Andreas Gryphius
Horribilicribrifax Teutsch
Andreas Gryphius

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Rabbi Isaschar. Frau Antonia.

Der Jude traegt ein silbern Gießbecken unter dem Arm / und die Kanne in der Hand.

Rabbi. Ey bey meinem juedischen Madda! bey meinem Eyde! es ist nicht anders / als ich euch sage! mezzekenim ethbonan!

Antonia. So were ich die elendeste Frau auff dem gantzen Erdboden. Andere reden gleichwol gar anders.

Rabbi. Lo jadeu velo jasinu. Jhr werdet das in der That erfahren / denn ich sage euch nichts als die blosse lautere Warheit! Was hatte ich fuer Ursach euch zu betriegen? ich weiß / ihr seyd eine ehrliche Frau / es ist nicht anders / so wahr / als ich Rabbi bin / und heute gedarascht habe.

Antonia. Es scheinet aber unglaublich zu seyn.

Rabbi. Unglaublich? warum unglaublich? es geschehen wohl mehr derogleichen Sachen / und ihr kennet das gemeine Sprichwort: Der Tod und Heyrath entdecken alle Dinge / wenn es nicht so waere / man wuerde malcanderen den gehelen Dag sonder Ersgatt beschiten / spricht der Hollaender.

Antonia. Mein lieber Rabbi, seyd mir doch zu Dienste mit zwey oder dreihundert Reichsthalern / nur auff wenige Tage / gegen genugsames Pfand.

Rabbi. Ey warum das nicht / liebe Frau? auff ein Jahr und laenger / wenn das Chafol Tof und Thuf ist; last mich es schauen!

Antonia. Hir hab ich es. Sehet welch eine treffliche Kette mit Diamanten versetzet.

Rabbi. Ey Frau Antonia? welch schoen Ding ist das? col hefel hefalim!

Antonia. Es ist ein trefflich Stueck / wie ihr selber sehet / nehmts in eure Haende / und beseht sie gar wohl.

Rabbi. Frau Antonia, wir sind gute Freunde; ich habe euch mehrmahls gedienet / und thu es noch gern: Hoffe auch / ihr werdet mir erlauben / daß ich ein omer oder zwey mit euch reden moege. Wie viel begehret ihr / daß ich euch auff diese Chach leihe?

Antonia. Dreyhundert Reichsthaler.

Rabbi. Wolt ihr / daß ich euch mit einem nifo sage!

Anton. Ey Rabbi Isaschar, machet die Sache nicht schwer! die Kette ist auffs wenigste zwey tausend Ducaten werth.

Rabbi. Frau Antonia! mit einem Wort ich wil euch auff diese Kette schilen - - -

Anton. Wie viel?

Rabb. Fuenff Silbergroschen! und ist noch heediph.

Anton. Was fuenff Silbergroschen? seid ihr toll?

Rabbi. Mein / Frau Antonia, ich bin chacham, aber die Kette ist von Messing / und die Steinichen von Glaß. Das sag ich euch bey meinem Juedischen Alah!

Antonia. Wie kan es moeglich seyn? es hat sie noch vor zwey Stunden der tapferste Cavalier an seinem Halse getragen!

Rabbi. Traut meinen Worten / und gebt die Kette dem wider / von dem ihr sie empfangen habet. Die Kette ist von Messing. Der braveste Cavalier? O es ist lo achat geschehen! ihr sind mehr / die derogleichen Ketten tragen!

Anton. So ist weder Treu noch Glauben in der Welt!

Rabbi. Von wem habt ihr sie geachazt?

Antonia. von Capitain Daradiridatumtarides.

Rabbi. Hoh? es ist der groeste maschgeh, Bescheisser und Betrueger in der Welt!

Antonia. Ey Rabbi, bedencket euch! was saget ihr?

Rabbi. Jch wolte es ihm in die Augen sagen / zu heteln, falsche Siegel nachzumachen / Handschrifften zuverfaelschen / Brieffe zu erdichten / ist seines gleichen nicht! Er ist mir achthundert Kronen schuldig / und schier so viel neschech, und schweret alle Tage / daß ihn der Schet holen moechte. Aber ich sehe weder Zahaff noch Silber / noch Zinse. Das beste wird seyn / daß ich ihn lasse Thapsen / und in das Esur stecken.

Antonia. Es ist unmoeglich!

Rabbi. Er ist mir nicht allein schuldig; es ist kein Kenaani, kein Kramer / kein Schneider / kein Schuster / kein Hutmacher / der ihn nicht auff seinem megillha oder Buche habe.

Antonia. Das sey GOtt in dem hohen Himmel geklagt!

Rabbi. Glueck zu / Frau Antonia, ich muß bacek und dieses silberne aggan mit der Gießkanne einschliessen. Schaut dieses hat mir auch ein Cavalier, der den Fuersten heute eingeladen / zu Pfande gegeben / gleich als sich die Gaeste gewaschen / damit ich ihm Keseph zu Brodt liehe. Wenn sie werden Taffel gehalten haben / hat er mir versprochen das Saltzfaß mit den Tellern und Schuesseln dargegen zuschicken / damit ich ihm das Becken wieder folgen lasse / daß sie sich nach der Mahlzeit wider Thaharn koennen.

Antonia. O das Hertz moechte mir fuer Ungedult in tausend Stuecken brechen; O meine Tochter! meine Tochter! in was Elend hast du dich und mich durch deine Unbesonnenheit gestuertzet!


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