sie in tiefer Aufmerksamkeit zu und wechselten nur hin und wieder Blicke mit einander, wenn ihnen etwa eine nautische Maßregel auffallend vorkam.

Sobald dieses erbauliche Kapitel zu Ende war, begann Mr. Effingham den feierlichen Beerdigungs-Ritus vorzulesen. Bei dem ersten Ton seiner Stimme trat eine Windstille ein, als sey der Geist Gottes aus den Wolken niedergestiegen, und ein ehrfurchtsvoller Schauer beschlich alle Zuhörer. Die erhabenen Worte des Apostels: » ich bin die Auferstehung und das Leben, sagt der Herr; wer an mich glaubt, wird leben, ob er gleich stürbe: und wer da lebet und an mich glaubet, der wird nimmermehr sterben,« hätten nicht besser vorgetragen werden können. Stimme, Betonung, Aussprache und Gebärdung – Alles verrieth den Mann von Bildung, da sich anmaßungslose Einfachheit und eine milde Ruhe in schöner Weise mit Tiefe des Gefühls und abgemessener Würde vereinigten.

Als er die Worte sprach – » ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erde aufwecken – und werde darnach mit meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleische Gott sehen« u. s. w. u. s. w. sahen die Männer mit großen Augen um sich her, wie wenn ihnen wirklich eine Stimme vom Himmel diese Erklärung gegeben hätte, und Kapitän Truck blickte ins Takelwerk hinauf, als erwarte er von dorther einen Posaunenstoß. Eva's Thränen begannen zu fließen, als sie die vielgeliebten Töne hörte, und selbst das mannhafteste Herz, das sich in diesem vielgeprüften Schiffe befand, erbebte. John Effingham sprach mit fester Stimme die Responsorien der Psalmen, und Mr. Sharp und Paul stimmten bald ein. Die tiefste Wirkung übte übrigens das Todtenamt, als der Sprecher bei den tröstenden aber ergreifenden Worten der Offenbarung anlangte: » ich hörte eine Stimme vom Himmel und sie sagte zu mir: schreibe – gesegnet sind die Todten, die in dem Herrn sterben« u. s. w. Kapitän Truck gestand nachmals, er habe dieselbe Stimme zu hören geglaubt, und die Matrosen drängten sich förmlich in ihrer Unruhe näher an einander. Der Augenblick, in welchem die Leiche über Bord gelassen wurde, war gleichfalls in hohem Grade feierlich. Die Füße glitten zuerst von der Planke hinab, und der Körper versank rasch unter dem Einflusse des schweren Bleigewichts. Das Wasser schloß sich über ihm und verwischte jede Spur von dem Grabe des Seemanns. Eva dachte bei sich, sein Verschwinden erinnere an die wenigen kurzen Stunden, welche den Schleier der Vergessenheit um die Masse der Sterblichen ziehen, nachdem der Fleischleib der Erde wieder heimgegeben ist.

Statt am Schlusse der Feierlichkeit um Gottes Segen zu bitten, begann Effingham in ruhiger Andacht den Dankpsalm für einen Sieg: »Wenn der Herr nicht auf unserer Seite gewesen wäre, so könnten wir jetzt sagen – wäre der Herr nicht selbst mit uns gewesen, als der Feind sich gegen uns erhoben, so würden sie uns rasch verschlungen haben, als sie uns so grimmig zürnten.« Die meisten Gentlemen schlossen sich den Responsorien an, und Eva's Silberstimme klang süß und heilig unter dem Athmen des Oceans. Te Deum laudamus, »Wir preisen Dich o Gott! Wir erkennen, daß Du der Herr bist.« »Die ganze Erde betet Dich, den Vater, an, immer und ewig,« schloß der Leichengottesdienst, als Mr. Effingham seine Versammlung mit der gewöhnlichen Bitte des Laien um den Segen entließ.

Nie zuvor hatte eine religiöse Feierlichkeit so tiefen Eindruck auf Kapitän Truck gemacht, denn er stand am Schlusse derselben gedankenvoll an der Stelle, wo die Leiche über Bord gelassen worden war, und blickte über die Seiten nach dem Meere hinunter, wie man Abschied nimmt von dem Grabe eines Freundes.

»Sollen wir das Hauptmarssegel füllen, Sir?« fragte Mr. Leach, nachdem er aus Rücksicht für die Gefühle seines Befehlshabers ein paar Minuten zögernd dagestanden hatte, »oder ist es Euer Wunsch, daß wir die Raatakeln einhängen und die Lansche fest machen.«

»Noch nicht, Leach, noch nicht. Es wäre lieblos gegen den armen Jack gehandelt, wenn wir uns mit so unanständiger Eile von seinem Grabe fortmachen wollten. Ich habe bemerkt, wie die Leute um den Fluß stets in Sicht bleiben, bis die letzte Scholle festgeschlagen und aller Schutt entfernt ist. Der wackere Bursche stand an jenen Speichen, wie ein dichtgerefftes Marssegel in einer Bö vor den Windstößen Stand hält, und wir sind ihm diesen kleinen Achtungsbeweis schuldig.«

»Die Boote, Sir.«

»Laßt sie noch eine Weile im Schlepptau. Wenn man die Raatakeln raffeln läßt und unmittelbar über seinem Kopfe Boote einstaut, so könnte es den Anschein gewinnen, als wollten wir ihm desertiren. Euer Großvater war ein Geistlicher, Leach, und es nimmt mich Wunder, daß Ihr nicht einseht, wie ungebührlich es ist, also von einem Grabe wegzueilen. Ein Bischen Nachdenken kann keinem von uns schaden.«

Der Mate wunderte sich über die ungewöhnliche Stimmung seines Commandeurs, fügte sich aber bereitwillig darein. Die Nacht brach übrigens schnell herein, und der Himmel verlor seinen Strahlenglanz in weicheren und melancholischeren Tinten, als freue sich sogar die Natur, mit den Gefühlen der einsamen Seefahrer sympathisiren zu können.


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