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Neunzehntes Kapitel.
Unerwartetes Zusammentreffen.

Fort Smith liegt hart an der westlichen Grenze des Staates Arkansas und an dem Strome gleichen Namens. Heute eine ansehnliche Stadt, zählte die junge Kolonie damals nicht mehr Häuser, als erforderlich, drei oder vier Straßen von mäßiger Länge zu bilden. Die erste Veranlassung zu deren Gründung und Wachstum hatte eine Militärstation gegeben, auf der die Zahlungen für abgetretene Ländereien in bestimmten Raten an die in weiterem Umkreise lebenden Eingeborenen geleistet wurden.

In Fort Smith hatte auch Charon die Zinsen für ein dort ausstehendes kleines Kapital zu erheben, wobei er, um Schwierigkeiten, wohl gar Verlusten vorzubeugen, die größte Pünktlichkeit walten lassen mußte. Er möchte sonst schwerlich den ersten Tag nach dem für Molly gefährlichen Vollmonde gewählt haben.

Seine Geschäfte hatte er beendigt. Der Abend war nicht mehr fern, und so gedachte er folgenden Morgens in der Frühe die Heimreise anzutreten. In Gedanken versunken, wanderte er zum Strome hinunter, wo ein kleiner Dampfer, der Vorräte für das Fort und die Handelsleute gebracht hatte, zur Fahrt stromabwärts eben aufgebrochen war.

Schwere Schritte störten ihn. Als er sich umschaute, stand Adams vor ihm, mit einer etwas spöttischen Höflichkeit ihn begrüßend.

»Ich komme Ihnen ungelegen?« fragte er, als er gewahrte, daß Charons Züge sich verfinsterten und er in der ersten feindseligen Regung keine Worte zu finden wußte. »Und doch verriet ich Ihnen, daß ich mich ebenfalls nach hier auf den Weg machen würde. Verzögerten Sie Ihren Aufbruch um einige Stunden, so wären wir dennoch einer in des anderen Gesellschaft gereist, und länger dauerte es nicht, bis ich meine Gäule – Staatsmähren obenein – in Empfang genommen hatte und auf hier zu hielt.«

Beim ersten Blick auf das tief gerötete Gesicht des Strolchs entdeckte Charon, daß er dem Branntwein über das Maß zugesprochen hatte. In solcher Verfassung aber mehr von ihm fürchtend, als wenn er Herr seiner Überlegung, erwiderte er, um überhaupt nicht zu schweigen, eintönig: »Heute erst erreichten Sie Fort Smith?«

»Heute vormittags,« hieß es zurück.

»In der Ausspannung kehrten Sie nicht ein, oder ich hätte Sie sehen müssen.«

»Zum Henker! Sollte ich da Stallgeld und Futterkosten bezahlen?« versetzte Adams höhnisch und schwankte von dem einen Fuß auf den andern, »bei Gott, Gevatter Charon, Sie halten mich für einfältiger, als ich's verdiene. Nein, nicht in der Stadt kehrte ich an, sondern zehn Minuten Wegs da hinter dem Fort. Da liegt 'ne Choctaw-Farm nicht weit vom Wege mit 'nem eingefriedigten Weideplatz. Auf den tat ich mein Viehzeug. Da mag's sich an gutem Grase heranfüttern nach Herzenslust. Verlangt der braune Kerl 'ne kleine Entschädigung, so bin ich der Mann, sie ihm zu zahlen.«

»Sie bleiben nicht hier?« fragte Charon dumpf.

»Bis morgen, wenn Sie's doch wissen wollen. Dann ziehe ich einige Tagereisen östlich, je nachdem ich Liebhaber für mein Viehzeug finde – aber sorgen Sie nicht, daß ich ganz fortbleibe,« fügte er spöttisch hinzu, »dazu hat's mir bei dem Spitzbuben-Kreek zu gut gefallen. In vier, fünf Tagen, höchstens in einer Woche bin ich wieder bei Ihnen; da wollen wir bessere Nachbarschaft halten, als bisher.«

»Ich hoffe ebensowenig auf Ihr Bleiben, wie mir an Ihrem Gehen gelegen ist,« erwiderte Charon kalt, jedoch vorsichtig den Zustand des Strolchs erwägend; »weilen Sie in der Nachbarschaft, so beziehen Sie nach wie vor Ihre Unterstützung, weil ich gewohnt bin, jedes einmal erteilte Versprechen zu halten. Im übrigen glaubte ich, daß Sie, nachdem Sie augenscheinlich in eine günstigere Lage gerieten, aus eigenem Antriebe von ferneren Forderungen abstehen würden.«

»Sie meinen, weil ich die paar Dollars an meinen Gäulen verdiene?« fragte Adams boshaft. »Nein, Gevatter Charon, unsere Vereinbarung muß bestehen bleiben, wenigstens so lange, bis mir 'ne bessere Gelegenheit geboten wird. Ein Esel wär' ich, wollt' ich in meinem Alter auf die eigenen Kräfte mich mehr verlassen, als auf den guten Willen anderer. Verdammt, das Stehen wird mir sauer – hab' nämlich 'nen herzhaften Trunk getan, und der ist mir etwas auf die Beine geschlagen. Setzen wir uns – da – ist 'ne feine Gelegenheit,« und in eine Regenfurche tretend, ließ er sich schwerfällig auf dem einen Uferrande nieder. »Kommen Sie, Mann. Genieren Sie sich nicht. Vertreiben wir uns die Zeit mit gemütlichen Reden.«

In Charons Antlitz loderte es drohend auf. Doch nur einige Sekunden behielt der Abscheu, den der zudringliche Mensch ihm einflößte, die Oberhand. Seine ganze Kraft erforderte es, mit einem gewissen Gleichmute zu antworten: »Ich will nach dem Gasthause gehen. Lassen Sie sich dadurch indessen nicht stören. Ernste Dinge schweben ja nicht zwischen uns; was sonst noch etwa zu erledigen ist – nun, wir sehen uns ja wieder.«

Er kehrte sich ab. Doch bevor er den ersten Schritt getan hatte, schlug ein höllisches Gelächter an seine Ohren. Er blieb stehen, und als er Adams ins Gesicht sah, bebte er zurück vor dem Ausdruck der durch den Branntweingenuß zum Durchbruch gereizten Wut und der wahrhaft teuflischen Bosheit, die aus seinen blutunterlaufenen Augen sprühte.

»Ich bin Ihnen nicht vornehm genug?« fragte er zähneknirschend; »da möchte ich doch 'nen anderen entscheiden lassen, wer mehr auf dem Gewissen trägt, der Herr Baron Hans von Scherben, oder der Pferdeknecht und Ackerbauer Galle. Denn beide machten mit der Strafanstalt Bekanntschaft, und beide hielten es für gescheiter, durchzubrennen und hier als freie Männer zu leben. Hoho, Herr Baroll, das zieht wohl?« fügte er höhnisch grinsend hinzu, sobald er gewahrte, daß Charon tödlich erbleichte, ums Gleichgewicht kämpfend schwankte und die Lippen wie in unsäglichem körperlichem Schmerz krampfhaft zusammenpreßte; »bemühen Sie sich nur hierher. Es ist wirklich ratsamer, wir verständigen uns als gute alte Freunde, anstatt mit unserem Gerede die Leute herbeizulocken. Dadurch würden wir gezwungen, zu beweisen, daß auch das Englisch uns von der Hand geht, wenn wir die alten Geschichten auskramen und dem Pack zum besten geben, Also was soll der Unsinn mit dem Versteckenspielen länger hier in dem freien Lande, wo der Graf nicht 'nen Strohhalm mehr wert ist, als ein Eseltreiber? Vor den Menschen mag alles beim alten bleiben: Sie sind der Charon und ich bin der Adams. In gemütlichem Beisammensein dagegen – verdammt, was wollen wir uns groß zieren, wenn wir unter uns sind?«

Obwohl seit der ersten Minute ihrer Begegnung zwischen den beiden Männern kein Geheimnis waltete, wirkte das Aussprechen der Namen doch so niederschmetternd auf Charon ein, daß er fast die Besinnung verlor. Wie nach einer Waffe suchend, um den Elenden auf ewig zum Schweigen zu bringen, sah er um sich. Mehrere Vorübergehende waren bereits aufmerksam auf sie geworden, und von dem unter dem Einfluß des Trunkes Stehenden das Ärgste befürchtend, stieg er in die Rinne hinab, wo' er sich in Schrittesweite von dem unbarmherzigen Verfolger niederließ.

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Dieser grinste befriedigt und hob alsbald an: »So, Herr Charon – Sie sehen, ich achte Ihre Schrullen, denn im Grunde kümmert sich hier der Henker darum, ob der Fährmann am Kanadian ein Baron oder ein abgedankter Kutscher ist – also, Gevatter Charon, wenn es noch 'mal was zu ordnen geben sollte, so einigen wir uns leichter im Guten, als wenn wir 'ne Faust in der Tasche machen. Erscheint mein Verfahren Ihnen nicht ganz christlich – verdammt! ich bin selber zu lange mit Füßen getreten worden, um viel fragen zu brauchen, ob mein Tun jemand gefällt.«

Er säumte, sich offenbar weidend an dem finster vor sich Niederstarrenden, den er ohne große Mühe, fast nur durch Roheit in sein willenloses Werkzeug verwandelt zu haben wähnte. Dann sprach er weiter, unstreitig offenherziger, als er es in nüchternem Zustande getan hätte, und zwar in der dumpfen Absicht, seine Gewalt über ihn zu befestigen:

»Sie betrachteten vorhin den Rauch von dem Dampfschiff; sah's aus der Ferne. Liefe das Ding nicht schneller als der graue Schwaden, so möchte es drei Wochen gebrauchen, um an den Mississippi zu kommen. So aber holt es keiner ein, und hätte er die schnellste englische Rennmähre zwischen den Linien, und das ist gut. Es nimmt nämlich einige Briefschaften von mir mit, und die haben einen weiten Weg vor sich. Mußte mich beeilen, sie fertig und an Bord zu schaffen. Einen Brief richtete ich an Blisterchen, Ihre alte Amme, die hoffentlich noch lebt – nämlich meine Schwiegermutter – und die soll nur Geld schicken, wenn ich's nicht selber holen soll. Hin kann ich ja jeden Tag ohne Umstände als freier amerikanischer Bürger, der sogar hier bei den Dragonern sich anwerben ließ. Einen zweiten Brief schrieb ich an Ihren Bruder, den Baron Joachim, der mir 'ne anständige Summe dafür zahlt, wenn ich das Geheimnis mit Ihnen für mich behalte, und Sie werden um solchen Preis das Ihrige gewiß gern zulegen. Denn schwerlich möchte ihm groß gefallen, läse er eines Tages in der Zeitung, daß der Junker Hans, anstatt in der Sträflingsjacke an der Kirchhofsmauer zu verwesen, munter und vergnügt hier als Fährmann lebt. Drittens ließ ich 'nen Doktor von mir hören, der bei Ihrer Beerdigung zugegen gewesen –«

»Jetzt halten Sie ein,« unterbrach Charon ihn mit unheilverkündender Ruhe, und so durchdringend sah er in des Strolchs Augen, daß dieser sich dadurch bis zu einem gewissen Grade ernüchtert fühlte, »was Sie auch sagen und denken mögen – auf nichts habe ich eine andere Antwort, als daß ich Ihnen rate, die Reservationen nicht mehr zu betreten. Wollen Sie mich für jemand ausgeben, der ich nicht bin, so kann ich Sie nicht hindern. Mag kommen, was da wolle: ich heiße Charon, bleibe Charon bis an mein Ende, und das mag sehr bald eintreten, wenn Sie mich zum Äußersten treiben.«

Verdutzt schaute Adams darein. Er mochte erwägen, welche Folgen es haben möchte, wenn er Charon wirklich zu einer Handlung der Verzweiflung trieb, und dazu gehörte nach seiner Überzeugung jetzt nur wenig. Seine nächste Empfindung war, mit seinen Offenbarungen über die Grenzen der Klugheit hinausgegangen zu sein. Er bereute die Worte, die nicht mehr zurückgerufen werden konnten und doch ein schweres Gewicht auf Charons Entschließungen ausüben mußten. Wohl schwebte ihm vor, sie als scherzhafte Behauptungen hinzustellen; allein trotz seines Rausches leuchtete ihm ein, daß es vergebliche Mühe sein würde, ihre Wirkung abschwächen zu wollen. Denn das, was ihm in seiner zügellosen Roheit und im Rausche entschlüpfte, bezog sich zum Teil auf Geheimnisse, die er selbst erst durch Einsicht der in der Fährhütte geraubten Papiere erfahren haben konnte. Ebenso war ihm klar, daß selbst dann, wenn keine Beweise gegen ihn vorlagen, Charon beim ersten Anblick des erbrochenen Tischkastens in ihm den Täter erraten würde. Beruhigend wirkte freilich die Überzeugung, daß er nie als öffentlicher Ankläger gegen jemand auftreten würde, der in der genauen Kenntnis seiner Vergangenheit eine so furchtbare Waffe gegen ihn besaß. Trotzdem flößte er ihm plötzlich eine Furcht ein, daß er seine Blicke nicht zu ertragen vermochte.

Und so erklärte er nach kurzem Zögern in versöhnlichem Tone: »Der Satan über den Whisky! Der treibt einem Dinge über die Zähne, von denen man im nüchternen Zustande nicht 'ne Silbe weiß.«

»Betrunkene machen kein Hehl aus ihren wahren Gedanken,« versetzte Charon mit eisiger Kälte.

»Das stimmt,« entgegnete der Strolch, »aber Angetrunkene setzen der Wahrheit gern dieses und jenes zu; und das mit den Briefschaften war Unsinn. Hatte nur so meine Gedanken, was Ihr Bruder sagen würde, wenn ich eines Tages solchen Brief an ihn schriebe. Ich warf's so oberflächlich hin – ich gesteh's als ehrlicher Mann –; um Sie in Ihrer Freundschaft für mich zu bestärken. Verdammt! Hab' sonst keinen rechten Geschmack an dem Branntwein. Packt mich aber einmal der Durst, dann weiß ich kein Maß zu halten.«

Wie mit sich zu Rate gehend, erhob er sich. Indem er auf Charon niederstierte, der ihn nicht mehr beachtete, prägte sich in seiner rot aufgedunsenen Physiognomie Besorgnis aus. Plötzlich aber, als sei ein ernster Entschluß in ihm zur Reife gelangt, begann er: »Ich merk' es, meine Gesellschaft ist Ihnen nicht recht angenehm, und zu verwundern gibt's da nichts. Folgte ich Ihrem guten Rat, so ließe ich's Reden überhaupt zu Hause. Will daher lieber gehen. Treffen wir wieder zusammen, sollen Sie 'nen anderen in mir finden.«

Bei den letzten Worten trat er aus der Regenfurche. Wankend schritt er auf die in einiger Entfernung vor ihm mündende Straße zu. Kein einziges Mal sah er zurück.

Um so aufmerksamer blickte Charon ihm nach. Sein Antlitz trug das starre Gepräge der in ihm wogenden Empfindungen. Nach dem schweren Kampfe mit den sich wild aufbäumenden Leidenschaften hatte tiefe Erschöpfung sich seiner bemächtigt. Ratlosigkeit sprach aus seinen Zügen. Erst als er Adams in die erste Schänke, an der sein Weg vorüberführte, eintreten sah, belebten seine Züge sich wieder.

»War die Strafe, die ich so lange erduldete, noch nicht hart genug?« murmelte er im Übermaß des seine Seele zerreißenden Jammers, »war es nicht genug, daß ich allem entsagte, was mir zum Trost hätte gereichen können, was meinem Herzen am nächsten stand, mir angehörte? Müssen auch noch andere unglücklich durch mich werden?«

Traurig neigte er das Haupt. Wer ihn sah, hielt ihn für einen nach heißem Tageswerk Ermüdeten, der Rast suchte in der von dem Wasser ausströmenden Kühle. –

Indem Adams die Schänke wieder verließ, lugte er argwöhnisch zu dem stillen Mann hinüber. Obwohl einer heillosen Gewalt über ihn sich bewußt, fühlte er sich doch plötzlich von heimlicher Scheu vor ihm befangen. Bald nach der einen, bald nach der anderen Seite schwankte er hinüber, in dem Trachten, den geraden Weg zu halten. Endlich bog er in die Straße ein, die, von nur wenigen Häusern gebildet, parallel mit dem Fluß lief. An mehreren Schänken kam er noch vorüber; doch ob deren offene Türen verführerisch winkten, er bezwang sich. Dem eigenen Willen nicht trauend, beschleunigte er seine unregelmäßigen Schritte.

Nachdem er an dem, die Baracken des Forts umschließenden Hofe vorbeigegangen war, lag die Grenze des Staates Arkansas hinter ihm; vor ihm dehnte sich dagegen das bewaldete Gebiet der Choctaws aus. Hier mäßigte er seine Eile wieder. Auf der unwegsamen Landstraße träge einhertaumelnd, erreichte er nach zehn Minuten eine Lichtung. Eine aus Pfahlwerk bestehende Einfriedigung schied sie vom Wege. Hinter dieser weideten einige Rinder und fünfzehn, sechzehn Pferde. Verschmitzt grinsend betrachtete Adams die letzteren. Hier erkannte er ein Stück seines leicht erworbenen Eigentums, dort eins, und wie seinen Gewinn berechnend, nickte er ihnen schweren Hauptes zu.

Nach Zurücklegung von weiteren etwa zweihundert Schritten traf er vor einem aus zwei Blockhütten bestehenden Heimwesen ein. Der Choctaw, dem er sein Eigentum anvertraut hatte, und ein sonnverbrannter älterer Farmer, in dessen Haltung sich ein langes Leben schwerer Arbeit ausprägte, lehnten sich mit beiden Armen oben auf die Einfriedigung. Sie schienen über die weidenden Tiere verhandelt zu haben; denn nachdem sie dem herbeistolpernden Strolch einen nachlässigen Blick zugeworfen hatten, den der Choctaw mit einer kurzen Bemerkung begleitete, kehrten beide ihre Aufmerksamkeit wieder ausschließlich den Pferden zu.

Adams trat neben den Farmer hin. Um sich aufrecht zu erhalten, legte er ebenfalls die Arme auf den Zaun. Er kam früh genug, um zu hören, wie dieser zu dem Choctaw sagte: »Der Schimmel könnte mir gefallen. Der wäre der erste, um den ich mich auf 'nen Handel einlassen möchte.«

»Und für mich wäre der Schimmel gerade der letzte, den ich drangeben möchte,« warf Adams triumphierend ein, »der ist nämlich ein Gaul, sag' ich Ihnen, Mann, den man seine zehn Stunden hintereinander reitet, und dann schlägt er vor Vergnügen noch aus.«

»Die beiden Braunen da neben ihm sind ebenfalls nicht schlecht,« meinte der Farmer, und ein bezeichnendes Lächeln spielte auf seinen bärtigen Zügen, als er inne wurde, daß Adams bis zu einem gewissen Grade die Herrschaft über seinen Körper verloren hatte; »und dennoch, der Schimmel könnte mich dazu bewegen, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, als es sonst meine Art ist. Woher stammt die Mähre?«

»Aus Neu-Mexiko,« antwortete Adams sorglos, »heut sieht ihr niemand an, daß sie vor einigen Wochen erst ihre achthundert englische Meilen bei Grasfutter zurücklegte.«

»Von Neu-Mexiko? Verdammt! Das ist ein langer Weg,« meinte der Farmer, die Brauen hochziehend, »freilich, man erkennt's, der Gaul ist unter den Händen eines erfahrenen Pferdezüchters groß geworden. Was verlangen Sie für den Burschen?«

»Ist Ihnen ernstlich drum zu tun, so geb' ich ihn für hundertundzwanzig Dollars, wenn ich ihn auch ungern verliere.«

»Sie selber haben ihn billiger?« fragte der Farmer und blinzelte verschmitzt.

»Billiger?« fuhr Adams auf. »Verdammt! mehr zahlte ich dafür, und schlage ich die Bestie unter dem Wert los, so geschieht's, weil ich mich nur kurze Zeit in dieser Gegend aufhalte.«

»Hundertundzwanzig Dollars,« wiederholte der Farmer nachdenklich, und verstohlen senkte er einen Blick in des Choctaws Augen, wozu dieser sein Haupt kaum merklich neigte, »ein hoher Preis für jemand, der 'ne Sache los sein will, aber noch höher für jemand, dem an 'nem guten Einkauf gelegen ist.«

»Nicht 'nen Cent billiger,« beteuerte Adams, durch des Farmers Rede ermutigt, »und dann halte ich drauf, daß mein Freund Choctaw hier außerdem seine zwei Dollars für die Grasnutzung erhält.«

»Also nicht billiger?«

»Nur wenn sich jemand fände, mir den ganzen Kram abzukaufen, ich meine, außer dem Schimmel die drei Braunen da, die beiden Füchse und den Schwarzen. Tu's auch mit sechs Gäulen im ganzen, da behalte ich einen für mich zum Reiten.«

»Wir befinden uns hier auf der Grenze,« offenbarte der Farmer nunmehr seine Bedenken, »da ist's an der Ordnung, zu fragen, woher die anderen sechs Mähren stammen.«

»Woher sollten sie stammen?« fragte Adams geringschätzig zurück; »vermutlich ebenfalls aus Neu-Mexiko. Ich kaufte sie wenigstens von Leuten, die von dorther über die Ebenen kamen.«

»Glaub's gern; ich meinte nur von wegen der Brandzeichen. Es wäre nämlich eine Hölle von Überraschung, käme jemand und forderte die Gäule, die man hoch bezahlte, als sein Eigentum zurück.«

Adams stieß ein wieherndes Gelächter aus, packte mit beiden Fäusten das oberste Zaunriegel, um sich auf den Füßen zu erhalten, und erwiderte spöttisch: »So ängstlich bin ich nicht gewesen. Haben Sie aber Bedenken, so rat' ich Ihnen, die Hände davon zu lassen. Brauch' nur zwei Tage am Arkansas hinunterzuziehen, und ich verhandle mein Vieh spielend.«

Nunmehr erklärte der Farmer bedächtig: »Ich will Ihnen etwas sagen, Mann. Was die am Arkansas geben, zahle ich ebenfalls, und was ich nicht kaufe, übernimmt der eine oder der andere meiner Nachbarn. Wir kommen nämlich selber am Arkansas herauf und befinden uns auf 'ner Fahrt nach brauchbaren Ackermähren. Eine gute Büchsenschußweite von hier, da haben wir uns gelagert. Ist's Ihnen recht, so treiben wir miteinander die Tiere hinüber, und sind Sie mit den Preisen nicht allzu zähe, so einigen wir uns schneller, als Sie 'ne Pfeife leer rauchen.«

»Alle sieben?« fragte Adams behaglich grinsend.

»Alle sieben,« lautete die Antwort, »und ist Ihnen dran gelegen und Sie fordern nicht zu hoch, so nehme ich Sattel und Reitzeug obenein. Hab's mir schon angesehen.«

Adams sann eine Weile nach. Anfänglich schien er, nach Roßkammweise, zu schwanken, dann aber entschied er zögernd: »Bei mir handelt es sich nur darum, wie ich ohne Sattel und Gaul zwei Tagesmärsche weit am Kanadian hinaufgelange, und da ist mir eingefallen, daß gerade ein guter Freund von mir in Fort Smith ist. Der reist morgen in der Frühe denselben Weg und ist sicher froh, mir 'nen Platz auf seinem Wagen anbieten zu können. Da soll's mir denn nicht drauf ankommen, alle sieben Tiere samt Sattel und jedem verdammten Riemen für bar Geld loszuschlagen.«

»Gut,« erklärte der Farmer, »so wollen wir keine Zeit verlieren. Die Sonne steht niedrig, und bevor die ganz verschwindet, muß das Geschäft abgewickelt sein. Wir brechen nämlich ebenfalls vor Tau und Tag auf.«

Mit Hilfe des Choctaws wurden die Pferde nunmehr zusammengetrieben. Dem Schimmel legte man den Sattel auf, und ein wenig später, da folgten die drei Männer der kleinen Herde auf der Landstraße in westlicher Richtung nach.


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