Ulrich Hegner
Hans Holbein der Jüngere
Ulrich Hegner

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Holbeins Schüler.

Es ist kaum zu bezweifeln, daß ein Meister von so bedeutendem Ansehen, nach der Art seines Berufs in damaliger Zeit, nicht auch Gesellen gehalten habe, die ihm helfen konnten, oder daß ihm nicht Lehrjungen, die seine Kunst suchten oder suchen sollten, wären zugegeben worden; kaum zu zweifeln, daß aus diesen Gesellen und Jungen nicht auch einige Maler von Bedeutung hervorgegangen seyen. Freilich kömmt aus der Dunkelheit, die über sein Privatleben herrscht, hievon wenig zu Tage. Einzig nennt uns die Kunstgeschichte zwei allerdings treffliche Künstler, Christoph Amberger von Nürnberg und Hans Asper von Zürich, als seine Schüler; worüber man aber auch Bestimmtes nichts weiß, als daß man noch aus ihrer Arbeit schließt, sie haben Holbein zu ihrem Muster genommen.

176 SandrartMaler-Academie. S. 235. gedenkt Ambergers zuerst mit Ehren, bedauert aber auch bei diesem Anlaß, wie anderswo, »daß kein einiger unsrer deutschen Nation jemalen mit Schriften oder andern Gedächtnissen dessen Namen und Kunst gerühmt habe.« Weshalb es ihm unmöglich geworden, von seinen Eltern oder seinem Lehrmeister etwas in Erfahrung zu bringen. »Weil er aber in seiner Manier zu mahlen, absonderlich in Conterfeten, dem berühmtenAus diesem Beiworte läßt sich schließen, daß Sandrart den jüngern Holbein als den berühmtern gemeint habe. Andre, Füßly, Mannlich u. s. w. nennen ihn einen Schüler des ältern. Künstler Holbein gefolgt, als urtheilt man, theils deßwegen, theils wegen des Datums, daß er bei demselben das Mahlen gelernt habe.« – Paul von StettenKunst-Geschichte der Stadt Augsburg. I. 278. läßt ihn von Nürnberg abstammen, und nennt ihn einen Schüler des jüngern Holbeins. Er gibt 1562 als das Jahr seines Todes an. Von seinen Arbeiten findet man noch in NürnbergC. G. von Murr, Beschreibung der Stadt Nürnberg. und in mehrern deutschen Gallerien, wo man die Aehnlichkeit zwischen Meister und Schüler zu vergleichen am besten Gelegenheit hat. Etwas muß doch an dieser Aehnlichkeit seyn, weil der in Kunstkenntniß wohlerfahrene Sandrart es sagt.

177 Das Bildniß Kaiser Carls V, das er im Jahre 1530 in Augsburg malte, hat ihn berühmt gemacht, so wie seine dabei bewiesene Genügsamkeit, indem er nicht mehr als zehen Thaler für das Bild verlangte; der Kaiser jedoch äußerte sich, er schätze es Tizians Arbeit gleich, dem Er für jedes Bildniß hundert Thaler zahlen mußte, und belohnte die bescheidene Forderung des deutschen Künstlers mit dreifacher Bezahlung und einer goldenen Kette.

Zu selbiger Zeit bemalte er auch in Augsburg die Außenseite einiger jener achtunggebietenden Gebäude, die der Stadt zur Zierde gereichten, und ohne Noth nie hätten modernisirt werden sollen.

Von Hans Asper hört man außerhalb der Schweiz, ja außerhalb Zürich, seinem Wohnorte, nur wenig. Sein Licht verlor sich mit der Zeit in dem Glanze dessen, den er nachahmte. Im Jahre 1599 geboren, war er gleiches Alters mit Holbein; ob er aber wirklich bei demselben in der Lehre gestanden, ist unerwiesen, so viel aber ist gewiß, daß er Holbeins Manier zu der seinigen gemacht, und zwar mit so viel Fleiß und Treue, daß es ihm, wie Füesli sagtGeschichte der Künstler in der Schweiz. I. 39., oft gelang, seine besten Werke für dessen Arbeit gelten zu machen, womit er aber auch, wenn dem 178 so ist, für augenblicklichen Vortheil seinen bleibenden Ruhm hingab. Viele seiner Bilder wurden daher Holbein zugeschrieben, welches zum Theil jetzt noch geschieht, wozu auch sein dem Holbeinischen ähnliches Monogramm beigetragen haben mag. Auch PatinIndex operum J. Holb. 46. führt noch das Bildniß Conrad Pellikan's als ein in Zürich befindliches Werk Holbeins an, welches man jetzt für Aspers Arbeit erklärt. – Durch ihn ist die einzige Abbildung, die man von Ulrich Zwingli hat, auf die Nachwelt gekommen, ein schätzbares Oehlgemälde, das auf der öffentlichen Bibliothek in Zürich aufbehalten wird.

Man hat noch mehrere Bildnisse von Hans Asper, wo Eheleute, Geschwister oder Freunde auf zwei hölzerne Tafeln gemalt, und diese durch Bande vereinigt sind, so daß sie wie ein Buch zusammengelegt werden können. Diese Einrahmung soll ihm gewöhnlich gewesen seyn, und wäre auch jetzt noch in mancher Rücksicht zu empfehlen.

Er behandelte die Farben leicht und weich, doch mit lebhafter Wahrheit, und zeichnete richtig; da er sich aber häufiger Lasuren bediente, und diese der Einwirkung der Zeit und des Putzens nicht widerstanden, so haben 179 viele seiner Bildnisse die ursprüngliche Einheit und Klarheit des Colorits eingebüßt. – In vielen dem Holbein ähnlich, blieb er doch in dem eben so fein als tief empfundenen Ergreifen objectiver Wahrheit hinter ihm zurück. Von seiner Geschicklichkeit im Zeichnen zeugen die trefflichen Figuren in Conrad Geßners Thierbuch, die er nach der Natur mit Farben auf Papier gezeichnetJ. C. Füesli am angef. Orte. 41., vielleicht theilweise auch in Holz geschnitten hat. Ein kleines in Holz geschnittenes Bild von Zwingli trägt seinen Namenszug, auch noch andre Holzschnitte sollen denselben haben.

Es werden auch als Beweise seiner Kunst und Erfindung die von Rudolph Meyer in Kupfer gestochenen historischen Bilder in Murers Helvetia sancta angeführt, wozu er nach Angabe der meisten Blätter die Entwürfe gemacht haben soll. Darin liegt jedoch etwas Unerklärliches, denn Hans Asper starb 1571, und der Verfasser des Buchs wurde erst 1588 geborenHelvetia sancta, oder Beschreibung aller Heiligen im Schweizerland. Fol. Luzern. 1648. Vorrede.. Er müßte demnach schon in früherer Zeit diese Zeichnungen zu einem andern Zwecke gemacht, oder durch ein Wunder für dieß 180 Buch, das an Wundern so reich ist, durch vorgreifende Eingebung gearbeitet haben. Uebrigens tragen diese verdienstvollen Figuren sowohl in Tracht als Stellungen so viel Kennzeichen der spätern Zeit und der eignen Manier Rudolph Meyers, der sie in Kupfer gebracht hat, daß man offenbar sieht, dieser habe sie, wo nicht selbst erfunden, doch gewiß sehr willkührlich verändert.

In der Boisseréeischen Sammlung steht das Bildniß eines Zürichers, 1533 von Asper gemalt, das von einem einsichtsvollen Kenner sehr gelobt, und den Arbeiten Lucas Cranachs in mancher Hinsicht vorgezogen wirdKunstblatt. 1820. Nr. 37..

Holbeins Ueberlegenheit scheint auch seine Brüder zu seiner eigenthümlichen Art hingerissen zu haben, so daß von den vielen Bildern unter seinem Namen manche von Rechtswegen den Brüdern zur Ehre gerechnet werden sollten. Noch sind auf der Bibliothek zu Basel zwei Knabenköpfe aufbewahrt, die dieß bestätigen. Sie sind auf Holz, ungefähr Halblebensgröße, laut dem Amerbachischen Inventarium, von Ambrosius Holbein gemalt; zwar nur mit wenigen Farben leicht hingeworfen, und darum dem oberflächlichen Anblick etwas gemein scheinend, bei näherer Betrachtung jedoch herrliche Kunsterzeugnisse, und 181 von lebendiger, sicherer Zeichnung. Zwei allerliebste Knabengesichter sind es, besonders der blonde. Keine fade Schönheit der Züge, wie sie viele Mütter lieben, aber das Knabenhafte, die Mannheit im Kinde, die muthige Sorgenlosigkeit, der gesunde Sinn, und die diesem Alter eigene Scham und Empfindlichkeit für Unrecht könnten nicht glaubwürdiger vereinigt und ausgedrückt seyn. Gelbe Kleider mit rothen und schwarzen Streifen vervollständigen noch den knäblichen Eindruck. Blauer Grund, oben Verzierungen und Engelchen. Diese einfache Wahrheit ist ganz im Geiste des berühmtern Bruders. 182

 


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