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Viertes Capitel.
Dosen und Prisen.


Dasselbe unruhige Verlangen nach Neuigkeiten, das die Männer auf dem Casino versammelte, belebte auch ungeachtet der Abwesenheit des Hofes die Wochenassemblée beim Grafen Bülow. Heut erwartete man auch bestimmtere Nachrichten von der Zurückkunft des Königs und der Königin.

Auch General Salha mit Gemahlin und Frau von Simeon mit ihrer Tochter waren wieder einmal gekommen.

Hermann hatte bereits früher mit kluger Selbstüberwindung Anlaß genommen, der Dame Simeon sein Bedauern auszusprechen, daß ihre liebenswürdige Nichte so unerwartet abgerufen worden sei. Doch sein Ton, die ganze Art, wie er sich benahm, und sogar von ihren Abenden wegblieb, ließ der argwöhnischen Dame keinen Zweifel hinsichtlich seiner Entwendung des verrätherischen Briefes übrig. Sie hatte sich mit Pigault-Lebrun entzweit, als er es sehr empfindlich aufnahm, daß sie ihn wegen seiner Unterhandlungen mit Hermann verlachte, und ihm sagte: l'enfant du Carnaval habe sich demaskirt und zum Narren halten lassen. – – In ihrem Aerger war sie noch weiter gegangen, und hatte Marinville gegen Hermann einzunehmen versucht. Doch das war ihr mislungen und sie von dem heitern Manne, der wie Jerôme selbst Cecile vergessen wollte, nur mit lächelndem Scherz getröstet worden.

Begreiflich, daß sie Hermann, als er sich diesen Abend mit Begrüßung näherte, nicht allzu freundlich aufnahm. Er aber dachte: Oho! und zog sich desto artiger zurück. Er war nicht mehr so leicht einzuschüchtern wie sonst.

In dieser Stimmung der Ministerin näherte sich ihr die Generalin Salha. Auch sie war nicht des besten Humors, und so kam's, daß Beide wieder einmal ihren in Honig getauchten Stachel aneinander versuchten. Die Generalin, flüchtig grüßend, sagte etwas aufgeregt:.

Nun, Morio wird diese Woche von Neapel zurückerwartet?

Ah, meine Liebe! Drum sehen Sie so freundlich dem jungen Doctor nach. Sie haben ihm wol für seine Hälfte am Geheimniß des gräflichen Boudoirs auch ein Antheilchen an Ihrer Rache gegen Morio zugedacht.

Sie irren sich, liebe Freundin! Was Sie meine Rache nennen, gilt diesem Le Camus, dem Bruder der Dame Morio. Um Morio thut es mir leid; aber an Le Camus zu kommen, kann ich nicht über ihn hinaus. Und allerdings – er selbst wird wild werden, und der Verdruß des etwas brutalen Mannes könnte leicht auch den jungen Doctor mittreffen. Ich begreife, daß Ihnen das Kummer macht, liebste Simeon. Viel lieber, als solche Unannehmlichkeit, hätten Sie ihm Ihre reizende Nichte gegönnt. Apropos! Haben Sie schon Briefe von Cecile?

Mit soviel Anstrengung, als Madame Simeon ihren Ingrimm zu verbergen suchte, verrieth sich doch etwas davon in dem bebenden Ton, womit sie antwortete:

Aus Metz, beste Salha, haben wir kurze Nachricht. Dort hat ihre Mutter sie in Empfang genommen. Aber hören Sie wegen Morio's! Es wäre Ihnen gewiß sehr lieb, wenn man dem jungen Sprachmeister einen Wink gäbe, auf seiner Hut vor dem General zu sein. Ihre Melanie könnte dann den früher vorbehaltenen deutschen Unterricht nehmen, und gewiß zu ihrem Vortheil. Sie hat ja nun – freie Hand! Und der artige Sprachmeister, wissen Sie, hat eine sehr angenehme Methode für junge Damen!

Auf diese Bitterkeit stand Madame Salha rasch und giftigen Blicks auf, indem sie flüsterte:

Niemand weiß von meinem Geheimniß außer Ihnen. Niemand! Wenn irgend ein Wink auskommt, so weiß ich, bei wem ich mich zu bedanken habe, und es soll mir am rechten Danke nicht fehlen, Madame! Das wissen Sie!

 

In diesem Augenblicke gerieth die ganze Gesellschaft in Bewegung; der französische Gesandte trat in den Salon.

Er war vor einigen Stunden von Erfurt zurückgekehrt, und verkündigte die Ankunft der Majestäten auf morgen Abend spät.

Obschon man die kluge Vorsicht des Herrn von Reinhard kannte, bestürmte man ihn doch um Neuigkeiten. Er ließ sich aber nur auf das Allgemeinste ein. – Nach der engen Verbindung, sagte er, die zwischen beiden Kaisern und ihren Ministern herrscht, läßt sich abnehmen, daß auf dem vertrauten Divan zwischen den höchsten Majestäten das intimste Einverständniß ruhte. Täglich speiste Alexander bei Napoleon; Beide besuchten hierauf das Theater, das um halb acht Uhr anfing, und Napoleon brachte dann den übrigen Abend bis Mitternacht im Palaste des russischen Kaisers zu. So tauschten sie – französische Küche und russischen Thee gegen einander aus. Und dies war auch ohne Zweifel der Zweck des Convents!

Noch nichts von Ländervertheilung, Excellenz? fragte mit bezüglichem Lächeln Oberst von Hammerstein.

Von Ländervertheilung weiß ich nichts, erwiderte der Gesandte; aber von einem neuen König war ganz privatim die Rede.

Man war höchst gespannt, als er in seinem heitern Tone fortfuhr:

Es ist noch ein Geheimniß, und ich will auch den neuen Johann ohne Land Ihrem Errathen preisgeben. Einer der vielen kleinen deutschen Regenten, die in Erfurt sich eingefunden hatten, kam von seiner Aufwartung bei Napoleon aus dem Gouvernementshôtel. Er mag sehr stattlich ausgesehen haben, sodaß ein Wachtposten, der ihn von weitem erblickt, eben die Mannschaft herausrufen will, als der wachthabende Officier ihm zuherrscht: Laissez donc! Ce n'est qu'un Roi!

Man lachte, und Herr von Reinhard entzog sich den weitern Fragen dadurch, daß er den Grafen Bülow begrüßend beiseite nahm. – Der König kommt sehr verstimmt zurück! flüsterte er ihm zu.

Verstimmt? Wovon?

Verstimmt, verdrossen, wie Sie wollen. Vielleicht verschnupft –. Ah! mein Gott! Da fällt mir's auf einmal ein! Sie wissen ja doch, daß der Großstallmeister, General d'Albignac, der Großmarschall, jetzt Graf von Wellingerode, und der Großceremonienmeister Tabatièren von Napoleon erhalten haben?

Diese Drei, Baron?

Ja. Graf Fürstenstein und General Du Coudras sind leer ausgegangen.

Nun, und der König?

Das wollt' ich eben sagen: der König hat die Prisen zu jenen Dosen erhalten. Sehen Sie, das ist es!

Er tippte lächelnd in Bülow's goldenes Spanioldöschen, und fuhr fort:

Aus einer übereilten Aeußerung Jerôme's über Bercagny's Unbrauchbarkeit schließe ich, daß der Kaiser Mittheilungen über Hofgeschichten erhalten und seinem lieben Bruder Vorwürfe gemacht hat. Geben Sie Acht, lieber Graf, wer jetzt am Hofe von seinem Schnupfen angesteckt wird!

 

Wirklich traf Jerôme mit der Königin am folgenden Abend gegen zehn Uhr in Cassel ein. Es regnete vom schwärzesten Himmel. Doch waren Vorkehrungen getroffen, daß die Majestäten durch beleuchtete Straßen fuhren und es nicht an Menschen fehlte, die ihre dreimaligen Vivats anstimmten.

Der König kehrte jetzt in der Winterresidenz der Stadt ein, wo die hohen Beamten zu seinem Empfang versammelt waren. Er begrüßte sie nur in ihrer Gesammtheit, klagte über Ermüdung auf den schlechten Straßen, und entließ sie auf Wiedersehen.

 

Der Erste, der am nächsten Morgen zur Audienz kam, war der Generaldirector der hohen Polizei. Der König empfing ihn auf dem Ruhebette, und Bercagny berichtete stehend, den Hut unterm Arm, über die Vorgänge der Zwischenzeit. Jerôme hörte ihn mit Ruhe und Gleichgültigkeit an, und fragte ebenso nach der etwaigen Entdeckung des geheimen Spions, der dem Kaiser berichte.

Keine Spur, Sire! antwortete Bercagny verzagt, und um den unangenehmen Eindruck, den er bei der ängstigenden Kälte des Königs fürchtete, zu verwischen, setzte er rasch hinzu:

Dagegen ist meiner Wachsamkeit Eines nicht entgangen, Sire, was ich nicht verschweigen darf. Madame Du Coudras ist inzwischen wieder in ihre frühere Neigung verfallen, des Abends zuweilen verkleidet in den Straßen umherzuschwärmen Ich erbitte mir Ew. Majestät Befehle, ob ich diese Ausgänge überwachen soll oder unbeachtet lassen.

Mit Vorsicht überwachen, antwortete Jerôme, und mit der größten Schonung wegen meines braven Gardecapitäns! Mir berichten, wenn ich frage. Schicken Sie mir Bongars herein!

Mit einer Handbewegung war Bercagny entlassen, und der alte Legionschef der Gendarmerie trat ein.

Hören Sie, Bongars, redete ihn Jerôme, sich aufrichtend, an: es wird seit längerer Zeit über alle Vorgänge an meinem Hof, über mein geheimstes Thun und Lassen an den Kaiser berichtet. Es ist mir sehr unangenehm. Bercagny kann den Spitzbuben nicht entdecken. Wissen Sie keinen Weg, des Schurken habhaft zu werden?

Nach einiger Ueberlegung versetzte Bongars:

Ein ganz einfacher Weg, Sire, wenn Ew. Majestät ihn genehmigen. Ich schicke einen gewandten Menschen nach Paris, ermächtigt, alle Briefe zu erbrechen, die aus Cassel oder, da der Schurke schwerlich hier am Ort etwas zur Post gibt, überhaupt aus Westfalen ankommen.

Bravo, Bongars, Bravo! rief der König, indem er lebhaft aufstand und den Alten auf die Schulter klopfte. Da sieht man, wo Verstand und Talent ist! Sie haben meine Genehmigung, und gehen Sie hinüber zu Marinville, das Weitere wegen der Beglaubigung Ihres Employé bei der Post in Paris zu verabreden. Kommen Sie heut zu Tisch; ich erzähle Ihnen, wie der Gendarmeriedienst in Erfurt eingerichtet war, nach den Ideen des Kaisers.

Indem Bongars sich entfernen wollte, trat Marinville mit Cabinetstaschen ein. Jerôme machte ihn nun selbst mit dem Vorschlage des Generals bekannt, und die Sache kam sofort zur Berathung. Dazwischen wurde General Salha gemeldet und hinter Bongars angenommen.

Der König empfing ihn mit einiger Befangenheit, die aber verschwand, sobald er bemerkte, daß Salha sich durch den Auftrag geschmeichelt fand, der ihm zugedacht war – ein Geschäft, wozu Jerôme, wie er sich ausdrückte, eines so altvertrauten Freundes bedurfte. Es betraf eine Sendung an den neuen König Joseph, Jerôme's Bruder in Spanien. – Marinville und Le Camus werden Sie mit der Angelegenheit ganz vertraut machen, sagte er, und ich gebe Ihnen dann noch besondere Aufträge. Es wird Ihnen sehr interessant sein, unter den jetzigen Verhältnissen Madrid zu sehen. Und um Ihnen die Reise angenehm zu machen, denke ich – Sie nehmen Ihre Familie mit, wenigstens bis Paris.

Dies kam dem General weniger erwünscht, wie es schien. Als er einige Erinnerungen entgegnete, versetzte Jerôme:

Ich habe einen besondern Grund dafür, lieber Salha. Sie wissen, es sind mir sehr leidige und auch für Sie verdrießliche Erörterungen Ihrer Frau mit Le Camus vorgefallen. Diese könnten sich erneuern, wenn Morio zurück ist, den ich in wenigen Tagen von seiner Reise nach Neapel erwarte. Vermuthlich geht dann die Verbindung unsers Le Camus mit der Comtesse Hardenberg vor sich. Es kann ja Ihrer Frau und Tochter nur ganz erwünscht kommen, unter so gutem Anschein, als Ihre ehrenvolle Mission darbietet, von Cassel fort zu sein, wenn diese Vermählung, mit Festlichkeiten und Gratulationen verbunden, vor sich geht. Theil daran nehmen werden Beide nicht wollen, und sich ausschließen, hieße eine Blöße gehen. Ich denke, General, Sie erkennen meine gute Absicht. Aber ich hoffe, die Reise und Paris selbst geben neue Eindrücke, die Ihrer beiden Damen heitere Stimmung und seine Liebenswürdigkeit wieder herstellen.

Nach einigen weitern Erörterungen war Salha zufriedengestellt, und entfernte sich, um die Seinigen mit der zu beeilenden Reise bekannt zu machen und die dringenden Vorkehrungen zu treffen.

Jerôme ließ seine Befriedigung über die glücklich erledigte Angelegenheit aus. – Ich wollte noch meinen guten Gardecapitän sprechen, aber ich bin erschöpft von diesen Verhandlungen, sagte er; Du Coudras wird draußen sein, Marinville; sprechen Sie mit ihm. Sagen Sie ihm, ich würde ihn bis morgen zum Colonelgeneral der Garden befördern. Ich denke, das wird ihm lieber sein, als wenn er auch eine Tabatière in Erfurt erhalten hätte. Dann gehen Sie heut einen Augenblick hinüber zu seiner Frau, und sagen Sie ihr: sie möchte vor Bercagny's Spionen ein wenig auf der Hut sein, wenn sie in Verkleidung ihre abendlichen Promenaden machte. Falls sie Unannehmlichkeiten mit der Polizei bekäme, würde ich genöthigt sein, sie von Hofe zu verbannen.

 

Die Rückkehr des Hofes, gewissermaßen eine doppelte, nämlich von Erfurt und von Napoleonshöhe, brachte zum Beginn des Winterlebens einen neuen Schwung in die Residenz. Die Blicke der Bewohner, zwei Wochen lang nach Erfurt gerichtet, fielen jetzt auf nähere und weniger räthselhafte Vorgänge. In der höhern Gesellschaft gab es das Bildniß des Kaisers auf den Tabatièren der Großbeamten zu bewundern, und im Stillen die Brillanten abzuschätzen, von denen es eingefaßt war; ferner gab es Glückwünsche an drei große Bänder zu knüpfen: an das große Band des königlichen Ordens beider Sicilien, das General Morio mit von Neapel brachte, und an die beiden großen Bänder des Ordens der Ehrenlegion, die der Kaiser kurz vor seiner Abreise von Erfurt durch einen Kurier zur Vertheilung an Jerôme geschickt, und die der König an den Grafen Bülow und Grafen Booch verliehen hatte.

Damit es aber der lauten, glänzenden Theilnahme auch nicht an einer dunkeln, räthselhaften Seite fehle, so war Salha mit einer geheimen Sendung schnell abgereist, und man flüsterte von heftigen Scenen mit der Generalin, die sich nur ungern zur Mitreise entschlossen hätte.

Auf Erfurt kam in der höhern Gesellschaft wenig mehr die Rede. Dort, nach unermeßlichem Festgepränge, hatten zum Schluß des Congresses noch die deutschen Fürsten den 14. October, als den Jahrestag des Napoleon'schen Sieges über Preußen bei Auerstädt, mitfeiern helfen, und waren darauf in ihre kleinen Residenzen zurückgekehrt – wie die glänzenden Blumenblätter einer prachtvollen Fackeldistel, die nur eine Mitternacht blühte, welk auf die nachbarlichen Blumenscherben abfallen. Das Geheimniß jener Mitternacht, zu dessen Befruchtung sie geglänzt hatten, war vielleicht ihnen selbst verschlossen geblieben. In Cassel bedauerte man nur, daß die berühmten französischen Schauspieler nun doch nicht, wozu man bisher einige Oeffnung gehabt hatte, über Jerôme's Residenz nach Paris zurückgekehrt waren, bei welcher Gelegenheit sie wahrscheinlich einige Vorstellungen gegeben hätten.

Etwas von den erfurter Verhandlungen kam inzwischen doch aus, und stahl sich als Geheimniß auf geheimen Umwegen zu den Einverstandenen des preußisch-hessischen Bundes. Hermann fand sich veranlaßt, einige Zeilen darüber an die Freunde in Homberg zu geben. Er that dies in dem Anhang eines seiner freundschaftlichen Briefe an Lina, den er eben im Begriff war abzusenden. Die Zeilen lauteten:

»Zum Schluß, liebe Lina-Schwester, habe ich euch etwas Näheres über den verunglückten Brief des Ministers von Stein zu melden, der dich an eine so leidige Stunde erinnert.

»Der – um das Wenigste zu sagen – gewissenlos nachlässige Bote, Assessor Koppe, hatte briefliche Vorschläge des Fürsten Sayn-Wittgenstein wegen Anleihen bei hamburger Häusern oder beim reichen Kurfürsten in Itzehoe überbracht, und wartete des Ministers Antwort bei seiner in Berlin wohnenden Frau ab. Hier ging ein Franzose, Namens Vigneron, aus und ein, ein Liebhaber der Schwägerin Koppe's, die bei ihrer Schwester wohnte. Was nun hier geschehen, verabredet, oder von Stein's lauernden Feinden ausgekundschaftet worden, liegt jetzt noch im Dunkel. Genug, Koppe empfängt den Brief, in welchem jene Stelle vorkommt, die du mit Frau Dechantin aus königlichem Munde vernommen hast, reist ab, und wird auf Marschall Soult's Befehl bei Spandau festgenommen. Ein Gendarm zieht ihm ohne allen Widerstand den Brief aus der Brusttasche. So wenig Vorsicht hatte der Bote gebraucht, so leicht zum Wegnehmen hatte er den Brief eingesteckt. Ob er gewonnen, ob er Verräther war? Man glaubt es. Einstweilen, vielleicht nur zu seiner eigenen Sicherheit, oder um den Schein zu wahren, ist er nach Frankreich gebracht worden. Der Minister wird nun seinen Abschied nehmen müssen. Seinem unglücklichen König geht er verloren; hoffentlich gewinnt ihn die preußische Sache, und in dieser muß auch der König seine Entschädigung finden.

»Sodann haben wir Nachrichten über das erfurter Bündniß zwischen Ost und West zur Zerstörung des Reichs der Mitte, wie man wol Deutschland auf gut Chinesisch nennen kann. Die Mittheilungen, vom hannöverschen Minister Hardenberg und dem östreichischen Stadion ausgegangen, sind uns über London zugekommen. Im Allgemeinen rechtfertigen sie die Besorgniß, die man vom Congreß hatte. Es soll verabredet worden sein, die Zukunft von Europa zu ändern und alle europäischen Länder einer Theilung zu unterwerfen. Das Besondere wird Oberst Dörnberg und Herr Martin den Freunden mündlich berichten. Der Oberst nimmt auf ein paar Tage Urlaub, auf die Jagd zu gehen. Ich soll ihn euch auf nächsten Montag ankündigen.

»Mich betreffend, liebe Lina, bemerke ich noch nachträglich, daß mein Minister nächstens meine Anstellung wieder in Anregung zu bringen denkt. Es ist mir eigentlich mehr um den Dienstgaul als um den Dienstgehalt zuthun. Wäre ich schon beritten, so käme ich mit Dörnberg auf einen halben Tag zu euch. Aber ich bin vorerst noch auf Schusters Rappen beschränkt. Dafür hoffen wir, die Mutter und ich, daß ihr zu den Festlichkeiten an des Königs Geburtstage hierher kommt. Sie richtet jetzt schon die vordere Stube für euch ein. Und ich? Ich räume nach und nach mein Herz von aller Politik und Arbeit auf; ich blase den Aktenstaub aus meinen Gedanken, um meine liebsten Menschen – Lina und Ludwig zu empfangen. Man verspricht sich außerordentlichen Pomp, und der Kalender – frische, trockene Witterung! Also dürfen wir auf euch rechnen.«



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