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Achtzehntes Kapitel.


Von der Burg schallten ihnen Klagelaute entgegen, die Kapelle war feyerlich erleuchtet, in derselben kniete bethend Gabriele, jammernd um Ritter Montfaucons Tod.

Aber wie schnell war alles umgewandelt, als nun der edle Freyherr, zwar bleich und blutig, aber doch aller Lebensgefahr entwunden, lächelnd am Eingange des frommen Gebäudes stand, und mit leiser, anmuthiger Stimme, sagte: »besinne dich, Gabriele, und erschrick nicht vor mir; denn bey meines Stammes Ehre: dein Ritter lebt.«

O, wie beseligt funkelten Gabrielens himmlische Augen ihrem Helden entgegen, und wandten sich dann gleich wieder dem Himmel zu, noch immer strömend, aber von den Segensbächen der dankenden Freude! Mit der Hülfe zweyer Edelknaben senkte sich Folko neben sie auf das Knie, und beyde feyerten ihr Glück im stillen Gebethe.

Als man nun aus der Kapelle schritt, der wunde Ritter von seiner schönen Herrinn sorgsam geführt, stand draußen im Dunkel Sintram, finster wie die Nacht, und scheu wie ihr Geflügel. Doch trat er bebend vor in den Lichtschein der Fackeln, legte des Bären Haupt und Klauen vor Gabrielens Füße nieder, und sagte: »dieß hat der große Freyherr von Montfaucon für seine Dame erobert, als den Preis der heutigen Jagd.« – Die Normänner brachen in staunenden Jubelruf aus über den fremden Helden, der gleich auf der ersten Waidfahrt den herrlichsten und furchtbarsten aller räuberischen Unthiere aus ihren Bergen gefällt hatte. Da sahe Folko lächelnd im Kreise herum, und sagte: »es müssen mir es nun aber auch Einige von euch nicht belachen, wenn ich vor der Hand in den Gemächern bey der niedlichen Frau verweile.« – Die aber gestern in der Schmiedehalle gesprochen hatten, traten vor, neigten sich tief, und erwiederten: »Herr, wer konnte denn wissen, daß es in der ganzen Welt keine Ritterübung gibt, welcher du nicht vor allen andern Menschen gewachsen seyest!« – »Dem Zöglinge des alten Herrn Hugh ließ sich schon etwas zutrauen;« entgegnete Folko freundlich. »Aber nun, ihr wackeren Nordlands-Helden, lobt mir auch meinen Retter, der mich vor den Krallen der Bärinn schützte, als ich wund von dem Sturze gegen die Felswand lehnte.«

Er zeigte auf Sintram, und der allgemeine Jubelruf erneuerte sich, und der alte Rolf senkte sein Haupt, Freudenthränen an den Wimpern, über seines Pflegekindes Hand.

Aber Sintram wich schaudernd zurück. »Wüßtet ihr,« sprach er, »wen ihr vor euch habt, alle euere Lanzen flögen gegen meine Brust, und das möchte mir vielleicht auch das Beste seyn. Doch ich schone die Ehre meines Vaters und meines Stammes, und beichte dieß Mahl nicht. Nur so viel, edle Nordlands-Recken, müßt ihr wissen« –

»Jüngling,« unterbrach ihn Folko mit einem strafenden Blicke, »schon wieder so grimmig und verworren? Ich begehre, daß du von deinen wesenlosen Träumen schweigst.«

Sintram that vorerst nach des Freyherrn Geboth, aber kaum, daß dieser lächelnd gegen die Burgtreppe hinauf zu schreiten begann, so rief er: »o nein, o nein, du edler, wunderbarer Held, noch halte an! Ich will dir dienen in allem, was dein Herz begehrt: hierin dir dienen kann ich nicht. Ihr edlen Nordlands-Recken, ja, so viel sollt und müßt ihr wissen: ich bin es nicht mehr werth, unter einem Dache zu hausen mit dem großen Folko von Montfaucon und mit seiner engelreinen Hausfrau Gabriele. Und ihr, mein alternder Vater, habet gute Nacht, und sehnet euch weiter nicht nach mir. In der Steinburg auf dem Mondfelsen gedenke ich zu hausen, bis es auf irgend eine Art wieder anders wird.«

Es war etwas in seinen Reden, welchen sich niemand entgegen zu setzen wagte, selbst Folko nicht. Der wilde Biörn neigte demüthig sein Haupt und sagte: »Thue nur immerhin nach deinem Gefallen, mein armer Sohn; denn ich fürchte, du hast sehr recht.«

Da schritt Sintram feyerlich und schweigend durch das Burgthor davon, der fromme Rolf ihm nach. Gabriele führte den ermatteten Freyherrn nach seinen Kammern hinauf.


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