Andreas Gryphius
Horribilicribrifax Teutsch
Andreas Gryphius

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Coelestina. Camilla. Palladius.

Coelest. Daß man zwischen ihm und Fraeulin Eudoxia eine Heyrath schliessen wolle?

Camilla. Diß hab ich glaubwuerdig vernommen.

Coelestina. Camilla gehe zu meiner Naeterin / und sage / daß sie mir meinen angedingeten Sterbekuettel verfertige. Eudoxiae hohes Geschlecht und vornehme Freundschafft laesset mich nu nichts mehr hoffen!

Camilla. Werthe Jungfrau / es sind mehr vortreffliche Maenner vorhanden als Palladius! man findet ja seines gleichen noch! muessen es denn lauter Mareschalle seyn?

Coelest. Was sagest du von dem Mareschall? ich liebe nicht seinen Stand / sein Gut / sein Geschlecht / sondern nur ihn allein! ach / daß er der aermeste auff der gantzen Welt waere / und ich die groesseste Princessin / so koent ich ja vielleicht Mittel finden ihn zu meiner Liebe zu bewegen.

Camilla. Jch glaube bey meiner Seelen Seeligkeit / und wolte darauff sterben / daß unter allen Jungfrauen in dieser Stadt nicht eine / ja unter Eilff-Tausenden kaum eine zufinden / die dieser Ketzerey zugethan.

Coelest. Vielleicht ist in dieser Stadt / ja unter Eilfftausenden / nicht eine / die verstehe / was rechte Liebe sey. Sie lieben Geld / sie lieben Stand / sie lieben Ehre / und wenn sie sich in ihrem Sinn betrogen finden so verkehret sich die feurige Liebe in unausloeschlichen Haß. Jch liebe diß an Palladio, was ihm keine Zeit / keines Fuersten Ungenade / keine Kranckheit / kein Zufall nehmen kan / nemlich seine Tugend.

Camilla. Jch hasse diß an Palladio, was ihm keine Zeit / kein Unfall / keine Widerwertigkeit nehmen wird / nemlich seine hartnaeckigte Undanckbarkeit.

Coelest. O / er komt selber! was hindert mich daß ich ihm nicht entgegen gehe?

Camilla. Last uns in der Thueren stehn! meine Jungfrau wird dennoch Gelegenheit haben ihn anzusprechen.

Pallad. Das ist eine frembde Sache / die mir der Stadthalter erzehlet von unserm Capitain Daradiridatumtaride, daß er ihm seine Braut mit einer so trefflichen Gueldenen Kette verbunden! andere moegen hinfuero die Augen besser auffthun! doch ich schaetze mich glueckselig / nach dem ich Eudoxien erblicket / daß ich jener Bande so leicht erlediget worden. Aber / was ist dieses / ich dachte wol es wuerde an Coelestines Gesichte nicht fehlen! Der Jungfrauen meine Dienste.

Camilla. Mich verdreust dieses Schauspiel laenger anzusehen. Mich jammert der armseligen Coelestinen!

Coelest. Mein Herr / ich dancke ihm von Hertzen fuer so werthes Anerbieten / und wuendsche zu der neuerlangten Ehre von dem Allerhoechsten ihm stets bestaendiges Glueck und immerbluehendes Wohlergehen!

Pallad. Der Wundsch ist mir uebermassen angenehm / und waere noch angenehmer / wenn er nicht mit diesem Seufftzen besiegelt waere.

Coelest. Jch mag wohl seufftzen. Ja weinen moechte ich / wenn ich bedencke / welch einen werthen Freund ich verlohren.

Pallad. Die Jungfrau erzehle / wen sie verlohren / daß ich Gelegenheit nehmen koenne mein Mitleiden gegen sie zu erweisen.

Coelest. Mein Herr / ich habe ihn selbst verlohren / sein hoeherer Stand hat mir ihn geraubet! auch ist es vergebens / daß er mich seines Mittleidens versichert; weil ich es nie damals von ihm hoffen koennen / da er noch der vorige Palladius gewesen.

Pallad. Mein Stand ist mir um keiner anderen Ursachen willen angenehm / als daß ich vermeine / in und durch denselben meiner Werthen mehr und angenehmere Dienste zu leisten.

Coelest. Wolte GOtt / ich koente derselben seiner Werthen auffwarten!

Pallad. Meine Jungfrau mueste ihr denn selbst auffwarten.

Camilla. O falsche Wort! O verlarvetes Gesicht!

Pallad. Was sagt Jungfrau Camilla?

Camilla. Nichts / als daß ihre Genaden in dem Wahn / daß sie Fraeulin Eudoxien vor sich haben.

Pallad. Warum das? verdienet Jungfrau Eudoxia nicht alle Ehrenpflicht?

Coelest. Mein Herr / ich muß es gestehen / daß sie die hoechste verdiene: weil sie dem Gefallen / welchem nichts / als die Vollkommenheit selbst gefallen kan. Jch wuendsche nur / daß selbige ihm ewig gefallen moege!

Pallad. Sie gefaellt mir nicht anders / als alle Fraeulin von Tugend und Stande / welchen ich schuldig bin mit Darsetzung meines Lebens zu dienen; und Jungfrau Coelestina hat nicht anders von mir zu vermuthen / als eine auffrichtige Gewogenheit.

Coelest. O kalte Worte! mein Herr Palladi! ich bitte / er sey auffs wenigste eingedenck / daß Coelestine sich glueckselig schaetzen wuerde / wenn mein Herr Gelegenheit finden moechte / sich ihrer Gueter und Mittel zu gebrauchen.

Pallad. Habe ich nicht Ursach mich ueber Jungfrau Coelestinen zu beklagen / die mir ihre Gueter anbeut / und die Gunst versaget / das ist / die Schalen anbietet und die Frucht vor sich behaelt.

Coelest. Man ueberreichet die Frucht keinem dem sie nicht angenehm / vornemlich / wenn sie fuer sich selbst unwerth. Solte sich aber Gelegenheit finden / in welcher ich darthun koente / wie hoch Coelestine Palladium ehre / wolte ich kein Bedencken tragen / dieses mein weniges Leben vor das seine auffzusetzen.

Pallad. O auffrichtiges Gemueth! Warum laß ich mich laenger meine eigene Fantasien verleiten? Wolte GOtt / wertheste Jungfrau / mir were moeglich ihr mit gleicher Liebe und Ehren-Neigungen zu begegnen. Unterdessen / gebe ihr ich mich selbst zu einem Pfande der von mir versprochenen Dienste / und bitte sie / sie geruhe zu glauben / daß sie die einige sey / welche durchaus und allein ueber Palladium gebieten mag.

Coelestina weinet.

Camilla. Mein Herr Palladi, wir haben die hohen Worte des Hofes laengst kennen lernen!

Pallad. Der Hoff fuehre solche Worte / wie er wolle! meine Worte sollen ewig feste bleiben. Jch schliesse mit dieser Faust / mit welcher ich die ihre umfange / die ich inbruenstig kuesse.

Coelest. Mein Herr Palladi, was werde ich ihm fuer so werthes Geschenck uebergeben koennen / daß ihm angenehm?

Pallad. Jch begehre nichts / als ihre mir zuvor versprochene Gewogenheit!

Camilla. Meine Jungfrau / ich hoere Volck ankommen.

Coelest. Jch bitte / mein Herr Palladi, trete etwas mit ab in mein Hauß / in welchem er ueber alle zu gebieten!


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