Andreas Gryphius
Horribilicribrifax Teutsch
Andreas Gryphius

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Selenissa. Antonia. Daradiridatumtarides.

Selenissa. Mit dem Klepper zu dem Thore hinaus? da soll dir der Teuffel ehe den Hals brechen / ehe es dazu kommet. Jch will ihn anreden.

Daradir. Voila, dort kommt meine Reiche.

Selenissa. Finde ich meinen Braeutigam so hier allein!

Daradir. Nenni, sondern vergesellet mit seinem unueberwindlichen Gedancken / avec un ceur d'un Mars. Was machet meine Werthe hier vor der Thueren?

Selenissa. Sie muß sehr unwerth seyn / weil ihr Geschencke so gering geachtet / daß es nicht an seinem Finger mehr Platz haben kan.

Daradir. Mort de ma vie, es gilt hir eins ums ander! weil sie unsre Kette nicht wuerdiget an ihren Hals zuhencken / stehet uns auch der Rinck nicht an.

Selenissa. Wir sind niemals gewohnet / Ketten von Messing zu tragen.

Daradir. Cocqvette arrogante! Habt ihr doch keine bessre zubezahlen. Jch wil lieber Messing das mein eigen ist als geliehen Gold! oder habt ihr mich wegen des Geldes genommen? Jch halte diese Ketten hoeher / als aller naerrischen Jungfern Tocken-Kram! hab ich sie euch fuer golden gegeben? Jch habe sie dem Koenige in China, als ich fuer dreyen Jahren mit den Tartern eingefallen / und ihr General gewesen / mit meinen eignen Haenden von dem Halse gerissen. Und daselbst schaetzet man Messing weit ueber Gold.

Selenissa. Ander Land / andre Sitten! wenn ich ihm zu arm / haette er eine moegen in China heyrathen / die etliche Koenigreiche besessen haette.

Daradir. C'est assetz. Je cherche vous. Andere kan ich ieden Augenblick haben. Als wenn mir nicht die Koenigin von Monopotapa noch gestern durch einen eignen Curir ihr Koenigreich haette anbieten lassen / mit dem Bedinge / daß ich sie heyrathen solle!

Anton. Er heyrathe sie denn nach seinen Willen / und lasse mich und mein Kind unbetrogen.

Darad. Was? wolt ihr mir die Heyrath auffkuendigen? Outrage pour l'outrage! da soll euch der Donnerknall von Carthaunen darfuer erschlagen! euch zu Trotz muest ihr mich haben / jhr sollet mich haben / und wenn ich euch gleich nicht haben wolte / so will ich dennoch euch anietzo behalten; damit ihr sehet / daß es nicht in eurer / sondern in meiner Macht stehe mit euch zuhandeln / zu thun und zu lassen / zu schalten und zu walten. Jch mag euch verschencken / verkauffen / verstechen / verjagen / verschicken / verwechseln / verbeuten / ihr seyd mein avec tous ces deffauts, nicht anders / als leibeigen; darnach habts euch zurichten / denn das ist unser endlicher / ernster / und ungnaedigster Wille. (Er gehet darvon.)

Selenissa. Jch will mein Leben daran setzen / und nicht ruhen / biß ich seiner loß worden / oder ihn von dem Platze gebracht. Jch will den Capiten Horribilicribrifax auff ein paar Worte zu mir bitten lassen. Der wird mir schon zu diesem Stueck befoerderlich seyn.


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