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Anhang.
Ratschläge für eine indische Reise.

Eine Indienfahrt gehört von Jahr zu Jahr mehr in das Programm der Vergnügungsreisenden großen Stils. Auch ist die Frage nach ihren Kosten und Vorbereitungen so oft an mich gerichtet worden, daß ich glaube, meinem Tagebuch die Erfahrungen, die ich auf diesem Gebiete gesammelt habe, in Kürze beifügen zu sollen.

Die günstigste Zeit für einen Besuch Indiens liegt zwischen Anfang November und Mitte März. Ist der Entschluß gefaßt, die Reise nach dem fernen Osten anzutreten, so gilt es als wichtigste Vorbereitung, mindestens drei Monate vor der geplanten Abfahrt sich einen Platz auf einer der verschiedenen englischen, französischen, österreichischen oder deutschen Dampferlinien durch Einzahlung des halben Preises zu sichern. Ich würde stets einem Schiff des Norddeutschen Lloyd den Vorzug geben und mich hierdurch für die einzuschlagende Route bestimmen lassen.

Nach eigener Erfahrung sowohl, als auch nach den Aussagen aller Reisenden zeichnen sich die Dampfer dieser Linie durch größte Stabilität und ruhigen Gang, durch vorzügliche Verpflegung, tadellose Reinlichkeit und besondere Gefälligkeit der Angestellten und Bediensteten aus. Deshalb wählen selbst die Engländer mit Vorliebe die deutschen Schiffe zur Passage.

Dem Norddeutschen Lloyd obliegt der regelmäßige Postverkehr zwischen Deutschland, Japan und Australien. Die zuletzt gebauten Dampfer, wie z. B. »Prinz Eitel Fritz« und »Prinz Ludwig«, gehören einer neuen Klasse an. Diese Schiffe sind nicht nur mit allen Sicherheitsvorkehrungen, sondern auch mit jedem Komfort der Neuzeit ausgestattet.

Durch einen einzigen Handgriff wird es der Schiffsleitung ermöglicht von der Brücke aus nach vorausgegangenem Glockensignal sämtliche Schottentüren im Unterschiff gleichzeitig zu schließen. Der ganze Dampfer ist ferner mit einem Röhrennetz für Feuerlöschzwecke versehen. Eine Flottille von zwölf unsinkbaren Francispatentbooten und vier Halbklappbooten fertig zum Ausschwenken sorgt im Notfall für die Rettung der Passagiere.

Die Ausstattung des Dampfers ist sehr elegant und bequem. Vor allem zeigt sich das Arrangement der Kammern für die Kajütspassagiere als höchst praktisch. Außer Kabinen für eine Person ist eine Anzahl Zimmer derart eingerichtet, daß je zwei, durch eine Tür miteinander zusammenhängend, als gemeinsame Räume für eine größere Familie benutzt werden können. In den Passagierkammern zu zwei und mehr Personen befindet sich über jedem Bett ein Ausschalter für das elektrische Licht, ein Druckknopf für die Bedienung und ein elektrischer Anschluß zur Erwärmung der Brennschere. Elektrisch betriebene Flügelradventilatoren sind in allen Kammern vorgesehen. Ein Kindersalon und eine prächtige Turnhalle mit Apparaten für Reit-, Fahr-, Streck- und Ruderübungen vervollständigt die innere Einrichtung des Schiffes.

Alle 14 Tage verläßt ein Dampfer Bremen resp. Genua und Neapel und trifft nach siebzehntägiger Fahrt im Hafen von Colombo ein.

Bei der Wahl der Schiffskabinen achte man darauf, daß sie auf der nach Norden gekehrten Seite des Schiffes liegen, da diese viel kühler als jene der Südseite sind. Für die Ausreise also versuche man auf Backbord, d. h. auf der linken Seite des Dampfers, untergebracht zu werden.

Als die kühlsten, geräumigsten und ruhigsten Kammern pflegt man die auf dem Oberdeck gelegenen zu betrachten; sie werden von den alljährlich in die Heimat reisenden Kaufleuten bevorzugt, obschon die Luken dieser Kabinen bei bewegter See früher als jene der auf dem ersten Promenadendeck gelegenen Zimmer geschlossen werden müssen. Indessen haben letztere den Nachteil, daß die Ruhe ihres Bewohners viel größeren Störungen unterliegt. Die Passagiere pflegen ihren Spaziergängen und körperlichen Uebungen auf dem ersten Promenadendeck nachzukommen, während auf dem zweiten die Liegestühle aufgestellt sind und Gesellschaftsgruppen direkt vor den Fenstern der Kabinen sich plaudernd zusammenfinden. Wählt man aber trotz dieser Warnung die Kammer auf einem Promenadendeck, so ziehe man unbedingt eine solche auf dem ersten Promenadendeck vor, auf dem mehr promeniert und weniger geplaudert wird.

Die Preise der Kabinen richten sich nach ihrer Lage. Ein Retourbillet mit zweijähriger Gültigkeit berechnet sich ab Genua nach Colombo in der ersten Klasse mit Außenkabine auf 1475 Mk., Innenkabine auf 1213 Mk. Bei der zweiten Klasse, die in jeder Beziehung sehr gut, wenn auch einfacher gehalten ist, zahlt man für die Passage mit Außenkabine 1110 Mk., mit Innenkabine 929 Mk.

Ist der Tag der Abreise (z. B. von Genua aus) bestimmt, dann sollte man vier Wochen vorher Quartier in Colombo bestellen. In den Herbst- und Wintermonaten pflegen die Hotels in Colombo alle stark besetzt zu sein. Zu längerem Aufenthalt weise ich auf das entzückende »Hotel Mount Lavinia«, sieben Meilen von Colombo entfernt, aber in 30 Minuten per Bahn zu erreichen, und auf das »Galle-Face-Hotel« hin; zu kürzerem Verweilen möchte ich »Grand-Oriental-Hotel«, vis-à-vis des Hafens oder »Bristol-Hotel« unweit des Landungsplatzes empfehlen.

Außer dieser Vorsorge für ein gutes Quartier während der Seereise und bei Ankunft in Colombo ist die Form, in der das Reisegeld mitgeführt werden soll, in Erwägung zu ziehen.

Am bequemsten ist es, durch einen Kreditbrief bzw. circular notes während der Reise seinen Geldbedarf zu decken. Man wendet sich z. B. an Thomas Cook & Son (Filiale Cöln, Domhof 1), durch den Kreditbrief und circular notes in folgender Weise ausgestellt werden: Der Gegenwert eines Kreditbriefes oder der circular notes in Höhe bis zu 500 £ ist bei Abnahme desselben zu entrichten, und zwar geschieht die Umrechnung zu dem jeweiligen Londoner Kurse, d. i. kurze Sicht mit 4 Pfg. Aufschlag.

Die Ausstellung eines Kreditbriefes bzw. von circular notes ohne vorherige Zahlung erfolgt nur, wenn ein höherer Betrag, als der oben angeführte, in Frage kommt und ein solventes Bankhaus sich verpflichtet, Bürgschaft zu leisten. In diesem letzteren Falle wird eine Provision von 1 % von dem Gesamtwert des Kreditbriefes bzw. der circular notes in Anrechnung gebracht. Die Bürgschaft leistende Bank muß sich bereit erklären, für die auf Grund der Papiere erhobenen Summen dem Londoner Hauptbureau Scheck-Anweisung auf Sicht einzusenden.

Thomas Cook & Son hat in jeder Stadt von nur einigem Belang in Indien und Ceylon Vertreter, und man braucht sich daher nicht mit größeren Summen zu beschweren. Nur darf man nie vergessen, daß oft schon Freitags, immer aber Samstags und Sonntags die Banken geschlossen bleiben und zwischen Weihnachten und Neujahr, zu Ostern usw. kein Geld erhoben werden kann.

Als bares Geld, welches man bei sich zu führen wünscht, erweist sich englisches Geld als das vorteilhafteste. Nur für Begleichung der Rechnung an Bord ist deutsches Geld vorzuziehen.

Wenn man auch während der ganzen Reise voraussichtlich niemals in die Lage kommt, den Paß vorzeigen zu müssen, so bleibt es doch wünschenswert, einen zu besitzen.

Empfehlungsschreiben, besonders guter Bekannter an ihre Freunde drüben bieten große Annehmlichkeiten, zumal, wenn irgendwelche ernstere Studien in Indien vorgenommen werden sollen.

Zur Zeit, als der Tourist noch seltener gen Osten zog, galt eine besondere Ausrüstung für notwendig. Wir überzeugten uns jedoch, daß dies eine überflüssige Sorge ist. Sowohl Herren wie Damen bedürfen kaum einer andern Garderobe als jener, die sie während der heißen Sommerzeit und an kühlen resp. kalten Herbsttagen in der Heimat tragen. Nur wenn Damen im Winter Touren in den Himalaya zu unternehmen gedenken oder die Höhenkurorte desselben besuchen wollen, empfiehlt es sich, auch einen leichten Pelzmantel bei sich zu haben.

Für Herren sind Smoking und Frackanzug, für Damen ein paar Soiréetoiletten beinahe unentbehrlich. Sowohl auf dem Schiff, wie auch in allen Hotels Indiens und Ceylons erscheinen die Gäste zum Diner im Gesellschaftsanzug. Die eigentlichen Reisekleider, Flanellanzüge oder solche aus leichtem Tuch bzw. Khakie lassen Herren am geeignetsten vor der Abreise anfertigen. Den weißen Smoking zu erwerben, bietet sich sowohl in Port Said wie später in Colombo Gelegenheit. Ebenso findet man hier den Tropenhelm, den man sich keinesfalls in Deutschland anschaffen sollte, da der deutsche Tropenhelm nicht nur in seiner Form allzusehr einem Soldaten- oder Feuerwehrhelm ähnelt, sondern auch viel schwerer als der englische ist, der aus » pith«, d. i. Pflanzenmark, hergestellt wird. Für Damen findet man besonders leichte Exemplare. Indessen soll dies keineswegs davon abhalten, auch noch einen europäischen Hut mitzunehmen. Obwohl der Tropenhelm während der heißen Stunden des Tages, selbst bei kühlerem Wetter in der Mittagssonne nicht ohne Gefahr abgelegt werden kann, so halte ich doch morgens und abends das Tragen eines hellen Strohhutes für sehr angemessen.

Den Regen- und Sonnenschirm mit weißem Ueberzug zu versehen und hierdurch zu verdichten, darf man nicht unterlassen.

So leicht die äußere Kleidung auch gewählt werden mag, die Unterwäsche sollte doch aus irgendeinem Gesundheitsgewebe oder feinem Flanell angefertigt sein, und die Jägerleibbinde während der ganzen Reise bis zur Heimkehr von Port Said an getragen werden.

Mit Wäsche für wenigstens drei Wochen muß man sich versehen. Wenn auch auf den Schiffen des Norddeutschen Lloyd Chinesen deren Reinigung besorgen, so ist diese Einrichtung doch mehr für den Notfall gedacht. Von eleganter Wäsche irgendwelcher Art sollte man Umgang nehmen. Der indische Wäscher (»Dhobi«) ruiniert die einfachsten Stücke, vor allem aber die Herrenhemden in kürzester Zeit.

Für Morgen- und Nachtkostüm von Herren erweist sich das Pyjama aus Flanell, Seide oder Oxford als ganz unentbehrlich, und auch für Damen ist ein Nachtgewand, das als Schlafrock bezeichnet werden könnte, bei den langen Eisenbahnfahrten in Indien sehr bequem.

Für die Reise auf dem indischen Festland möchte ich das Mitnehmen von warmen Reisedecken als unerläßlich bezeichnen. Herren bedürfen eines leichten Ueberziehers zum Reiten, eines langen warmen Ulsters für Fahrten am frühen Morgen und für die Abende, an denen häufig regenartiger Nebel niederfällt, der die Kleider durchfeuchtet. Die Damen müssen sich mit Jacke und Schal, einem sehr leichten Staubmantel und einem losen, warmen Uebermantel ausstatten, welch letzterer vor Sonnenaufgang und bei dem starken Nebelreißen zu tragen ist. – Kurz, man muß seine Kleidung so einrichten, daß sie aus verschiedenen Hüllen besteht, die man im Laufe des Tages bei zunehmender Hitze nach Bedarf abzulegen vermag. Man sollte nie vergessen, daß namentlich in der indischen Ebene die Temperaturunterschiede sehr erhebliche sind, daß es morgens und abends recht kalt sein kann, während sich die Sonnenglut um die Mittagszeit oft unerträglich steigert. Im Süden Indiens und auf Ceylon sind diese jähen Temperaturwechsel nicht zu befürchten. Hier ist der leinene oder rohseidene Anzug für Herren und Damen, für letztere auch das weiße Pikeekleid das geeignetste.

In allen größeren indischen Städten fertigt ein Nativeschneider nach englischem Muster die Kleidungsstücke für Herren und Damen zufriedenstellend an.

Soviel über die Frage, wie man sich am besten kleidet. Nun noch einiges bezüglich dessen, wie man sich das Nachtlager in Hotels und Eisenbahnwagen erträglich gestaltet.

Ausgenommen in den besten indischen Hotels, fehlt entweder das Bettzeug ganz oder es ist wahrscheinlich schmutzig, ebenso mangeln Handtücher und manchmal auch das Moskitonetz. Deshalb erscheint es dringend geboten, sich mit einem kleinen Vorrat Wäsche auszurüsten. Neben dem Moskitonetz ein halbes Dutzend Handtücher, Badetuch oder -Mantel, ein gutes Kopfkissen mit vier Ueberzügen, drei Bettücher, zwei Flanelldecken oder Reisedecken für die Person ist nicht zu viel. Dieses Bettzeug, zu dem sich in Colombo noch eine dicke hoch wattierte Steppdecke (Razais) gesellt, die nach Länge und Breite den Sitzen der Eisenbahnsofas entspricht und nachts als Matratze dient, wird in einem aus Segeltuch gefertigten hohen schmalen Sack, einem so genannten Bettsack, oder in einer großen Plaidrolle transportiert. Niemals darf dieses Gepäckstück den Besitzer verlassen, weder auf der Eisenbahn, noch im Hotel, noch gelegentlich von Besuchen bei Freunden. In diesem Bettsack oder der großen Rolle wird in einer besonderen Tasche das Pyjama usw. verwahrt. Ohne dieses Bettzeug, das man auch in Colombo erwerben kann, würde der Reisende sich schlimmen Situationen aussetzen. Jederzeit könnte es ihm dann passieren, fröstelnd die Nacht verbringen zu müssen, um sich wahrscheinlich morgens mit einem Fieberanfall zu erheben. Solcher Erkältung zu begegnen, ist es deshalb geraten, eine kleine Apotheke in hermetisch verschlossenem Blechkasten bei sich zu führen. In Liebenthals Kurfürsten-Apotheke, Berlin W., Genthiner Straße 20, findet man sehr praktisch zusammengestellte Reiseapotheken für die Tropen, zu denen aber ein Fieberthermometer eigens verlangt werden muß. ¥

In den meisten » chemistries« der großen indischen Städte, wie Madras, Bombay usw., erhält man die Medikamente von Burroughs Wellcome & Co.

Eine Gummiwärmflasche darf nicht vergessen werden. Auch ein gut eingerichteter kleiner Speisekorb mit Spiritusmaschine kann sehr dienlich sein, ist aber nicht unbedingt notwendig, solange man die Touristenstraße nicht verläßt.

Ferner erweist sich eine Taschenuhr mit Wecker als höchst praktisch.

Man kann zwar an Bord der Dampfer Deckstühle mieten, sie sind aber nicht so bequem, wie sie zumal für Damen wünschenswert erscheinen. Ich würde daher vorschlagen, sich eine Chaiselongue aus Rohr oder Strohgeflecht in der Heimat zu kaufen und dieselbe vor Abfahrt des gewählten Dampfers von Bremen rechtzeitig dorthin zu senden. In einem Begleitbrief an den Obersteward des Schiffes bittet man diesen, z. B. ab Genua, einen guten Platz für den Stuhl auf dem zweiten Promenadendeck zu reservieren. Seinen Stuhl gibt man bei der Ankunft in Colombo bis zur Heimreise der Vertretung des Norddeutschen Lloyd ins Depot.

Selbstverständlich kann man auch in jedem Hafen Schiffsstühle erwerben.

Das große Gepäck pflegt man mit dem Deckstuhl zugleich als Frachtgut nach Bremen zu expedieren. Es ist nicht nur billiger, sondern auch einfacher, weil auf diese Weise alle Zollschwierigkeiten umgangen werden. In Genua findet man Schiffskoffer, Hutschachtel und was man sonst durch Aufschrift bestimmte, in seiner Kabine, während die übrige Bagage im unteren Schiffsraum verstaut wurde. An zwei Tagen der Woche werden die großen Koffer auf Wunsch aus dem Magazin heraufgeschafft, wodurch sich Gelegenheit bietet, die nötigen Kleider usw. je nach dem Wechsel der Witterung aus- oder wieder einzupacken.

Der Schiffskoffer, der 65 cm resp. 110 cm lang und 29 cm hoch sein darf, erhält seinen Platz unter dem Bett der Kabine. Dieser Koffer sollte auf Rollen laufen, um bei dem häufigen Ein- und Auspacken das Vor- und Zurückschieben desselben zu erleichtern.

Sobald man sich an Bord des Dampfers befindet und sich ein wenig orientiert, seine Kabine inspiziert und sich versichert hat, daß alles Gepäck richtig zur Stelle und der angeordnete Platz für die Chaiselongue oder den Amerikaner nach Wunsch gewählt wurde, wende man sich an den Obersteward, durch den die Plätze für die Mahlzeiten bestimmt werden. Aus seiner »Tischordnung« ist die Verteilung ersichtlich. Ein Sitz an einem der Seitentische und zwar zunächst der Eingangstüre, scheint mir allen andern Plätzen vorzuziehen. Nun folgt noch die Verhandlung mit der Badefrau wegen der Stunde des Frühbades. Die verabredete Zeit muß gewissenhaft eingehalten werden, da auf einem besetzten Schiff jede Stunde vergeben ist.

Das Leben auf dem Schiff verläuft wie es auf Seite 5 des Genaueren beschrieben, ebenso ist die Verteilung der Trinkgelder aus Seite 22 zu ersehen.

Die Zeit der Ankunft in Colombo hängt vom Wind und Wetter ab. Nie, selbst wenn man den Hafen in früher Morgenstunde erreicht und ausgeschifft wird, sollte man versäumen, den Tropenhut zu tragen oder den Sonnenschirm gegen die tückischen Sonnenstrahlen aufgespannt zu halten. Schon von 10 Uhr an beginnen sie höchst gefährlich zu wirken.

Im Hafen von Colombo herrscht betäubender Lärm, und man muß alle seine Sinne zusammennehmen, um nicht sich selbst und sein Gepäck zu verlieren. Mit wahrer Erleichterung atmet denn auch der Neuling auf, wenn zwischen den Köpfen der wirren Menge eine Mütze sichtbar wird, welche die Aufschrift »Thomas Cook & Son« trägt, wie ein rettender Engel erscheint uns der Bedienstete dieser Firma. Er weist uns den Weg zur Dampfbarke, die uns ans Land bringt, und übernimmt das Gepäck, das wir auf dem Zollamt zur Revision wiederfinden.

Beabsichtigt man, nur vorübergehend in Colombo zu verweilen, so ist es vorzuziehen, das große Gepäck auf dem Zollamt zur Aufbewahrung zu belassen. Für jedes Stück werden 50 Cents, das ist eine halbe Rupie, als Aufbewahrungsgebühr per Woche in Anschlag gebracht.

Auf Ceylon und in Indien wird nach Rupien gerechnet; auf Ceylon zerfällt dies Geldstück in 100 Cents, in Indien in 16 Annas. Die Anna zerfällt weiter in 4 Paisas oder ¼ Anna und diese in 3 Pies. Das Silbergeld besteht aus Stücken von ganzen, halben, viertel und achtel Rupien; das Kupfergeld aus ganzen, halben und viertel Anna.

In beiden Ländern schwankt der Wert der Rupie, der sich anfänglich auf zwei Schillinge belief, jetzt aber auf 1,33 Mark gesunken ist.

Der sovereign gilt 15 Rp., ist keinen Schwankungen ausgesetzt, fehlt jedoch im Verkehr.

Auf indischen Banknoten, die in der Höhe von 5 Rp., 10 Rp., 20 Rp., 50 Rp., 100 Rp., 500 Rp. und 1000 Rp. umlaufen, ruht in Ceylon ein kleiner Diskont. Indisches Geld wird hier außer den Zwei-Annastücken angenommen, das Geld Ceylons hingegen auf dem Festland zurückgewiesen.

Nachstehend ein Vergleich zwischen dem üblichen Geld der beiden Länder:

Währungstabelle

Es ist sehr wichtig, immer gewechseltes Geld bei der Hand zu haben. Nie kann ein Schiffer, Kutscher oder Kuli herausgeben, was oft zu Ueberzahlung führt.

Von der jetty, dem Landungsplatz, an den Wagen zahlt man pro Kollo 4 Cents, für einen Wagen im Weichbild der Stadt die erste halbe Stunde 50 Cents, für die erste Stunde eine Rupie, für jede folgende 25 Cents. Die Rickschaw berechnet sich auf 25 Cents für die halbe Stunde. Nur selten gelingt es, diesen Tarif einzuhalten; Kutscher und Kuli finden immer Gründe für eine höhere Bezahlung.

Bei der Ankunft in Colombo ergeht gleich im Hotel die Frage an den Fremden, ob ein Boy für eine eventuelle Reise durch Indien gesucht werde.

Auf Ceylon ist ein Boy überflüssig. Hotel und » resthouse«, wie die Unterkunftshäuser im Innern des Landes heißen, besorgen beide die Bedienung der Gäste durch ihre eigenen Angestellten. Anders ist es in Indien, wo in den meisten Hotels sich die Bedienung als höchst mangelhaft erweist, in den »Dack Bungalows«, d. i. Regierungsunterkunftshäusern, aber oft ganz fehlt.

Unbedingt notwendig ist ein Boy in Indien durchaus nicht. Der station-master, der manager oder Babu des Hotels spricht immer Englisch, und in den besseren Läden findet man auch stets den einen oder den andern, der den Dolmetscher abgeben kann. Jedoch ist ein Boy, der Englisch und Hindostanisch spricht und sich als Interpret und Vermittler mit den Eingeborenen verwenden läßt, nicht zu unterschätzen. Auch lernt man durch ihn ein wenig Hindostani, mit dem man freilich nicht sehr weit kommt. Ich füge hier den kleinen Wortschatz ein, den ich mir im Laufe der Reise angeeignet habe, für dessen Korrektheit ich jedoch keine Garantie übernehmen kann. Aus demselben wurde Râm, râm = Grüß Gott, resp. Gott schütze dich, am häufigsten verstanden.

Worttabelle

Wer aber ein wenig Bequemlichkeit liebt, sollte sich die Gelegenheit nicht versagen, dem Kuli befehlen zu können:

mere naukar bulâ, o Rufe meinen Diener.

Die 30 bis 45 Rupien, die der Bursche monatlich für Kost und Lohn erhält, und die geringen Spesen für die Eisenbahnfahrt – der siebente Teil eines Billetts I. Klasse – bedeuten eine kleine Ausgabe gegenüber den großen Vorteilen, die man durch den eingeborenen Diener genießt. Ihn trifft die Verantwortung für die Schar Kulis, die sich des Handgepäcks beim Einsteigen und Verlassen des Zuges bemächtigen, er hat für ihre Ablohnung zu sorgen. Er muß darauf achten, daß das große Gepäck richtig aufgegeben wird, die Nummer und der Bestimmungsort richtig geschrieben ist und das Rezepisse mit den aufgeklebten Zetteln des Koffers stimmt. Auch muß er Sorge dafür tragen, daß bei dem Verladen des Gepäcks auf Kreuzungsstationen kein Irrtum unterläuft. Wird dies versäumt, so kann es nur zu leicht geschehen, daß die Effekten, statt mit uns an dem Bestimmungsort einzutreffen, entweder erst einige Stunden später folgen oder daß sie nach irgendeiner Endstation weiterreisen. Jedenfalls ergibt sich aus solchem Versehen viel Unbequemlichkeit nebst beträchtlichen Mehrauslagen, weil alle Hotels außerhalb der Eingeborenenstadt und meist sehr weit vom Bahnhof entfernt liegen.

Auch für das Reinigen der Coupés hat der Boy Vorkehrungen zu treffen. Er muß das Aufmachen und Einrollen des Bettes besorgen, was bei der herrschenden Hitze für den Europäer oft eine schwere Arbeit bedeutet. Am Morgen nach den Nachtfahrten bringt er um 6 Uhr das Tschota hazirie, d. h. Frühtee, an das Coupé, beschafft frisches Waschwasser, reinigt die Stiefel usw. Im Hotel wird Behaglichkeit durch den Boy geschaffen, der die persönliche Bedienung seines Herrn versieht. Er packt die Koffer, legt die Kleider für die verschiedenen Tageszeiten zurecht, hält sich immer in der Nähe seines »Sahib« auf, um ihm seine Wünsche von den Augen abzulesen. Allerdings wird dieses Ideal eines Boy für den Fremden selten zu finden sein. Man muß natürlich bei der Wahl eines Dieners Vorsicht walten lassen. Auf schriftliche Zeugnisse allein sollte man sich nicht verlassen, sondern möglichst auf einer mündlichen Empfehlung bestehen. In gleicher Weise muß man in Bezug auf eine »Aya«, die weibliche Dienerin, vorgehen. Die gewandtesten Zofen stammen aus der Gegend von Madras. Ihre Ansprüche für Kost und Lohn halten sich zwischen 25 und 30 Rupien. Meine Erfahrungen gehen dahin, daß eine Aya die Bequemlichkeit nicht besonders erhöht, daß vielmehr ein Ehepaar ohne Kinder durch einen tüchtigen Boy genügend bedient ist. Boy sowohl wie Aya läßt man sich am zuverlässigsten durch Cook empfehlen.

Ein Aufenthalt von drei Wochen genügt kaum, um einen Teil Ceylons nur flüchtig kennen zu lernen, trotzdem die Bahn nach Anuradhapura eröffnet ist und man mittels Motorwagens die bisher schwer erreichbaren Naturschönheiten der Insel bequem besuchen kann.

Von Colombo aus möchte ich eine Fahrt durch die Kanäle und Seen nach Negombo empfehlen, ferner die übliche Tour nach Mount Lavinia und dem Tempel von Kelani. Die Besichtigung des alten interessanten Hafenplatzes Galle sollte nicht versäumt werden. Man verläßt Colombo per Bahn 7,26 Uhr früh, ist um 11,10 Uhr in Galle und kann nachmittags 5,13 Uhr zurück, um 9,26 Uhr wieder in Colombo einzutreffen. Den Ausflug auf einen Tag zu beschränken, ist nicht nur eine große Anstrengung, sondern erscheint auch insofern bedauerlich, weil die Umgegend von Galle als ganz besonders reizvoll gilt. Eine Reihe sehr alter und merkwürdiger buddhistischer Klöster sind zu besichtigen und höchst anziehende Ausflüge zu unternehmen. Wer sich dafür interessiert, wilde Elefanten an den Trink- und Badeplätzen zu überraschen, findet von Galle aus Gelegenheit, per bullock-cart und mit einem » charmer« in das Innere des Landes vorzudringen.

Weiter ist Kandy und Nurelia zu besuchen. Auch die Besteigung des Adam Pic wird als herrlicher Ausflug gerühmt, den wir jedoch der Hitze halber und aus Furcht vor Uebermüdung unterließen.

Man verläßt Kandy um 10,30 Uhr vormittags und erreicht Hatton 1,50 Uhr mittags, woselbst lunch im Hotel Adamspic. Man fährt dann per Wagen nach dem 14 Meilen entfernten Laxapamo, wo das » resthouse« für Quartier und Mahlzeit sorgt. Nachts wird der Aufstieg unternommen, um vor Sonnenaufgang den Gipfel des berühmten Berges zu erreichen, der um diese Stunde das bekannte Schattenphänomen zeigt. Die Tour kostet 20 Rupien à Person und beansprucht etwa 24 Stunden.

Um über Dambulla mit dem berühmten Felsentempel und Sigiriya, die kühne Felsenfestung nach Mihintale und dann nach Anuradhapura zu gelangen, fährt man von Kandy nördlich. Mit Anuradhapura läßt sich der Besuch von Trincomali, einem interessanten Wallfahrtsort, und der Stadt Pollonarua verbinden, die als herrliche Stätte alter Kultur wunderbare Ausgrabungen zeigt.

Wie man sieht, ist Ceylon reich an Touren.

Für die Ueberfahrt nach dem Festland und die Reise durch Indien wendet man sich an Cook, der das Rundreisebillett zusammenstellt. Die eventuell nicht benutzten Teiltouren werden von der kulanten Firma anstandslos zurückgezahlt.

Der Preis der Rundreise, wie wir sie wählten, beträgt I. Klasse etwa 500 Rp., II. Klasse 251 Rp., für Diener oder Aya kostet die ganze Fahrt 71 Rp.

Das Gepäck ist nicht teuer, man hat nämlich 120 Pfund à Person frei und stapelt auch ein gut Teil seiner Kollis im Coupé auf. – Um in den Genuß des Freigewichts zu treten, kann man sein Gepäck indessen nur nach der Station aufgeben, welche auf dem Coupon des Fahrscheines verzeichnet ist. Gedenkt man jedoch die Reise an einer nicht auf dem Fahrschein benannten Zwischenstation zu unterbrechen, so muß man, will man des Freigewichts nicht verlustig gehen, dem station-master oder dem Gehilfen beim Aufgeben des Gepäcks den Namen der Station sagen, an der man dasselbe » en route« ausgeladen haben möchte. Es wird dann auf dem Gepäckschein eine Bemerkung notiert und das Freigewicht ist gesichert.

Durch Cook belegt man die Plätze des Dampfers, der alle Wochentage um 2 Uhr von Colombo nach Tuticorin, dem Hafen Südindiens, fährt, Cook reserviert auch das Coupé in dem Zug, der den Reisenden von Tuticorin nach nicht allzulangem Zögern gen Norden führt.

Die Eisenbahnverwaltung Indiens, die in den Händen der Engländer ruht, sorgt nach besten Kräften für die Bequemlichkeit der Reisenden. Ueber die Beschaffenheit der Coupés und die Zugeinteilung ist auf Seite 34 alles Nähere gesagt.

Was die Verpflegung der Reisenden auf den verschiedenen Eisenbahnlinien betrifft, so ist auf die beträchtlichen Entfernungen, welche die einzelnen größeren Städte voneinander trennen, Rücksicht genommen. Es wiederholen sich in angemessenen Zeitabschnitten Stationen mit erträglich gehaltenen Restaurationen, die als » refreshment-rooms« bezeichnet sind. – Wer beabsichtigt, seine Mahlzeiten, Tiffin und Diner, auf den verschiedenen Stationen einzunehmen, versäume nicht, den Schaffner davon in Kenntnis zu setzen. Er wird, ohne daß dem Besteller hierdurch Kosten erwachsen, die telegraphische Meldung übernehmen.

Die station-masters« sind, wie ich des öfteren in meinem Tagebuch betonte, von überraschender Höflichkeit, Gefälligkeit und Fürsorge. Wendet man sich telegraphisch mit der Bitte an sie, bei der Ankunft eines bestimmten Zuges für Tonga und Ponys sorgen zu wollen, so wird man stets Wagen und Pferde bereit finden. Auch übernehmen die Herren das Aufbewahren von Gepäck und gestatten, daß man Briefe » to the care of the station-master« z. B. » of Abu Road«, adressieren läßt.

Nicht in allen Städten, in denen Sehenswürdigkeiten den Touristen veranlassen, die Reise zu unterbrechen, finden sich Hotels. In Südindien, wo wir Madura, Trichinopoli und Tanjore besuchten, fehlen Gasthäuser in europäischem Sinn, wo dies der Fall, pflegt man im D. B. D. B. steht immer für »Dack Bungalow«. wie das von der Regierung vorgesehene Absteigequartier für Reisende heißt, Nachtquartier zu finden. Es ist geraten, sich stets im voraus darüber zu orientieren, wie die D. B. in den einzelnen Orten, wo man zu übernachten gedenkt, geführt werden. In manchen Fällen ist es dem Hausverwalter, dem » keeper in Charge«, möglich, Verpflegung zu bieten, in andern muß der Reisende seinen Speisekorb mitbringen, und in manchen fehlt sogar der Hausverwalter. Die Einrichtung der D. B. ist sehr primitiv. Die Betten sind zwar insektenfrei, indessen vermißt man sehr häufig die Moskitonetze und es erscheint daher ratsam, sich mit solchen vorzusehen. Natürlich wird es bloß durch das mitgeführte Bettzeug möglich, ein erträgliches Nachtlager herzustellen.

Die Verpflegung kann meist nur als sehr mittelmäßig bezeichnet werden, sie wird entweder durch den Hausverwalter oder durch einen mohammedanischen Koch zubereitet.

Der Genuß von Milch und Butter ist nicht nur in den D. B. gefährlich, sondern sollte während der ganzen Reise auf dem indischen Festland vermieden werden. Ebenso wäre es gut, sich des Alkohols zu enthalten, ja, man sollte eigentlich schon ein paar Monate vor der Ausreise in der Heimat beginnen, möglichst wenig Spirituosen zu sich zu nehmen.

Aber auch mit dem Wasser muß man in Indien und auf Ceylon sehr vorsichtig sein, niemals Natur- oder sogenanntes filtriertes Wasser trinken und selbst zum Spülen des Mundes nur gekochtes Wasser benutzen.

Um den Durst zu löschen, eignet sich am besten kalter Tee, außerdem findet man in ganz Indien alle Arten Brauselimonaden und kohlensaurer Wasser. Fühlt man sich jedoch nicht ganz wohl oder ist eine gewisse Ermattung eingetreten, so heilt ein Whisky mit Sodawasser die leichte Indisposition, vor dem Genuß von Eisgetränken möchte ich ernstlich warnen.

Nicht besser und nicht schlechter wie die D. B. erweisen sich die » refreshment-rooms«, die auf den kleinen Eisenbahnstationen, wo entweder das D. B. zu weit entfernt liegt oder ganz fehlt, die Fremden beherbergen. Im ersten Stock des Stationsgebäudes sind meistens ein paar Zimmer eingerichtet, oft bleibt aber auch nur das » waiting-room« als Schlafraum zur Verfügung, in welchem der aufmerksame stationmaster ein Bett aufschlagen oder einen Singapoorestuhl aufstellen läßt. Auch kommt es vor, daß ein Tisch, auf den man seine Matratze legt, als Lager genügen muß. Niemals wage man es, sich auf dem Fußboden selbst niederzulassen. Stiefel und Schuhe über Nacht unter das Bett zu stellen und sie anzuziehen, ohne sie vorher ausgeschüttelt zu haben, kann gefährlich werden. Skorpione, deren Biß tödlich sein kann, sollen sich mit Vorliebe in das Innere der Schuhe verkriechen. Ich selbst legte meine Pantoffeln, der Sicherheit halber, stets auf das Fußende des Bettes.

Bei mangelhaftem Quartier im D. B. oder im » refreshment-room« stellt der station-master einen Eisenbahnwagen zur Verfügung, der bei Abgang des Zuges, ohne zu stören, vom Neben- auf das Hauptgleis geschoben und einfach angehängt wird, verhältnismäßig selten kommt man indessen in die Lage, von dieser Art Unterkunft Gebrauch zu machen, da sich an den meisten, von Europäern frequentierten Orten Hotels befinden, die man aber allerdings nicht nach deutschem Maßstab messen darf.

Die Preise der Hotels sind mäßig. Es besteht die Gepflogenheit, Pension zu bezahlen, selbst wenn man nur einen Tag im Hause verweilt. Jeder angebrochene Tag wird voll berechnet. Will man während der Reisesaison nur einigermaßen erträglich untergebracht werden, ist es ratsam, sich telegraphisch in den verschiedenen Hotels anzumelden. Die Taxe für das inländische Telegramm stellt sich bei vier Worten auf 4 Annas, wobei die Adresse mit sechs Worten frei ist.

Die Preise für die besseren Zimmer mit ganzer Pension: Tschota hazirie, Tiffin, Fünfuhrtee und Diner, halten sich zwischen 7 und 10 Rupien. Der Preis von 10 Rupien bedingt allerdings ein Apartement von Salon, Schlafzimmer, Badekabinett und eine an das Schlafzimmer anstoßende Toilette, welch letztere auch noch von dem Wasserträger – Bhisti – und dem sweeper vom Hofe aus betreten werden können. Diese Leute halten sich stets in der Nähe auf, um alles gleich wieder in Ordnung zu bringen.

Da selbst während der kühleren Jahreszeit das Gehen in der Hitze besser vermieden wird, so ist die Benutzung von Wagen für die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten nicht zu umgehen. Die Kosten für den Tag schwanken zwischen 5 und 10 Rupien, je nach der Zahl der Pferde-Relais, die beansprucht werden.

Führer verlangen 3 bis 4 Rupien per Tag.

Die Kosten dürften sich für eine in Damengesellschaft ausgeführte Reise mit Boy und Aya, je nach den Ansprüchen, à Person per Monat auf 1000 bis 2000 Mk. ausschließlich Passage und Eisenbahnfahrt belaufen.

Natürlich lassen sich die Ausgaben sehr einschränken, und ein Herr oder auch selbst eine Dame kann, wenn sie sich sparsam einrichtet, gelegentlich bei Bekannten wohnt, in der II. Klasse die Ueberfahrt macht, bei vier- bis fünfmonatlicher Abwesenheit die Reise mit 4000 Mk. unternehmen.

Sehr viel besser als in den Hotels, finden Herren in den größeren Städten bei den englischen Klubs Unterkunft, soweit diese mit Schlafzimmer versehen sind und wenn die Fremden Freunde besitzen, die sie einführen.

Ich lasse nun die Angabe der Hotels, D. B. und refreshment-rooms in den verschiedenen Orten folgen, wie ich sie nach neuester Erkundigung als empfehlenswert in Erfahrung brachte.

Wenig hat sich seit der Zeit unserer Reise auf diesem Gebiet geändert. Bei dem schnellen Wechsel, dem die Pachtverhältnisse der bekannten Hotels unterliegen, ist eine glaubwürdige Aussage jedoch nur für denjenigen möglich, der das Etablissement soeben verließ.

Ich folge bei der Aufzählung der Hotels usw. der von uns eingeschlagenen Route:

Madura
D. B. nahe der Bahn, nicht bewirtschaftet; besseres Quartier im Stationsgebäude.
Trichinopoli
D. B. eine Meile von der Bahn entfernt. Uebernachten im Stationsgebäude vorzuziehen.
Tanjore
D. B. nahe dem Bahnhof, empfehle jedoch, die Zimmer des erst kürzlich erbauten Stationsgebäudes zu benutzen, die ganz neu eingerichtet sind.
Madras
Hotel Connemare. Buckingham-Hotel.
Bombay
Hotel Taj Mahal, Great-Western-Hotel, Watson-Esplanade-Hotel, Watson-Annex-Hotel, ruhiger als das Haupthaus. Bombay-Klub und Jacht-Klub. Deutscher Klub: »Liederkranz«.
Ausflug nach den Felsentempeln von Ajunta, Ellora und Elephanta. Die beiden ersteren Tempel liegen sehr entfernt von Bombay und sind nur mit ziemlichen Strapazen und größerem Zeitaufwand erreichbar, während man nach Elephanta ohne Schwierigkeiten gelangt. Ein Dampfschiffchen verläßt an bestimmten Tagen und Stunden, die im Office von Thomas Cook & Son, Esplanade 26, zu erfahren sind, den »Apollo-Bunder«. Das Billett kostet 5 Rp. Für Gesellschaften werden eigene » launches« nach Wunsch eingestellt.
Baroda
Quartier im ersten Stock des Stationsgebäudes. D. B. 1½ Meile vom Bahnhof entfernt.
Ahmedabad
Das Uebernachten hier gilt für ungesund. Die beiden Schlafzimmer im Parterre des Stationsgebäudes sind neu eingerichtet. Da man in Ahmedabad morgens ankommt, genügt die Zeit zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten, um mit dem Nachtzug weiter zu fahren. Der station-master stellt den Waggon abends, sobald man sich zurückzuziehen wünscht, zur Verfügung, und während man ruht, wird derselbe an den passierenden Schnellzug angehängt. Allerdings muß der Boy dafür Sorge tragen, daß der Wagen nicht zurückgelassen wird.
Abu Road
D. B. ganz nahe beim Bahnhof. Hier stehen die Tongas bereit, die man tags zuvor von Ahmedabad aus telegraphisch bei dem station-master bestellt hatte. Die Tonga enthält drei Plätze. Der Preis für die viereinhalbstündige Fahrt nach Mount Abu beträgt 10 Rupien, für ein Pony (fünf Stunden) 4 Rupien.
Mount Abu
Hotel Rajputana oder Abu-Hotel. Sich telegraphisch anzumelden, erscheint dringend nötig. Sobald man die Talfahrt von Mount Abu bestimmt hat, versäume man nicht, per Draht bei dem station-master in Abu Road die nötigen Tongas bzw. Ponys für die Rückfahrt zu bestellen und die gewünschten Coupéplätze für den nach Jaipur gerichteten Zug zu belegen. Der station-master ist nur bei vierundzwanzigstündiger Vorausbestellung verpflichtet, die Reisenden mitzunehmen. Zeigt sich der Zug überfüllt, bleibt der Reisende, der nicht vorher bestellt hat, einfach zurück.
Jaipur
Hotel Kaiser – i – Hind. Kustoms Family-Hotel. Der Ausflug nach Amber wird durch den Hotelbesitzer vermittelt, der auch alle » permits« und den Elefanten zum Besuch des Schlosses Amber bestellt.
Dehli
Lauries Great-Northern-Hotel. Woodlands Hotel. Maidens Metropolitan-Hotel.
Agra
Lauries Great Northern-Hotel. Hotel Metropole.
Gwailor
D. B. ärmlich. Der Fremde findet in Musafir Khana einem schönen, für die Freunde des Maharadjah und für die von dem »Residenten« empfohlenen Personen erbauten Hause Unterkunft. Der Wirt des Hotels übernimmt es, die Erlaubnis für die Benutzung des Etablissements einzuholen, ebenso zieht er die Erkundigung ein, ob Zimmer in demselben frei sind. Es ist meistens sehr besetzt.
Khanpur
Civil and Military-Hotel.
Lucknow
Wühlers Royal-Hotel. Civil and Military-Hotel.
Benares
Hotel de Paris. Clarks Hotel.
Kalkutta
Great Eastern-Hotel. Hotel Continental.
Darjeeling
Woodlands Hotel. Woodlands Branch-Hotel.
Puri
D. B. eine Viertelmeile vom Bahnhof entfernt.
Waltair.
Refreshment-room. Wir übernachteten im Eisenbahnwagen auf einem Nebengleise. In dem zwei Meilen entfernten Vizigapatam befindet sich ein hübsch gelegenes D. B.

Von Waltair gelangt man nach dem schon bekannten Madras, das sich insofern einer ganz besonderen Wichtigkeit erfreut, als es zeitbestimmend auf alle Stationsuhren Indiens wirkt. Die einzelnen Städte haben ihre Privatzeit, es ist z. B. die Madraszeit um 30 Minuten Bombay voraus und bleibt 33 Minuten hinter Kalkutta zurück.

Für die Eisenbahnuhren besteht, wie in Italien, der Vierundzwanzigstundentag; so ist z. B. 20 Uhr 12 Minuten – 8 Uhr 12 Minuten morgens usw.

Die meisten Städte besitzen mehrere Bahnhöfe. Der Reisende sollte immer jene Station zum Verlassen des Zuges wählen, welche in »Newman's Indian Bradshaw« als » Cantonment« bezeichnet ist, weil sie dem europäischen Stadtteil näher liegt, während die Station » City« sich meist im Eingeborenenviertel befindet.

 

Um sich über Indien und Ceylon genauer zu orientieren, füge ich ein Verzeichnis interessanter Bücher an, deren Lektüre den Genuß der Reise sehr erhöhen dürfte:

Haeckel: Indische Reisebriefe.

Deutzen: Erinnerungen an Indien.

Garbe: Beiträge zur indischen Kulturgeschichte.

Lefmann: Geschichte des alten Indien.

Ehlers: An indischen Fürstenhöfen. 2 Bände, illustriert.

H. Ebhardt: Unter indischem Himmel.

K. Böck: Durch Indien ins verschlossene Land Nepal.

Schanz: Ein Zug nach Osten.

Lord Roberts: 41 Jahre in Indien. 2 Bände.

Schlagintweit: Indien in Wort und Bild. 2 Bände.

Tellemann: Eine Indienreise.

Dalton: Indische Reisebriefe.

Selenka: Ein Streifzug durch Indien.

Taylor: Confessions of a Thug.

Hellwald: Die Magiker Indiens.

J. Richter: Die deutsche Mission in Indien.

Fergusson: Ceylon.

H. W. Cave: Baudenkmäler aus ältester Zeit in Ceylon.

Als Reisehandbuch: Murray's Handbook for Travellers in India, Burma and Ceylon.

Zur oberflächlichen Verständigung mit den Eingeborenen: » How To Speak Hindustani« von E. H. Rogers, London, Grosby Lockwood & Son.

 

Zur besseren Übersichtlichkeit wurden die bereisten Orte anhand des Inhaltsverzeichnisses als Überschriften eingefügt. Die Überschriften sind im Buch nicht vorhanden. Re.

 


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