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Fünfzehntes Kapitel.
Bei den Komanches.

So lange das Getöse auf der Spielwiese anhielt, schlief Adams. Kaum aber verstummte der Lärm, als er sich ermunterte. Beim Anblick der ihren Zelten zueilenden Ballschläger schien er sich auf das zu besinnen, was er vor seinem Niederlegen erlebte. Die Zeit berechnend, sah er zur Sonne empor. Beinahe zwei Stunden waren verstrichen. Er zäumte daher sein Pferd, und auf dem Wege, den er gekommen, verließ er den Festplatz wieder. Niemand achtete seiner. Nur Charon, der mit Molly und Milford von Fakit zu Tische gebeten worden war, sah ihm finster nach, so lange er seinen Blicken erreichbar. Dann aber, als sei eine bedrohliche Wetterwolke über sein Haupt hin abwärts gezogen, beteiligte er sich frei, sogar heiter an der Unterhaltung der ihn umringenden Menschen. –

Adams hatte unterdessen die Landstraße erreicht, eine wenig benutzte Wagenfährte, die auf dem Rücken einer lang gestreckten, licht bewaldeten Hügelkette einherlief. Den Anweisungen des Komanche-Dolmetschers pünktlich folgend, traf er nach einer Viertelstunde mäßig schnellen Reitens auf der Stelle ein, von der aus die Straße sich der Niederung zusenkte. Den abgestorbenen Baum auf der kleineren Waldinsel entdeckte er, begünstigt durch die dort herrschende, eigentümlich transparente Atmosphäre, auf den ersten Blick. Dadurch seines Zieles gewiß, bog er vom Wege ab in das Gehölz ein.

Beinah eine Stunde war Adams in der glühenden Mittagshitze auf der pfadlosen Niederung einhergeritten, als er vor sich den Komanche-Dolmetscher erkannte.

Aber sie waren noch weit von ihrem Ziele, und erst nach einem abermals stundenlangen Wege, auf dem Adams oft in wüstes Schimpfen ausbrach, erreichten sie eine Lichtung, wo mehrere breit verzweigte Bäume den kurzen, zertretenen Rasen beschatteten. In der Nähe eines der Stämme brannte ein mit trockenem Holz genährtes und daher fast gänzlich rauchloses Feuer. Um dieses herum kauerten acht Indianer, deren Mehrzahl mittelst zugespitzter Stäbe Fleischschnitte röstete. Alle hatten sich der Bekleidung entledigt, dagegen, um der peinigenden Insekten sich einigermaßen zu erwehren, die leichten Kalikodecken um sich geschlagen.

Am Fuße des Baumstammes saß ein hochbetagter Krieger. Mit einer anscheinenden Stumpfheit entlockte er einer seltsam verzierten Pfeife in langsamen Pausen süßlich duftende Rauchwölkchen. Zwei Geierfedern, die mit den Kielen durch die hart am Schädel zusammengeflochtene Wirbellocke geschoben waren, kennzeichneten ihn als den Häuptling des kleinen Trupps.

Als die Eintreffenden sich dem Feuer näherten, richtete er einige Worte an seine Leute, worauf diese den Strolch mit den Blicken flüchtig prüften und sich ihrer Beschäftigung wieder zuwendeten. Nur er selber behielt ihn länger im Auge, wie um in seinem Innern zu lesen. Auf einen Wink von ihm rückten die Männer näher zusammen, so daß Adams in ihrer Reihe Platz fand. Die bereits garen Teile von dem röstenden Fleisch trennend, reichte bald dieser, bald jener ihm ein Stück dar. Sein bisheriger Begleiter führte unterdessen ein Gespräch mit dem Alten. Offenbar schilderte er die Umstände, unter denen es ihm gelungen war, den zufällig aufgefundenen alten Raubgenossen herbeizuschaffen. Im übrigen verhielt man sich schweigsam. Adams, der seine letzten Bedenken schwinden fühlte, sprach den ihm verabreichten Speisen nach besten Kräften zu. Erst als er durch Zeichen kund gab, daß er gesättigt sei, richtete der alte Häuptling seine Worte an ihn, die von Howunni sofort verdolmetscht wurden.

»Die Komanches sind große Freunde der Kreeks, Delawaren, Choctaws und Chickasaws,« hieß es da, und dann weiter in Pausen, die das jedesmalige Übersetzen erforderte: »Sie sind nicht gekommen, um die Hände auf die Pferde ihrer Freunde zu legen. Sie gönnen ihnen den Reichtum, beneiden sie nicht. Aber sie wollen nicht gesehen sein, sie halten sich versteckt. Es gibt einen großen Zauber. Dem sind alle Menschen unterworfen. Wer den Zauber kennt, muß ihn anwenden, oder es trägt einer ganzen Nation Schaden ein. Ist mein weißer Freund bereit, mir bei dem Zauber zu helfen, so geben die Komanches ihm zwei, vier Pferde. Scheut er die Arbeit, so mag er unbelästigt von dannen ziehen. Einer meiner Leute soll ihn auf einen guten Weg bringen.«

Bei dieser Ankündigung leuchtete es in den tückischen Augen des Strolchs wieder unheimlich auf. Vorsichtig antwortete er aber: »Zuvor muß ich den Zauber kennen lernen, um abzuschätzen, ob ich imstande bin, meine Hand dazu herzugeben.«

»Mein Freund spricht weise,« gab der Alte ihm zu verstehen, »aber er will zu viel auf einmal wissen. Man legt eine Tagereise nicht in einem Sprunge zurück. Man setzt einen Fuß vor den anderen, das kostet Zeit.«

»Ich will des Teufels sein, wenn das nicht klar ist wie Spülwasser,« warf Adams ein, und der ihm kindisch erscheinende Glaube an Zauberei entlockte ihm ein Grinsen der Überlegenheit.

Der Bemerkung keine Aufmerksamkeit schenkend, fuhr der Alte grämlich fort: »Will man einen Zauber bereiten, so muß eine Ursache vorhanden sein. Ich will sie nennen. Die Stämme in den Reservationen sind sehr reich. Sie sind wie die Weißen. Sie wohnen in Holzwigwams. Auf ihren Weiden grasen Pferde und buntfarbige Rinder; wer kann sie zählen? Auf ihren Feldern wächst der Mais sehr hoch. Ein Reiter mag sich drinnen verbergen. Sie ernten mehr Korn, als sie gebrauchen. Sie verkaufen davon für silberne und goldene Dollars. Für Dollars erhält man Decken, Haufen Kalikot, Büchsen, Haufen Pulver und Blei. Die Stämme sind sehr reich. Woher kommt das? Ich will es sagen: Bei ihnen wohnt ein Zaubermädchen. Es ist eine Tochter des Mondes und des Frühlingstaus. Der Frühlingstau hat sie geboren, der runde Mond ist ihr Vater. Wohin sie ihre Augen wendet, da befeuchtet die Erde sich im heißen Sommer. Ihr Blick ist Tau. Trinken die Tiere davon, so vermehren sie sich. Sie leiden keinen Hunger. Sie ist ein Zaubermädchen, ich weiß es. Wenn andere Menschen schlafen, streift sie umher. Mit ihr geht ein Zaubertier. Sie macht sich unsichtbar. Sie kann sich teilen. Der Leib ruht auf seinem Lager, der Geist schwebt durch den Wald, über Wiesen und Wasser. Mancher begegnet ihr und sieht sie nicht. Aber der Mais, die Pferde und die bunten gehörnten Tiere sehen sie jederzeit und gedeihen. Sie besitzt eine große Kraft. Wohin sie geht, da werden die Menschen glücklich. Sollen die Farmerstämme allein glücklich sein? Nein. Auch sie haben eine braune Haut. Sie sind nicht besser als die Nationen der Komanches und Kioways. Die Komanches sind sehr arm. Sie besitzen einige Pferde, aber keine Rinder. Ihre Rinder sind die Büffel. Ihre Pferde verhungern. Die Sonne verbrannte das Gras. Es gab keinen Regen. Der Tau berührte die Erde nicht, er vertrocknete in der Luft. Die Büffel folgten den Spuren des Regens, sie zogen gegen Mitternacht. Nach zwei Mondwechseln kehren sie zurück; aber sie meiden die Jagdgründe der Komanches. Was sollen sie da? Nährt der Büffel sich von Asche und Sand? Nein. Ohne Büffelfleisch leiden die Komanches, ihre Weiber und Kinder Not; ohne Gras sterben ihre Pferde. Ich kenne ein Mittel, die Not abzuwehren, ein Mittel, die Prärie zu befeuchten, daß sie wieder grünt. Wir sind nicht als Feinde gekommen. Wir kamen als Bettler. Wir wollen das Zaubermädchen mit uns nehmen. Sollen wir es fordern? Man würde antworten: Bietet so viel Pferde, wie ein Wald im Sommer Blätter trägt, wir geben die Tochter des Frühlingstaus nicht fort. Meine jungen Männer sind sehr mutig. Sie hörten, daß die Choctaws und Kreeks zum Ballschlagen auszögen, niemand zu Hause bleibe. Da wollten sie nach der Fähre schleichen und das Mädchen holen. Tag und Nacht haben sie gekundschaftet. Sie hielten sich verborgen im Dickicht hinter der Fährhütte. Es war alles vergeblich. Als der gute Tag kam, zogen der Fährmann und Frühlingstau zum Ballspiel. Männer mit langen, eisernen Ketten und blanken Zaubergeräten hielten Wache bei der Fähre. Meine jungen Männer haben alles gesehen und kehrten um. Sie konnten nichts ausrichten. Wir müssen das Zaubermädchen haben, bevor der Büffel von Mitternacht herunterkommt. Wir müssen List anwenden. Hat es unsere Jagdgründe mit Gras bekleidet, so mag es wieder zu seinen Freunden heimkehren. Wir gönnen den Farmerstämmen viel Gutes, wir denken aber auch an uns selber. Was sagt mein kluger Freund dazu? Meine Ohren sind offen.«

.

Am Fuße des Baumstammes saß ein hochbetagter Krieger und entlockte einer seltsam verzierten Pfeife süßlich duftende Rauchwölkchen.

Während Adams den wunderlichen Auseinandersetzungen des Alten die gespannteste Aufmerksamkeit zuwendete, arbeitete sein Geist mit allen Kräften. Erstaunt hörte er den Fährmann und Molly nennen, und arglistig berechnete er, inwieweit er aus den Anschlägen der Komanches Vorteil für die eigenen, gegen Charon gerichteten Pläne zu ziehen vermöge. Durch Eingehen auf deren Anschauungen einen gewissen Einfluß auf die wilde Gesellschaft zu gewinnen, erschien ihm als die erste Aufgabe, und so antwortete er bedachtsam: »Ich vermute, mein großer Komanche-Freund ist selber 'ne Art Zauberer. Warum verlangt er von dem Mädchen, was er selber besorgen kann?«

»Bin ich ein Kind des Mondes und des Taus?« lautete die Erwiderung. »Wohl kenne ich manchen guten und bösen Zauber, aber jeder Medizinmann besitzt seine besondere Kraft. Tau und Regen kann ich nicht rufen. Mein Zauber ist zu schwach. Das Mädchen hat beides nach sich gezogen. Wir fordern unser Eigentum zurück. Frühlingstau muß in unser Zeltdorf einziehen. Sie wird Regen und Fruchtbarkeit mitbringen; dazu soll mein Freund uns behilflich sein.«

Vorsichtig ging Adams nicht sogleich auf den letzten Vorschlag ein. Er wünschte zuvor mehr zu hören und erklärte, wie von eigener Überzeugung getragen: »Es ist wahr, in dem Mädchen wohnt eine übernatürliche Kraft, das wissen die Kreeks am besten. Wer's nicht glaubt, mag durch ihre Landschaft reiten, und er sieht mit einem Auge, daß alles unmenschlich gedeiht. Wer möchte den Leuten da verdenken, wenn sie die Hexe für sich allein behalten möchten? Das Hemd ist jedem näher als der Rock. Freilich, das Mädchen brauchte nur kurze Zeit bei den Komanches zu weilen, und man würde erstaunen, wie ihr Reichtum sich mehrte. Ich weiß nur nicht, wie es anzustellen ist, daß es mit ihnen zieht.«

»Mein Freund bleibt länger in dieser Gegend. So hörte ich.«

»So lange es mir gefällt.«

»Meines Freundes Haut ist weiß. Die Tochter des Frühlingstaus ist eine Weiße. Sie hört auf ihn, wenn er zu ihr redet. Er wird ihr viele gute Dinge sagen.«

»Ich mag so oft und so viel zu ihr sprechen, wie mir beliebt.«

»Wird sie dem Rate meines Freundes folgen?«

»Es kommt darauf an, was ich ihr rate.«

»Mein Freund besitzt eine bewegliche Zunge. Sagt er ihr, sie möchte ihn auf einem Gange begleiten, so folgt sie ihm. Er wird sie dahin führen, wo wir sie in Empfang nehmen –«

»Um hinterher von dem Fährmann über den Haufen geschossen zu werden, wie ein toller Hund,« wendete Adams höhnisch ein; »verdammt! Habt ihr keinen gescheiteren Plan, so wirds mit unserem Geschäft nichts. Der Teufel mag seinen Kopf in eine Schlinge stecken, die nur zugezogen zu werden braucht.«

Nachdem der Dolmetscher die Erwiderung des Räubers dem Alten verdeutlicht hatte, sprach dieser mit einem Ausdruck der Zuversicht: »Die Tochter des Frühlingstaus besitzt eine große Zauberkraft. Mein Freund wird den Leuten sagen: Sie hat sich unsichtbar gemacht, sie ist davon geflogen, und man glaubt seinen Worten.«

Bei dieser Erklärung unterdrückte Adams nur mit Mühe lautes Hohnlachen, von dem er eine erbitternde Wirkung auf den fanatischen Alten befürchtete. Er zögerte daher, bevor er, den kindischen Aberglauben schürend, zugab:

»Die Zauberkraft ist freilich vorhanden, das läßt sich nicht ableugnen. Aber gerade deshalb weiß die Hexe auch vorher, was ich bezwecke, wenn ich sie auffordere, mit mir zu gehen.«

Nach dieser Kundgebung sah der alte Mann ratlos um sich, wogegen die Blicke der jungen Leute gespannt, sogar ängstlich an seinen Lippen hingen. Es war ersichtlich, des Strolchs Einwand hatte Bedenken in ihm wachgerufen, die er vergeblich zu besiegen trachtete. Erst nach einer längeren Pause hob er wieder an: »Mein Freund fürchtet selber die Zauberkraft des Mädchens. Glaubt er, daß wir es nicht zwingen können, bei uns zu bleiben, wenn es einmal in unseren Händen ist?«

»Das nicht,« versetzte Adams eifrig, »wo die Satanshexe einmal ist, da bleibt sie. Eine andere Frage ist, ob ihre alten Freunde sie nicht aufsuchen und zurückfordern.«

»Wir werden sehr weit mit ihr fortziehen,« hieß es zurück, »ihre Freunde sollen die Spuren verlieren. Sind die Zeiten bei den Komanches besser geworden, zeigen wir selber ihr den Weg zu ihren Freunden.«

Adams bezweifelte keinen Augenblick, daß letzteres nur eine Vorspiegelung war, um seinen Widerstand zu brechen, und Molly, wenn erst in ihrer Gewalt, nie wieder gutwillig freigegeben werden würde. Doch das kümmerte ihn wenig, und so knüpfte er an die Erklärung des Alten einen teuflischen Plan.

»Ich bin erst seit kurzer Zeit in dieser Gegend,« hob er nach kurzem Sinnen heuchlerisch wohlwollend an, »kenne also noch nicht die Gewohnheiten der Leute. Nur so viel weiß ich, daß das Mädchen weder mir noch euch freiwillig folgt. Ist euch indessen ernstlich darum zu tun, so muß Gewalt angewendet werden, und das ist nur möglich, wenn ihr die Sache schlau anfangt. Ich selber kann meiner eigenen Sicherheit wegen nicht mehr leisten, als eine gute Gelegenheit auskundschaften, und dazu gehört Zeit. In ein paar Tagen oder einer Woche ist das nicht getan. Sagen wir also drei Wochen. Bis dahin haltet sechs Pferde für mich in Bereitschaft, das heißt, keine lumpigen Mustangs, sondern Gäule, die auch bei den Weißen ihren Preis bringen. Ist die Stunde da, so zeige ich euch den Weg zu der Hexe, und das darf nur geschehen, wenn der Fährmann nicht zu Hause ist. Hernach aber kennen wir einander nicht mehr, hab' überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun gehabt. Wie alles einzurichten sein wird, kann ich nicht vorher bestimmen; es hängt zu viel von Zufälligkeiten ab. Mein Bestes will ich indessen dransetzen, daß die Satanshexe mit ihren scharfen Augen und der spitzen Zunge aus dieser Gegend verschwindet. Auf eine gute Verfolgung macht euch aber gefaßt; denn der Fährmann und seine Freunde hängen wie Kletten an dem Mädchen, und ob's euch Gutes einträgt, wenn man euch einholt, wißt ihr besser, als ich's sagen kann. Vor allen Dingen muß ich selber den Rücken frei behalten. Seid ihr damit einverstanden, dann sorgt dafür, daß ich zu jeder Zeit einen von euch finde, um das Weitere mit ihm zu verabreden.«

Nach dieser, Satz für Satz verdolmetschten Erklärung, die von den Indianern anscheinend mit Gleichmut hingenommen wurde, erfolgte zwischen diesen eine Beratung, bei der der Häuptling und zwei ältere Krieger vorzugsweise das Wort führten. Lange dauerte es, bis man sich für ein bestimmtes Verfahren entschied und sich endlich Adams wieder zuwandte. Dieser hatte sich unterdessen mit seiner Tabakspfeife beschäftigt. Er gedachte Mollys, durch deren Einfluß auf Charon ein Scheitern seiner weit voraus berechneten hinterlistigen Pläne nur zu leicht möglich schien. Ihr Verschwinden war ihm daher noch wichtiger, als der Besitz der für seine Mitwirkung versprochenen Pferde.

»Mein Freund besitzt große Klugheit,« ließ der alte Häuptling und Medizinmann ihm mitteilen. »Ich habe von ihm gelernt. Alle meine jungen Männer lernten von ihm. Eh' zwei andere Mondwechsel vorüber sind, kehrt der Büffel nicht zurück; vorher fegen die Brände nicht über die Ebenen. Warten wir einen Mondwechsel ab, ist es noch früh genug für das Mädchen, Gras aus den Feldern hervorzurufen, den Büffel anzulocken, daß er den Weg über die Jagdgründe der Komanches sucht. Bis zum nächsten Mondwechsel ist keine lange Zeit. Der runde Mond ist der Vater des Mädchens; er muß den Komanches leuchten, daß sie es finden. Nicht hierher soll mein Freund seine Nachrichten tragen. Die Hufe seines Pferdes hinterlassen Fährten. Die Kreeks haben scharfe Augen; sie sind nicht alle Tage beim Ballspiel. Der Fluß verwischt alle Spuren. Ich werde Howunni am Wasser hinunterschicken. Er geht, daß der Kanadian seine Füße bespült. Zwei, vier Nächte, bevor der Mond rund geworden, soll er da sein. Schreitet mein Freund am Wasser hinauf, so findet er ihn. Das weitere mag er mit Howunni vereinbaren. Es wird ihnen leicht sein. Sie reden mit derselben Zunge.«

»Aber die Pferde, Mann,« polterte Adams argwöhnisch; »für nichts ist nichts. Wie soll ich zu meinen Pferden kommen, ohne daß die Kreeks Unrat wittern?«

»Mein Freund muß mir vertrauen,« lautete die Antwort des Häuptlings, »tut er es nicht, so ist alles vergebens. Ich halte mein Versprechen. Geschähe das nicht, so möchte der Zauber des Mädchens dadurch gestört werden –«

»Unbedingt,« warf Adams dringlich ein, »fehlte auch nur ein Haar an meiner Bezahlung, so wäre der Zauber nicht mehr wert, als die Asche in einer ausgebrannten Pfeife.«

»Ich weiß es,« fuhr der Alte bedächtig fort, »mit der einen Hand gebe ich meinem Freunde sechs Pferde, mit der anderen nehme ich die Tochter des Frühlingstaus. Er mag seine Tiere zu den Choctaws treiben. Sagt er, sie seien den Kioways geraubt, so ist große Freude. Niemand wehrt ihm, sie zu verkaufen.«

»Ich will drauf anbeißen,« versetzte Adams; »solltet ihr mich dennoch hintergehen, so schicke ich euch die ganzen Reservations-Indianer auf den Hals, und das möchte euch nicht gefallen.«

»Wir wünschen, mit allen Stämmen in Frieden zu leben,« erklärte der Alte gelassen, »das Mädchen ist uns mehr wert, als sechs Pferde, mehr wert, als die Feindschaft meines weißen Freundes. Ich habe genug gesprochen. Will mein Freund hier weilen, bis der Abend hereinbricht, ist es gut. Sein Pferd bedarf der Rast. Howunni soll ihm einen guten Weg zeigen. Die Dunkelheit verbirgt ihn. Niemand wird ihn sehen; niemand fragen, wo er gewesen.«

»Das ist ein vernünftiges Wort,« erwiderte Adams nunmehr befriedigt, und zur Besiegelung des Übereinkommens reichte er dem Alten die Hand, »halten wir alle die Augen offen, hat jeder seinen Vorteil davon. Die Einladung zum Bleiben kommt mir zu paß. Der Henker mag in der Sonnenglut viel reiten. Bringt einer mich zum Abend aus diesem verdammten Sumpf, find' ich meine Schlafstätte ohne weitere Hilfe.«

Damit schloß die Beratung, worauf man sich anschickte, den Rest des Tages im Schatten träge zu verbringen. –

Als der Abend sich auf die Landschaft senkte, sattelte Adams sein Pferd, und wiederum von dem Dolmetscher geführt, gelangte er wohlbehalten auf die Grasebene hinaus. Auch die Komanches sattelten. Sie schlugen die Richtung nördlich nach dem Kanadian ein, in dessen Bett sie westlich zogen. –

Die Nacht war bereits weit vorgeschritten, als Adams den Spielplatz der Ballschläger erreichte, wo man ihm auf seine ehrbaren Vorstellungen gastliche Aufnahme gewährte.

Charon, Molly und Milford näherten sich um diese Zeit der Fähre. Da das Spiel über den folgenden Tag hinaus ausgedehnt werden sollte, hatten sie gesäumt, bis aller Enden Fackeln und Feuer aufflammten. Einen letzten Blick sandten sie vom Rande der Wiese aus über die verschiedenen heulenden, singenden und trommelnden Gruppen hin, denen die rote Beleuchtung einen äußeren Charakter verlieh, der an die Zeiten der unheimlichen Skalptänze erinnerte.


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